Die magnetische Flussdichte

Magnetic Flux Density

Physik Klasse 12 14 Aufgaben
MagnetfeldElektromagnetismusKerncurriculum

Die magnetische Flussdichte B misst die StĂ€rke eines Magnetfelds ĂŒber die Kraft auf einen stromdurchflossenen Probeleiter — mit demselben Zug wie E = F/q: Die Messreihen zeigen F ∝ I und F ∝ l, also ist der Quotient B = F/(I·l) eine reine FeldgrĂ¶ĂŸe (Einheit 1 Tesla = 1 N/(A·m)). Ein schrĂ€g im Feld liegender Leiter erfĂ€hrt F = B·I·l·sin α. Typische GrĂ¶ĂŸenordnungen: das Erdfeld ~40 ”T, ein Hufeisenmagnet ~0,1 T, ein MRT ~1,5 T. Die Parallele „MessgrĂ¶ĂŸe ĂŒber ein Probeobjekt" arbeitet gegen das Muster, Magnetpole wie Ladungen und B wie ein E-Feld zu behandeln (Guisasola, AlmudĂ­ & Zubimendi 2004). TrĂ€gt Lorentzkraft, Leiter- und Spulenfelder und den Hall-Effekt.

Können & Üben

Magnetfeld-Werkstatt — B messen statt raten

workshop

90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Alle Aufbauten laufen mit Niederspannung; hohe Ströme werden nur kurzzeitig eingeschaltet, damit Spulen und Leiter nicht heiß werden. Station 1 — Stromwaage, Teil 1: F(I). Vermuten: Verdoppelt sich die Kraft auf die halb ins Feld eingetauchte Probespule, wenn der Strom verdoppelt wird? Beobachten: Messreihe F bei I = 0,25 / 0,5 / 0,75 / 1,0 A — die Punkte liegen auf einer Ursprungsgeraden. ErklĂ€ren: Bei den senkrechten LeiterstĂŒcken heben sich die KrĂ€fte auf, wirksam ist nur das waagrechte StĂŒck; F ist proportional zu I. Station 2 — Stromwaage, Teil 2: F(l) und die Definition von B. Vermuten: Was Ă€ndert sich mit einer doppelt so langen Probespule bei gleichem Strom? Beobachten: F wĂ€chst proportional zur wirksamen LĂ€nge l. ErklĂ€ren: F/(I·l) ist fĂŒr alle Probespulen gleich — diese GrĂ¶ĂŸe beschreibt das Feld selbst und heißt magnetische Flussdichte B, Einheit Tesla. Modellgrenze: Das gilt nur, solange die Spule im homogenen Feldbereich hĂ€ngt; am Rand des Magneten kippt die ProportionalitĂ€t. Station 3 — Hallsonde am geraden Leiter und an der Spule. Vermuten: Wie fĂ€llt B mit dem Abstand r vom Leiter — linear, quadratisch, gar nicht? Und wovon hĂ€ngt B im Inneren einer Spule ab? Beobachten: Mit der tangentialen Sonde am Leiter zeigt sich B proportional zu I und zu 1/r; mit der axialen Sonde in der Spule wĂ€chst B mit I und mit der Windungsdichte N/l, ist im Inneren aber erstaunlich ortsunabhĂ€ngig. ErklĂ€ren: B = ÎŒ0·I/(2π·r) am Leiter und B = ÎŒ0·N/l·I in der langgestreckten Spule. Modellgrenze: Die Spulenformel gilt nur fĂŒr l deutlich grĂ¶ĂŸer als der Durchmesser und nicht an den Spulenenden; vor jeder Messreihe die Sonde gegen das Erdmagnetfeld nullen. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Handy-Kompass-Artikel in der App — dort misst dieselbe Hallspannung das Erdmagnetfeld im Smartphone-Chip. Station 4 — Parallele Leiter und die Amperedefinition. Vermuten: Ziehen sich zwei parallele Leiter mit gleichgerichtetem Strom an oder stoßen sie sich ab? Beobachten: Gleichsinnige Ströme ziehen die Streifen zusammen, gegensinnige drĂŒcken sie auseinander. ErklĂ€ren: Jeder Leiter liegt im B-Feld des anderen; aus Feldformel und Kraftformel folgt die historische Amperedefinition ĂŒber die Kraft pro Meter LeiterlĂ€nge. Sicherheitshinweis: FĂŒr die sichtbare Kraft sind hohe Ströme nötig — nur im Kurzbetrieb schalten, Leiter nicht berĂŒhren. Abschluss in der Runde: Die Stromwaage definiert B ĂŒber die Kraft, die Hallsonde misst B direkt — warum passen beide Wege zusammen? Kurz klĂ€ren, dass in der Sonde derselbe Effekt (Kraft auf bewegte Ladungen, Hall-Spannung) steckt, den die Waage makroskopisch wiegt.

