Modellieren und prĂŒfen

Modelling and checking

Mathematik Klasse 9 14 Aufgaben
ModellierenQuadratischAnwendungen

Ein Sachproblem wird in vier Schritten gelöst: die Situation vereinfachen, ein quadratisches Modell aufstellen (etwa aus drei Messpunkten), das Modell mathematisch lösen und das Ergebnis im Sachzusammenhang prĂŒfen. Der Abschnitt rĂ€umt aus, beide Lösungen einer quadratischen Gleichung ungeprĂŒft als Antwort zu nehmen, obwohl eine negative Zeit keinen Sinn hat (Verschaffel, Greer und De Corte 2000), und zeigt, dass ein Modell nur im gemessenen Bereich trĂ€gt (Blum und Leiß 2007). Optimierung kommt in Wirtschaft, Statistik, Klimaforschung und Versicherungen vor. Zielort: alle spĂ€teren Modelle, von Sinus bis Wachstum.

Der Modellierungskreislauf

Ein Ball wird geworfen, eine Kamera misst: Nach 0 s ist er 1 m hoch, nach 1 s 11 m, nach 3 s wieder 1 m. Wann trifft er den Boden? Vier Schritte fĂŒhren zur Antwort. Zuerst wird die Situation vereinfacht: kein Luftwiderstand, die Höhe h(t) als Parabel. Dann entsteht das Modell: Aus den drei Messpunkten folgt, wie im Abschnitt ĂŒber die Parabel durch drei Punkte, (t in s, h in m). Drittens wird mathematisch gelöst, hier . Viertens wird das Ergebnis im Sachzusammenhang geprĂŒft und in einem Antwortsatz formuliert. Passt es nicht, beginnt der Kreislauf von vorn. Modellieren heißt bewusst vereinfachen: Jede Vereinfachung, hier der fehlende Luftwiderstand, macht die Rechnung möglich und begrenzt zugleich, wofĂŒr das Ergebnis gilt.

Modellierungskreislauf mit vier Schritten: 1 Situation vereinfachen, 2 Modell aufstellen, 3 Mathematisch lösen, 4 Ergebnis im Sachzusammenhang prĂŒfen; ein Pfeil fĂŒhrt von 4 zurĂŒck zu 1. 1 Situation vereinfachen Ball, ohne Luftwiderstand 2 Modell aufstellen h(t) = −5tÂČ + 15t + 1 3 Mathematisch lösen h(t) = 0 lösen 4 Ergebnis prĂŒfen t < 0 verwerfen
Vier Schritte, dann beginnt bei Bedarf der Kreislauf von vorn.

Ergebnis im Sachzusammenhang prĂŒfen

Am Boden gilt , also . Die Lösungsformel gibt t ≈ 3,07 und t ≈ −0,07. Die Mathematik liefert zwei Zahlen, die Sachlage lĂ€sst nur eine zu: Eine negative Zeit liegt vor dem Wurf und wird verworfen. Antwort: Der Ball trifft nach etwa 3,07 s den Boden.

Auch das Modell hat Grenzen. Es gilt nur, solange der Ball fliegt, fĂŒr 0 ≀ t ≀ 3,07. Bei t = 5 liefert es h = −49 m, einen Ball unter der Erde: Die Rechnung stimmt, das Ergebnis ist trotzdem unbrauchbar. Solche Optimierungs- und Modellfragen gibt es in Wirtschaft, Statistik, Klimaforschung und Versicherungswesen. Überall wird ein Modell gebaut, gelöst und im Sachzusammenhang geprĂŒft.

Schiebe t₀ ĂŒber den Graphen. FĂŒr welche t₀ beschreibt das Modell den Flug sinnvoll?
Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Aus den Messwerten eines Wurfs wird die Funktion h(t) = −5tÂČ + 15t + 1 bestimmt. Welcher Schritt des Modellierungskreislaufs ist das?

  • ● das Modell aufstellen
  • ○ die Situation vereinfachen
  • ○ das Ergebnis prĂŒfen
Die Funktion ist das mathematische Modell des Wurfs. Sie entsteht aus den Messpunkten nach dem Vereinfachen der Situation (Luftwiderstand ignorieren) und vor dem Lösen, etwa von h(t) = 0.
Wahr / Falsch #2 25s ▶ Testen

Eine SchĂŒlerin löst h(t) = 0 und schreibt: t = −0,07 oder t = 3,07. Damit ist die Aufgabe im Modellierungskreislauf vollstĂ€ndig bearbeitet.

