Artikel 1 von 13

Das Fido-Modell im Ăśberblick

Das ganze Modell auf zwei Seiten

Wer wissen will, wie Fido funktioniert, aber wenig Zeit hat, liest diesen einen Artikel. Er fasst das ganze Modell zusammen: wofür die Schule da ist, wie das Lernen aussieht und wie wir sie bauen. Geschrieben ist er für Eltern, Lehrkräfte, mögliche Mitstreiter:innen und alle, die den Ansatz verstehen wollen.

Geplant ist eine eigene, private Grundschule in München. Sie soll 2028 eröffnen, spätestens 2029. Die staatliche Genehmigung dafür beantragen wir bei der Regierung von Oberbayern. Das Schulgeld wird nach Einkommen gestaffelt; wie, erklärt Artikel 10 · Eine neue Schule. Danach soll die Schule mit den Kindern wachsen: Wenn die ersten Kinder die 4. Klasse abschließen, soll ein Gymnasium ab der 5. Klasse folgen.

Ein Schulgarten: Eine Erwachsene gießt ein Beet, während drei Kinder je ihr eigenes Ding machen: bauen, lesen, klettern

Worum es geht

Fido ist zweierlei: der Fido Campus, eine Schule, die in München entsteht, und Fido Learning, der pädagogische Ansatz samt Lernplattform dahinter. Unser Ziel ist, Kinder auf ein gelingendes, selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. Dafür braucht ein Mensch vier Fähigkeiten: Verstehen (ein inneres Bild davon, wie die Welt funktioniert), Wirksamkeit (die Kraft, auf diese Welt einzuwirken und sie zu verändern), Selbstbestimmung (die Fähigkeit, eigene Ziele zu setzen und sie zu verfolgen) und Sinn (das Ziel, für das ein Mensch all das einsetzt). Alle vier Fähigkeiten sollte eine Schule im Blick haben und gezielt entwickeln.

Als Schule unterscheiden wir zwei Ziele. Jedes Kind braucht ein solides Fundament: Lesen, Schreiben und Rechnen. Klar denken. Sich selbst organisieren und den Alltag praktisch meistern. Mit anderen verlässlich zusammenarbeiten. Eine breite Allgemeinbildung, dazu die Fähigkeit, sich neues Wissen zu erschließen und die Quellen dabei kritisch zu prüfen. Das ist nötig, um selbstbestimmt Teil der modernen Gesellschaft zu sein.

Alles, was darüber hinausgeht, nennen wir die Höhe. Sie ist nach oben offen, und das Kind bestimmt sie selbst. Wer mit zehn Analysis lernen will, lernt Analysis. Wer stattdessen Freude an handwerklicher Arbeit hat, soll praktische Erfahrungen sammeln. Wer auf einer Bühne oder im eigenen kleinen Unternehmen hoch hinaus will, soll an entsprechenden Projekten lernen dürfen. Aufgabe der Schule ist hier, Kindern ihre Möglichkeiten zu zeigen und ihre Interessen so gut zu unterstützen, wie sie kann.

Was das im Einzelnen heißt und welche Zielkonflikte die Schule dabei austariert, erklärt der Artikel 1 · Wofür Schule da ist.

Wie das Lernen aussieht

Unser Grundgedanke: Verschiedene Arten von Wissen werden verschieden gelernt. Das Einmaleins lernt man anders als Radfahren, und beides anders als Ehrlichkeit. Deshalb hat der Fido-Tag drei verschiedene Modi: den Mastery-Modus, den angeleiteten Modus und den freien Modus.

Im Mastery-Modus verfestigt und vertieft ein Kind, was es kann. Dafür übt es mit einer adaptiven Lernsoftware, der Mastery-Engine. Sie richtet die Aufgaben nach dem Stand des Kindes, und jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. Die Software arbeitet mit geprüftem, von Menschen geschriebenem Material. Im angeleiteten Modus, den Werkstätten, arbeitet ein Erwachsener mit einer kleinen Gruppe: neue Inhalte, Konzepte, das Urteil an konkreten Fällen. Daneben entstehen hier die eigenen Projekte der Kinder. Im freien Modus stellt die Schule Raum, Material und Zeit bereit, dazu Erwachsene, die da sind, ohne zu lenken. Welches Ziel ein Kind dort verfolgt, entscheidet es selbst.

