Der Hall-Effekt

The Hall Effect

Physik Klasse 12 14 Aufgaben
Hall-EffektLorentzkraftKerncurriculum

Im stromdurchflossenen Leiter quer zum Magnetfeld drängt die Lorentzkraft die Ladungsträger an einen Rand, bis das dort aufgebaute elektrische Querfeld sie gerade kompensiert. Aus dem Gleichgewicht q·v_D·B = q·U_H/b folgt die Hallspannung U_H = b·v_D·B (Edwin Hall, 1879). Mit der Hallkonstante R_H = 1/(n·e) ergibt sich die Ladungsträgerdichte, und das Vorzeichen von U_H verrät, ob positive oder negative Träger den Strom tragen — Halbleiterdiagnostik. Eine kalibrierte Hallsonde wird selbst zum B-Messgerät. Trägt Halbleiterphysik und Sensorik.

Können & Üben

Magnetfeld-Werkstatt — B messen statt raten

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90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – Erklären in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Alle Aufbauten laufen mit Niederspannung; hohe Ströme werden nur kurzzeitig eingeschaltet, damit Spulen und Leiter nicht heiß werden. Station 1 — Stromwaage, Teil 1: F(I). Vermuten: Verdoppelt sich die Kraft auf die halb ins Feld eingetauchte Probespule, wenn der Strom verdoppelt wird? Beobachten: Messreihe F bei I = 0,25 / 0,5 / 0,75 / 1,0 A — die Punkte liegen auf einer Ursprungsgeraden. Erklären: Bei den senkrechten Leiterstücken heben sich die Kräfte auf, wirksam ist nur das waagrechte Stück; F ist proportional zu I. Station 2 — Stromwaage, Teil 2: F(l) und die Definition von B. Vermuten: Was ändert sich mit einer doppelt so langen Probespule bei gleichem Strom? Beobachten: F wächst proportional zur wirksamen Länge l. Erklären: F/(I·l) ist für alle Probespulen gleich — diese Größe beschreibt das Feld selbst und heißt magnetische Flussdichte B, Einheit Tesla. Modellgrenze: Das gilt nur, solange die Spule im homogenen Feldbereich hängt; am Rand des Magneten kippt die Proportionalität. Station 3 — Hallsonde am geraden Leiter und an der Spule. Vermuten: Wie fällt B mit dem Abstand r vom Leiter — linear, quadratisch, gar nicht? Und wovon hängt B im Inneren einer Spule ab? Beobachten: Mit der tangentialen Sonde am Leiter zeigt sich B proportional zu I und zu 1/r; mit der axialen Sonde in der Spule wächst B mit I und mit der Windungsdichte N/l, ist im Inneren aber erstaunlich ortsunabhängig. Erklären: B = μ0·I/(2π·r) am Leiter und B = μ0·N/l·I in der langgestreckten Spule. Modellgrenze: Die Spulenformel gilt nur für l deutlich größer als der Durchmesser und nicht an den Spulenenden; vor jeder Messreihe die Sonde gegen das Erdmagnetfeld nullen. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Handy-Kompass-Artikel in der App — dort misst dieselbe Hallspannung das Erdmagnetfeld im Smartphone-Chip. Station 4 — Parallele Leiter und die Amperedefinition. Vermuten: Ziehen sich zwei parallele Leiter mit gleichgerichtetem Strom an oder stoßen sie sich ab? Beobachten: Gleichsinnige Ströme ziehen die Streifen zusammen, gegensinnige drücken sie auseinander. Erklären: Jeder Leiter liegt im B-Feld des anderen; aus Feldformel und Kraftformel folgt die historische Amperedefinition über die Kraft pro Meter Leiterlänge. Sicherheitshinweis: Für die sichtbare Kraft sind hohe Ströme nötig — nur im Kurzbetrieb schalten, Leiter nicht berühren. Abschluss in der Runde: Die Stromwaage definiert B über die Kraft, die Hallsonde misst B direkt — warum passen beide Wege zusammen? Kurz klären, dass in der Sonde derselbe Effekt (Kraft auf bewegte Ladungen, Hall-Spannung) steckt, den die Waage makroskopisch wiegt.

