Wer soll das kaufen — und wie viele sind das?

Who is supposed to buy this — and how many of them are there?

Wirtschaft und Recht Klasse 9 16 Aufgaben
GeschÀftsmodellGeschÀftsideeZielgruppeStandortMarktKerncurriculum

Eine GeschĂ€ftsidee wird erst dann zu einem GeschĂ€ft, wenn jemand freiwillig dafĂŒr zahlt, weil er danach besser dran ist als vorher. Die SchĂŒlerin rechnet deshalb an konkreten GrĂŒndungen aus, wie groß der erreichbare Markt wirklich ist: Von allen Menschen am Ort bleibt die Zielgruppe ĂŒbrig, von der Zielgruppe die Zahl, die man am Standort und mit der eigenen KapazitĂ€t tatsĂ€chlich bedienen kann — die kleinere der beiden Zahlen entscheidet. Sie benennt außerdem den Kernprozess, also die eine TĂ€tigkeit, fĂŒr die bezahlt wird, und unterscheidet sie von allem Drumherum. VerdrĂ€ngt wird dabei die Vorstellung, Gewinn werde genommen statt geschaffen (Bhattacharjee, Dana & Baron 2017: wahrgenommener Gewinn korreliert mit etwa −.6 mit wahrgenommenem gesellschaftlichem Nutzen), zusammen mit der Nullsummen-Lesart des Tauschs, bei der nur einer der beiden Seiten der Handel nĂŒtzt — im Test of Economic Literacy erkennt den beidseitigen Vorteil regelmĂ€ĂŸig nur eine Minderheit der Jahrgangsstufe (Walstad, Rebeck & Butters 2013, TEL-4). Vorbereitet wird damit wirtschaft-und-recht.grade9.kapitalbedarf-und-finanzierung — denn was der Start kosten darf, hĂ€ngt daran, wie viele Kunden ĂŒberhaupt erreichbar sind.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Lena repariert FahrrĂ€der und fĂ€hrt dafĂŒr zu den Leuten nach Hause. In ihrer Gemeinde leben 12.000 Menschen, 4.000 davon besitzen ein Fahrrad. Neben der Schule schafft Lena 20 Reparaturen im Monat. Wie viele Kundinnen und Kunden kann Lena im ersten Monat höchstens erreichen?

  • ● 20
  • ○ 4.000
  • ○ 12.000
Zwei Grenzen begrenzen den Markt: die Zielgruppe (4.000 Radbesitzer) und Lenas KapazitĂ€t (20 Reparaturen). Es zĂ€hlt immer die kleinere — mehr als 20 kann Lena nicht bedienen, auch wenn tausende ein Fahrrad haben.
Multiple Choice #2 25s ▶ Testen

Eine SchĂŒlerfirma verkauft belegte Semmeln in der Pause. Die Schule hat 900 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, 300 davon bleiben mittags da. In der 10-Minuten-Pause schafft der Stand 60 VerkĂ€ufe. Wie viele Kundinnen und Kunden kann die SchĂŒlerfirma an einem Tag höchstens erreichen?

  • ● 60
  • ○ 300
  • ○ 900
Die 900 sind der ganze Ort, die 300 sind die Zielgruppe, die 60 sind die KapazitÀt des Stands. Erreichbar ist die kleinste dieser Zahlen: 60.
Multiple Choice #3 20s ▶ Testen

Lena betreibt eine mobile Fahrradwerkstatt. Welche TĂ€tigkeit ist der Kernprozess ihres Betriebs?

  • ● Reifen flicken und Bremsen einstellen
  • ○ Die Einnahmen abends in eine Tabelle eintragen
  • ○ Flyer in die BriefkĂ€sten der Nachbarschaft werfen
Bezahlt wird Lena fĂŒr das reparierte Fahrrad. Tabelle und Flyer sind nötig, aber niemand gibt ihr dafĂŒr Geld — sie gehören zum Drumherum.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Eine SchĂŒlerfirma verkauft belegte Semmeln in der Pause. Welche TĂ€tigkeit ist der Kernprozess dieses Betriebs?

