Kochen ohne Feuer — der Induktionsherd
Kochen ohne Feuer
Ein Liter Wasser im Topf, die Kochzone auf der höchsten Stufe — nach gut zwei Minuten sprudelt es. Hebst du den Topf herunter, ist das Glas darunter warm, aber nur dort, wo der Topf stand, und nur so warm, wie der Topf es gemacht hat; daneben ist es kalt. Keine glühende Platte, keine Flamme, kein heißer Draht. Die Wärme, die das Glas abbekommen hat, stammt aus dem Topf, nicht umgekehrt.
Man kann das Rätsel zuspitzen: Lege ein Blatt Papier zwischen Kochfeld und Topf und schalte ein. Das Wasser kocht — und das Papier verbrennt nicht. Es wird nur dort warm, wo der Topfboden es berührt, und der Boden eines Topfes mit kochendem Wasser bleibt knapp über 100 °C; Papier entzündet sich erst bei rund 230 °C. Was auch immer die Energie in den Topf bringt, es geht mitten durch das Papier hindurch, ohne es zu erhitzen.
Ein Gasherd erhitzt mit einer Flamme, ein klassischer Elektroherd mit
einer glühenden Platte — in beiden Fällen wird zuerst etwas anderes
heiß, und die Wärme wandert dann in den Topf. Der Induktionsherd
passt nicht in dieses Bild. Unter seinem Glasfeld sitzt nur eine
flache
Wie kommt die Wärme in den Topf, wenn nichts unter ihm heiß ist —
warum entsteht sie ausgerechnet im Topfboden selbst, und
warum nur, wenn er aus Stahl ist? Um das zu klären, brauchen wir
Wirbelströme im Topfboden
Beginnen wir unter dem Glas. Dort liegt eine flache Spule, durch die
ein Wechselstrom fließt. Die
Wie viel Feld durch eine Fläche tritt, misst der magnetische
Lies zuerst den Chip
Jede Strombahn hat einen Widerstand
Schalte jetzt auf den Topfboden aus Glas. Der Chip
Nur der Aluminiumtopf passt nicht in die Kette. Aluminium leitet rund
22-mal besser als der Stahl eines Topfbodens (spezifischer Widerstand
Lenz im Alltag
Die Wirbelströme im Topfboden haben eine Richtung — und die ist kein Zufall. Aus dem Kapitel zur Lenzschen Regel kennst du den Satz: Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er der Ursache seiner Entstehung entgegenwirkt. Viele merken sich daraus „das induzierte Feld ist dem äußeren Feld entgegengesetzt". Klingt fast gleich — ist aber falsch, und der folgende Versuch trennt die beiden Sätze, weil sie für ihn Gegenteiliges vorhersagen.
Ein leichter Metallring hängt drehbar vor dem Nordpol eines
Stabmagneten. Das Feld
Beim Annähern wächst der Fluss (
Jetzt ein Rennen. Ein starker Magnet fällt durch zwei gleiche, 1 m lange Kupferrohre — eines ist geschlossen, in das andere ist der Länge nach ein Schlitz gefräst. Sage voraus: Wer kommt zuerst unten an, und wie deutlich?
Magnet 2 ist nach 0,44 s unten, im freien Fall mit bis zu 4,3 m/s.
Magnet 1 sinkt mit 0,10 m/s und braucht 9,4 s. Im geschlossenen Rohr
sieht jeder Rohrabschnitt den Fluss des herannahenden Magneten wachsen
und den des davonfallenden schrumpfen; vor dem Magneten stemmen sich
die
Diese Bremse fährt Zug: Die Wirbelstrombremse des ICE 3 senkt Elektromagnete dicht über die Schiene; die Flussänderung induziert Wirbelströme in der Schiene, deren Feld die Bewegung hemmt. Ohne Kontakt, ohne Verschleiß, stufenlos — aber die Flussänderung ist proportional zur Geschwindigkeit, und bei niedrigem Tempo ist es auch die Bremskraft: Bei halbem Tempo bremst sie nur noch halb so stark, im Stand gar nicht. Die letzten Meter übernimmt die Reibungsbremse.
