Was Minderjährige allein dürfen
What Minors May Do on Their Own
Die Lernenden schärfen die beiden Ausnahmen aus dem vorigen Abschnitt und beenden Maras Schwebe. „Lediglich rechtlicher Vorteil“ (§ 107 BGB) heißt rechtlich, nicht wirtschaftlich: Das Geschenk ist wirksam, der Helm für 1 € auf Rechnung nicht, die Schenkung mit Auflage auch nicht. § 110 BGB verlangt Mittel, die zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen sind – das hinterlegte Konto der Mutter ist das nicht, und ein In-App-Abo ist nie vollständig bewirkt (Verbraucherzentrale Hamburg 2025). Fordert der Vertragspartner die Eltern auf, haben sie zwei Wochen; Schweigen gilt dann als Verweigerung (§ 108 Abs. 2), mit 18 genehmigt man selbst (§ 108 Abs. 3); § 113 (Arbeitsverhältnis) nur als Erwähnung. Verdrängt: „ein Schnäppchen ist ein Vorteil“ und „kleine Beträge darf man immer“. Ziel: der Fall „Handy vom Taschengeld“ in Kurs 5 (§§ 106–110 im Gutachtenstil) und der Widerruf in Kurs 4.
Geschenkt ist nicht gleich gĂĽnstig
Maras Vertrag hängt in der Schwebe. Am Sonntag ruft Oma Demir an: „Du
bekommst meinen alten Fahrradhelm, ich fahr ja nicht mehr.“ Darf Mara das
ohne ihre Mutter annehmen? Ja. Eine Schenkung ohne Bedingung bringt ihr nur
einen
Am Montag bietet Herr Yilmaz ihr einen fast neuen Helm aus dem Laden an: „Für dich 1 €, zahl einfach nächste Woche.“ Ein Schnäppchen – aber kein rechtlicher Vorteil. Wer kauft, muss zahlen, und sei es 1 €. § 107 fragt nicht, ob sich ein Geschäft lohnt, sondern ob es eine Pflicht bringt. Ohne Einwilligung ist der Helmkauf schwebend unwirksam. Dasselbe gilt für ein Geschenk mit Haken: Schenkt der Onkel Mara sein Moped unter der Bedingung, dass sie die Versicherung bezahlt, braucht sie die Zustimmung.
Welches Geld ist „überlassen“?
Der Taschengeldparagraph, § 110 BGB, hat eine zweite Bedingung, die man
leicht ĂĽberliest: Bezahlt werden muss mit
Maras Freund Jonas (14) zeigt, wo das im Netz wichtig wird. Von seinem Taschengeld kauft er an der Tankstelle eine Guthabenkarte für 15 € und löst sie in seinem Lieblingsspiel gegen Spielwährung ein: vollständig bezahlt, mit eigenem Geld – wirksam. Am Abend tippt er im selben Spiel auf „Premium-Abo, 9,99 € im Monat“. Abgebucht wird über das Konto seiner Mutter, das auf dem Familien-Tablet hinterlegt ist. Dieses Geld hat ihm niemand überlassen, und ein Abo ist nie vollständig bewirkt: Der Vertrag ist schwebend unwirksam. Die Verbraucherzentralen raten Eltern in solchen Fällen, sofort zu widersprechen – wer die Abbuchungen monatelang hinnimmt, muss am Ende womöglich doch zahlen. Sortiere die Fälle in der Figur.
- wirksam
- schwebend unwirksam
- nichtig
- Oma schenkt Mara (15) ihren alten Helm.
- Mara kauft den Helm für 1 €, zahlbar nächste Woche.
- Mara kauft das Rennrad: 260 € bezahlt, zwei Raten offen.
- Jonas (14) kauft mit Taschengeld eine Guthabenkarte für 15 €.
- Jonas schlieĂźt ein Premium-Abo ĂĽber Mamas hinterlegtes Konto ab.
- Mara kauft vom Geld fĂĽr das Mathebuch bar ein Videospiel.
- Emil (6) kauft mit seinem Taschengeld ein Stickeralbum.
- Lea (18) schlieĂźt einen Handyvertrag ĂĽber 24 Monate.
