Elektronen im Querfeld

Electrons in a Transverse Field

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
Elektrisches FeldBewegungKerncurriculum

Schießt man Elektronen senkrecht zu den Feldlinien in ein Querfeld, beschreiben sie eine Parabel — ganz analog zum waagrechten Wurf, mit der Bahngleichung y = qE/(2mv₀²)·x²; nach dem Feld fliegen sie geradlinig weiter. Aus den Betriebsspannungen folgt die Ablenkung y₁ = l²·U/(4d·U_B). Genau darauf beruht das Oszilloskop (Braunsche Röhre): Die Auslenkung ist proportional zur Ablenkspannung, eine Sägezahnspannung liefert die Zeitachse. Die Feldlinie gibt dabei die Kraft-, nicht die Bewegungsrichtung — das räumt die von Törnkvist et al. (1993) dokumentierte Fehlvorstellung aus, geladene Teilchen liefen entlang der Feldlinien. Trägt Wien-Filter und Kaufmann-Versuch.

Können & Üben

Fadenstrahl-Werkstatt — Elektronen auf Bahnen

workshop

90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – Erklären; die Gruppen rotieren nach etwa 20 Minuten. Sicherheitsblock vorab, für alle Stationen verbindlich: Hochspannung! Alle Röhren laufen mit mehreren hundert Volt — verkabelt und eingeschaltet wird ausschließlich von der Lehrkraft bzw. nach ihrer Freigabe; Umbauten nur im spannungsfreien Zustand, Glaskolben nie berühren, im abgedunkelten Raum Taschen und Kabel aus den Laufwegen. Station 1 — Elektronenkanone und Längsfeld. Vermuten: Was macht eine höhere Beschleunigungsspannung mit dem Leuchtfleck? Beobachten: Der Fleck auf dem Schirm wird schärfer und heller; die Elektronen gewinnen im Längsfeld kinetische Energie. Erklären: e·U = ½·m·v² — die Spannung stellt die Endgeschwindigkeit ein, nicht eine konstante Kraftdauer. Modellgrenze: Bei sehr hohen Spannungen müsste relativistisch gerechnet werden. Station 2 — Querfeld: die Parabel. Vermuten: Welche Bahnform entsteht, wenn der schnelle Strahl quer durch das Feld eines Plattenpaars fliegt — Kreis, Knick oder Parabel? Beobachten: Auf dem Schirm der Ablenkröhre krümmt sich die Leuchtspur parabelförmig; mehr Plattenspannung krümmt stärker, mehr Beschleunigungsspannung streckt die Bahn. Erklären: Wie beim waagrechten Wurf — konstante Querkraft plus konstante Längsgeschwindigkeit ergibt eine Parabel. Modellgrenze: Das Feld ist nur zwischen den Platten homogen; am Rand franst es aus. Station 3 — Fadenstrahlrohr qualitativ: der Kreis. Vermuten — erst ansagen, dann drehen: Was macht mehr Spulenstrom (mehr B) mit dem leuchtenden Kreis, was macht mehr Beschleunigungsspannung U? Beobachten: Mehr B verkleinert den Kreis, mehr U vergrößert ihn; die Spur bleibt stets ein geschlossener Kreis. Erklären: Die Lorentzkraft steht immer senkrecht auf v, verrichtet keine Arbeit und wirkt als Zentripetalkraft — anders als das Querfeld in Station 2, das den Betrag von v ändert. Station 4 — e/m-Messreihe und Schraubenbahn. Nach dem Protokoll (protocol.physik.fadenstrahlrohr) eine r(U)-Messreihe bei festem B aufnehmen, e/m = 2U/(B²r²) berechnen, Mittelwert bilden und mit dem Literaturwert 1,76 · 10¹¹ C/kg vergleichen. Zum Abschluss das Rohr in seiner Halterung leicht drehen: Aus dem Kreis wird eine Schraubenlinie. Erklären: Nur die Geschwindigkeitskomponente senkrecht zu B wird auf die Kreisbahn gezwungen, die Parallelkomponente läuft ungestört weiter — dieselbe Bahnform wie beim Sonnenwind entlang der Erdfeldlinien (Polarlicht). Vorbereitung oder Nachbereitung: der Polarlicht-Artikel in der App. Modellgrenze: Das B-Feld des Helmholtz-Paars ist nur im Zentrum ausreichend homogen; große Kreise verlassen diesen Bereich und verfälschen e/m. Abschluss in der Runde: Längsfeld beschleunigt, Querfeld lenkt parabelig ab, Magnetfeld zwingt auf Kreis oder Schraube — welche Bahn gehört zu welchem Feld, und woran erkennt man den Unterschied im Energieumsatz?