  • ● Semmeln belegen und in der Pause ĂŒber die Theke geben
  • ○ Ein Logo fĂŒr den Stand entwerfen
  • ○ Das Kassenbuch am Freitag abrechnen
Die Leistung, fĂŒr die gezahlt wird, ist die fertige Semmel in der Hand des Kunden. Logo und Kassenbuch begleiten den Kernprozess, sie sind er nicht.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Jonas gibt nachmittags Mathe-Nachhilfe. Welche TĂ€tigkeit ist der Kernprozess seines Betriebs?

  • ● Mit einem SchĂŒler eine Stunde lang rechnen
  • ○ Termine in den Kalender eintragen
  • ○ Eine Preisliste ausdrucken
Die Eltern zahlen fĂŒr die gehaltene Stunde. Kalender und Preisliste machen die Stunde möglich, sie sind aber nicht die Leistung.
LĂŒckentext #6 20s ▶ Testen

Von den 400 GĂ€sten des Schulfests kaufen erfahrungsgemĂ€ĂŸ nur die 100 Kinder unter 12 ein Armband. Diese 100 Kinder sind Mias ___.

✓ Antwort: Zielgruppe
Die Zielgruppe ist der Teil des Marktes, der fĂŒr das Angebot ĂŒberhaupt in Frage kommt. Mit 400 zu rechnen hieße, sich den Markt viermal so groß zu rechnen, wie er ist.
Mittel
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Tim nĂ€ht Turnbeutel aus alten Trikots und verschickt nur innerhalb Deutschlands. Sein Konto hat 4.000 Follower, 500 davon wohnen in Deutschland, und erfahrungsgemĂ€ĂŸ kaufen 5 % der erreichbaren Leute im ersten Monat. Wie viele Kundinnen und Kunden kann Tim im ersten Monat höchstens erreichen?

  • ● 25
  • ○ 200
  • ○ 500
Erreichbar sind nur die 500 aus Deutschland, denn weiter verschickt Tim nicht. 5 % von 500 sind 25. Die 200 wĂ€ren 5 % von allen 4.000 Followern — davon kann Tim aber die meisten gar nicht beliefern.
Multiple Choice #2 30s ▶ Testen

Ein Eisstand schafft 150 Kugeln am Tag. Am Bahnhofsvorplatz kommen tĂ€glich 4.000 Menschen vorbei, von denen 2 % ein Eis kaufen wĂŒrden. Wie viele Kundinnen und Kunden kann der Stand dort an einem Tag höchstens erreichen?

  • ● 80
  • ○ 150
  • ○ 4.000
2 % von 4.000 sind 80. Diesmal ist nicht die KapazitÀt die Grenze, sondern die Nachfrage: Der Stand könnte 150 Kugeln machen, aber nur 80 Menschen wollen eine.
Multiple Choice #3 25s ▶ Testen

Mia verkauft selbstgemachte ArmbĂ€nder auf dem Schulfest. 400 GĂ€ste kommen, 100 davon sind Kinder unter 12 — nur die kaufen erfahrungsgemĂ€ĂŸ solche ArmbĂ€nder. Mia hat 60 ArmbĂ€nder gemacht. Wie viele Kundinnen und Kunden kann Mia an diesem Abend höchstens erreichen?

  • ● 60
  • ○ 100
  • ○ 400
Die Zielgruppe sind die 100 Kinder, nicht alle 400 GÀste. Und selbst von den 100 kann Mia nur 60 bedienen, weil sie nur 60 ArmbÀnder hat.
Multiple Choice #4 20s ▶ Testen

Tim betreibt einen Online-Shop fĂŒr selbst genĂ€hte Turnbeutel. Welche TĂ€tigkeit ist der Kernprozess seines Betriebs?