Wie die Schwebe endet
Zurück zum Rennrad. Eine Woche lang sagt Maras Mutter weder Ja noch Nein. Herr Yilmaz will Klarheit und schreibt ihr: „Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie den Kauf Ihrer Tochter genehmigen.“ Damit wird es förmlich:
„Fordert der andere Teil den Vertreter zur Erklärung über die Genehmigung auf, so kann die Erklärung nur ihm gegenüber erfolgen … Die Genehmigung kann nur bis zum Ablauf von zwei Wochen nach dem Empfang der Aufforderung erklärt werden; wird sie nicht erklärt, so gilt sie als verweigert.“
— § 108 Abs. 2 BGB
Nach dieser
Mara hat ihr Rad. Drei Monate später springt die Kette immer wieder vom Ritzel, und Herr Yilmaz sagt: „Verschleiß, das ist Ihr Problem.“ Ob er recht hat, klärt Kurs 4.
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (1)
Noah ist 12. Welches dieser Geschäfte ist ohne Zustimmung seiner Eltern wirksam?
Mia (14) kauft auf dem Flohmarkt ein Rad, das 300 € wert ist, für 20 €; zahlen will sie nächste Woche. Weil das Geschäft für sie nur vorteilhaft ist, braucht sie keine Zustimmung ihrer Eltern.
Tom (14) kauft ohne zu fragen ein Videospiel für 30 € und zahlt bar und vollständig. Mit welchem Geld ist der Kauf wirksam?
Ida (13) hat von ihrem Onkel 20 € zum Geburtstag bekommen; ihre Eltern lassen sie damit machen, was sie will. Sie kauft davon bar ein Buch für 20 €. Der Kauf ist wirksam.
Ein Händler fordert die Eltern von Nina (15) schriftlich auf, zu erklären, ob sie Ninas Handyvertrag genehmigen. Die Eltern antworten zwei Wochen lang nicht. Damit gilt der Vertrag als genehmigt.
Felix hat mit 17 ohne Zustimmung einen Handyvertrag geschlossen. Seine Eltern haben nie reagiert, der Anbieter hat sie nie aufgefordert. Jetzt ist Felix 18. Wer kann den Vertrag jetzt genehmigen?
Ohne Einwilligung der Eltern darf ein Minderjähriger Erklärungen abgeben, durch die er lediglich einen rechtlichen ___ erlangt (§ 107 BGB).
Nach § 110 BGB müssen die Mittel dem Minderjährigen „zu diesem Zweck oder zu freier ___“ überlassen worden sein.
Der Vertragspartner eines 16-Jährigen fordert dessen Eltern auf, sich zur Genehmigung zu erklären. Wie viele Wochen haben die Eltern dafür ab Empfang der Aufforderung?
Ein Händler bietet Ben (12): „Die Konsole bekommst du gratis, wenn du dazu ein Spiele-Abo für 10 € im Monat abschließt.“ Ben sagt sofort zu. Gilt dieser Vertrag?
Lukas (13) kauft von seinem Taschengeld eine Guthabenkarte für 25 € und löst sie in einem Spiel gegen Spielwährung ein. Seine Eltern hat er nicht gefragt. Gilt dieser Vertrag?
Ella (15) schließt in einer Musik-App ein Jahres-Abo für 8 € im Monat ab. Bezahlt wird über die Kreditkarte ihres Vaters, die auf dem Tablet gespeichert ist. Gilt dieser Vertrag?
Finn (14) hat im Handyspiel ein „Gold-Abo“ für 4,99 € pro Woche abgeschlossen. Abgebucht wird über das Google-Konto seiner Mutter, das auf seinem Handy eingerichtet ist. Finn sagt: „Das sind doch nur 5 €, das darf ich von meinem Taschengeld.“ Prüfe in zwei bis vier Sätzen, ob der Vertrag nach § 110 BGB wirksam ist.
Paul (16) kauft ohne Zustimmung ein gebrauchtes E-Bike in Raten. Der Händler schreibt den Eltern am 1. März: „Genehmigen Sie den Kauf?“ Der Brief kommt am 3. März an. Am 10. März sagt die Mutter zu Paul: „Von mir aus“, dem Händler antwortet niemand. Was gilt am 20. März?