Was Minderjährige allein dürfen

What Minors May Do on Their Own

Wirtschaft und Recht Klasse 9 14 Aufgaben
RechtGeschäftsfähigkeitVertragKerncurriculum

Die Lernenden schärfen die beiden Ausnahmen aus dem vorigen Abschnitt und beenden Maras Schwebe. „Lediglich rechtlicher Vorteil“ (§ 107 BGB) heißt rechtlich, nicht wirtschaftlich: Das Geschenk ist wirksam, der Helm für 1 € auf Rechnung nicht, die Schenkung mit Auflage auch nicht. § 110 BGB verlangt Mittel, die zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen sind – das hinterlegte Konto der Mutter ist das nicht, und ein In-App-Abo ist nie vollständig bewirkt (Verbraucherzentrale Hamburg 2025). Fordert der Vertragspartner die Eltern auf, haben sie zwei Wochen; Schweigen gilt dann als Verweigerung (§ 108 Abs. 2), mit 18 genehmigt man selbst (§ 108 Abs. 3); § 113 (Arbeitsverhältnis) nur als Erwähnung. Verdrängt: „ein Schnäppchen ist ein Vorteil“ und „kleine Beträge darf man immer“. Ziel: der Fall „Handy vom Taschengeld“ in Kurs 5 (§§ 106–110 im Gutachtenstil) und der Widerruf in Kurs 4.

Geschenkt ist nicht gleich gĂĽnstig

Maras Vertrag hängt in der Schwebe. Am Sonntag ruft Oma Demir an: „Du bekommst meinen alten Fahrradhelm, ich fahr ja nicht mehr.“ Darf Mara das ohne ihre Mutter annehmen? Ja. Eine Schenkung ohne Bedingung bringt ihr nur einen rechtlichen Vorteil: Sie bekommt etwas und muss nichts dafür tun (§ 107 BGB).

Am Montag bietet Herr Yilmaz ihr einen fast neuen Helm aus dem Laden an: „Für dich 1 €, zahl einfach nächste Woche.“ Ein Schnäppchen – aber kein rechtlicher Vorteil. Wer kauft, muss zahlen, und sei es 1 €. § 107 fragt nicht, ob sich ein Geschäft lohnt, sondern ob es eine Pflicht bringt. Ohne Einwilligung ist der Helmkauf schwebend unwirksam. Dasselbe gilt für ein Geschenk mit Haken: Schenkt der Onkel Mara sein Moped unter der Bedingung, dass sie die Versicherung bezahlt, braucht sie die Zustimmung.

Welches Geld ist „überlassen“?

Der Taschengeldparagraph, § 110 BGB, hat eine zweite Bedingung, die man leicht überliest: Bezahlt werden muss mit Mitteln, die überlassen sind – „zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung“, von den Eltern oder mit deren Zustimmung von anderen (§ 110 BGB). Maras Geburtstagsgeld von Oma zählt, wenn die Eltern es ihr zur freien Verfügung gelassen haben. Geld, das ihr die Mutter für das neue Mathebuch mitgibt, zählt für ein Videospiel nicht.

Maras Freund Jonas (14) zeigt, wo das im Netz wichtig wird. Von seinem Taschengeld kauft er an der Tankstelle eine Guthabenkarte für 15 € und löst sie in seinem Lieblingsspiel gegen Spielwährung ein: vollständig bezahlt, mit eigenem Geld – wirksam. Am Abend tippt er im selben Spiel auf „Premium-Abo, 9,99 € im Monat“. Abgebucht wird über das Konto seiner Mutter, das auf dem Familien-Tablet hinterlegt ist. Dieses Geld hat ihm niemand überlassen, und ein Abo ist nie vollständig bewirkt: Der Vertrag ist schwebend unwirksam. Die Verbraucherzentralen raten Eltern in solchen Fällen, sofort zu widersprechen – wer die Abbuchungen monatelang hinnimmt, muss am Ende womöglich doch zahlen. Sortiere die Fälle in der Figur.