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1879 machte der amerikanische Physiker Edwin Herbert Hall (1855–1938) ein Experiment, das die Lorentzkraft im Inneren eines Leiters sichtbar macht. Der Aufbau: Ein flacher Streifen aus leitendem Material (Breite , Dicke ) wird senkrecht von einem Magnetfeld durchsetzt; in Längsrichtung fließt der Strom — im Metall heißt das: Elektronen driften entgegen der technischen Stromrichtung durch den Streifen. Lege dich fest, bevor du weiterliest: Was macht die Lorentzkraft mit diesen driftenden Elektronen?

Schritt 1 — die Ablenkung. Ziehe das Elektron durch den Streifen und verändere B und v. Die Kreuze zeigen das Feld in die Zeichenebene hinein, der rote Pfeil die Lorentzkraft.

Die Drei-Finger-Regel (linke Hand, denn es sind Elektronen) sagt: Die Kraft drückt jedes driftende Elektron quer zur Stromrichtung — im Bild nach oben. Die Elektronen fließen also nicht mehr mittig durch den Streifen, sondern werden auf ihrem Weg systematisch an einen Rand gedrängt.

Was dann passiert, kennt kein Gegenstück beim geraden Stromfluss: Am oberen Rand sammelt sich ein Elektronenüberschuss, am unteren fehlen genau diese Elektronen — dort bleibt ein positiver Überschuss zurück. Getrennte Ladungen aber erzeugen selbst ein elektrisches Feld: Zwischen den Rändern wächst ein Querfeld , das vom positiven zum negativen Rand zeigt und jedes weitere Elektron zurückzieht. Sage voraus: Wie endet dieser Wettlauf zwischen Lorentzkraft und wachsender Gegenkraft?

Schritt 2 — die Aufladung. Schiebe den Aufladungs-Regler langsam nach rechts: Die Randladungen wachsen, mit ihnen das Querfeld Eₕ und die Gegenkraft Fₑₗ auf das Elektron. Vergleiche die beiden Kraft-Anzeigen.

Der Wettlauf endet in einem Gleichgewicht — und zwar von selbst. Solange überwiegt, wandern weitere Elektronen an den Rand, und wächst; sobald die elektrische Gegenkraft die Lorentzkraft erreicht, laufen alle nachfolgenden Elektronen wieder geradeaus. Im Gleichgewicht gilt:

Über die Streifenbreite gehört zum homogenen Querfeld die Spannung — die Hall-Spannung:

Schritt 3 — das Gleichgewicht. Roter und türkiser Pfeil halten sich exakt die Waage; das Voltmeter misst Uₕ zwischen den Rändern. Verdopple B — was macht die Spannung?

Bei konstantem Strom sind und fest — also ist . Das prüfst du im Applet direkt: Doppeltes Feld, doppelte Spannung. Für die Formelsammlung formt man noch um: Mit der Ladungsträgerdichte ist , und Einsetzen liefert

Die Hall-Konstante verrät, warum das Voltmeter im Applet nur Mikrovolt anzeigt: In einem Metall ist riesig, also winzig. Ein Halbleiterplättchen mit millionenfach weniger Ladungsträgern liefert bei gleichem Strom eine millionenfach größere Spannung — deshalb bestehen echte Hall-Sensoren aus Halbleitern.

Damit ist der Hall-Effekt doppelt nützlich:

  • Magnetfelder messen und steuern. Wegen wird das geeichte Plättchen zur Hall-Sonde — dem Standard-Messgerät für Flussdichten, vom Physiksaal bis zum Kompass-Chip im Smartphone.
  • In Halbleiter hineinschauen. Das Vorzeichen von verrät, ob positive oder negative Träger den Strom tragen; ihr Betrag liefert über die Trägerdichte und daraus die Beweglichkeit.

Merke dir das Schlussbild: Ablenkung → Aufladung → Gleichgewicht. Die Lorentzkraft startet den Prozess, das entstehende Querfeld beendet ihn, und die Spannung im Gleichgewicht ist ein direktes, lineares Maß für . Mit dieser Sonde in der Hand kannst du als Nächstes die Felder von Leitern und Spulen systematisch ausmessen.

Materialien (1)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrückt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Wie entsteht die Hallspannung in einem stromdurchflossenen Leiterstreifen, der senkrecht von einem Magnetfeld durchsetzt wird?

