An jemanden schreiben, der einen nicht kennt

Writing to someone who does not know you

Miteinander und Umgangsformen Klasse 7 16 Aufgaben
MiteinanderBerufliches AuftretenRegisterKerncurriculum

Geübt wird eine Mail mit vier Teilen, und zwar in dieser Reihenfolge — eine Betreffzeile, die die Sache benennt, eine Anrede mit Sie und Nachnamen, das Anliegen in *einem* Satz weit oben, und ein Schluss, aus dem hervorgeht, wer da eigentlich schreibt (Vorname, Nachname, Klasse, Schule). Die beiden Fehler, die dabei tatsächlich passieren, sind belegt und verschieden. Der erste ist das Durchschlagen des Chat-Registers — Economidou-Kogetsidis (2011) hat Studierendenmails an Dozentinnen kodiert und fand fehlende Anrede, fehlende Selbstnennung, Wunsch- und Befehlssätze („Schicken Sie mir…", „Ich will…") und „bitte" als einzige Abschwächung; die Empfänger lasen solche Mails als fordernd, obwohl sie nicht so gemeint waren. Der zweite ist das Gegenteil: In der Terminologie von Blum-Kulka und Olshtain (1984) besteht eine Bitte aus dem *head act* und den *supportive moves* — und Lernende häufen die Begleitsätze so an, dass der Kernsatz verschwindet (Edmondson und House nennen das den *waffle*-Effekt). Drei Absätze Entschuldigung vor der Frage sind kein höflicheres Anliegen, sondern ein unauffindbares. Die Form selbst ist Konvention, keine Wissenschaft: Betreff ohne das Wort „Betreff" und ohne Punkt am Ende (DIN 5008), Komma nach der Anrede, danach klein weiter, „Mit freundlichen Grüßen" ohne Komma — das steht so in keiner Studie, sondern in der Norm, und genau deshalb muss es jemand beibringen. Vorbereitet wird die kalte Anfrage beim Praktikumsbetrieb in `miteinander.grade9.praktikum-und-vorstellungsgespraech`, die Rubrik-Stufe „erkennt von selbst, dass diese Nachricht ein anderes Register braucht" und damit die Check-Liste Pc3.

Können & Üben

Register treffen

Schreibt an Fremde wie in den Klassenchat.

Trifft die Form, wenn eine Vorlage danebenliegt.

Trifft sie, wenn jemand sagt, dass es eine förmliche Sache ist.

Erkennt von selbst, dass diese Nachricht ein anderes Register braucht, und wechselt.

Trifft auch die Zwischenlagen — die halb-förmliche Mail, die zweite Nachricht an dieselbe Person.

Leicht
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Yara schreibt dem Tierheim wegen eines zweiwöchigen Praktikums im März. Welche Betreffzeile sagt schon vor dem Öffnen, worum es geht?

  • â—Ź Anfrage SchĂĽlerpraktikum, 9. bis 20. März
  • â—‹ Hallo!!
  • â—‹ Ich bin Yara aus der 7b und wollte fragen, ob ich bei Ihnen im März zwei Wochen Praktikum machen darf, weil ich später gern mit Tieren arbeiten wĂĽrde
Der Betreff nennt die Sache und den Zeitraum. „Hallo!!" nennt gar nichts, und die dritte Zeile ist schon die ganze Mail — im Postfach bricht sie nach fünf Wörtern ab.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Konstantin hat seinen SchĂĽlerausweis verloren und schreibt ans Sekretariat. Welche Betreffzeile sagt schon vor dem Ă–ffnen, worum es geht?

  • â—Ź Verlorener SchĂĽlerausweis — Bitte um einen neuen
  • â—‹ Frage
  • â—‹ Ich habe leider gestern meinen SchĂĽlerausweis verloren und weiĂź jetzt nicht, wie ich einen neuen bekomme, können Sie mir da weiterhelfen
Zwei Angaben reichen — was passiert ist und was Konstantin will. „Frage" könnte alles heißen; die lange Zeile gehört in die Mail, nicht in den Betreff.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Deniz braucht fĂĽr ein Referat den Gruppenraum der Stadtbibliothek am 14. Juni. Welche Betreffzeile sagt schon vor dem Ă–ffnen, worum es geht?