  • wirksam
  • schwebend unwirksam
  • nichtig
  • Oma schenkt Mara (15) ihren alten Helm.
  • Mara kauft den Helm fĂĽr 1 €, zahlbar nächste Woche.
  • Mara kauft das Rennrad: 260 € bezahlt, zwei Raten offen.
  • Jonas (14) kauft mit Taschengeld eine Guthabenkarte fĂĽr 15 €.
  • Jonas schlieĂźt ein Premium-Abo ĂĽber Mamas hinterlegtes Konto ab.
  • Mara kauft vom Geld fĂĽr das Mathebuch bar ein Videospiel.
  • Emil (6) kauft mit seinem Taschengeld ein Stickeralbum.
  • Lea (18) schlieĂźt einen Handyvertrag ĂĽber 24 Monate.
Tippe einen Fall an und dann das passende Feld. Drücke „Prüfen“: Welche zwei Fälle mit kleinem Betrag landen trotzdem bei „schwebend unwirksam“?

Wie die Schwebe endet

Zurück zum Rennrad. Eine Woche lang sagt Maras Mutter weder Ja noch Nein. Herr Yilmaz will Klarheit und schreibt ihr: „Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie den Kauf Ihrer Tochter genehmigen.“ Damit wird es förmlich:

„Fordert der andere Teil den Vertreter zur Erklärung über die Genehmigung auf, so kann die Erklärung nur ihm gegenüber erfolgen … Die Genehmigung kann nur bis zum Ablauf von zwei Wochen nach dem Empfang der Aufforderung erklärt werden; wird sie nicht erklärt, so gilt sie als verweigert.“
— § 108 Abs. 2 BGB

Nach dieser Aufforderung hat die Mutter zwei Wochen. Schweigt sie, ist der Vertrag endgültig unwirksam – hier, und nur weil das Gesetz es ausdrücklich sagt, hat Schweigen eine Bedeutung, und zwar „Nein“. Wäre Mara inzwischen 18 geworden, könnte sie selbst genehmigen (§ 108 Abs. 3 BGB). Maras Mutter schreibt nach drei Tagen zurück: „Einverstanden.“ Der Vertrag gilt nun von Anfang an, mit Raten und Eigentumsvorbehalt. Eine letzte Ausnahme sei nur erwähnt: Erlauben die Eltern einen Ferienjob, darf ein Minderjähriger alles allein regeln, was zu diesem Job gehört (§ 113 BGB).

Mara hat ihr Rad. Drei Monate später springt die Kette immer wieder vom Ritzel, und Herr Yilmaz sagt: „Verschleiß, das ist Ihr Problem.“ Ob er recht hat, klärt Kurs 4.

Leicht
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Noah ist 12. Welches dieser Geschäfte ist ohne Zustimmung seiner Eltern wirksam?

  • â—Ź Seine Tante schenkt ihm ihr altes Skateboard.
  • â—‹ Ein Nachbar verkauft ihm ein 80-€-Skateboard fĂĽr 5 €, zahlbar morgen.
  • â—‹ Seine Tante schenkt ihm ihr Moped, wenn er dafĂĽr die Versicherung zahlt.
Ohne Zustimmung wirksam ist nur, was lediglich einen rechtlichen Vorteil bringt (§ 107 BGB) – das Geschenk ohne Bedingung. Das Schnäppchen verpflichtet zur Zahlung von 5 €, das Moped zur Versicherung: beides rechtliche Nachteile. Stand 2026.
Wahr / Falsch #2 20s â–¶ Testen

Mia (14) kauft auf dem Flohmarkt ein Rad, das 300 € wert ist, für 20 €; zahlen will sie nächste Woche. Weil das Geschäft für sie nur vorteilhaft ist, braucht sie keine Zustimmung ihrer Eltern.

âś“ Falsch
Falsch. § 107 BGB meint einen rechtlichen, keinen wirtschaftlichen Vorteil. Mia muss 20 € zahlen – eine Pflicht. Ohne Einwilligung ist der Kauf schwebend unwirksam; § 110 hilft nicht, weil sie noch nicht bezahlt hat. Stand 2026.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Tom (14) kauft ohne zu fragen ein Videospiel für 30 € und zahlt bar und vollständig. Mit welchem Geld ist der Kauf wirksam?