✓ Falsch
Die Lösungen der Gleichung sind erst der dritte Schritt. Es fehlt das PrĂŒfen im Sachzusammenhang (eine negative Zeit passt nicht) und der Antwortsatz, zum Beispiel: Der Ball trifft nach etwa 3,07 s den Boden.
Multiple Choice #3 30s ▶ Testen

Die Höhe eines Balls ist h(t) = −5tÂČ + 15t + 1 (t in s nach dem Wurf, h in m). Die Gleichung h(t) = 0 hat die Lösungen t ≈ 3,07 und t ≈ −0,07. Welche Antwort ist richtig?

  • ● Der Ball trifft nach etwa 3,07 s den Boden.
  • ○ Der Ball trifft nach etwa −0,07 s den Boden.
  • ○ Der Ball trifft nach −0,07 s und nach 3,07 s den Boden.
Eine negative Zeit liegt vor dem Wurf und passt nicht zur Situation. Die Lösung t ≈ −0,07 wird verworfen, es bleibt t ≈ 3,07 s. Der Ball trifft den Boden nur einmal.
Wahr / Falsch #4 30s ▶ Testen

Ein Rechteck hat die Seiten x und x − 3 (in m) und den FlĂ€cheninhalt 40 mÂČ. Aus x · (x − 3) = 40 folgt x = 8 oder x = −5. Beide Lösungen sind als LĂ€nge x sinnvoll.

✓ Falsch
Eine LĂ€nge kann nicht negativ sein, also wird x = −5 verworfen. Es bleibt x = 8 m; die Seiten sind 8 m und 5 m. Probe: 8 · 5 = 40.
Multiple Choice #5 30s ▶ Testen

Das Modell h(t) = −5tÂČ + 15t + 1 gibt fĂŒr t = 5 s die Höhe −49 m. Was folgt daraus?

  • ● FĂŒr t = 5 gilt das Modell nicht mehr, der Ball ist schon gelandet.
  • ○ Der Ball ist nach 5 s in 49 m Tiefe.
  • ○ Die Rechnung ist falsch und muss wiederholt werden.
Der Ball ist schon nach etwa 3,07 s am Boden, danach beschreibt die Funktion den Flug nicht mehr. Die Rechnung h(5) = −125 + 75 + 1 = −49 ist richtig, das Ergebnis ist aber im Sachzusammenhang unbrauchbar.
Multiple Choice #6 30s ▶ Testen

Der Graph zeigt das Modell h(t) fĂŒr −1 ≀ t ≀ 4. FĂŒr welchen Zeitraum beschreibt es den Flug des Balls, der zur Zeit t = 0 geworfen wird?

  • ● 0 ≀ t ≀ 3,07
  • ○ −0,07 ≀ t ≀ 3,07
  • ○ 0 ≀ t ≀ 4
Der Flug beginnt beim Wurf (t = 0) und endet bei der Landung (t ≈ 3,07). Vor t = 0 gab es den Ball noch nicht, nach t ≈ 3,07 liegt er am Boden; dort ist der Graph nur noch Mathematik.
Wahr / Falsch #7 20s ▶ Testen

Ein Modell trifft die Messwerte zwischen 0 s und 3 s sehr gut. Deshalb liefert es auch fĂŒr 30 s eine zuverlĂ€ssige Höhe.

✓ Falsch
Ein Modell wird nur im gemessenen Bereich geprĂŒft. Außerhalb davon ist es eine Vermutung (Extrapolation), die schon wegen Luftwiderstand oder Boden ganz falsch sein kann.
Mittel
Zahleneingabe #1 20s ▶ Testen

Die vier Schritte des Modellierens sind 1 Situation vereinfachen, 2 Modell aufstellen, 3 mathematisch lösen und 4 Ergebnis prĂŒfen. Welche Nummer hat der Schritt, in dem eine negative Zeit als Lösung verworfen wird?

✓ Antwort: 4
Das Verwerfen der negativen Zeit geschieht beim PrĂŒfen im Sachzusammenhang, dem vierten Schritt. Die Gleichung selbst wurde schon im dritten Schritt gelöst.
Zahleneingabe #2 30s ▶ Testen

Ein Stein fliegt mit der Höhe h(t) = −5tÂČ + 20t (t in s, h in m). Nach wie vielen Sekunden (t > 0) landet er wieder auf dem Boden?

