Was die zwei Listen wert sind

What the two lists are worth

Miteinander und Umgangsformen Klasse 6 11 Aufgaben
MiteinanderFreundschaftBeziehungsqualitätAnsehen

Wenn es zwei Listen gibt, ist die nächste Frage, was auf jeder von beiden eigentlich steht. Ansehen ist ein Ruf und wird zu großen Teilen von Leuten vergeben, die die Person nicht kennen — die Parallelklasse, die Stufe darüber. Gemochtwerden kann nur vergeben, wer tatsächlich Zeit mit ihr verbracht hat. Die Outcome-Evidenz trennt die beiden ebenfalls — Narr, Allen, Tan und Loeb (2019) haben 169 Jugendliche mit 15 gemessen und mit 25 wieder untersucht: Die Stärke der engen Freundschaft sagte mehr Selbstwert und weniger Angst und depressive Symptome voraus, während die Bevorzugung durch die breite Peergruppe mehr soziale Angst voraussagte. Dazu der Befund, der die Leserin über ihren eigenen Zustand aufklärt — LaFontana und Cillessen (2010) haben 1.013 Personen zwischen 6 und 22 Jahren soziale Dilemmata vorgelegt, in denen Ansehen gegen Freundschaft, Leistung, Regeln, Hilfsbereitschaft und Verliebtsein stand; die Bevorzugung des Ansehens verläuft kurvenförmig und erreicht in der frühen Jugend ihren Höchststand, mit messbar niedrigeren Werten sowohl davor als auch danach. Das ist keine Beruhigung, sondern eine Messung — und für eine Dreizehnjährige eine zutreffende Auskunft über ihre eigene Gegenwart.

Können & Üben

Beliebt oder gemocht — vorhersagen, auszählen, erklären

workshop

45 min · once

klassenzimmer

Vorbereitung. Die Begleitung bringt 24 Antwortzettel einer erfundenen Klasse mit — auf jedem steht, welches erfundene Kind dieses Kind als Sitznachbarn wählen würde und welche zwei es für beliebt hält. Die Zettel sind so gebaut, dass die beiden Auszählungen auseinandergehen. Zu Beginn wird laut gesagt, dass in dieser Stunde niemand aus dem Raum gezählt, genannt oder eingeteilt wird, und dass das auch danach nicht passiert. VORHERSAGEN (10 Min). An der Tafel stehen zwei Fragen — „Neben wem willst du am liebsten sitzen?“ und „Wer ist beliebt?“. Die Gruppe stimmt über zwei Vorhersagen ab, und beide Ergebnisse werden sichtbar notiert. Erstens — kommen bei den zwei Fragen dieselben Namen heraus? Zweitens — stimmt der Satz „wer gemein ist, wird unbeliebt“ bei Zwölfjährigen noch genauso wie in der zweiten Klasse? Fast immer gewinnt zweimal Ja. AUSZÄHLEN (15 Min). Die 24 Zettel werden verteilt. Eine Hälfte der Gruppe zählt die Antworten auf Frage 1 aus, die andere Hälfte die auf Frage 2. Beide Ergebnislisten kommen nebeneinander an die Tafel. Beobachtet werden zwei Dinge, und sie stehen vorher an — Wie viele verschiedene Namen kommen bei jeder Frage vor? Und stehen oben auf beiden Listen dieselben Namen? Die Gruppe wird sehen, dass Frage 2 wenige Namen sehr oft und Frage 1 viele Namen je einmal hervorbringt. ERKLÄREN (20 Min). Erst der Vergleich mit der eigenen Vorhersage. Dann die Leitfrage, und sie zielt nicht auf nett oder gemein, sondern auf die Fragen selbst — Warum sind sich bei der einen Frage alle einig und bei der anderen niemand? Hinführen auf: Frage 2 fragt nicht, was ich mag, sondern was ich glaube, dass alle glauben. Danach nennt die Begleitung die Messwerte beim Namen — 135 Untersuchungen, 136.014 Kinder und Jugendliche, Zusammenhang 0,45, und mit dem Alter fallend. Zum Schluss die zweite Vorhersage — Ausschließen und Gerüchte heben ab etwa 11 das Ansehen, senken aber in jedem Alter das Gemochtwerden; und der Geschlechtersatz („das machen doch nur Mädchen“) stimmt nicht, gemessen ist der Unterschied dort verschwindend klein. Die Stunde endet mit dem Satz, mit dem sie angefangen hat — das ist eine Messung über viele Menschen und keine Einteilung für diese Klasse.

bezugsperson

8–24

Leicht
Wahr / Falsch #1 12s â–¶ Testen

Ansehen wird zu groĂźen Teilen von Leuten vergeben, die die Person gar nicht kennen.

âś“ Wahr
Ja — die Parallelklasse und die Stufe darüber kennen meist nur den Ruf. Gemocht werden kann man dagegen nur von Leuten, die einen erlebt haben.
Wahr / Falsch #2 15s â–¶ Testen

Nach den Langzeitdaten sagt eine starke enge Freundschaft mit 15 mehr Selbstwert mit 25 voraus.

