Was man mit 13, 15 und 17 kaufen darf
What you may buy at 13, 15 and 17
Zwischen 7 und 17 ist man beschränkt geschäftsfähig (§ 106 BGB): Verträge brauchen im Grundsatz die Zustimmung der Eltern und sind ohne sie schwebend unwirksam (§ 108 BGB). Der Taschengeldparagraph macht davon eine schmale Ausnahme — er gilt, wenn der Minderjährige die Leistung mit überlassenen Mitteln vollständig bewirkt (§ 110 BGB), also gerade nicht bei Raten und laufenden Verträgen. Die Schülerin beurteilt konkrete Käufe von 13-, 15- und 17-Jährigen und entscheidet zwischen wirksam, schwebend unwirksam und nichtig (§§ 104, 105 BGB, Stand 2026). Verdrängt werden die beiden verbreiteten Irrtümer „unter 18 darf man gar nichts kaufen“ und „mit eigenem Taschengeld darf man alles kaufen“; entwicklungspsychologisch liegen solche formalen Vertragskategorien mit 13 bis 15 genau an der Grenze und müssen ausdrücklich aufgebaut werden (Leiser, Sevón & Lévy 1990; Berti & Bombi 1988; imug/vzbv 2010). Vorbereitet werden damit wirtschaft-und-recht.recht.minderjaehrige-vertraege (was Minderjährige allein dürfen, wie die Schwebe endet) und wirtschaft-und-recht.grade9.verbraucherschutz-und-widerruf, wo der Handyvertrag aus einer zweiten Richtung wiederkommt.
Drei Stufen
„Das hättest du mich vorher fragen müssen“, hat Maras Mutter gesagt. Hat sie
recht? Ob jemand allein wirksam Verträge schließen kann, nennt das Gesetz
Geschäftsfähigkeit, und es knüpft sie ans Alter. Drei Stufen gibt
es.
Die Grenze liegt jeweils am Geburtstag: Am Tag, an dem Emil 7 wird, wechselt er die Stufe. Wer für Schäden haftet, die er anrichtet, regelt übrigens eine andere Altersgrenze (§ 828 BGB) – hier geht es nur um Verträge. Schiebe die Markierung in der Figur über die Lebensjahre.
Nichtig, schwebend unwirksam, wirksam
Emil kauft am Kiosk allein ein Stickeralbum für 3 €. Seine Erklärung ist nichtig (§ 105 Abs. 1 BGB): Sie gilt nicht, von Anfang an und endgültig – auch die Eltern können sie nicht nachträglich gültig machen.
Für Mara gilt etwas anderes. Eine beschränkt Geschäftsfähige braucht die vorherige Zustimmung ihrer Eltern, die Einwilligung – außer wenn sie „lediglich einen rechtlichen Vorteil“ erlangt (§ 107 BGB), etwa wenn ihr jemand etwas schenkt. Ein Kauf bringt Mara eine Pflicht, nämlich 300 € zu zahlen; er ist kein bloßer Vorteil. Fehlt die Einwilligung, ist der Vertrag nicht nichtig, sondern hängt in der Schwebe:
„Schließt der Minderjährige einen Vertrag ohne die erforderliche Einwilligung des gesetzlichen Vertreters, so hängt die Wirksamkeit des Vertrags von der Genehmigung des Vertreters ab.“
— § 108 Abs. 1 BGB
Der Vertrag ist
Die Ausnahme: der Taschengeldparagraph
Eine Ausnahme kennt jeder unter dem Namen Taschengeldparagraph:
„Ein von dem Minderjährigen ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters geschlossener Vertrag gilt als von Anfang an wirksam, wenn der Minderjährige die vertragsmäßige Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung … überlassen worden sind.“
— § 110 BGB
„Bewirkt“ heißt: vollständig bezahlt. Eine Euro-Grenze steht nicht im Gesetz. Hätte Mara die 300 € auf einmal aus ihrem Taschengeld bezahlt, wäre der Kauf wirksam gewesen. Sie hat aber 260 € bezahlt und zwei Raten offen – die Leistung ist nicht bewirkt, § 110 hilft ihr nicht. Maras Vertrag ist schwebend unwirksam. Was kann ihre Mutter jetzt tun, und wie lange darf sie sich Zeit lassen?
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (1)
Leon ist 15 und kauft ein Skateboard für 180 €. Er bezahlt sofort den ganzen Betrag bar, aus Geld, das ihm seine Eltern zur freien Verfügung überlassen haben. Gilt dieser Vertrag?