  • ● Die Lorentzkraft drängt die bewegten Ladungsträger an einen Rand, bis das entstehende elektrische Querfeld sie kompensiert
  • ○ Das Magnetfeld übt auf alle Ladungen im Streifen eine Kraft in Stromrichtung aus
  • ○ Das Magnetfeld erwärmt den Streifen, wodurch eine Thermospannung entsteht
  • ○ Das Magnetfeld erhöht den Widerstand des Streifens, wodurch die Spannung steigt
Die driftenden Ladungsträger erfahren quer zur Stromrichtung eine Lorentzkraft und sammeln sich an einem Rand. Das dabei aufgebaute elektrische Feld wirkt ihnen entgegen — im Gleichgewicht ist die Querspannung die Hallspannung.
Wahr / Falsch #2 15s ▶ Testen

Die Hallspannung wird quer zur Stromrichtung abgegriffen.

✓ Wahr
Richtig! Die Lorentzkraft verschiebt die Ladungsträger senkrecht zu ihrer Driftrichtung — die Spannung entsteht deshalb zwischen den Längsrändern des Streifens, quer zum Strom.
Lückentext #3 10s ▶ Testen

Ein Magnetfeld-Messgerät auf Basis des Hall-Effekts heißt ___.

✓ Antwort: Hallsonde
Eine kalibrierte Hallsonde übersetzt die gemessene Hallspannung direkt in die Flussdichte B — so wurden auch die Felder von Leiter und Spule ausgemessen.
Multiple Choice #4 15s ▶ Testen

Wer entdeckte den Hall-Effekt — und in welchem Jahr?

  • ● Edwin Hall, 1879
  • ○ Hendrik Antoon Lorentz, 1895
  • ○ Nikola Tesla, 1884
  • ○ André-Marie Ampère, 1820
Edwin Herbert Hall wies den Effekt 1879 nach — bemerkenswerterweise Jahre bevor das Elektron überhaupt entdeckt war. Die Lorentzkraft ist nach Hendrik Antoon Lorentz benannt.
Mittel
Zahleneingabe #1 45s ▶ Testen

Ein Leiterstreifen der Breite b = 2 cm wird senkrecht von einem Magnetfeld mit B = 0,5 T durchsetzt; die Driftgeschwindigkeit der Elektronen beträgt v_D = 0,1 mm/s. Berechne die Hallspannung U_H = b·v_D·B. Antwort in Mikrovolt.

✓ Antwort: 1
U_H = b·v_D·B = 0,02 m · 1·10⁻⁴ m/s · 0,5 T = 1·10⁻⁶ V = 1 µV. In Metallen sind Hallspannungen wegen der winzigen Driftgeschwindigkeit sehr klein.
Multiple Choice #2 30s ▶ Testen

Aus welcher Gleichgewichtsbedingung folgt die Formel für die Hallspannung?

  • ● q·v_D·B = q·U_H/b — Lorentzkraft und elektrische Kraft auf die Ladungsträger heben sich auf
  • ○ q·v_D·B = m·g — Lorentzkraft und Gewichtskraft heben sich auf
  • ○ U_H = R·I — die Hallspannung folgt dem ohmschen Gesetz
  • ○ q·E = q·U/d — wie im Plattenkondensator ohne Magnetfeld
Im stationären Zustand gilt F_m = F_el, also q·v_D·B = q·E_H = q·U_H/b. Kürzen von q und Auflösen liefert die Hallspannung: U_H = b·v_D·B.
Zahleneingabe #3 45s ▶ Testen

An einem Leiterstreifen (Breite b = 1 cm, senkrecht durchsetzt von B = 0,3 T) misst man die Hallspannung U_H = 6 µV. Berechne die Driftgeschwindigkeit der Ladungsträger. Antwort in mm/s.

✓ Antwort: 2
Auflösen von U_H = b·v_D·B nach v_D ergibt v_D = U_H/(b·B) = 6·10⁻⁶ V / (0,01 m · 0,3 T) = 2·10⁻³ m/s = 2 mm/s. Der Hall-Effekt macht die Driftgeschwindigkeit direkt messbar.
Multiple Choice #4 30s ▶ Testen

Was verrät das Vorzeichen der Hallspannung über das untersuchte Material?