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Die Elektronenkanone liefert einen Strahl mit bekannter Geschwindigkeit . Jetzt drehen wir die Anordnung um 90°: Der Strahl tritt senkrecht zu den Feldlinien in das Querfeld eines Ablenkkondensators ein — Plattenabstand , Plattenlänge , Ablenkspannung . Im Experiment macht ein schräg gestellter Leuchtschirm die Bahn sichtbar.

Sag die Bahnform voraus, bevor du das Applet ansiehst. Du hast zwei Bausteine: Quer zum Feld wirkt keine Kraft, längs des Feldes wirkt eine konstante Kraft. Welche Kurve entsteht — und wie geht sie weiter, sobald das Elektron die Platten hinter sich lässt?

Ziehe das Elektron e⁻ die Bahn entlang und verändere U und U_B: Im Feld eine Parabel (gelb), nach den Platten eine Gerade unter dem Ablenkwinkel φ (violett).

Im Feld eine Parabel, danach eine Gerade — das Elektron verhält sich exakt wie ein waagrecht geworfener Ball, nur mit elektrischer statt Gravitationskraft. Die Rechnung übernimmt diese Analogie Zeile für Zeile. Beim Eintritt () liegt der Ursprung:

Die Zeit ist nur ein Hilfsgerüst: Löse die erste Gleichung nach auf und setze ein — übrig bleibt die Bahngleichung

eine Parabel, wie beobachtet. Am Plattenende () ist die Ablenkung , und ab dort fliegt das Elektron kräftefrei geradeaus, unter dem Ablenkwinkel .

Ein Regler-Experiment, bevor die nächste Formel kommt: Stammt das Elektron aus einer Kanone mit Beschleunigungsspannung — was macht dann eine Verdopplung von mit ? Prüfe im Applet.

Die Ablenkung halbiert sich. Der Grund: Mit kürzt sich in der Bahngleichung fast alles heraus, und am Plattenende bleibt die bemerkenswert einfache Form

— unabhängig von Ladung und Masse! Ob Elektron oder Proton: gleiche Spannungen, gleiche Geometrie, gleiche Ablenkung. Nur die Betriebsspannungen und die Bauform zählen. Genau diese Eigenschaft macht das Querfeld zum Messinstrument.

Vom Ablenkkondensator zum Oszilloskop

Das Messinstrument heißt Braunsche Röhre — der Kern jedes klassischen Oszilloskops. Wir bauen es in drei Schritten zusammen. Schritt eins: Elektronenkanone, ein Plattenpaar (die -Platten), Leuchtschirm.

Schiebe U_y: Der Leuchtfleck P wandert nach oben und unten — die Auslenkung ist proportional zur Spannung an den y-Platten.

Die Auslenkung ist proportional zur Spannung — das ist in Aktion: alles außer ist Bauform. Der Schirm ist damit ein Voltmeter. Aber ein Voltmeter, das nur einen Punkt malt, zeigt von einer Wechselspannung bloß einen zitternden Fleck. Es fehlt die Zeitachse.

Schritt zwei: Ein zweites Plattenpaar, um 90° gedreht (die -Platten), bekommt eine Sägezahnspannung — gleichmäßiges Anwachsen, schneller Rücklauf:

Ziehe die Zeit t (der Regler läuft rundum): Oben die Sägezahnspannung U_x, unten der Leuchtfleck P auf dem Schirm — er wandert gleichmäßig nach rechts und springt zurück.

