Resonanz und Rückkopplung

Resonance and Feedback

Physik Klasse 12 13 Aufgaben
SchwingkreisKerncurriculum

Eine erzwungene Schwingung erreicht ihre größte Amplitude in der Resonanz, wenn die Erregerfrequenz f mit der Eigenfrequenz f₀ zusammenfällt. Das Phasenverhalten wechselt dabei: bei f ≪ f₀ schwingt der Resonator gleichphasig mit dem Erreger, bei f = f₀ um π/2 verschoben, bei f ≫ f₀ in Gegenphase (π). Dämpfung senkt und verbreitert die Resonanzkurve; ohne genügend Dämpfung droht die Resonanzkatastrophe — 1940 stürzte so die Tacoma-Narrows-Brücke ein. Die Meißner-Rückkopplung erzeugt eine ungedämpfte Schwingung: Eine Triode oder ein Transistor wirkt als Schalter, den der Schwingkreis selbst steuert (Regelkreis aus Regler, Regelgröße und Störgröße), und ersetzt so laufend die Verluste. Trägt die Erreger-Resonator-Kopplung am Hertzschen Dipol.

Jeder Schwingkreis hat seine Eigenfrequenz — die Frequenz, mit der er von selbst schwingt, wenn man ihn anstößt und in Ruhe lässt. Was aber, wenn man ihn nicht in Ruhe lässt? Wenn ein Erreger ihm von außen eine andere Frequenz aufzwingt?

Das Experiment dazu kennst du aus der Mechanik: Ein Federpendel hängt an einem Exzentermotor, der es mit einstellbarer Frequenz auf und ab schüttelt. Drei Beobachtungen, die du vielleicht selbst vom Schaukeln kennst — sag zu jeder erst voraus, was passiert:

  • — der Resonator folgt dem Erreger gemütlich mit dessen kleiner Amplitude: .
  • — die Amplitude schaukelt sich zu einem Vielfachen auf: Resonanz.
  • — das System kommt nicht mehr hinterher: .

Beim elektromagnetischen Schwingkreis läuft exakt dasselbe Spiel: Ein Funktionsgenerator, induktiv angekoppelt, zwingt dem Kreis seine Frequenz auf, und das Oszilloskop misst die Amplitude. Trägt man gegen auf, entsteht die Resonanzkurve — und ihre Form hängt an einem einzigen Parameter, der Dämpfung:

Verstelle die Dämpfung. Die gestrichelte Waagrechte ist die Erregeramplitude Aₑ, die Senkrechte markiert f₀; der Punkt sitzt auf dem Gipfel der Kurve.

Zwei Dinge lohnen den genauen Blick. Erstens: Schwache Dämpfung macht den Gipfel hoch und schmal, starke Dämpfung flach und breit — bei überhöht der Kreis die Erregeramplitude vierfach, bei bleibt kaum noch ein Buckel. Zweitens, das Kleingedruckte: Der Gipfel sitzt nicht exakt bei , sondern ein Stück darunter — beobachte die Anzeige , während du die Dämpfung erhöhst. Für schulübliche, schwach gedämpfte Kreise ist der Unterschied winzig; merken sollte man sich das Muster trotzdem.

Dass Resonanz kein Kuriosum ist, zeigt ihre zerstörerische Seite: 1940 schaukelte der Wind die Tacoma-Narrows-Brücke genau bei ihrer Eigenfrequenz auf, bis die Fahrbahn zerriss — die Resonanzkatastrophe. Deshalb ist Marschieren im Gleichschritt auf Brücken verboten, deshalb stehen Maschinen auf entkoppelnden Puffern, und deshalb klappert im Auto genau ein Teil bei genau einer Drehzahl.

Das Phasenverhalten

Die Amplitude ist nur die halbe Beobachtung. Vergleicht man auf dem Oszilloskop wann Erreger und Resonator durch null gehen, zeigt sich eine feste Ordnung:

Phasenverschiebung Δφ zwischen Erreger und Resonator π/2 π f₀ schwache Dämpfung starke Dämpfung f Δφ
  • — Erreger und Resonator schwingen gleichphasig ().
  • — der Erreger eilt um eine Viertelperiode voraus (). Das ist kein Zufall, sondern der Kern der Resonanz: Der Erreger schiebt dann immer genau im Moment der größten Geschwindigkeit — optimale Energieübertragung, wie beim Anschieben einer Schaukel.
  • — Gegenphase ().