  • â—Ź Anfrage Gruppenraum am Freitag, 14. Juni
  • â—‹ Hi :)
  • â—‹ Wir sind vier Leute aus der 7a und mĂĽssten fĂĽr ein Referat irgendwo zusammen arbeiten, geht das bei Ihnen am 14. Juni
Wer den Betreff liest, weiß, an wen die Mail weitergehen muss. „Hi :)" landet ungelesen unten, und die dritte Zeile ist keine Zeile mehr.
Multiple Choice #4 18s â–¶ Testen

Amelie schreibt Frau Kessler im Sekretariat, deren Namen sie kennt. Welche Anrede passt?

  • â—Ź Sehr geehrte Frau Kessler,
  • â—‹ Hallo Frau Kessler!
  • â—‹ Liebe Frau Kessler,
„Sehr geehrte" ist die verabredete Form für Leute, die man nicht persönlich kennt — eine Konvention, keine Regel mit Begründung, im Betrieb aber erwartet. „Hallo" ist die Schulflur-Fassung, „Liebe" tut so, als kenne man sich schon.
Multiple Choice #5 20s â–¶ Testen

Unter Levins Mail an den Praktikumsbetrieb steht der Schluss. Welcher Schluss sagt der Empfängerin, wer geschrieben hat?

  • â—Ź Mit freundlichen GrĂĽĂźen — Levin Achterberg, Klasse 7b, Fido Campus
  • â—‹ Liebe GrĂĽĂźe und einen schönen Tag noch, Levin
  • â—‹ Danke schon mal im Voraus fĂĽr Ihre Antwort!!! Levin
Gruß, dann in der nächsten Zeile der volle Name mit Klasse und Schule. „Levin" allein gibt es im Betrieb nicht; das dritte drängelt auch noch.
Multiple Choice #6 20s â–¶ Testen

Unter Marlenes Mail an die Stadtbibliothek steht der Schluss. Welcher Schluss sagt der Empfängerin, wer geschrieben hat?

  • â—Ź Mit freundlichen GrĂĽĂźen — Marlene Oberholzer, Klasse 7a, Fido Campus
  • â—‹ Viele liebe GrĂĽĂźe und einen schönen Abend noch, Marlene
  • â—‹ Bitte antworten Sie möglichst schnell, es ist wichtig. Marlene
Die Bibliothek muss die Anfrage einer Person zuordnen können. Ein Vorname reicht dafür nicht, und ein Antwortbefehl gehört gar nicht dorthin.
Wahr / Falsch #7 15s â–¶ Testen

Fabians Mail beginnt — „Sehr geehrter Herr Brandner, ich möchte fragen, ob ich vom 9. bis 20. März ein Praktikum in Ihrer Praxis machen kann." Damit steht das Anliegen im ersten Satz.

âś“ Wahr
Ja — Anrede, dann sofort die Bitte mit Zeitraum. Herr Brandner kann nach zwei Zeilen entscheiden, was er antwortet.
Wahr / Falsch #8 15s â–¶ Testen

Nurays Mail an den Betrieb trägt die Betreffzeile „Frage". Damit weiß der Empfänger schon vor dem Öffnen, worum es geht.

âś“ Falsch
Nein — jede Mail ist eine Frage. Der Betreff soll die Sache nennen, etwa „Anfrage Schülerpraktikum im März".
Mittel
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Malia schreibt der Fahrradwerkstatt Ceylan. Welcher Satz nennt das Anliegen?

  • â—Ź Ich möchte fragen, ob Sie mein Rad bis Freitag reparieren können.
  • â—‹ Es tut mir leid, dass ich Sie störe, ich weiĂź, dass Sie viel zu tun haben, und ich hoffe, es macht keine Umstände.
  • â—‹ Mein Hinterrad hat seit gestern einen Achter, und am Samstag ist in Dachau ein Rennen.
Nur der erste Satz sagt, was Herr Ceylan tun soll. Der zweite entschuldigt sich für die Mail, der dritte erklärt die Lage — beides darf danach kommen, keines ersetzt die Bitte.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Levin schreibt der Musikschule wegen eines Schnupperkurses. Welcher Satz nennt das Anliegen?