Der Fleck wird zum Zeilenschreiber: Er überstreicht den Schirm mit konstanter Geschwindigkeit — die waagrechte Position ist jetzt die Zeit. Schritt drei: Beide Plattenpaare gleichzeitig. Die -Platten ziehen, die -Platten tragen das Messsignal. Sag voraus, was auf dem Schirm erscheint, wenn das Signal ein Sinus ist — dann prüfe:

Der Schirm von vorn: Der Fleck P zeichnet das Signal als Kurve. Mit n stellst du ein, wie viele Signalperioden in einen Durchlauf passen; t lässt den Fleck die Spur abfahren.

Der Fleck malt den Graphen der Signalspannung — und weil jeder Durchlauf dieselbe Kurve nachzeichnet, steht das Bild still, sobald die Signalfrequenz ein Vielfaches der Durchlauffrequenz ist. Eine an den -Platten anliegende Spannung wird zeitlich aufgelöst dargestellt.

Damit kannst du ein Oszilloskop lesen. Prüfe dich am Zahlenbeispiel aus dem Skript: Eingestellt sind Zeitablenkung und Vertikalablenkung; eine Schwingung nimmt ein, die Amplitude . Dann ist , also , und . Und soll eine 50-Hz-Spannung () auf passen, braucht es Zeitablenkung.

Halte zum Schluss die Arbeitsteilung fest, die das ganze Kapitel trägt: Längsfeld beschleunigt, Querfeld lenkt ab — und beides zusammen macht aus einem Elektronenstrahl ein Messgerät.

Materialien (2)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrückt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Ein Elektron wird senkrecht zu den Feldlinien in das homogene Feld eines Plattenkondensators eingeschossen. Welche Bahn beschreibt es innerhalb des Feldes?

  • ● Eine Parabel wie beim waagrechten Wurf
  • ○ Eine Gerade entlang der Feldlinien
  • ○ Einen Kreisbogen
In Feldrichtung wirkt eine konstante Kraft, senkrecht dazu bleibt die Geschwindigkeit v₀ konstant. Die Überlagerung ergibt wie beim waagrechten Wurf eine Parabelbahn y = qE/(2mv₀²)·x².
Wahr / Falsch #2 20s ▶ Testen

Das Elektron bewegt sich im Querfeld entlang einer elektrischen Feldlinie von der negativen zur positiven Platte.

✓ Falsch
Falsch — eine verbreitete Fehlvorstellung! Die Feldlinie gibt die Richtung der Kraft an, nicht die der Bewegung. Das Elektron behält seine Einschussgeschwindigkeit quer zum Feld und wird nur zusätzlich abgelenkt: Es entsteht eine Parabel.
Multiple Choice #3 15s ▶ Testen

Wie bewegt sich das Elektron, nachdem es das Querfeld des Kondensators verlassen hat?

  • ● Geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit
  • ○ Weiter auf einer Parabelbahn
  • ○ Geradlinig, aber zunehmend schneller
Außerhalb des Kondensators wirkt keine Kraft mehr. Nach dem Trägheitssatz fliegt das Elektron geradlinig in der Richtung weiter, die es beim Verlassen des Feldes hatte.
Wahr / Falsch #4 15s ▶ Testen

Während das Elektron den Plattenkondensator durchquert, bleibt seine Geschwindigkeitskomponente in Einschussrichtung konstant.

✓ Wahr
Die elektrische Kraft wirkt nur senkrecht zur Einschussrichtung. In Einschussrichtung wirkt keine Kraft, also gilt vₓ = v₀ = konstant — genau wie beim waagrechten Wurf.
Multiple Choice #5 20s ▶ Testen

Das elektrische Feld zwischen den Platten zeigt von unten nach oben. In welche Richtung wird ein durchfliegendes Elektron abgelenkt?

  • ● Nach unten, entgegen der Feldrichtung
  • ○ Nach oben, in Feldrichtung
  • ○ Seitlich, senkrecht zu Feld und Flugrichtung
Das Elektron ist negativ geladen, die Kraft F = qE zeigt deshalb entgegen der Feldrichtung. Feldlinien geben die Kraftrichtung auf positive Ladungen an.
Multiple Choice #6 15s ▶ Testen

An den x-Ablenkplatten eines Oszilloskops liegt nur die Sägezahnspannung an, die y-Platten bleiben spannungsfrei. Was zeigt der Schirm?

