Beliebt oder gemocht?
Popular or liked?
Der Irrtum, den dieser Fall abräumt, ist fast lückenlos verbreitet und hält sich bis weit in die Mittelstufe — „beliebt“ und „gemocht“ seien dasselbe, und die beliebten Kinder seien die, die alle am liebsten mögen. Gemessen sind es zwei verschiedene Fragen. „Neben wem willst du sitzen?“ ist ein privates Urteil über eine einzelne Person, bei dem alle etwas anderes antworten; „wer ist beliebt?“ ist ein Urteil über einen Ruf, bei dem sich fast alle einig sind. Parkhurst und Hopmeyer (1998, 727 Jugendliche) fanden, dass die meisten auf der einen Liste weit oben Genannten auf der anderen nicht weit oben standen — in beide Richtungen. Die Meta-Analyse von van den Berg, Lansu und Cillessen (2020) über 135 Untersuchungen mit 136.014 Kindern und Jugendlichen beziffert den Zusammenhang auf r = 0,45 und zeigt, dass er mit dem Alter schwächer wird (0,47 am Ende der Grundschule, 0,37 in der Oberstufe) — was Klasse 6 zum richtigen Zeitpunkt macht, weil die zwei Listen sich hier gerade zu trennen beginnen. Der zweite, schärfere Irrtum ist „wer gemein ist, wird unbeliebt“: für 6- bis 10-Jährige zutreffend (Rose, Swenson und Waller 2004 finden bei den jüngeren gar keinen positiven Zusammenhang), ab etwa 11 nicht mehr. Beurteilt werden ausschließlich Befunde, Sätze und Situationen — ausdrücklich nicht Mitschülerinnen und Mitschüler. Gebraucht wird das Thema in „Wenn eine Freundschaft schadet“ (Klasse 7) und im Klassenrat, wo Ausschluss verhandelt wird.
Unterthemen (3)
Voraussetzungen (1)
Welcher Satz sagt etwas ĂĽber den Ruf in der Gruppe?
Welcher Satz sagt etwas ĂĽber das Gemochtwerden?
Die Frage „wer ist beliebt?“ fragt danach, wen der Befragte selbst am liebsten mag.
In einer 9. Klasse werden beide Fragen gestellt. Welches Ergebnis passt zu dem, was gemessen wurde?
Der Zusammenhang zwischen den beiden Listen liegt bei 0,45 auf einer Skala von 0 bis 1. Welcher Fall ist damit vereinbar?
Der Zusammenhang beträgt in den Klassen 5 bis 8 noch 0,47 und in den Klassen 9 bis 12 nur noch 0,37. Was passiert also mit dem Alter?
In einer 3. Klasse redet ein Kind schlecht ĂĽber andere. Was zeigen die Messungen fĂĽr dieses Alter?
In einer 9. Klasse lässt jemand seit Monaten eine Mitschülerin bei allem außen vor. Was zeigen die Messungen für dieses Alter?
Welche Aussage ĂĽber AusschlieĂźen und GerĂĽchtestreuen stimmt mit den 148 ausgewerteten Untersuchungen ĂĽberein?
Welche Auskunft kann nur jemand geben, der die Person wirklich kennt?
In der Langzeituntersuchung wurden 169 Jugendliche mit 15 gemessen und mit 25 wieder besucht. Welches Ergebnis fanden die Forschenden?
Eine Zwölfjährige merkt, dass ihr das Dazugehören gerade wichtiger ist als in der Grundschule. Was passt zu den Daten aus der Untersuchung mit 1.013 Personen?
Drei Kinder haben den Artikel gelesen. Wer hat daraus das Richtige mitgenommen?
Aus den vier Feldern lässt sich ablesen, in welches Feld eine bestimmte Mitschülerin gehört.
Von 100 Kindern stehen 36 auf beiden Listen oben, 36 auf keiner, 14 nur auf der Beliebt-Liste und 14 nur auf der Gemocht-Liste. Wie viele stehen oben auf der Gemocht-Liste?
Schlagen und Ausschließen hängen mit 0,76 zusammen. Welcher Fall passt zu dieser Zahl?