Sarah ist 15. Ihre Oma schenkt ihr ein Fahrrad und ĂĽbergibt es ihr; Sarah muss nichts dafĂĽr zahlen und nichts versprechen. Gilt dieser Vertrag?
Ben ist 19 und kauft ein gebrauchtes Auto für 4.000 €, zahlbar in zwölf Raten. Seine Eltern sind dagegen. Gilt dieser Vertrag?
Pia (15) hat ein Buch für 14 € vollständig aus ihrem zur freien Verfügung überlassenen Geld bezahlt. Ihre Eltern können den Kauf nachträglich rückgängig machen, weil Pia erst 15 ist.
Marek (16) hat ohne Zustimmung seiner Eltern ein Zeitschriftenabo über 12 Monate zu je 8 € unterschrieben. Seine Eltern können den Vertrag nachträglich genehmigen; dann gilt er.
Emil (5) hat am Kiosk allein ein Comicheft für 4 € gekauft und bezahlt. Seine Eltern könnten diesen Kauf nachträglich genehmigen.
Nina (15) hat den Handyvertrag ohne Zustimmung ihrer Eltern unterschrieben. Bis die Eltern entscheiden, ist der Vertrag schwebend ___.
Jonas (13) bezahlt seine Kinokarte für 9 € sofort und vollständig aus seinem Taschengeld. Der Kauf ist deshalb auch ohne Zustimmung der Eltern wirksam — nach dem ___ des § 110 BGB.
An welchem Geburtstag endet die Geschäftsunfähigkeit eines Kindes? Gib das Alter in Jahren an.
Emil (6) kauft allein ein Stickeralbum. „Die Willenserklärung eines Geschäftsunfähigen ist ___.“ (§ 105 Abs. 1 BGB)
Lisa ist 6 Jahre alt und kauft am Kiosk allein ein Eis für 2 €, bezahlt bar von ihrem Taschengeld. Gilt dieser Vertrag?
Nina ist 15 und unterschreibt im Laden einen Handyvertrag über 24 Monate zu 15 € im Monat. Ihre Eltern wissen nichts davon. Die erste Rechnung zahlt sie von ihrem Taschengeld. Gilt dieser Vertrag?
Tim ist 16 und unterschreibt im Fitnessstudio einen Jahresvertrag über 29 € im Monat. Er zahlt die erste Monatsrate sofort bar von seinem Ferienjobgeld. Seine Eltern hat er nicht gefragt. Gilt dieser Vertrag?
Jonas ist 13 und kauft ein Videospiel für 60 €. Er vereinbart mit dem Händler zwei Raten zu 30 €; die erste zahlt er sofort aus seinem Taschengeld. Gilt dieser Vertrag?
Mia ist 17 und kauft einen gebrauchten Laptop für 250 €. Sie bezahlt den vollen Betrag sofort von ihrem Sparkonto, über das ihre Eltern ihr die freie Verfügung überlassen haben. Gilt dieser Vertrag?
Nina ist 15 und bestellt online ein Kleid für 40 € auf Rechnung, zahlbar in 14 Tagen. Bezahlt hat sie noch nichts. Gilt dieser Vertrag?
Eine Woche nachdem Tim (16) den Fitnessvertrag unterschrieben hat, schreiben seine Eltern dem Studio: „Wir sind mit dem Vertrag unseres Sohnes einverstanden.“ Gilt dieser Vertrag?
Jonas ist 13 und bekommt 20 € Taschengeld im Monat, das er vollständig sparen kann. Das Videospiel kostet 60 €, und er will es in einer Summe bar bezahlen. Wie viele Monate muss er sparen, bis er es nach § 110 BGB wirksam kaufen kann?
Lina hat heute ihren 7. Geburtstag. Sie bestellt ohne Wissen der Eltern eine Kinderzeitschrift für 5 € auf Rechnung; bezahlt hat sie nichts. Gilt dieser Vertrag?
Tim (16) kauft von einem Erwachsenen über eine Kleinanzeige eine gebrauchte Spielkonsole für 150 €; vereinbart ist, dass er das Geld in einer Woche überweist. Seine Eltern wussten nichts davon. Als sie es erfahren, sagen sie dem Verkäufer: „Wir sind einverstanden.“ Prüfe in zwei bis vier Sätzen, ob ein wirksamer Kaufvertrag besteht.