  • ● Ob der Strom von negativen oder positiven Ladungsträgern getragen wird
  • ○ Wie groß der elektrische Widerstand des Materials ist
  • ○ Ob das Material ferromagnetisch ist
  • ○ Wie schnell sich das Material erwärmt
Negative und positive Ladungsträger werden bei gleicher technischer Stromrichtung an denselben Rand gedrängt — die Polarität der Hallspannung kehrt sich aber um. Deshalb dient der Hall-Effekt in der Halbleiterdiagnostik zur Bestimmung der Natur der Ladungsträger.
Wahr / Falsch #5 20s ▶ Testen

Auch ohne Stromfluss entsteht im Magnetfeld eine Hallspannung, weil das Feld auf die ruhenden Elektronen im Streifen wirkt.

✓ Falsch
Falsch! Auf ruhende Ladungen übt ein Magnetfeld keine Kraft aus — die Lorentzkraft braucht die Driftbewegung, also Strom. Die Vorstellung, ein Magnetfeld wirke auf jede Ladung, ist ein dokumentiertes Fehlmuster (Maloney et al. 2001).
Zahleneingabe #6 40s ▶ Testen

Eine kalibrierte Hallsonde liefert bei B = 0,2 T die Hallspannung 4 µV. Im Feld eines Elektromagneten zeigt sie 10 µV an. Berechne die Flussdichte des Elektromagneten. Antwort in Tesla.

✓ Antwort: 0.5
Bei konstantem Sondenstrom ist U_H proportional zu B. Aus dem Dreisatz folgt B = 0,2 T · (10 µV / 4 µV) = 0,5 T.
Wahr / Falsch #7 25s ▶ Testen

Verdoppelt man bei gleicher Driftgeschwindigkeit und gleichem Magnetfeld die Breite b des Leiterstreifens, so verdoppelt sich die Hallspannung.

✓ Wahr
Richtig! Nach U_H = b·v_D·B geht die Breite linear ein — die Ladungsträger werden über die doppelte Strecke getrennt. Voraussetzung ist, dass v_D gleich bleibt, der Strom also entsprechend mitwächst.
Multiple Choice #8 30s ▶ Testen

Hall-Messungen an Kupfer zeigen eine Polarität der Hallspannung, die zu negativen Ladungsträgern passt. Was folgt daraus?

  • ● Der Strom in Metallen wird von Elektronen getragen
  • ○ Der Strom in Metallen wird von positiven Ionen getragen
  • ○ Kupfer ist ein Halbleiter
  • ○ In Kupfer fließt kein Strom
Der Hall-Effekt liefert den experimentellen Beleg für die Natur der Ladungsträger. In Metallen wandern Elektronen entgegen der technischen Stromrichtung — die Polarität der Hallspannung macht das sichtbar.
Schwer
Zahleneingabe #1 55s ▶ Testen

Berechne die Hallkonstante R_H = 1/(n·e) für ein Metall mit der Ladungsträgerdichte n = 6,25·10²⁸ 1/m³ (e = 1,6·10⁻¹⁹ C). Antwort in 10⁻¹⁰ m³/C.

✓ Antwort: 1
R_H = 1/(n·e) = 1/(6,25·10²⁸ · 1,6·10⁻¹⁹) m³/C = 1/(1·10¹⁰) m³/C = 1·10⁻¹⁰ m³/C. Je größer die Ladungsträgerdichte, desto kleiner die Hallkonstante — und desto kleiner die Hallspannung.
Multiple Choice #2 30s ▶ Testen

Ein Kupferstreifen (n ≈ 10²⁹ m⁻³) und ein gleich großer Halbleiterstreifen aus Indiumantimonid (n ≈ 10²² m⁻³) führen den gleichen Strom im gleichen Magnetfeld. An welchem Streifen ist die Hallspannung größer?

  • ○ Am Kupferstreifen
  • ● Am Halbleiterstreifen
  • ○ An beiden gleich groß
Bei gleicher Stromstärke müssen sich die wenigen Ladungsträger im Halbleiter viel schneller bewegen: v_D = I/(n·e·A). Wegen U_H = b·v_D·B ist die Hallspannung dort etwa 10⁷-mal größer als im Kupfer. Darum baut man Hallsonden aus Halbleitern – gerade weil sie so wenige Ladungsträger haben und schlechter leiten. Gleicher Strom heißt nicht gleiche Driftgeschwindigkeit.