Die Schere — was Gemeinsein mit dem Alter tut

The scissors — what meanness does as you get older

Miteinander und Umgangsformen Klasse 6 12 Aufgaben
MiteinanderFreundschaftAnsehenSoziale SicherheitFehlvorstellung

Der Satz „wer gemein ist, wird unbeliebt“ ist für Grundschulkinder richtig und wird ab etwa 11 falsch — aber nur für eine der beiden Listen. Rose, Swenson und Waller (2004, zwei Stichproben mit 607 und 1.049 Kindern und Jugendlichen) fanden bei den jüngeren Teilnehmenden gar keinen positiven Zusammenhang zwischen Aggression und Ansehen; bei den älteren blieb Beziehungsaggression auch dann positiv mit Ansehen verbunden, wenn offene Aggression herausgerechnet wurde. Cillessen und Mayeux (2004) haben 905 Kinder von 10 bis 14 in fünf Wellen begleitet und die Bewegungsrichtung gemessen — Beziehungsaggression sagte zunehmend hohes Ansehen und zugleich geringes Gemochtwerden voraus, während körperliche Aggression zunehmend weniger abgelehnt wurde, aber immer weniger Ansehen brachte. Die ehrliche Hälfte, die dieses Thema ebenso deutlich benennt wie die überraschende — die Gemocht-Linie bleibt über den ganzen Zeitraum negativ. Dazu zwei Korrekturen aus der Meta-Analyse von Card, Stucky, Sawalani und Little (2008) über 148 Untersuchungen: Der Geschlechterunterschied bei Beziehungsaggression ist verschwindend klein (deutlich ist er nur bei direkter Aggression, und dort zugunsten der Jungen), und die beiden Formen hängen mit r = 0,76 zusammen — zwei Gesichter derselben Sache, keine zwei Arten von Menschen.

Können & Üben

Beliebt oder gemocht — vorhersagen, auszählen, erklären

workshop

45 min · once

klassenzimmer

Vorbereitung. Die Begleitung bringt 24 Antwortzettel einer erfundenen Klasse mit — auf jedem steht, welches erfundene Kind dieses Kind als Sitznachbarn wählen würde und welche zwei es für beliebt hält. Die Zettel sind so gebaut, dass die beiden Auszählungen auseinandergehen. Zu Beginn wird laut gesagt, dass in dieser Stunde niemand aus dem Raum gezählt, genannt oder eingeteilt wird, und dass das auch danach nicht passiert. VORHERSAGEN (10 Min). An der Tafel stehen zwei Fragen — „Neben wem willst du am liebsten sitzen?“ und „Wer ist beliebt?“. Die Gruppe stimmt über zwei Vorhersagen ab, und beide Ergebnisse werden sichtbar notiert. Erstens — kommen bei den zwei Fragen dieselben Namen heraus? Zweitens — stimmt der Satz „wer gemein ist, wird unbeliebt“ bei Zwölfjährigen noch genauso wie in der zweiten Klasse? Fast immer gewinnt zweimal Ja. AUSZÄHLEN (15 Min). Die 24 Zettel werden verteilt. Eine Hälfte der Gruppe zählt die Antworten auf Frage 1 aus, die andere Hälfte die auf Frage 2. Beide Ergebnislisten kommen nebeneinander an die Tafel. Beobachtet werden zwei Dinge, und sie stehen vorher an — Wie viele verschiedene Namen kommen bei jeder Frage vor? Und stehen oben auf beiden Listen dieselben Namen? Die Gruppe wird sehen, dass Frage 2 wenige Namen sehr oft und Frage 1 viele Namen je einmal hervorbringt. ERKLÄREN (20 Min). Erst der Vergleich mit der eigenen Vorhersage. Dann die Leitfrage, und sie zielt nicht auf nett oder gemein, sondern auf die Fragen selbst — Warum sind sich bei der einen Frage alle einig und bei der anderen niemand? Hinführen auf: Frage 2 fragt nicht, was ich mag, sondern was ich glaube, dass alle glauben. Danach nennt die Begleitung die Messwerte beim Namen — 135 Untersuchungen, 136.014 Kinder und Jugendliche, Zusammenhang 0,45, und mit dem Alter fallend. Zum Schluss die zweite Vorhersage — Ausschließen und Gerüchte heben ab etwa 11 das Ansehen, senken aber in jedem Alter das Gemochtwerden; und der Geschlechtersatz („das machen doch nur Mädchen“) stimmt nicht, gemessen ist der Unterschied dort verschwindend klein. Die Stunde endet mit dem Satz, mit dem sie angefangen hat — das ist eine Messung über viele Menschen und keine Einteilung für diese Klasse.

bezugsperson

8–24

Mittel
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

In einer 2. Klasse schließt ein Kind regelmäßig andere vom Spielen aus. Was zeigen die Messungen für dieses Alter?

  • â—Ź Es wird weniger gemocht — und es hat auch kein höheres Ansehen.
  • â—‹ Es wird weniger gemocht, hat aber hohes Ansehen.
  • â—‹ Es wird von den anderen mehr gemocht.
Bei den jüngeren Kindern fand man gar keinen positiven Zusammenhang zwischen Gemeinsein und Ansehen. In diesem Alter stimmt der Satz „wer gemein ist, wird unbeliebt“ noch für beide Listen.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

In einer 8. Klasse schließt jemand regelmäßig andere aus und streut Gerüchte. Was zeigen die Messungen für dieses Alter?