âś“ Wahr
Ja, und dazu weniger Angst und weniger Niedergeschlagenheit. Das ist die Liste, hinter der die besseren Langzeitnachrichten stehen.
Mittel
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Wer kann diesen Satz sagen — jemand, der die Person kennt, oder auch jemand, der sie nie gesprochen hat?

  • â—Ź „Die aus der 7b sollen ziemlich beliebt sein.“ — auch jemand, der sie nie gesprochen hat.
  • â—‹ „Auf Lea ist Verlass, wenn man sie um etwas bittet.“ — auch jemand, der sie nie gesprochen hat.
  • â—‹ „Mit Ben kann man gut Quatsch machen.“ — auch jemand, der ihn nie gesprochen hat.
Ein Ruf läuft weiter als der eigene Kontakt — „sollen sein“ verrät das schon. Die anderen beiden Sätze setzen voraus, dass man die Person erlebt hat.
Multiple Choice #2 18s â–¶ Testen

Welche Auskunft kann nur jemand geben, der Zeit mit der Person verbracht hat?

  • â—Ź „Wenn ich traurig bin, merkt Nour das als Erste.“
  • â—‹ „Nour wird in der ganzen Stufe fĂĽr beliebt gehalten.“
  • â—‹ „Über Nour redet gerade die halbe Schule.“
Das kann man nur wissen, wenn man es erlebt hat. Die beiden anderen Sätze sind Aussagen über einen Ruf und brauchen keinerlei Kontakt.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

In einer Untersuchung wurden 169 Jugendliche mit 15 gemessen und mit 25 wieder besucht. Was fanden die Forschenden bei denen mit einer starken engen Freundschaft?

  • â—Ź Mehr Selbstwert und weniger Angst und Niedergeschlagenheit mit 25.
  • â—‹ Mehr Angst davor, bewertet zu werden, mit 25.
  • â—‹ Gar keinen Unterschied mit 25.
Die enge Freundschaft mit 15 sagte gute Nachrichten mit 25 voraus. Das ist die Zeile, hinter der die Langzeitdaten stehen.
Multiple Choice #4 18s â–¶ Testen

1.013 Menschen zwischen 6 und 22 mussten sich zwischen Ansehen und anderen Dingen entscheiden. In welchem Alter wurde am häufigsten das Ansehen gewählt?

  • â—Ź Ungefähr mit 13.
  • â—‹ Ungefähr mit 8.
  • â—‹ Ungefähr mit 20.
Die Kurve steigt bis etwa 13 an und geht danach wieder zurĂĽck. Vorher und nachher liegt sie messbar niedriger.
Multiple Choice #5 20s â–¶ Testen

Ein Dreizehnjähriger merkt, dass ihm Ansehen gerade wichtiger ist als in der Grundschule. Was sagen die Daten dazu?

  • â—Ź Das ist der normale Höchststand, und er geht mit dem Alter von selbst zurĂĽck.
  • â—‹ Das ist ungewöhnlich und bleibt bei den meisten das ganze Leben so.
  • â—‹ Das kommt bei den meisten erst mit 20.
Die Kurve hat in der frühen Jugend ihren höchsten Punkt und fällt danach wieder ab. Mit 20 wählen dieselben Leute anders als mit 13.
Multiple Choice #6 18s â–¶ Testen

Zwei Sätze über dieselbe Person. Welcher stammt von jemandem, der sie kennt?

  • â—Ź „Sie hat mir letztes Jahr geholfen, als ich den Anschluss verpasst hatte.“
  • â—‹ „Von ihr haben alle schon mal gehört.“
  • â—‹ „Sie ist in der Stufe ein Begriff.“
Nur der erste Satz berichtet etwas Erlebtes. „Alle haben gehört“ und „ein Begriff“ beschreiben einen Ruf und sagen über die Person selbst nichts.
Wahr / Falsch #7 15s â–¶ Testen

Der Wunsch nach Ansehen ist bei Achtjährigen genauso stark wie bei Dreizehnjährigen.

âś“ Falsch
Bei den Achtjährigen liegt die Kurve deutlich niedriger. Ihren höchsten Punkt erreicht sie in der frühen Jugend und fällt danach wieder ab.
Schwer
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

In derselben Untersuchung — was fand man bei denen, mit denen viele aus der Jahrgangsstufe zu tun haben wollten?

  • â—Ź Mehr Angst davor, bewertet zu werden, mit 25.
  • â—‹ Mehr Selbstwert und weniger Angst mit 25.
  • â—‹ Genau dasselbe wie bei der engen Freundschaft.
Die zwei Zeilen gingen in verschiedene Richtungen. Das heißt nicht, dass Ansehen schadet — es heißt, dass die zwei Listen verschiedene Dinge voraussagen.
Multiple Choice #2 20s â–¶ Testen

Welche Aussage lässt sich aus den beiden Langzeituntersuchungen ziehen?

  • â—Ź Die zwei Listen sagen verschiedene Dinge ĂĽber die Zukunft voraus.
  • â—‹ Ansehen ist schädlich und man sollte es nicht wollen.
  • â—‹ Nur wer beliebt ist, hat später enge Freundschaften.
Die Daten trennen die beiden Listen, sie verbieten nichts. Ansehen ist nicht schädlich — es sagt nur andere Dinge voraus als eine enge Freundschaft.