  • â—Ź Mit seinem Taschengeld, ĂĽber das er frei verfĂĽgen darf
  • â—‹ Mit den 30 €, die ihm seine Eltern fĂĽr ein Schulbuch mitgegeben haben
  • â—‹ Mit 30 € aus dem Portemonnaie seiner Mutter, das er unbemerkt genommen hat
§ 110 BGB verlangt Mittel, die zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen sind. Schulbuchgeld ist für einen anderen Zweck überlassen, das Geld der Mutter gar nicht. Stand 2026.
Wahr / Falsch #4 20s â–¶ Testen

Ida (13) hat von ihrem Onkel 20 € zum Geburtstag bekommen; ihre Eltern lassen sie damit machen, was sie will. Sie kauft davon bar ein Buch für 20 €. Der Kauf ist wirksam.

âś“ Wahr
Richtig. Mittel, die ein Dritter mit Zustimmung der Eltern zur freien Verfügung überlassen hat, zählen nach § 110 BGB; Ida hat vollständig bezahlt. Stand 2026.
Wahr / Falsch #5 20s â–¶ Testen

Ein Händler fordert die Eltern von Nina (15) schriftlich auf, zu erklären, ob sie Ninas Handyvertrag genehmigen. Die Eltern antworten zwei Wochen lang nicht. Damit gilt der Vertrag als genehmigt.

âś“ Falsch
Falsch – umgekehrt. Nach der Aufforderung kann die Genehmigung nur binnen zwei Wochen erklärt werden; wird sie nicht erklärt, gilt sie als verweigert (§ 108 Abs. 2 Satz 2 BGB). Der Vertrag ist endgültig unwirksam. Stand 2026.
Multiple Choice #6 25s â–¶ Testen

Felix hat mit 17 ohne Zustimmung einen Handyvertrag geschlossen. Seine Eltern haben nie reagiert, der Anbieter hat sie nie aufgefordert. Jetzt ist Felix 18. Wer kann den Vertrag jetzt genehmigen?

  • â—Ź Felix selbst
  • â—‹ Nur seine Eltern
  • â—‹ Niemand mehr – der Vertrag ist nichtig geworden
Ist der Minderjährige unbeschränkt geschäftsfähig geworden, tritt seine Genehmigung an die Stelle der Genehmigung der Eltern (§ 108 Abs. 3 BGB). Der Vertrag schwebt weiter, bis Felix entscheidet. Stand 2026.
Mittel
LĂĽckentext #1 15s â–¶ Testen

Ohne Einwilligung der Eltern darf ein Minderjähriger Erklärungen abgeben, durch die er lediglich einen rechtlichen ___ erlangt (§ 107 BGB).

âś“ Antwort: Vorteil
§ 107 BGB: „Der Minderjährige bedarf zu einer Willenserklärung, durch die er nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt, der Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters.“
LĂĽckentext #2 15s â–¶ Testen

Nach § 110 BGB müssen die Mittel dem Minderjährigen „zu diesem Zweck oder zu freier ___“ überlassen worden sein.

âś“ Antwort: VerfĂĽgung
§ 110 BGB: Mittel, „die ihm zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung von dem Vertreter oder mit dessen Zustimmung von einem Dritten überlassen worden sind“.
Zahleneingabe #3 15s â–¶ Testen

Der Vertragspartner eines 16-Jährigen fordert dessen Eltern auf, sich zur Genehmigung zu erklären. Wie viele Wochen haben die Eltern dafür ab Empfang der Aufforderung?

âś“ Antwort: 2
§ 108 Abs. 2 Satz 2 BGB: Die Genehmigung kann nur bis zum Ablauf von zwei Wochen nach dem Empfang der Aufforderung erklärt werden; danach gilt sie als verweigert.
Schwer
Multiple Choice #1 30s â–¶ Testen

Ein Händler bietet Ben (12): „Die Konsole bekommst du gratis, wenn du dazu ein Spiele-Abo für 10 € im Monat abschließt.“ Ben sagt sofort zu. Gilt dieser Vertrag?