  • â—Ź Diese Person wird weniger gemocht — kann aber hohes Ansehen haben.
  • â—‹ Diese Person wird weniger gemocht und hat auch niedriges Ansehen.
  • â—‹ Diese Person wird mehr gemocht und hat hohes Ansehen.
Ab etwa 11 gehen die zwei Linien auseinander. Das Ansehen kann steigen; das Gemochtwerden sinkt trotzdem, und zwar in jedem Alter.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

In der Untersuchung mit 905 Kindern liegt die Linie fĂĽr Gemochtwerden von 10 bis 14 durchgehend unterhalb der Nulllinie. Was heiĂźt das?

  • â—Ź AusschlieĂźen und GerĂĽchte machen unbeliebter im Sinne von gemocht — mit 10 genauso wie mit 14.
  • â—‹ AusschlieĂźen und GerĂĽchte machen mit 14 beliebter im Sinne von gemocht als mit 10.
  • â—‹ AusschlieĂźen und GerĂĽchte haben mit dem Gemochtwerden nichts zu tun.
Unterhalb der Nulllinie heißt negativer Zusammenhang. Die Linie bewegt sich über die fünf Jahre kaum — das ist der Teil, der nie aufhört zu stimmen.
Multiple Choice #4 18s â–¶ Testen

In 148 Untersuchungen wurde der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen gemessen. Wie groß war er beim Ausschließen und Gerüchtestreuen?

  • â—Ź So klein, dass er praktisch keine Rolle spielt.
  • â—‹ GroĂź, und zwar zugunsten der Mädchen.
  • â—‹ GroĂź, und zwar zugunsten der Jungen.
Ausschließen und Gerüchte sind keine Mädchensache — das ist ein häufiger Satz, aber die Messung findet dort fast keinen Unterschied.
Multiple Choice #5 18s â–¶ Testen

In denselben 148 Untersuchungen — wie groß war der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen beim Schlagen und Beschimpfen?

  • â—Ź Deutlich, und zwar zugunsten der Jungen.
  • â—‹ Deutlich, und zwar zugunsten der Mädchen.
  • â—‹ So klein, dass er praktisch keine Rolle spielt.
Nur diese Hälfte des bekannten Satzes stimmt. Beim direkten Zuschlagen gibt es den Unterschied wirklich — beim Ausschließen nicht.
Wahr / Falsch #6 15s â–¶ Testen

Der Satz „wer gemein ist, wird unbeliebt“ war in der Grundschule falsch und wird erst in der Mittelstufe richtig.

âś“ Falsch
Es ist genau umgekehrt. In der Grundschule stimmte der Satz fĂĽr beide Listen; ab etwa 11 stimmt er nur noch fĂĽr das Gemochtwerden.
Wahr / Falsch #7 15s â–¶ Testen

Ausschließen und Gerüchtestreuen können in einer 8. Klasse das Ansehen erhöhen und gleichzeitig das Gemochtwerden senken.

âś“ Wahr
Ja, und das ist der Kern der Schere — beides passiert bei denselben Personen zur selben Zeit, weil es zwei verschiedene Messungen sind.
Wahr / Falsch #8 15s â–¶ Testen

Wer andere ausschlieĂźt, wird mit 14 mehr gemocht als mit 10.

âś“ Falsch
Die Gemocht-Linie bleibt über alle fünf Jahre unter der Null. Was sich verändert, ist nur die andere Linie — das Ansehen.
Schwer
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

In derselben Untersuchung steigt die Linie fĂĽr Ansehen von 10 bis 14 an. Welcher Fall passt dazu?

  • â—Ź In der 8. Klasse steht jemand ganz oben auf der Beliebt-Liste, den kaum jemand als Sitznachbarn will.
  • â—‹ In der 8. Klasse steht jemand ganz oben auf beiden Listen.
  • â—‹ In der 8. Klasse steht jemand auf keiner der beiden Listen oben.
Genau diesen Fall macht die steigende Ansehen-Linie zusammen mit der unten bleibenden Gemocht-Linie häufiger. Er ist kein Widerspruch — es sind zwei Messungen.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Was passiert in derselben Untersuchung mit Schubsen und Schlagen zwischen 10 und 14?

  • â—Ź Es wird zwar weniger stark abgelehnt, bringt aber immer weniger Ansehen.
  • â—‹ Es wird stärker abgelehnt und bringt immer mehr Ansehen.
  • â—‹ Es wird weniger stark abgelehnt und bringt immer mehr Ansehen.
Körperliche Aggression läuft genau andersherum als Ausschließen und Gerüchte. Wer sich durch Zuschlagen einen Namen machen will, liegt gerade in diesem Alter falsch.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

Schlagen und Ausschließen hängen mit 0,76 zusammen, beliebt und gemocht mit 0,45. Was folgt daraus?

  • â—Ź Schlagen und AusschlieĂźen sind viel enger beieinander als beliebt und gemocht.
  • â—‹ Beliebt und gemocht sind enger beieinander als Schlagen und AusschlieĂźen.
  • â—‹ Beide Paare hängen ungefähr gleich stark zusammen.
0,76 liegt deutlich näher an 1 als 0,45. Wer das eine tut, tut meistens auch das andere — es sind zwei Gesichter derselben Sache.
Multiple Choice #4 20s â–¶ Testen

Ein Neuntklässler sagt — „Ich schlage doch niemanden.“ Er lässt aber seit Wochen jemanden bei allem außen vor. Welcher Satz passt zu den Befunden?

  • â—Ź Wer ausschlieĂźt, tut meistens auch das andere — die zwei Arten hängen eng zusammen.
  • â—‹ Wer nicht schlägt, tut auch sonst nichts Verletzendes.
  • â—‹ AusschlieĂźen ist etwas ganz anderes als Schlagen und wird gar nicht gemessen.
Der Zusammenhang von 0,76 zerlegt genau diese Ausrede. „Ich schlage niemanden“ ist keine Verteidigung dafür, jemanden systematisch außen vor zu lassen.