✓ Antwort: 4
h(t) = 0 heißt −5t · (t − 4) = 0 mit t = 0 und t = 4. Die Zeit t = 0 ist der Abwurf, gefragt ist die Landung: nach 4 s.
Zahleneingabe #3 25s ▶ Testen

Welche Höhe (in m) sagt das Modell h(t) = −5tÂČ + 15t + 1 fĂŒr t = 10 s voraus?

✓ Antwort: -349
h(10) = −5 · 100 + 15 · 10 + 1 = −500 + 150 + 1 = −349 m. Der Wert liegt weit außerhalb des Bereichs 0 ≀ t ≀ 3,07 und beschreibt den Ball nicht mehr.
Schwer
Zahleneingabe #1 55s ▶ Testen

Ein Wurf wird durch h(t) = atÂČ + bt + c beschrieben (t in s, h in m). Gemessen wurden die eingezeichneten Werte. Wie groß ist a?

✓ Antwort: -5
Aus (0 | 2) folgt c = 2. Aus (1 | 12) folgt a + b = 10 und aus (2 | 12) folgt 4a + 2b = 10, also 2a + b = 5. Die Differenz ergibt a = −5 (und b = 15): h(t) = −5tÂČ + 15t + 2.
KI-bewertete Rechnung #2 360s ▶ Testen

Der Wasserstrahl eines Springbrunnens wurde vermessen: Die DĂŒse (x = 0 m) liegt 1 m ĂŒber dem Boden, bei x = 2 m hat der Strahl die Höhe 3 m, bei x = 6 m wieder die Höhe 1 m. Modelliere die Bahn durch eine Parabel y = axÂČ + bx + c, bestimme die grĂ¶ĂŸte Höhe und die Stelle, an der der Strahl den Boden trifft (auf 0,01 m genau), prĂŒfe beide Lösungen im Sachzusammenhang und formuliere einen Antwortsatz. Schreibe deine Rechnung auf Papier und fotografiere sie.

✓ Antwort: c = 1. (2 | 3): 4a + 2b + 1 = 3, also 2a + b = 1. (6 | 1): 36a + 6b + 1 = 1, also 6a + b = 0. Die Differenz ergibt 4a = −1, a = −0,25, dann b = 1,5. Modell y = −0,25xÂČ + 1,5x + 1 = −0,25(x − 3)ÂČ + 3,25: grĂ¶ĂŸte Höhe 3,25 m bei x = 3 m. Boden: −0,25xÂČ + 1,5x + 1 = 0, also xÂČ âˆ’ 6x − 4 = 0 mit x = 3 ± √13, das heißt x ≈ 6,61 oder x ≈ −0,61. Die negative Stelle liegt hinter der DĂŒse (x < 0) und wird verworfen. Antwort: Der Strahl ist am höchsten 3,25 m hoch und trifft nach etwa 6,61 m den Boden.
Die drei Messpunkte geben a = −0,25, b = 1,5 und c = 1. Der Scheitel S(3 | 3,25) liefert die grĂ¶ĂŸte Höhe. Am Boden gilt xÂČ âˆ’ 6x − 4 = 0 mit x ≈ 6,61 oder x ≈ −0,61; die negative Lösung liegt hinter der DĂŒse (x < 0) und wird verworfen.
Zahleneingabe #3 50s ▶ Testen

Ein Stein wird von einer BrĂŒcke geworfen, seine Höhe ĂŒber dem Boden ist h(t) = −5tÂČ + 10t + 15 (t in s, h in m). Nach wie vielen Sekunden trifft er den Boden?

✓ Antwort: 3
h(t) = 0: −5tÂČ + 10t + 15 = 0, durch −5 geteilt tÂČ âˆ’ 2t − 3 = 0 mit t = 3 oder t = −1. Die negative Zeit t = −1 liegt vor dem Wurf und wird verworfen, der Stein landet nach 3 s. Probe: −45 + 30 + 15 = 0.
Zahleneingabe #4 50s ▶ Testen

Bei einem Preis von p € je Eis werden 200 − 10p Eis verkauft; das Modell gilt nur fĂŒr 0 ≀ p ≀ 20, weil der Absatz sonst negativ wĂ€re. Wie hoch ist der grĂ¶ĂŸtmögliche Erlös E(p) = p · (200 − 10p) in €?

✓ Antwort: 1000
E(p) = −10pÂČ + 200p = −10(p − 10)ÂČ + 1000 hat den Scheitel S(10 | 1000). Der Preis p = 10 liegt im erlaubten Bereich, also ist 1000 € der grĂ¶ĂŸte Erlös. Bei p = 10 werden 100 Eis verkauft.