  • â—Ź Der Vertrag ist schwebend unwirksam – die Eltern können ihn genehmigen.
  • â—‹ Der Vertrag ist wirksam.
  • â—‹ Der Vertrag ist nichtig.
„Gratis“ ist hier nur ein Teil des Geschäfts: Das Abo verpflichtet Ben zu monatlichen Zahlungen, also ist es nicht lediglich rechtlich vorteilhaft (§ 107 BGB). Mit 12 ist Ben beschränkt geschäftsfähig, nicht geschäftsunfähig – der Vertrag hängt an der Genehmigung (§ 108 BGB). Stand 2026.
Multiple Choice #2 30s â–¶ Testen

Lukas (13) kauft von seinem Taschengeld eine Guthabenkarte für 25 € und löst sie in einem Spiel gegen Spielwährung ein. Seine Eltern hat er nicht gefragt. Gilt dieser Vertrag?

  • â—Ź Der Vertrag ist wirksam.
  • â—‹ Der Vertrag ist schwebend unwirksam – die Eltern können ihn genehmigen.
  • â—‹ Der Vertrag ist nichtig.
Lukas hat vollständig bezahlt, und zwar mit Taschengeld, das ihm zur freien Verfügung überlassen ist (§ 110 BGB). Dass der Kauf im Netz stattfindet, ändert daran nichts. Stand 2026.
Multiple Choice #3 30s â–¶ Testen

Ella (15) schließt in einer Musik-App ein Jahres-Abo für 8 € im Monat ab. Bezahlt wird über die Kreditkarte ihres Vaters, die auf dem Tablet gespeichert ist. Gilt dieser Vertrag?

  • â—Ź Der Vertrag ist schwebend unwirksam – die Eltern können ihn genehmigen.
  • â—‹ Der Vertrag ist wirksam.
  • â—‹ Der Vertrag ist nichtig.
Die Kreditkarte des Vaters ist kein Mittel, das Ella überlassen wurde, und ein Jahres-Abo ist nicht vollständig bewirkt (§ 110 BGB). Mit 15 ist Ella beschränkt geschäftsfähig: Ohne Einwilligung hängt der Vertrag an der Genehmigung (§ 108 BGB). Stand 2026.
KI-bewertete Frage #4 200s â–¶ Testen

Finn (14) hat im Handyspiel ein „Gold-Abo“ für 4,99 € pro Woche abgeschlossen. Abgebucht wird über das Google-Konto seiner Mutter, das auf seinem Handy eingerichtet ist. Finn sagt: „Das sind doch nur 5 €, das darf ich von meinem Taschengeld.“ Prüfe in zwei bis vier Sätzen, ob der Vertrag nach § 110 BGB wirksam ist.

✓ Antwort: Der Vertrag könnte nach § 110 BGB von Anfang an wirksam sein. Dann müsste Finn die Leistung vollständig mit Mitteln bewirkt haben, die ihm zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen wurden. Bezahlt wird aber über das Konto seiner Mutter, nicht mit seinem Taschengeld, und ein wöchentlich laufendes Abo ist nie vollständig bewirkt. Also greift § 110 nicht; der Vertrag ist schwebend unwirksam und hängt an der Genehmigung der Mutter (§§ 107, 108 BGB).
§ 110 BGB: vollständig bewirkt mit überlassenen Mitteln. Fremdes Konto und laufendes Abo erfüllen beides nicht. Stand 2026.
Multiple Choice #5 40s â–¶ Testen

Paul (16) kauft ohne Zustimmung ein gebrauchtes E-Bike in Raten. Der Händler schreibt den Eltern am 1. März: „Genehmigen Sie den Kauf?“ Der Brief kommt am 3. März an. Am 10. März sagt die Mutter zu Paul: „Von mir aus“, dem Händler antwortet niemand. Was gilt am 20. März?

  • â—Ź Der Vertrag ist endgĂĽltig unwirksam.
  • â—‹ Der Vertrag ist wirksam – die Mutter hat ja zugestimmt.
  • â—‹ Der Vertrag ist weiter schwebend unwirksam.
Nach der Aufforderung kann die Genehmigung nur dem Händler gegenüber erklärt werden; das „Von mir aus“ zu Paul zählt nicht (§ 108 Abs. 2 Satz 1 BGB). Die zwei Wochen ab Empfang (3. März) sind am 20. März abgelaufen – die Genehmigung gilt als verweigert (§ 108 Abs. 2 Satz 2 BGB). Stand 2026.