Warum schillert die Seifenblase?
Eine Blase im Gegenlicht
Sommerabend, tiefe Sonne. Du tauchst den Ring in die Seifenlauge
und blĂ€st eine groĂe, ruhige Blase, die im Gegenlicht vor dir
schwebt. Und da ist es: Ăber die
Dann passiert etwas Seltsames. Ganz oben, am Scheitel der Blase, verschwinden die Farben. Erst wird die Stelle blass, dann grau â dann schwarz. Keine Spiegelung mehr, kein Schimmer: ein mattes schwarzes Loch in einer spiegelnden Kugel. Wenige Sekunden spĂ€ter platzt die Blase.
Frag herum, woher die Farben kommen, und du bekommst zwei Antworten. Die erste: âDas ist ein kleiner Regenbogen â das Licht wird in der Seifenhaut gebrochen und in Farben zerlegt, wie im Prisma." Die zweite: âDie Seife ist eben bunt, irgendein Schimmerstoff." Beide klingen vernĂŒnftig. Beide scheitern an der Beobachtung: Ein Prisma zerlegt Licht immer â aber die Blase zeigt an jeder Stelle genau eine Farbe, die wandert. Und ein Farbstoff bleicht nicht plötzlich zu Schwarz aus, ausgerechnet dort, wo die Haut am dĂŒnnsten ist.
Was malt die Farben auf die Blase â und was löscht sie oben aus?
Um das zu klÀren, verfolgen wir das Licht in die
Zwei Spiegel, eine Haut
Verfolgen wir einen einzigen Lichtstrahl, der auf die
Die Haut ist also nicht ein Spiegel, sondern zwei Spiegel
im Nanometerabstand. ZurĂŒck zu deinem Auge laufen zwei
Wellen:
Wer gewinnt den Wettlauf?
Aber da ist noch eine Feinheit, und sie wird spÀter den schwarzen
Fleck erklÀren. Denk an die Seilwelle: Am festen Ende
reflektiert, kommt ein Wellenberg als Wellental zurĂŒck â die Welle
klappt um. Dasselbe hast du bei den Mikrowellen an der Metallwand
gesehen. FĂŒr Licht gilt: Bei der Reflexion am optisch
dichteren Medium klappt die Welle um. Das trifft
(Zwei Ehrlichkeits-FuĂnoten: In der Haut ist die WellenlĂ€nge um den
Brechungsindex
Ziehe im Applet am Dicken-Regler und beobachte
Halte diesen Gedanken fest und schau noch einmal auf die Blase: Ihr Licht ist weiĂ â ein Gemisch aller WellenlĂ€ngen. Was passiert, wenn ein und dieselbe Dicke fĂŒr die eine WellenlĂ€nge âAuslöschung" bedeutet und fĂŒr die andere nicht? Das ist der SchlĂŒssel zu den Farben â und der nĂ€chste Abschnitt.
Farben aus Auslöschung
Die zwei Spiegel ergaben eine Regel: Die
Jetzt kommt der entscheidende Blickwechsel. Sonnenlicht ist weiĂ â
ein Gemisch aller WellenlÀngen von 380 bis 750 nm. Die Bedingung
Was sieht das Auge dann? Nicht die ausgelöschte Farbe â sondern
ihren Rest: WeiĂ minus eine Farbe. Fehlt das
GrĂŒn, mischt sich der Rest zu Magenta; fehlt das Rot, zu TĂŒrkis;
fehlt das Blau, zu Gold. Die
Damit erklÀren sich die wandernden BÀnder von selbst. Die Farbe
einer Stelle hĂ€ngt allein von der dortigen Dicke ab â ein
Farbband verbindet also Punkte gleicher Dicke, wie eine
Höhenlinie auf der Landkarte der Hautdicke. Und
weil die Schwerkraft die Lauge unablÀssig nach unten zieht, wird
die Haut oben dĂŒnner, unten dicker: Die Höhenlinien verschieben
sich, die BĂ€nder wandern. PrĂŒfe die Richtung im Applet: GröĂeres
Bleibt das schwarze Loch. Ganz oben, kurz vor dem Platzen, ist die
Haut dĂŒnner als ein Viertel der kĂŒrzesten sichtbaren WellenlĂ€nge
geworden. Schau ins Applet: FĂŒr so kleine
Weil fĂŒr
Und es begrĂ€bt die zweite AlltagserklĂ€rung: In der Seife steckt keine Farbe. Dieselbe Stelle der Haut zeigt nacheinander Gold, Magenta, TĂŒrkis â und am Ende Schwarz. Kein Farbstoff kann das; eine Dicke, die Wellen gegeneinander ausspielt, kann es mĂŒhelos. Im nĂ€chsten Abschnitt bauen wir aus diesem Zufallsschauspiel ein Messinstrument.
Newtonsche Ringe
Die Seifenblase ist ein wunderbares Experiment mit einem
entscheidenden Makel: Ihre Dicke gehorcht niemandem. Die Lauge
flieĂt, die BĂ€nder wandern, und in Minuten ist alles vorbei. Wer
aus dem Schillern Wissenschaft machen will, braucht eine dĂŒnne
Schicht, deren Dicke festliegt. Isaac Newton fand die
denkbar einfachste: gar keine FlĂŒssigkeit, sondern
Lege eine schwach gekrĂŒmmte, plankonvexe Linse (KrĂŒmmungsradius
Zwei Merkmale springen ins Auge, und beide kennst du schon von der Blase:
-
Das Zentrum ist dunkel. Am BerĂŒhrpunkt ist
â vom Gangunterschied bleibt nur der Phasensprung, destruktiv fĂŒr jede WellenlĂ€nge. Das ist exakt das schwarze Loch der Seifenblase, nur ortsfest und reproduzierbar. -
Die Ringe sind nicht Àquidistant. Sie drÀngen
sich nach auĂen zusammen. Der Grund: Die Keildicke wĂ€chst
quadratisch mit
, gleiche Dickenschritte von zu werden also in immer schmalere -Streifen gepresst. Newton vermaĂ genau dieses ZusammenrĂŒcken; die Formel mit ihrer Wurzel aus â hergeleitet im Anschlusstopic â bestĂ€tigt es: Von Ring 1 zu Ring 4 verdoppelt sich der Radius bloĂ.
Warum das mehr ist als hĂŒbsche Geometrie: Die Anordnung ist ein
MessgerÀt. Weil
Damit ist der Bogen geschlagen: Zwei Reflexionen und ein
Phasensprung malen Farben auf eine Blase; dieselbe Physik, in
Glas gegossen, vermisst Licht und prĂŒft Linsen. Was noch fehlt,
ist die saubere Herleitung â Höhensatz, Auslöschbedingung,