Im Tagesablauf stehen die Modi in fester Folge: Morgens kommen kurze, konzentrierte Mastery-Blöcke, danach der angeleitete und der freie Modus. Nach dem Mittagessen ist der Tag bildschirmfrei. Getragen wird alles vom Leben der Schule: von den Mahlzeiten, der Verantwortung, den Gästen. Diese Ebene vermittelt nach unserer Überzeugung Werte und Haltungen am verlässlichsten. Mehr dazu in Artikel 2 · Sieben Wissensarten und die Landkarte des Lehrplans.

Drei verschiedene Modi, dazu das Leben der Schule, das alles trägt.

Das Rückgrat des Ganzen ist das Mastery-Lernen. Im normalen Unterricht steht die Zeit fest: Nach ein paar Wochen nimmt die ganze Klasse das nächste Thema. Wie viel dabei hängen bleibt, ist von Kind zu Kind verschieden. Fido dreht das um. Fest steht, was ein Kind können muss. Wie lange es dafür braucht, bleibt offen. Ein Kind lernt erst weiter, wenn ein Thema sitzt, und wird nie durchgewinkt, nur weil die Woche weitergeht. Danach kommt das Thema in wachsenden Abständen wieder, damit es nicht vergessen wird.

Die eigentliche Aufgabe der Schule ist nicht das Erklären, sondern die Motivation. Fido baut auf acht natürliche Antriebe, die Kinder ohnehin mitbringen, und schafft mit acht Säulen die Bedingungen, unter denen diese Antriebe bei der Schularbeit anspringen. Eine Säule ist die Wärme der Erwachsenen. Eine andere sind die Fido Taler, kleine Münzen, die Kinder für erledigte Tagesziele verdienen und im Schulladen einlösen. Eine dritte ist der tägliche Tausch: Wer sich beim Üben konzentriert, verdient sich freie, selbstbestimmte Zeit.

Die Säulen, die mit einem Anreiz von außen arbeiten, tragen am Anfang viel und werden über die Schuljahre schrittweise abgebaut. Die Säulen, die nur Bedingungen herstellen, unter denen der eigene Antrieb zündet, bleiben. Wie das funktioniert, zeigt Artikel 3 · Was Kinder antreibt.

Die Erwachsenen sind bei Fido die Lernbegleitung. Ihre Aufgabe ist, gute Lernbedingungen zu schaffen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Die Richtung bestimmt so weit wie möglich das Kind selbst. Kinder übernehmen zugleich Verantwortung im Haus, vom kleinen Schulladen bis zum Garten. Wie sich das zu einem Tag fügt, erzählt Artikel 4 · Ein Tag bei Fido.

Klassische Noten gibt es bei Fido nicht. An ihre Stelle treten mehr Belege, nicht weniger. Über eine Lernstufe entscheidet keine einzelne Prüfung. Es entscheiden vier unabhängige Signale, über Wochen gesammelt: die Daten der Mastery-Engine, das Urteil der Lernbegleitung, ein selbst geschaffenes Werk und, wo es ihn gibt, ein Maßstab von außerhalb der Schule, etwa eine externe Prüfung. Die Stufe bestätigt damit, was ein Kind längst kann. Sie ist keine Hürde. Die Einzelheiten stehen in Artikel 6 · Woran wir Fortschritt erkennen.

Wie die Schule entsteht

Wir bauen die Schule schrittweise, in einer Schleife: die kleinste echte Version bauen, mit echten Kindern testen, genau beobachten, ändern. Diese Iteration braucht einen Weg nach oben, eine Leiter aus Pilotschritten. Sie führt von Prototypen mit kleinen Gruppen über einen täglichen Lernblock an einer bestehenden Schule und eine ganze Fido-Klasse an einer Partnerschule bis zur eigenen Schule. Weitere Schulen kommen erst danach. Auf die nächste Sprosse steigen wir erst, wenn die vorige Belege geliefert hat. Lieber fällt uns ein Fehler bei zwölf Kindern auf als bei zweihundert.