Von der Resonanz zur Rückkopplung

„Optimale Energieübertragung" ist die technische Pointe der Resonanz: Im Resonanzfall genügt ein Minimum an zugeführter Energie, um eine Schwingung am Leben zu halten. Aber wer sagt dem Erreger, wann genau er schieben muss? Die eleganteste Antwort: die Schwingung selbst. Man lässt den Schwingkreis den Takt seiner eigenen Energiezufuhr steuern — das Prinzip der Rückkopplung, und die klassische Schaltung dazu stammt von Alexander Meißner:

Meißner-Rückkopplung (Prinzip) C L L_R K G A Triode U_B

Der Ablauf: Der Kondensator wird einmal geladen; sich selbst überlassen entstünde eine gedämpfte Schwingung. Aber sobald sich in der Schwingkreisspule ein Magnetfeld aufbaut, induziert es in der gekoppelten Rückkopplungsspule eine Spannung. Diese steuert das Gitter der Triode — einen schnellen elektrischen Schalter: Die Gitterspannung bestimmt, ob zwischen geheizter Kathode und Anode Strom fließt. Geöffnet wird der Schalter dadurch genau im Takt der Schwingung, und jeder Stromstoß aus der Quelle lädt den Kondensator im richtigen Moment nach. Die Dämpfungsverluste werden ersetzt, die Schwingung läuft ungedämpft — heute übernimmt ein Transistor die Rolle der Triode (Basis statt Gitter, Kollektor–Emitter statt Anode–Kathode).

Im Regelkreis-Vokabular: Die Störgröße sind die Energieverluste, die Regelgröße ist die konstante Amplitude, der Regler ist die Triode — und die Rückkopplung ist der Draht, über den der Regler von der Störung erfährt. Dasselbe Muster wie bei Pupille, Körpertemperatur und Thermostat.

Merke dir beides als Paar: Resonanz heißt, ein äußerer Erreger trifft die Eigenfrequenz — Rückkopplung heißt, das System erregt sich selbst und trifft sie deshalb immer. Beim Hertzschen Dipol werden wir beide brauchen: einen rückgekoppelten Sender, der ungedämpft schwingt, und Resonatoren, die auf ihn abgestimmt sind.

Materialien (1)

Physische Manipulativa, die dieses Konzept konkret verankern — optional, gebrückt zum Symbol.

Leicht
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Wann spricht man von einer erzwungenen Schwingung?

  • ● Wenn ein schwingungsfähiges System von außen periodisch angeregt wird
  • ○ Wenn ein System nach einmaligem Anstoß frei schwingt
  • ○ Wenn die Dämpfung eines Systems besonders groß ist
  • ○ Wenn ein System mit seiner Eigenfrequenz schwingt
Bei der erzwungenen Schwingung zwingt ein äußerer Erreger dem System seine Frequenz auf. Im Unterschied zur Rückkopplung erfolgt die Anregung von außen.
Multiple Choice #2 15s ▶ Testen

Bei welcher Erregerfrequenz f wird die Amplitude Ar des Resonators maximal?

  • ● Bei f = f₀, der Eigenfrequenz des Systems
  • ○ Bei möglichst kleiner Frequenz
  • ○ Bei möglichst großer Frequenz
  • ○ Bei der doppelten Eigenfrequenz
Regt man das System mit seiner Eigenfrequenz an, wächst die Amplitude stark an. Diese starke Zunahme von Ar bei f = f₀ heißt Resonanz.
Zahleneingabe #3 20s ▶ Testen

Ein Schwingkreis hat die Eigenfrequenz f₀ = 500 Hz und wird induktiv von einem Funktionsgenerator angeregt. Bei welcher Erregerfrequenz beobachtet man die maximale Amplitude? (Antwort in Hz)

✓ Antwort: 500
Resonanz tritt auf, wenn die Erregerfrequenz mit der Eigenfrequenz übereinstimmt. Das Maximum der Resonanzkurve liegt daher bei 500 Hz.
Multiple Choice #4 15s ▶ Testen

Tacoma-Narrows-Brücke, 7. November 1940: Ein gleichmäßiger Wind von etwa 68 km/h weht, die Fahrbahn verdreht sich immer stärker und stürzt ein. Welche Schwingung war das?

  • ○ eine erzwungene Schwingung im Takt von Windböen
  • ● eine selbsterregte Schwingung durch Rückkopplung
  • ○ eine frei abklingende gedämpfte Schwingung
Der Wind war gleichmäßig, nicht periodisch — es gab keinen Erreger, dessen Frequenz die Eigenfrequenz hätte treffen können. Die Verdrehung der Fahrbahn veränderte selbst die Luftströmung, und diese schob die Bewegung im richtigen Takt weiter an: aeroelastisches Flattern, eine selbsterregte Schwingung wie bei der Meißner-Rückkopplung (Billah & Scanlan, Am. J. Phys. 59, 1991). Die oft erzählte „Resonanzkatastrophe“ ist hier ein verbreiteter Lehrbuchfehler; echte Resonanzgefahr besteht etwa, wenn eine Kolonne im Gleichschritt über eine Brücke marschiert.
Lückentext #5 15s ▶ Testen

Steuert der Schwingkreis den Zeitpunkt der Energiezufuhr selbst, spricht man von ___.

