Meine Züge — und warum Warten einer davon ist
My moves — and why waiting is one of them
Der Ertrag des Falls, auf die Züge eingegrenzt, für die es Belege gibt und die mit acht schon gehen — rausgehen, die Lage ändern, woanders hinschauen (Webb, Miles und Sheeran 2012, d+ = 0,27) und warten. Warten ist dabei ausdrücklich kein Nichtstun-Ersatzzug, sondern das Ergebnis aus Bushmans Versuch — die Gruppe, die zwei Minuten still saß und gar nichts gegen ihre Wut unternahm, war hinterher die am wenigsten wütende und die am wenigsten aggressive von allen dreien. Ebenso ehrlich wird gesagt, was hier nicht gelehrt wird — Abstand nehmen ist mit d+ = 0,45 der stärkste Zug überhaupt, aber Umdeutung gelingt erst zwischen 10 und 23 Jahren zuverlässig (Silvers et al. 2012), und ein Text für Klasse 3, der sie verlangt, verlangt etwas Unerreichbares. Geübt wird deshalb genau eine Sache — in einer konkreten Lage den Zug wählen, der hier tatsächlich geht, und ihn von den drei Scheinzügen unterscheiden, die es schlimmer machen (drauflos schlagen, immer weiter daran denken, das Gefühl wegdrücken). Der Fall endet, wo er anfangen musste — wütend zu sein ist kein Fehler, gefragt ist nur der nächste Schritt.
Können & Üben
Muss die Wut raus? — Vorhersagen, Messen, Erklären
workshop45 min · once
klassenzimmer
Material — Zettel und Stifte, eine Tafel oder ein großes Blatt, eine Uhr mit Sekundenzeiger. 1) VORHERSAGEN (10 Minuten). Die Geschichte vorlesen — jemand ist wütend und schlägt fünf Minuten auf ein Kissen und denkt dabei die ganze Zeit an die Person. Jedes Kind schreibt auf einen Zettel, ohne mit den anderen zu reden, eines von drei Wörtern: weniger, genauso, mehr. Zettel einsammeln und an der Tafel auszählen. Diese Zahlen bleiben stehen — sie sind das Ergebnis der Klasse und werden am Ende gebraucht. Erfahrungsgemäß wählt die große Mehrheit „weniger", und genau das ist der Punkt. 2) MESSEN (20 Minuten). Der Versuch mit dem Boxsack lässt sich in der Schule nicht nachmachen, und er soll auch nicht nachgemacht werden — niemand wird hier absichtlich geärgert. Stattdessen nimmt jedes Kind eine eigene Erinnerung: eine Sache aus der letzten Woche, über die es sich geärgert hat, aber nichts Schlimmes. Wer keine hat oder keine nehmen möchte, wird Zeitnehmer. Jedes Kind schreibt zuerst eine Zahl von 1 bis 10 auf, wie ärgerlich sich das gerade anfühlt. Dann wird die Klasse gelost, nicht gewählt — die eine Hälfte denkt 90 Sekunden lang so genau wie möglich weiter an die Sache, die andere Hälfte zählt 90 Sekunden lang leise, wie viele blaue Dinge im Raum zu sehen sind. Danach schreibt jedes Kind noch einmal seine Zahl von 1 bis 10 auf. An der Tafel entstehen zwei Spalten: Hälfte A vorher und nachher, Hälfte B vorher und nachher. Der Mittelwert reicht, das Vorzeichen ist das Interessante. 3) ERKLÄREN (15 Minuten). Drei Vergleiche, in dieser Reihenfolge. Erstens die zwei Hälften gegeneinander — bei welcher ist die Zahl gestiegen? Beide Hälften haben etwas mit ihrer Aufmerksamkeit gemacht, und trotzdem ist es auseinandergegangen; das ist Punkt 3 der Zeitleiste mit seinen beiden Seiten. Zweitens das Ergebnis der Klasse gegen die Zahlen aus dem echten Versuch — Boxsack mit Gedanken an die Person 29,78, Boxsack mit Gedanken an Sport 27,32, stillsitzen 26,25. Drittens die Vorhersage von der Tafel gegen alles davor. Zum Schluss sammelt die Klasse Züge, die morgen tatsächlich gehen — rausgehen, die Lage ändern, woanders hinschauen, warten. Und die Begleitung sagt den Satz, mit dem die Stunde endet: wütend werden ist erlaubt, und es bleibt erlaubt. Zur Debatte steht nur, was danach kommt.
bezugsperson
6–26
Voraussetzungen (1)
Sina ist wütend auf dem Pausenhof, und die Pause dauert noch zehn Minuten. Welcher Zug geht hier — und hilft?
Feline und Rasmus streiten am selben Tisch, und Feline merkt ihr heißes Gesicht. Welcher Zug geht hier — und hilft?
Yasin merkt seine Fäuste, geht zwei Minuten auf den Gang und kommt dann zurück. Yasin hat hier einen Zug gewählt, der wirkt.
Lotta boxt zehnmal gegen die Wand, damit die Wut nachher weg ist. Lotta hat hier einen Zug gewählt, der wirkt.
Romy ist wütend und schaut sich in Ruhe die Wolken an, bis es weniger wird. Romy hat hier einen Zug gewählt, der wirkt.
Levi ist wütend im Klassenzimmer und darf gerade nicht hinaus. Welcher Zug geht hier — und hilft?
Malik sitzt im Bus, ist wütend und kann nirgendwohin. Welcher Zug geht hier — und hilft?
Ali ist wütend beim Spiel und die anderen wollen weiterspielen. Welcher Zug geht hier — und hilft?
Jette ist am Abend noch wütend über den Nachmittag. Welcher Zug geht hier — und hilft?
Timur ist wütend und findet, dass er als Großer gar nicht mehr wütend werden dürfte. Timur hat recht.