Lesestrategien bewusst auswählen
Advanced Reading Strategies
Wie man liest, richtet sich nach dem Ziel: Eine Jahreszahl findet man durch Überfliegen, eine Anleitung versteht man nur Schritt für Schritt beim gründlichen Lesen. Überfliegendes, selektives und gründliches Lesen sind also verschiedene Lesearten für verschiedene Zwecke. Dazu kommen ordnende Strategien — Schlüsselwörter markieren, das Wichtigste zusammenfassen —, und die eigene Zusammenfassung prüft zugleich, ob man den Text verstanden hat. Schwierige Texte dürfen dabei mehrmals gelesen werden.
Können & Üben
Reziprokes Lesen — vier Rollen, ein Text
small-group25 min · weekly
klassenraum, leseecke
Reziprokes Lesen: Eine Vierergruppe arbeitet einen kurzen Sachtext Absatz für Absatz durch. Vier Rollenkarten liegen auf dem Tisch — VORHERSAGEN („Ich glaube, im nächsten Absatz geht es um …"), FRAGEN STELLEN („Wer? Was? Warum? — eine Frage an die Gruppe"), KLÄREN („Welches Wort oder welche Stelle war unklar? Wir klären sie gemeinsam") und ZUSAMMENFASSEN („In einem Satz: Darum ging es in diesem Absatz"). Zum Einstieg übernimmt die Begleitperson beim ersten Absatz alle vier Rollen selbst und macht laut vor, wie jede klingt — einmal vormachen, nicht erklären. Danach tritt sie an den Rand und greift nur noch ein, wenn eine Rolle ganz ausfällt. Ab dem zweiten Absatz übernehmen die Kinder: Jedes Kind hat eine Rollenkarte vor sich, der Absatz wird still oder halblaut gelesen, dann kommen die vier Rollen der Reihe nach dran — erst die Vorhersage fürs Nächste prüfen und neu wagen, dann eine echte Frage, dann das Klären, zuletzt die Ein-Satz-Zusammenfassung. Nach jedem Absatz wandern die Rollenkarten im Uhrzeigersinn weiter, sodass jedes Kind jede Rolle mehrmals übt. Zum Schluss fasst die Gruppe den ganzen Text in einer Minute gemeinsam zusammen — reihum, jedes Kind einen Satz.
guide
4–5
Text-Trio — lesen, klären, zusammenfassen
small-group20 min · weekly
klassenraum, gruppentisch
Text-Trio: Drei Kinder, ein Sachtext, drei feste Aufgaben — und eine davon ist ausdrücklich das Wörterklären. Das ist der Unterschied zum reziproken Lesen mit vier Rollen: Hier bekommt der Wortschatz eine eigene Stelle, an der niemand vorbeikommt. Auf dem Tisch liegen drei Karten. VORLESEN: liest den Abschnitt halblaut vor. WÖRTER KLÄREN: hat ein Wörterbuch oder das Tablet vor sich und ist verantwortlich für jedes Wort, das im Abschnitt vorkam und nicht allen klar war. ZUSAMMENFASSEN: sagt am Ende in einem Satz, worum es ging. Der Ablauf pro Abschnitt: vorlesen, dann fragt die Klär-Rolle in die Runde „Welches Wort war unklar?" — und zwar immer, auch wenn gerade niemand meldet. Findet sich kein Wort, sucht die Klär-Rolle selbst eines aus, das ihrer Meinung nach schwierig war, und erklärt es. So kommt in jedem Abschnitt mindestens ein Wort auf den Tisch. Geklärt wird in dieser Reihenfolge: erst raten aus dem Satz drumherum, dann im Text weiter vorne nachsehen, erst zuletzt nachschlagen. Das geklärte Wort wird auf einem Zettel notiert, für alle sichtbar in der Tischmitte. Danach die Ein-Satz-Zusammenfassung. Nach jedem Abschnitt wandern die Karten weiter, sodass jedes Kind jede Rolle übernimmt — auch die Klär-Rolle, gerade die. Am Ende liegen fünf bis acht Wortzettel in der Mitte; die Gruppe liest sie noch einmal laut vor. Diese Zettel wandern in die Wortschatzkiste und kommen später in der Übung wieder. Woran du merkst, dass es trägt: Die Kinder fangen an, unbekannte Wörter zu melden, ohne dass die Klär-Rolle fragen muss — das Nachfragen ist dann keine Schwäche mehr, sondern die Aufgabe.
peer
3–3
Voraussetzungen (1)
Ermöglicht (2)
Du bekommst einen Text mit der Überschrift „Die neue Schule". Welche Vermutung passt VOR dem Lesen am besten?
In dem Satz „Delfine sind kluge Tiere, die im Meer leben." ist „Delfine" ein Schlüsselwort.
Du liest: „Die Katze verharrte reglos vor dem Mauseloch." Was bedeutet „verharrte" hier?
Beim überfliegenden Lesen schaut man sich ___, Bilder und hervorgehobene Wörter an. (Überschriften / Seitenzahlen / Fußnoten)
Leon liest erst die Überschrift und stellt eine Vermutung an. Später markiert er beim Lesen wichtige Wörter. Leon macht das gut.
Mia liest mitten in einem langen Sachtext über Wale und denkt: „Das will ich mir merken!" Was macht sie am besten sofort?
Ordne die Strategien: erst VOR dem Lesen, dann WÄHREND, dann NACH dem Lesen.
Nach dem Lesen prüfe ich mein Verständnis, indem ich den Text in eigenen ___ wiedergebe.
Du willst nur wissen, wann die Bücherei öffnet. Vor dir liegt ein langer Info-Zettel der Bücherei. Wie liest du ihn am besten?
Sara versteht ein schwieriges Gedicht nicht und liest es ein zweites Mal. Das zweite Lesen ist verschwendete Zeit.
Du liest einen Text ĂĽber Hunde und verstehst einen Absatz nicht. Was tust du?
Eine gute Lesestrategie bei Sachtexten ist, sich W-Fragen zu stellen: Wer? Was? Wo? Wann? ___? (Warum / Ob / Denn)
Ordne die Lesestrategien in der Reihenfolge, in der man sie sinnvoll einsetzt: vom ersten Ăśberblick bis zur eigenen Bewertung.
Leo und Pia lesen denselben langen Text über Ritter. Leo liest alles in einem Rutsch durch. Pia hält nach jedem Abschnitt an und sagt sich kurz, was drinstand. Wer behält den Text besser?
Amir soll einen Text ĂĽber Gewitter lesen. Vorher ĂĽberlegt er kurz, was er ĂĽber Gewitter schon weiĂź. Das hilft ihm beim Verstehen.