  • ● Turnbeutel nĂ€hen, verpacken und verschicken
  • ○ Kommentare unter den eigenen BeitrĂ€gen beantworten
  • ○ Die Steuernummer beim Finanzamt beantragen
Der Kunde bezahlt fĂŒr einen Turnbeutel, der bei ihm ankommt. Kommentare und Finanzamt sind Pflicht oder Werbung, aber keine Leistung, die jemand kauft.
Wahr / Falsch #5 20s ▶ Testen

Lena repariert Toms Reifen fĂŒr 12 €. Tom hĂ€tte dafĂŒr selbst zwei Nachmittage gebraucht und besitzt kein Flickzeug. Nach diesem GeschĂ€ft ist nur Lena besser dran.

✓ Falsch
Beide sind besser dran. Lena hat 12 €, die ihr mehr wert sind als die Zeit, die sie fĂŒr die Reparatur braucht; Tom hat ein fahrbereites Rad, das ihm mehr wert ist als die 12 € und die zwei Nachmittage. Sonst hĂ€tte keiner von beiden zugestimmt.
Wahr / Falsch #6 25s ▶ Testen

Der Eisstand verkauft eine Kugel fĂŒr 1,80 €; Zutaten und Becher kosten ihn 0,40 €. Weil der Stand an jeder Kugel verdient, muss die Kundin bei diesem GeschĂ€ft verlieren.

✓ Falsch
Nein. Die Kundin gibt 1,80 € her, weil ihr das Eis mehr wert ist als 1,80 € — sonst ginge sie weiter. Der Verdienst des Stands wird nicht der Kundin weggenommen, er entsteht daneben, weil beide etwas bekommen, das sie höher schĂ€tzen.
Zahleneingabe #7 30s ▶ Testen

Tims Beitrag ĂŒber seine Turnbeutel wird 800 Menschen angezeigt. 4 % davon klicken auf den Shop, und von denen kauft jeder Vierte. Wie viele Turnbeutel verkauft Tim?

✓ Antwort: 8
4 % von 800 sind 32 Klicks; ein Viertel davon sind 8 KĂ€ufe. Aus einer großen Reichweite wird nach zwei Filtern eine kleine Kundenzahl — genau deshalb wird der erreichbare Markt gerechnet und nicht geschĂ€tzt.
Zahleneingabe #8 30s ▶ Testen

Jonas kann nachmittags 4 SchĂŒler betreuen. Jeder kommt einmal pro Woche fĂŒr eine Stunde, und Jonas verlangt 15 € je Stunde. Wie viel nimmt Jonas in vier Wochen ein (in Euro)?

✓ Antwort: 240
4 SchĂŒler × 15 € × 4 Wochen = 240 €. Die KapazitĂ€t von 4 SchĂŒlern ist die Obergrenze — auch wenn an der Schule 15 Kinder Nachhilfe suchen.
Schwer
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Derselbe Eisstand mit 150 Kugeln KapazitÀt steht am Waldparkplatz. Dort kommen an einem Sonntag nur 900 Menschen vorbei, aber 20 % von ihnen kaufen ein Eis. Wie viele Kundinnen und Kunden kann der Stand dort an einem Tag höchstens erreichen?

  • ● 150
  • ○ 180
  • ○ 900
20 % von 900 sind 180 — mehr, als der Stand schafft. Also begrenzt hier die KapazitĂ€t auf 150. Am Bahnhof mit seinen 4.000 Passanten waren es nur 80: Der Standort mit den wenigen, aber passenden Leuten ist der bessere.
Wahr / Falsch #2 35s ▶ Testen

Ein CrĂȘpes-Wagen schafft 100 CrĂȘpes am Tag. In der FußgĂ€ngerzone kommen tĂ€glich 3.000 Menschen vorbei, von denen 2 % einen CrĂȘpe kaufen wĂŒrden; am Freibad sind es 500 Menschen, von denen 30 % einen kaufen wĂŒrden. FĂŒr diesen Wagen ist das Freibad der bessere Standort.

✓ Wahr
Ja. In der FußgĂ€ngerzone sind 2 % von 3.000 nur 60 KĂ€ufer; am Freibad wĂ€ren 30 % von 500 zwar 150, aber der Wagen schafft nur 100 — und 100 sind trotzdem mehr als 60. Nicht die Zahl der Vorbeigehenden entscheidet, sondern die Zahl derer, die kaufen.