Damit die Teile überhaupt zusammenpassen, kommt alles Wesentliche aus einer Hand: das Curriculum, die Mastery-Engine, die App, der Lehrplan-Explorer (die öffentliche Website, auf der unser ganzer Lehrplan einsehbar ist) und die Pädagogik samt Lernbegleitung. Stammen diese Teile von verschiedenen Anbietern, entstehen an den Übergängen Lücken, die keiner der Beteiligten allein schließen kann. Kommt alles aus einer Hand, können wir sie selbst finden und schließen.

Dass ein kleines Team das überhaupt schafft, wird durch etwas ermöglicht, das wir offen ansprechen: Künstliche Intelligenz. Wir setzen KI als Werkzeug in der Lernplattform ein, aber auch als Unterrichtsgegenstand für die Kinder. Dafür gelten klare Regeln. Bei Kindern läuft KI nur angeleitet, und sie bleibt aus, wenn es gerade auf das Selbermachen ankommt. Für alles, was die Kinder erreicht, steht am Ende ein Mensch gerade. Und wo KI mitgearbeitet hat, sagen wir es.

Vier Bauprinzipien. Jedes bekommt in Artikel 7 seinen eigenen Abschnitt.

Der Leseplan: zwölf Artikel

Die zwölf Artikel bauen aufeinander auf und sind zum Lesen in dieser Reihenfolge gedacht. Ein Artikel dauert meist zehn bis zwanzig Minuten. Die ersten sieben erklären das Modell, die nächsten drei ordnen es ein, und die letzten beiden berichten aus der Praxis. Man kann aber genauso gut mit der eigenen Frage einsteigen:

  • WofĂĽr Schule da ist: die vier Fähigkeiten, auf die es fĂĽr ein gelingendes, selbstbestimmtes Leben ankommt, dazu Fundament und Höhe und die Frage, wer ĂĽber den Weg eines Kindes entscheidet.
  • Sieben Wissensarten und die Landkarte des Lehrplans: warum verschiedenes Wissen verschieden gelernt wird, und wie das ganze Curriculum als Landkarte aufgebaut ist.
  • Was Kinder antreibt: acht natĂĽrliche Antriebe, acht Säulen, die sie bei der Schularbeit zum ZĂĽnden bringen, die fĂĽnf GrundbedĂĽrfnisse darunter und der Lernschneeball.
  • Ein Tag bei Fido: die drei Modi, ein konkreter Stundenplan, der Tagesplaner, der jeden Abend fĂĽr jedes Kind den nächsten Tag plant, der Tag der Lernbegleitung und das, was Eltern davon sehen.
  • Das Zusammenleben: die Freundschafts-Rechnung hinter den altersgemischten Gruppen, das Ansehen in der Gruppe, Streit und Schutz, drei Arten von Regeln und echte Mitbestimmung.
  • Woran wir Fortschritt erkennen: vier unabhängige Signale statt Noten, Meilensteine mit Check-Charts und die zwei Schwellen.
  • Wie wir die Schule bauen: Iteration mit echten Kindern, die Leiter aus Pilotschritten, alles aus einer Hand, KI als Werkzeug.
  • Woher die Ideen kommen: die Mastery-Engine, die Motivationsgestaltung von Alpha, vieles von Montessori und die Forschung dahinter.
  • Fido neben anderen Schulen: die Regelschule, die progressive Schule, Montessori, Alpha und die Alemannenschule. Was jede gut macht und wo wir anders abbiegen.
  • Eine neue Schule: warum eine eigene, neue Schule nötig ist und wie sie fair bleibt. Das gestaffelte Schulgeld, was bei der Aufnahme zählt, was die Schule der Stadt zurĂĽckgibt und wie Kinder aus der eigenen Blase herauskommen.
  • Der Pilot an einer bestehenden Schule: der erste mehrwöchige Praxistest. Acht Wochen, eine freiwillige Gruppe von drei bis sechs Kindern, eine halbe Stunde am Tag. Und was ein solcher Test zeigen kann und was nicht.
  • Wo wir stehen und was wir brauchen: laufende Pilotversuche, der Weg zur eigenen Schule bis 2028/2029 und die Stellen, an denen wir Ihre Hilfe brauchen.

Fragen, Einwände, Lust mitzudenken? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich.

VerstehenWirksamkeitSelbstbestimmungSinnFundamentObergrenzeWissensartAntriebIterationVertikale IntegrationKI-EinsatzPilot-Leiter