✓ Antwort: Rückkopplung
Bei der Rückkopplung erfährt der Regler über die Kopplung, wie sich die Regelgröße verändert hat. Mechanische Uhren nutzen dasselbe Prinzip zur Steuerung der Energiezufuhr.
Mittel
Multiple Choice #1 20s ▶ Testen

Wie verhält sich die Resonatoramplitude Ar für Erregerfrequenzen weit oberhalb der Eigenfrequenz (f ≫ f₀)?

  • ● Ar geht gegen null
  • ○ Ar wird maximal
  • ○ Ar ist gleich der Erregeramplitude
  • ○ Ar wächst unbegrenzt weiter
Das träge System kann der schnellen Anregung nicht mehr folgen. In der Resonanzkurve fällt Ar für f ≫ f₀ gegen null ab.
Multiple Choice #2 25s ▶ Testen

Welche Phasenverschiebung zwischen Erreger und Resonator misst man im Resonanzfall f = f₀?

  • ● π/2 — der Erreger eilt dem Resonator eine Viertelperiode voraus
  • ○ 0 — beide schwingen gleichphasig
  • ○ π — beide schwingen gegenphasig
  • ○ 2π — eine ganze Periode Verschiebung
Das Experiment zeigt drei Bereiche. Für f ≪ f₀ gleichphasig, im Resonanzfall π/2, für f ≫ f₀ Gegenphase π.
Wahr / Falsch #3 20s ▶ Testen

Für Erregerfrequenzen weit unterhalb der Eigenfrequenz (f ≪ f₀) schwingen Erreger und Resonator gleichphasig.

✓ Wahr
Richtig! Bei langsamer Anregung folgt der Resonator dem Erreger unmittelbar. Erst nahe der Eigenfrequenz baut sich die Phasenverschiebung bis π/2 auf, weit darüber bis π.
Wahr / Falsch #4 25s ▶ Testen

Eine stärkere Dämpfung macht das Maximum der Resonanzkurve niedriger.

✓ Wahr
Richtig! Taucht das Pendelgewicht z. B. in Wasser ein, wird dem System laufend Energie entzogen. Die Resonanzamplitude bleibt dann deutlich kleiner — Dämpfung schützt vor der Resonanzkatastrophe.
Multiple Choice #5 25s ▶ Testen

Wie wird der elektromagnetische Schwingkreis im Experiment zu erzwungenen Schwingungen angeregt?

  • ● Ein Funktionsgenerator ist über eine Spule induktiv an den Schwingkreis gekoppelt
  • ○ Der Kondensator wird einmalig aufgeladen und dann sich selbst überlassen
  • ○ Ein Permanentmagnet wird in die Spule geschoben
  • ○ Der ohmsche Widerstand wird periodisch verändert
Die Erregerspule des Funktionsgenerators überträgt die Anregung induktiv auf die Schwingkreisspule. So lässt sich die Erregerfrequenz durchstimmen und die Resonanzkurve aufnehmen.
Multiple Choice #6 25s ▶ Testen

Welche Aufgabe erfüllt die Meißner-Rückkopplungsschaltung?

  • ● Sie führt dem Schwingkreis im richtigen Rhythmus Energie zu und erzeugt so eine ungedämpfte Schwingung
  • ○ Sie erhöht die Eigenfrequenz des Schwingkreises
  • ○ Sie verstärkt die Dämpfung, um Resonanzkatastrophen zu verhindern
  • ○ Sie wandelt Wechselstrom in Gleichstrom um
Ohne Energiezufuhr klingt jede Schwingung wegen des ohmschen Widerstands ab. Die Rückkopplung gleicht die Verluste im Takt der Eigenfrequenz aus — die Amplitude bleibt konstant.
Multiple Choice #7 20s ▶ Testen

Welches Bauteil übernimmt in der Meißner-Schaltung die Rolle des Reglers?

  • ● Die Triode bzw. der Transistor
  • ○ Der Kondensator
  • ○ Die Schwingkreisspule
  • ○ Der ohmsche Widerstand
Triode oder Transistor wirken als schneller elektrischer Schalter, den der Schwingkreis über die induktiv gekoppelte Spule selbst steuert. Genau das ist das Rückkopplungsprinzip.
Schwer
Multiple Choice #1 30s ▶ Testen

Was ist in der Meißner-Schaltung die Störgröße im Sinne des Regelkreises?

  • ● Die Energieverluste, durch die die Schwingungsamplitude abnimmt
  • ○ Die konstante Amplitude der Schwingung
  • ○ Die Heizspannung der Triode
  • ○ Die Frequenz des Funktionsgenerators
Die Regelgröße ist die konstant zu haltende Amplitude, der Regler die Triode. Die Störgröße sind die ohmschen Energieverluste, die der Regelkreis ausgleicht.