Sinusförmige Wechselspannung

Sinusoidal AC Voltage

Physik Klasse 12 14 Aufgaben
InduktionGeneratorSpannungKerncurriculum

Eine im homogenen Magnetfeld rotierende Spule liefert eine sinusförmige Wechselspannung: Aus dem Fluss Φ(t) = B·A·cos(ωt) folgt mit dem Induktionsgesetz U(t) = U₀·sin(ωt) mit der Scheitelspannung U₀ = N·B·A·ω, die mit der Drehfrequenz wächst; das Stromnetz läuft mit 50 Hz. Der Effektivwert ist über gleiche Wirkleistung wie beim Gleichstrom definiert: U_eff = U₀/√2, und Messgeräte zeigen stets Effektivwerte an — deshalb entsprechen 230 V Netzspannung einer Scheitelspannung von rund 325 V. Am ohmschen Widerstand gilt P = U_eff·I_eff. Trägt Transformator- und Schwingkreisthemen.

Aus der Steckdose kommt keine Gleichspannung, sondern eine Spannung, die fünfzigmal pro Sekunde ihr Vorzeichen wechselt. Warum? Weil sie von einer rotierenden Spule stammt. Wir lassen eine Spule ( Windungen, Fläche ) mit konstanter Winkelgeschwindigkeit in einem homogenen Magnetfeld kreisen und schauen ihr dabei genau zu.

Der Drehwinkel wächst gleichmäßig, . Für den Fluss durch die Spule kennen wir die Formel mit dem Kosinus des Winkels zwischen Flächennormale und Feld:

Bevor du drehst, eine Vorhersage: An welcher Stellung der Spule ist die Spannung am größten — dort, wo der Fluss maximal ist, oder dort, wo er gerade durch null geht?

Das Generatorprinzip zum Selberdrehen: Ziehe die Normale n (violett) im Kreis — die Spule (orange) rotiert im Feld B (grün), und rechts wachsen die Kurven mit: der Fluss Φ (cyan) und die induzierte Spannung U (rot). Zwei volle Umdrehungen passen auf die Achse.

Dreh langsam und beobachte die beiden Kurvenspitzen. Steht die Normale parallel zum Feld (), ist der Fluss maximal — aber er ändert sich dort gerade nicht: Die Φ-Kurve läuft waagrecht, die Spannung ist null. Eine Vierteldrehung später () taucht die Spulenebene durch die Feldrichtung: Der Fluss ist null, fällt aber so steil wie nie — und genau dort ist die Spannung maximal. Die Spannungskurve ist die (negative) Steigung der Flusskurve, Punkt für Punkt.

Mit dem Induktionsgesetz wird aus der Beobachtung eine Formel. Die Ableitung von ist , also

Eine rotierende Spule liefert eine sinusförmige Wechselspannung mit der Scheitelspannung . Beachte das im Produkt: Doppelt so schnell gedreht heißt doppelt so hohe Spannungsspitzen — genau das zeigt der Versuch mit dem t-y-Schreiber. Das Stromnetz dreht mit , also .

Bleibt eine praktische Frage: Was bedeutet dann „230 V" auf dem Typenschild, wenn die Spannung doch ständig zwischen und pendelt? Der Vergleichsversuch mit zwei gleich hellen Lämpchen — eines an Gleich-, eines an Wechselspannung — definiert die Antwort über die Leistung: Der Effektivwert einer Wechselspannung ist die Gleichspannung, die am ohmschen Widerstand dieselbe mittlere Leistung umsetzt. Für Sinusgrößen gilt

Messgeräte zeigen stets Effektivwerte an. „230 V Netzspannung" bedeutet also — die Scheitelspannung liegt bei , etwa das 1,4-Fache. Der Sinus aus diesem Abschnitt kommt übrigens direkt vom Einheitskreis: Die Spule ist der umlaufende Punkt, ihr Fluss die x-Koordinate.

Materialien (1)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrückt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Eine Spule rotiert mit konstanter Winkelgeschwindigkeit ω in einem homogenen Magnetfeld. Wie hängt der magnetische Fluss durch die Spule von der Zeit ab?

  • ● Φ(t) = B·A·cos(ωt)
  • ○ Φ(t) = B·A·t
  • ○ Φ(t) = B·A, also konstant
  • ○ Φ(t) = B·A·ω
Wirksam ist nur die senkrecht zum Feld stehende Fläche A·cos φ, und bei gleichförmiger Rotation gilt φ = ωt. Der Fluss pendelt also kosinusförmig zwischen +B·A und −B·A.
Multiple Choice #2 20s ▶ Testen

Ein Multimeter im Wechselspannungsmodus zeigt 230 V an. Welche Größe ist das?

  • ● Der Effektivwert der Spannung
  • ○ Die Scheitelspannung
  • ○ Der zeitliche Mittelwert der Spannung
  • ○ Die momentane Spannung zum Ablesezeitpunkt
Messgeräte zeigen stets Effektivwerte an. Der zeitliche Mittelwert einer Sinusspannung wäre null und daher als Anzeige unbrauchbar.
Multiple Choice #3 30s ▶ Testen

Wie sind die Effektivwerte von Wechselspannung und Wechselstrom definiert?