  • â—Ź Ich wĂĽrde gern wissen, ob im Schnupperkurs Schlagzeug im September noch ein Platz frei ist.
  • â—‹ Ich hoffe, ich schreibe an die richtige Adresse, und falls nicht, tut es mir wirklich sehr leid.
  • â—‹ Ich spiele seit zwei Jahren in der Schulband und ĂĽbe fast jeden Tag im Keller.
Der erste Satz stellt die Frage, die beantwortet werden kann. Der zweite entschuldigt sich, der dritte erzählt von Levin — aus beiden weiß die Musikschule nicht, was sie tun soll.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Sude schreibt der Bäckerei Reindl wegen einer Betriebsbesichtigung mit der Klasse. Welcher Satz nennt das Anliegen?

  • â—Ź Ich frage fĂĽr unsere Klasse an, ob wir Ihre Backstube an einem Vormittag im Mai besichtigen dĂĽrfen.
  • â—‹ Ich weiĂź, dass bei Ihnen morgens viel los ist, und möchte auf keinen Fall im Weg stehen.
  • â—‹ Wir behandeln im Unterricht gerade, wie Lebensmittel hergestellt werden.
Die Bitte steht im ersten Satz, mit Zeitraum. Rücksicht und Begründung sind gute Sätze zwei und drei — als Satz eins verstecken sie die Frage.
Multiple Choice #4 22s â–¶ Testen

Fabian schreibt an die Volkshochschule, wo er niemanden kennt. Welcher Satz passt in die Mail?

  • â—Ź Könnten Sie mir sagen, ob am Freitag noch Plätze frei sind?
  • â—‹ Schicken Sie mir bitte schnell die Anmeldung.
  • â—‹ Hey, ist bei euch Freitag noch was frei?
Der erste Satz fragt und lässt der Empfängerin die Antwort offen. Der zweite ist ein Befehl mit „bitte" davor, der dritte redet eine fremde Person mit du an.
Multiple Choice #5 22s â–¶ Testen

Nuray schreibt an die Handwerkskammer, wo sie niemanden kennt. Welcher Satz passt in die Mail?

  • â—Ź Ich wollte fragen, ob Sie mir die Unterlagen zuschicken könnten.
  • â—‹ Ich brauche die Unterlagen bis morgen.
  • â—‹ Kannst du mir die Unterlagen mal rĂĽberschicken?
Gefragt wird, nicht angesagt. Satz zwei nennt nur den eigenen Bedarf und klingt dadurch fordernd; Satz drei kommt aus dem Klassenchat.
Multiple Choice #6 22s â–¶ Testen

Jakob schreibt an das Fotostudio Lorenz, wo er niemanden kennt. Welcher Satz passt in die Mail?

  • â—Ź Wäre es möglich, dass ich am Samstagvormittag vorbeikomme?
  • â—‹ Ich komme dann am Samstagvormittag vorbei.
  • â—‹ Passt Samstag bei euch?
Satz eins bittet um etwas, das noch nicht abgemacht ist. Satz zwei setzt die Zusage einfach voraus, Satz drei ist du-Form an eine fremde Person.
Multiple Choice #7 18s â–¶ Testen

Kian schreibt an eine Firma und findet keinen Namen einer Ansprechperson. Welche Anrede passt?

  • â—Ź Sehr geehrte Damen und Herren,
  • â—‹ Hallo zusammen,
  • â—‹ Sehr geehrter Herr oder Frau,
Das ist die Anrede für den Fall, dass man den Namen nicht kennt. „Hallo zusammen" ist Chat, und „Herr oder Frau" gibt es nicht — dann lieber fünf Minuten die Website nach einem Namen absuchen.
Wahr / Falsch #8 18s â–¶ Testen

Amelies Mail entschuldigt sich in drei Absätzen dafür, dass sie stört, und stellt ihre Frage erst ganz am Schluss. Die Mail ist dadurch höflicher.

âś“ Falsch
Nein — sie ist dadurch nur schwerer zu beantworten. Höflich ist die Form (Anrede, Sie, Gruß); das Anliegen gehört trotzdem nach oben.