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4–16

Beim elektrischen Feld haben wir die FeldstĂ€rke gemessen, indem wir eine Probeladung hineingehalten haben: Der Quotient war an jedem Ort fest — eine reine FeldgrĂ¶ĂŸe. Jetzt wollen wir dasselbe fĂŒr das Magnetfeld. Halte kurz inne: Was nimmst du hier als Probekörper? Eine ruhende Probeladung scheidet aus — auf sie ĂŒbt das Magnetfeld gar keine Kraft aus. Was spĂŒrt ein Magnetfeld zuverlĂ€ssig?

Einen stromdurchflossenen Leiter. Aus der 9. Klasse weißt du qualitativ: Er erfĂ€hrt im Magnetfeld eine Kraft, senkrecht zu Strom und Feld, mit der UVW-Regel der rechten Hand — Ursache (Stromrichtung) → Daumen, Vermittlung (Feldrichtung) → Zeigefinger, Wirkung (Kraftrichtung) → Mittelfinger. Sage voraus, bevor du weiterliest: Was passiert mit der Kraft, wenn man den Strom umpolt?

Kraft auf einen stromdurchflossenen Leiter (UVW-Regel) N S B I F Strom in die Ebene (×), B von N nach S — F zeigt nach oben
Kraft auf einen stromdurchflossenen Leiter im homogenen Feld eines Hufeisenmagneten. Umpolen von Strom oder Feld kehrt die Kraftrichtung um — beides zugleich lĂ€sst sie unverĂ€ndert.

So weit die Richtung. FĂŒr eine MessgrĂ¶ĂŸe brauchen wir den Betrag — und dafĂŒr den klassischen Versuch: die Stromwaage. Ein rechteckiger Drahtrahmen hĂ€ngt an einem Kraftmesser und taucht zur HĂ€lfte in das homogene Feld eines großen Magneten. In den beiden senkrechten DrahtstĂŒcken fließt der Strom entgegengesetzt — ihre KrĂ€fte heben sich auf. Übrig bleibt die Kraft auf das untere, waagrechte StĂŒck der LĂ€nge .

VerĂ€ndere StromstĂ€rke I und LeiterlĂ€nge l. Der rote Pfeil und das F-Anzeigefeld zeigen die gemessene Kraft — und beobachte dabei das blaue Anzeigefeld F/(I·l).

FĂŒhre die beiden Messreihen selbst durch, jeweils mit einer Vorhersage:

  • Halte fest und verdopple — die Kraft verdoppelt sich: .
  • Halte fest und verdopple — wieder verdoppelt sich die Kraft: .

Zusammen: . Und jetzt der entscheidende Blick auf das blaue Anzeigefeld: Der Quotient hat sich bei all deinen Experimenten nicht gerĂŒhrt. Er hĂ€ngt weder vom Strom noch von den Abmessungen des Probeleiters ab — er charakterisiert allein das Feld. Genau wie beim elektrischen Feld ist er unsere gesuchte MessgrĂ¶ĂŸe:

Man nennt die magnetische Flussdichte. Sie ist eine vektorielle GrĂ¶ĂŸe und zeigt in Richtung der Feldlinien. (Benannt nach Nikola Tesla, 1856–1943, dem Pionier der Wechselstromtechnik.) Verankere dir drei GrĂ¶ĂŸenordnungen: Erdfeld etwa , Hufeisenmagnet etwa , MRT-Scanner .

Aus der Definition folgt sofort die Kraftformel fĂŒr den senkrechten Leiter — und ihre Verallgemeinerung. VerlĂ€uft der Leiter nicht senkrecht zum Feld, sondern unter dem Winkel , zĂ€hlt nur die zum Leiter senkrechte Feldkomponente :

FĂŒr — Leiter parallel zum Feld — verschwindet die Kraft ganz. Warum der Sinus auftaucht und was er fĂŒr einzelne bewegte Ladungen bedeutet, zerlegen wir im nĂ€chsten Schritt, der Lorentzkraft.

