Zwei Fragen, zwei Listen
Two questions, two lists
Die soziometrischen Standardfragen sind nicht zwei Formulierungen derselben Sache. „Neben wem willst du am liebsten sitzen?“ fragt nach einer privaten, zweiseitigen Einschätzung — nur ich kann sie beantworten, und die Antworten der Klasse gehen auseinander. „Wer ist beliebt?“ fragt nach einem öffentlichen Ruf — sie fragt nicht, was ich mag, sondern was ich glaube, dass alle glauben, und dort sind sich fast alle einig, auch die, die die Person kaum kennen. Aus zwei Fragen werden zwei Listen. Parkhurst und Hopmeyer (1998, 727 Jugendliche der 7. und 8. Klasse) berichten beide Richtungen gleichzeitig — die meisten oben auf der Gemocht-Liste standen nicht oben auf der Beliebt-Liste, und umgekehrt. Die Meta-Analyse von van den Berg, Lansu und Cillessen (2020) beziffert den Zusammenhang über 135 Untersuchungen mit 136.014 Kindern und Jugendlichen auf r = 0,45 und zeigt seine Abschwächung mit dem Alter (0,47 Ende Grundschule und Klassen 5–8, 0,37 Klassen 9–12). Rechnet man 0,45 auf 100 Kinder um, widersprechen sich die beiden Antworten bei 28 von ihnen. Geübt wird an Fragen und Befunden, nie an Personen.
Können & Üben
Beliebt oder gemocht — vorhersagen, auszählen, erklären
workshop45 min · once
klassenzimmer
Vorbereitung. Die Begleitung bringt 24 Antwortzettel einer erfundenen Klasse mit — auf jedem steht, welches erfundene Kind dieses Kind als Sitznachbarn wählen würde und welche zwei es für beliebt hält. Die Zettel sind so gebaut, dass die beiden Auszählungen auseinandergehen. Zu Beginn wird laut gesagt, dass in dieser Stunde niemand aus dem Raum gezählt, genannt oder eingeteilt wird, und dass das auch danach nicht passiert. VORHERSAGEN (10 Min). An der Tafel stehen zwei Fragen — „Neben wem willst du am liebsten sitzen?“ und „Wer ist beliebt?“. Die Gruppe stimmt über zwei Vorhersagen ab, und beide Ergebnisse werden sichtbar notiert. Erstens — kommen bei den zwei Fragen dieselben Namen heraus? Zweitens — stimmt der Satz „wer gemein ist, wird unbeliebt“ bei Zwölfjährigen noch genauso wie in der zweiten Klasse? Fast immer gewinnt zweimal Ja. AUSZÄHLEN (15 Min). Die 24 Zettel werden verteilt. Eine Hälfte der Gruppe zählt die Antworten auf Frage 1 aus, die andere Hälfte die auf Frage 2. Beide Ergebnislisten kommen nebeneinander an die Tafel. Beobachtet werden zwei Dinge, und sie stehen vorher an — Wie viele verschiedene Namen kommen bei jeder Frage vor? Und stehen oben auf beiden Listen dieselben Namen? Die Gruppe wird sehen, dass Frage 2 wenige Namen sehr oft und Frage 1 viele Namen je einmal hervorbringt. ERKLÄREN (20 Min). Erst der Vergleich mit der eigenen Vorhersage. Dann die Leitfrage, und sie zielt nicht auf nett oder gemein, sondern auf die Fragen selbst — Warum sind sich bei der einen Frage alle einig und bei der anderen niemand? Hinführen auf: Frage 2 fragt nicht, was ich mag, sondern was ich glaube, dass alle glauben. Danach nennt die Begleitung die Messwerte beim Namen — 135 Untersuchungen, 136.014 Kinder und Jugendliche, Zusammenhang 0,45, und mit dem Alter fallend. Zum Schluss die zweite Vorhersage — Ausschließen und Gerüchte heben ab etwa 11 das Ansehen, senken aber in jedem Alter das Gemochtwerden; und der Geschlechtersatz („das machen doch nur Mädchen“) stimmt nicht, gemessen ist der Unterschied dort verschwindend klein. Die Stunde endet mit dem Satz, mit dem sie angefangen hat — das ist eine Messung über viele Menschen und keine Einteilung für diese Klasse.
bezugsperson
8–24
Welcher Satz sagt etwas über den Ruf in der Gruppe?
Welcher Satz sagt etwas über den Ruf in der Gruppe?
Welcher Satz sagt etwas über das Gemochtwerden?
Welcher Satz sagt etwas über den Ruf in der Gruppe?
Welcher Satz sagt etwas über das Gemochtwerden?
Welcher Satz sagt etwas über den Ruf in der Gruppe?
In einer Klasse werden beide Fragen gestellt. Welches Ergebnis passt zu dem, was in der Forschung gemessen wurde?
Der gemessene Zusammenhang zwischen den beiden Listen ist 0,45 auf einer Skala von 0 bis 1. Welcher Satz passt zu dieser Zahl?
Rechnet man 0,45 auf 100 Kinder um, kommen 36 auf beiden Listen oben vor, 36 auf keiner, 14 nur auf der Beliebt-Liste und 14 nur auf der Gemocht-Liste. Bei wie vielen widersprechen sich die beiden Antworten?
Die Frage „wer ist beliebt?“ kann auch jemand beantworten, der die genannte Person noch nie gesprochen hat.
Wenn 22 von 24 Kindern denselben Namen als beliebt nennen, wollen auch 22 von 24 neben dieser Person sitzen.
Der Zusammenhang beträgt 0,47 am Ende der Grundschule und 0,37 in den Klassen 9 bis 12. Was folgt daraus?