  • ● Eine waagrechte Leuchtspur, die immer wieder von links neu durchlaufen wird
  • ○ Einen ruhenden Leuchtfleck genau in der Schirmmitte
  • ○ Eine senkrechte Leuchtspur durch die Schirmmitte
Die Sägezahnspannung wächst linear an und springt dann zurück — der Fleck wandert gleichförmig nach rechts und springt an den Anfang zurück. Sie liefert so die Zeitachse, auf der die y-Spannung aufgetragen wird.
Mittel
Lückentext #1 15s ▶ Testen

Die Bewegung des Elektrons im homogenen Querfeld entspricht in der Mechanik dem waagrechten ___.

✓ Antwort: Wurf
Beide Bewegungen setzen sich gleich zusammen: konstante Geschwindigkeit in der einen Richtung, konstante Beschleunigung senkrecht dazu. Deshalb übernimmt man die Bahngleichung des waagrechten Wurfs.
Zahleneingabe #2 25s ▶ Testen

Die Vertikalablenkung eines Oszilloskops ist auf 3 V pro cm eingestellt. Der Leuchtfleck schlägt maximal 3 cm nach oben aus. Wie groß ist die Maximalspannung? (Antwort in V)

✓ Antwort: 9
Die Auslenkung ist proportional zur Spannung. Bei 3 V pro cm entsprechen 3 cm Ausschlag der Maximalspannung U = 3 · 3 V = 9 V.
Schwer
Zahleneingabe #1 60s ▶ Testen

In einer Ablenkröhre gilt für die Ablenkung am Plattenende y₁ = l²·U/(4d·U_B). Berechne y₁ für l = 8 cm, d = 4 cm, U = 1 kV und U_B = 2 kV. (Antwort in cm)

✓ Antwort: 2
y₁ = (0,08 m)² · 1000 V / (4 · 0,04 m · 2000 V) = 6,4 / 320 m = 0,02 m = 2 cm. Die Formel enthält nur Geometrie und die beiden Spannungen — die Elektronenmasse kürzt sich heraus.
Multiple Choice #2 15s ▶ Testen

Die Beschleunigungsspannung U_B einer Ablenkröhre wird erhöht, die Ablenkspannung bleibt gleich. Was passiert mit der Ablenkung des Strahls?

  • ● Sie wird kleiner
  • ○ Sie wird größer
  • ○ Sie bleibt gleich
Schnellere Elektronen verbringen weniger Zeit zwischen den Platten, die Querkraft wirkt also kürzer. In der Formel y₁ = l²·U/(4d·U_B) steht U_B im Nenner. Wer "größer" wählt, verwechselt mehr Energie in Flugrichtung mit stärkerer Ablenkung quer dazu.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Vergrößert man bei gleicher Ablenkspannung U den Plattenabstand d, so wird die Ablenkung des Elektronenstrahls größer.

✓ Falsch
Falsch! Mit größerem Abstand sinkt die Feldstärke E = U/d, die ablenkende Kraft wird kleiner. Die Ablenkung nimmt ab — d steht in der Ablenkformel im Nenner.
Multiple Choice #4 15s ▶ Testen

Bei 2 V an den y-Ablenkplatten steht der Leuchtfleck der Braunschen Röhre 1 cm über der Schirmmitte. Nun legt man 6 V an. Wo steht der Fleck jetzt?

  • ● 3 cm über der Schirmmitte
  • ○ 9 cm über der Schirmmitte
  • ○ Unverändert 1 cm über der Schirmmitte
Die Auslenkung des Leuchtflecks wächst linear mit der Ablenkspannung — dreifache Spannung, dreifacher Ausschlag. Genau deshalb kann das Oszilloskop Spannungen messen. 9 cm ergäbe ein quadratisches Gesetz, das hier nicht gilt.
Zahleneingabe #5 40s ▶ Testen

Auf dem Oszilloskopschirm ist eine volle Schwingung 4 cm breit. Die Zeitablenkung beträgt 5 ms pro cm. Welche Frequenz hat die dargestellte Wechselspannung? (Antwort in Hz)

✓ Antwort: 50
Eine Periode dauert T = 4 cm · 5 ms/cm = 20 ms = 0,02 s. Daraus folgt f = 1/T = 50 Hz — die Frequenz der Netzspannung.