  • ● Über die gleiche Wirkleistung — ein Gleichstrom dieser Stärke setzt am Widerstand dieselbe Leistung um
  • ○ Als die Maximalwerte von Spannung und Strom
  • ○ Als die Hälfte der Scheitelwerte
  • ○ Als Mittelwert über eine halbe Periode
Im Vergleichsversuch leuchten zwei gleiche Lämpchen an Gleich- und an Wechselspannung gleich hell: gleiche Wirkleistung. Am Oszilloskop zeigt sich dabei U₀ ≈ 1,4·U_Gleich, also U_eff = U₀/√2.
Wahr / Falsch #4 20s ▶ Testen

Die 230 V des Haushaltsnetzes sind die Scheitelspannung der Sinusschwingung.

✓ Falsch
230 V ist der Effektivwert. Der Scheitel liegt bei U₀ = √2 · 230 V ≈ 325 V — die Momentanspannung überschreitet 230 V in jeder Periode.
Multiple Choice #5 30s ▶ Testen

Warum liefert die gleichmäßig rotierende Spule gerade eine sinusförmige Spannung?

  • ● Der Fluss folgt Φ(t) = B·A·cos(ωt), und die Spannung ist seine negative zeitliche Ableitung — ein Sinus
  • ○ Weil der Generator die Spannung elektronisch glättet
  • ○ Weil das Magnetfeld des Generators sinusförmig schwankt
  • ○ Weil die Windungszahl der Spule periodisch wechselt
Das Induktionsgesetz U = −N·Φ̇ macht aus dem Kosinus des Flusses einen Sinus der Spannung: U(t) = N·B·A·ω·sin(ωt). Feld und Drehung bleiben dabei völlig gleichmäßig.
Mittel
Zahleneingabe #1 45s ▶ Testen

Eine Spule (N = 100, A = 0,010 m²) rotiert mit ω = 100 1/s in einem homogenen Feld mit B = 0,20 T. Berechne die Scheitelspannung U₀ in Volt.

✓ Antwort: 20
U₀ = N·B·A·ω = 100 · 0,20 T · 0,010 m² · 100 1/s = 20 V. Die Scheitelspannung wächst mit jeder der vier Größen linear.
Zahleneingabe #2 20s ▶ Testen

Die Netzspannung hat die Frequenz f = 50 Hz. Berechne die Periodendauer T in Millisekunden.

✓ Antwort: 20
T = 1/f = 1/50 s = 0,020 s = 20 ms. In jeder dieser Perioden durchläuft die Spannung einen vollen Sinuszug.
Zahleneingabe #3 40s ▶ Testen

Die Scheitelspannung des Haushaltsnetzes beträgt etwa U₀ = 325 V. Berechne den Effektivwert U_eff = U₀/√2 in Volt. (√2 ≈ 1,414, auf ganze Zahl gerundet)

✓ Antwort: 230
U_eff = 325 V / 1,414 ≈ 230 V — die vertraute Netzspannung ist der Effektivwert, nicht der Scheitelwert.
Lückentext #4 10s ▶ Testen

Den Maximalwert U₀ der sinusförmigen Wechselspannung nennt man ___.

✓ Antwort: Scheitelspannung
U(t) = U₀·sin(ωt) pendelt zwischen +U₀ und −U₀. Der Betrag des Maximums heißt Scheitelspannung.
Zahleneingabe #5 30s ▶ Testen

Ein Wechselspannungsmessgerät zeigt U_eff = 12 V an. Berechne die Scheitelspannung U₀ = √2·U_eff in Volt. (√2 ≈ 1,414, auf ganze Zahl gerundet)

✓ Antwort: 17
U₀ = 1,414 · 12 V ≈ 17 V. Für Bauteile zählt der Scheitelwert — sie müssen die 17 V aushalten, nicht nur die angezeigten 12 V.
Schwer
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

In welcher Stellung der rotierenden Spule ist die induzierte Spannung am größten?

  • ● Wenn die Spulenfläche parallel zu den Feldlinien liegt — der Fluss ist dort null, ändert sich aber am schnellsten
  • ○ Wenn die Spulenfläche senkrecht zu den Feldlinien liegt und der Fluss maximal ist
  • ○ Wenn die Spule gerade stillsteht
  • ○ Die Spannung ist in jeder Stellung gleich groß
Nicht der Fluss, sondern seine Änderungsrate bestimmt die Spannung. Beim Nulldurchgang des Flusses ist die Änderung maximal — dort liegt der Scheitel von U(t).
Zahleneingabe #2 25s ▶ Testen

An einem ohmschen Widerstand liegen U_eff = 230 V an, es fließt I_eff = 2,0 A. Berechne die Wirkleistung P in Watt.

✓ Antwort: 460
Am ohmschen Widerstand gilt P = U_eff·I_eff = 230 V · 2,0 A = 460 W. Genau dafür sind die Effektivwerte gemacht — sie rechnen wie Gleichstromgrößen.
Zahleneingabe #3 20s ▶ Testen

Die Drehfrequenz der Generatorspule wird verdoppelt, B, A und N bleiben unverändert. Um welchen Faktor wächst die Scheitelspannung? (Antwort als Zahl)

✓ Antwort: 2
U₀ = N·B·A·ω ist proportional zur Winkelgeschwindigkeit. Der Versuch mit dem t-y-Schreiber zeigt genau diese Proportionalität zur Drehfrequenz.
Wahr / Falsch #4 20s ▶ Testen

Bei der Netzfrequenz 50 Hz wechselt die Spannung 100-mal pro Sekunde ihre Polung.

✓ Wahr
Jede Periode enthält zwei Nulldurchgänge mit Vorzeichenwechsel. Bei 50 Perioden pro Sekunde ergibt das 100 Polungswechsel.