Und der Herd? Im Topfboden ändert sich der Fluss 25 000-mal pro Sekunde, und die Wirbelströme stemmen sich in jedem Augenblick gegen diese Änderung. Ihr Feld wirkt der Änderung des Spulenfelds entgegen — in der untersten Schicht des Bodens, wo das Spulenfeld zuerst ankommt, fängt es einen großen Teil davon ab. Wie tief kommt das Feld dann überhaupt noch in den Boden?
Skineffekt — warum Stahl und nicht Aluminium
Das Modell vom Anfang rechnete so, als durchsetze das Feld den
ganzen Topfboden gleichmäßig. Die Lenzsche Regel zeigt, warum das nicht stimmen kann: Die Wirbelströme stemmen sich gegen jede Änderung des
Flusses, und die erste Schicht Metall, die das Wechselfeld erreicht,
fängt einen Teil davon ab. Die nächste Schicht bekommt also weniger
Feld, die übernächste noch weniger. Die Kurve unten zeigt, wie viel
vom
Bei 25 kHz ist das Feld im Stahl nach 0,25 mm auf
Die ganze
Jetzt der Alutopf. Sein Feld reicht tiefer, 0,52 mm bei 25 kHz, aber
der Strom fließt in einem Metall, das 22-mal besser leitet. Der
Widerstand der Haut ist im Stahl
Die Energiebilanz des Herds
Ein Verdacht liegt nach drei Abschnitten noch immer in der Luft:
Irgendwie muss die Wärme doch „von unten nach oben" fließen — von der
Platte in den Topf, wie beim alten Herd. Die ehrliche Antwort der
Energiebilanz lautet: Nein. Verfolgen wir die
Station 1 → 2: Das Netz treibt den hochfrequenten
Strom durch die Spule; die elektrische Energie steckt nun im
magnetischen
Wie viel Energie ist das? Um 1 kg Wasser um 1 K zu erwärmen, braucht
man 4,19 kJ; für einen Liter von 20 auf 100 °C also
Für einen Liter zieht der Induktionsherd 394 kJ aus dem Netz; 335 kJ landen im Wasser, 59 kJ gehen verloren, und bei 3,0 kW dauert das 131 s — die gut zwei Minuten aus dem Einstieg. Die Glaskeramik braucht 447 kJ und verliert 112 kJ, fast doppelt so viel, und dazu kommt die Zeit, bis ihre Platte selbst heiß ist; der Gasherd bräuchte rund 1 050 kJ. Achte auf die gestrichelte Linie: Beide Säulen sind immer gleich hoch. Die Energie geht nicht verloren, sie landet nur an der falschen Stelle — in der Küchenluft, in der Platte, in den Abgasen. Gegenüber der Glaskeramik spart Induktion so rund ein Achtel des Stroms: spürbar, aber kein Wunder.
Die 59 kJ Verlust des Induktionsherds wärmen die Elektronik und die Spule selbst, die ebenfalls einen Widerstand hat (daher der Lüfter), und die Topfwand, die an die Luft abstrahlt. Ohne Topf entsteht dagegen gar keine Wärme: Wo kein Leiter ist, findet die Flussänderung keinen Abnehmer, wie beim Glastopf.
Damit ist der Herd erklärt — mit dem Induktionsgesetz, der Lenzschen Regel und der Energieerhaltung. Einige Zahlen dieses Artikels sind Modellwerte: die 10 mT im Boden, die Permeabilitätszahl 100 des Stahls, die runden Wirkungsgrade; Hystereseverluste im Stahl und die Elektronik des Herds haben wir weggelassen. Die Schlüsse hängen nicht an der dritten Stelle: Strom fließt nur im Leiter, das Feld bleibt in einer Haut von Zehntelmillimetern, Aluminium nimmt nur wenige Prozent der Leistung auf, und beide Seiten der Bilanz sind gleich groß. Dieselbe Rückwirkung des Magnetfelds auf seinen eigenen Stromkreis tritt auch ohne Topf auf — die Spule wirkt auf sich selbst zurück. Das ist die Selbstinduktion, das Thema des nächsten Kapitels.