Materialien (1)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrĂŒckt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Wie ist die magnetische Flussdichte B definiert?

  • ● Als Quotient B = F/(I·l) aus der Kraft auf einen stromdurchflossenen Probeleiter und dem Produkt aus StromstĂ€rke und LeiterlĂ€nge
  • ○ Als Produkt B = F·I·l aus Kraft, StromstĂ€rke und LeiterlĂ€nge
  • ○ Als Quotient B = F/q aus der Kraft auf eine Probeladung und ihrer Ladung
  • ○ Als Quotient B = I/(F·l) aus StromstĂ€rke und dem Produkt aus Kraft und LeiterlĂ€nge
Analog zur elektrischen FeldstĂ€rke E = F/q bringt man ein Probeobjekt ins Feld — hier einen stromdurchflossenen Leiter. Der Quotient B = F/(I·l) hĂ€ngt nur vom Feld ab und beschreibt daher seine StĂ€rke.
Multiple Choice #2 15s ▶ Testen

Welche Einheit hat die magnetische Flussdichte B?

  • ● 1 N/(A·m), genannt 1 Tesla
  • ○ 1 N/C, genannt 1 Tesla
  • ○ 1 A·m/N, genannt 1 Gauß
  • ○ 1 V/m, genannt 1 Tesla
Aus B = F/(I·l) folgt die Einheit [B] = 1 N/(A·m) = 1 T. Sie ist nach Nikola Tesla benannt.
Zahleneingabe #3 35s ▶ Testen

Ein 10 cm langer Leiter verlÀuft senkrecht zu den Feldlinien eines homogenen Magnetfelds mit B = 0,2 T und wird von I = 3 A durchflossen. Berechne die Kraft auf den Leiter. Antwort in Newton.

✓ Antwort: 0.06
F = B·I·l = 0,2 T · 3 A · 0,1 m = 0,06 N. Die Formel ist die nach F aufgelöste Definitionsgleichung der Flussdichte.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Welche magnetische Flussdichte hat das Erdmagnetfeld in Mitteleuropa ungefÀhr?

  • ● Etwa 40 ”T
  • ○ Etwa 0,1 T
  • ○ Etwa 1,5 T
  • ○ Etwa 40 T
Das Erdfeld liegt bei rund 40 ”T — winzig gegen einen Hufeisenmagneten (etwa 0,1 T) oder ein MRT-GerĂ€t (etwa 1,5 T). Solche Ankerwerte helfen, Rechenergebnisse auf PlausibilitĂ€t zu prĂŒfen.
LĂŒckentext #5 10s ▶ Testen

Die Einheit 1 N/(A·m) der magnetischen Flussdichte heißt 1 ___.

✓ Antwort: Tesla
Die Einheit der magnetischen Flussdichte ist das Tesla: 1 T = 1 N/(A·m), benannt nach Nikola Tesla.
Wahr / Falsch #6 15s ▶ Testen

Ein MRT-GerĂ€t (B ≈ 1,5 T) erzeugt ein etwa 15-mal so starkes Magnetfeld wie ein typischer Hufeisenmagnet (B ≈ 0,1 T).

✓ Wahr
Richtig! 1,5 T geteilt durch 0,1 T ergibt den Faktor 15. Das Erdmagnetfeld (etwa 40 ”T) ist noch einmal tausendfach schwÀcher als der Hufeisenmagnet.
Mittel
Zahleneingabe #1 40s ▶ Testen

Auf einen 5 cm langen Probeleiter, der senkrecht zu den Feldlinien eines homogenen Magnetfelds verlÀuft, wirkt bei der StromstÀrke I = 4 A die Kraft F = 0,06 N. Berechne die magnetische Flussdichte B. Antwort in Millitesla.

✓ Antwort: 300
B = F/(I·l) = 0,06 N/(4 A · 0,05 m) = 0,3 T = 300 mT. Auf saubere Einheiten achten: l muss in Metern eingesetzt werden.
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Die magnetische Flussdichte B an einem Ort hĂ€ngt davon ab, wie groß der Strom I im Probeleiter gewĂ€hlt wird.

✓ Falsch
Falsch! Verdoppelt man I, verdoppelt sich auch F — der Quotient F/(I·l) bleibt gleich. Genau diese UnabhĂ€ngigkeit vom Probeobjekt macht ihn als FeldgrĂ¶ĂŸe geeignet, wie schon bei E = F/q.
Multiple Choice #3 25s ▶ Testen

Die Definition B = F/(I·l) folgt demselben Messprinzip wie eine Definition aus der Elektrostatik. Welche?

  • ● E = F/q — die FeldstĂ€rke als Kraft pro Probeobjekt im Feld
  • ○ U = W/q — die Spannung als Arbeit pro Ladung
  • ○ C = Q/U — die KapazitĂ€t als Ladung pro Spannung
  • ○ R = U/I — der Widerstand als Spannung pro StromstĂ€rke
In beiden FĂ€llen wird die FeldstĂ€rke ĂŒber die Kraft auf ein Probeobjekt gemessen und durch dessen Eigenschaften geteilt. Beim E-Feld ist das Probeobjekt eine Ladung, beim B-Feld ein stromdurchflossener Leiter.
Zahleneingabe #4 45s ▶ Testen

Ein Leiter (l = 20 cm, I = 5 A) bildet mit den Feldlinien eines Magnetfelds der Flussdichte B = 0,4 T den Winkel α = 30°. Berechne die Kraft auf den Leiter (sin 30° = 0,5). Antwort in Newton.

✓ Antwort: 0.2
Nur die zum Leiter senkrechte Feldkomponente wirkt: F = B·I·l·sin α = 0,4 T · 5 A · 0,2 m · 0,5 = 0,2 N.
Wahr / Falsch #5 25s ▶ Testen

Beim Flussdichte-Versuch taucht die Probespule nur halb in das homogene Feld des Hufeisenmagneten, damit sich die KrĂ€fte auf die beiden senkrechten LeiterstĂŒcke aufheben und der Kraftmesser nur die Kraft auf das untere, waagrechte StĂŒck anzeigt.

✓ Wahr
Richtig! Die LorentzkrĂ€fte auf die senkrechten LeiterstĂŒcke sind entgegengesetzt gleich groß und heben sich auf. Übrig bleibt die senkrecht nach unten gerichtete Kraft auf das waagrechte StĂŒck der LĂ€nge l — nur sie geht in B = F/(I·l) ein.
Multiple Choice #6 25s ▶ Testen

Ein stromdurchflossener Leiter verlÀuft parallel zu den Feldlinien eines homogenen Magnetfelds. Welche Kraft wirkt auf ihn?

  • ● Keine Kraft — fĂŒr α = 0° ist sin α = 0
  • ○ Die maximale Kraft F = B·I·l
  • ○ Eine Kraft in Richtung der Feldlinien
  • ○ Eine Kraft entgegen der Stromrichtung
Anders als im elektrischen Feld zeigt die magnetische Kraft nie lĂ€ngs der Feldlinien — sie steht senkrecht auf Strom- und Feldrichtung und verschwindet, wenn beide parallel sind. Wer hier eine Kraft in Feldrichtung erwartet, ĂŒbertrĂ€gt das E-Feld-Bild fĂ€lschlich auf das B-Feld.
Zahleneingabe #7 25s ▶ Testen

Im Flussdichte-Versuch wird bei unverÀndertem Magnetfeld die StromstÀrke verdoppelt und die eingetauchte LeiterlÀnge verdreifacht. Um welchen Faktor wÀchst die gemessene Kraft?

✓ Antwort: 6
Die Messreihen zeigen F ∝ I und F ∝ l. Beide Änderungen wirken unabhĂ€ngig: Faktor 2 · 3 = 6.
Multiple Choice #8 30s ▶ Testen

Zwei Gruppen vermessen zwei verschiedene Magnete. Gruppe 1: F = 20 mN bei I = 2 A und l = 5 cm. Gruppe 2: F = 30 mN bei I = 5 A und l = 4 cm. Welcher Magnet hat das stÀrkere Feld?

  • ○ Magnet 2
  • ○ Nicht vergleichbar
  • ● Magnet 1
Die Kraft allein taugt nicht als Maß, weil sie mit Strom und LeiterlĂ€nge wĂ€chst. Erst der Quotient B = F/(I·l) hĂ€ngt nur noch vom Feld ab: B₁ = 0,020 N / (2 A · 0,05 m) = 0,2 T, B₂ = 0,030 N / (5 A · 0,04 m) = 0,15 T. Magnet 1 ist stĂ€rker, obwohl Gruppe 2 die grĂ¶ĂŸere Kraft gemessen hat – und gerade weil Strom und LĂ€nge sich herauskĂŒrzen, sind verschiedene Messanordnungen vergleichbar.