Selbstinduktion und InduktivitÀt

Self-Induction and Inductance

Physik Klasse 12 14 Aufgaben
SelbstinduktionInduktionKerncurriculum

Ändert sich der Strom in einer Spule, induziert er in seinem eigenen Leiterkreis eine Spannung, die der Änderung entgegenwirkt (Lenzsche Regel): U_ind = −L·dI/dt mit der InduktivitĂ€t L = Ό₀·NÂČ·A/l (eisenfrei, Einheit Henry), ein Eisenkern vervielfacht L um ÎŒ_r. Beim Einschalten steigt der Strom deshalb verzögert an, die Lampe hinter der Spule leuchtet spĂ€ter als die hinter einem gleich großen Widerstand; beim Ausschalten kann die induzierte Spannung weit ĂŒber der Quellenspannung liegen — eine Glimmlampe zĂŒndet mit 160 V, obwohl die Quelle nur U₀ = 3 V liefert. Die Selbstinduktion wirkt so als TrĂ€gheit des Stroms — daraus die Gefahren beim Abschalten induktiver Lasten und der historische Funkeninduktor. TrĂ€gt die Energie des Magnetfelds.

Können & Üben

Induktions-Werkstatt — Spannung aus Bewegung

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90 min · once

physiksaal

Vier Stationen nach dem Prinzip Vermuten – Beobachten – ErklĂ€ren in Kleingruppen, Rotation nach etwa 20 Minuten. Roter Faden: Wann entsteht Induktionsspannung — und wogegen wehrt sie sich? Station 1 — Bewegung im Feld (Leiterschaukel und bewegte Spule). Vermuten: Was erhöht den Spannungsausschlag — schneller ziehen, mehr Windungen, stĂ€rkerer Magnet? Beobachten: Messreihen wie im Skript — bei halber Geschwindigkeit halbiert sich U, doppelte Windungszahl n verdoppelt es, schwĂ€cheres B senkt es. Ruht der Leiter, ist U null. ErklĂ€ren: Auf die mitbewegten Ladungen wirkt die Lorentzkraft; U hĂ€ngt von B, wirksamer LĂ€nge bzw. FlĂ€che und Geschwindigkeit ab. Modellgrenze: Die Schaukel misst Momentwerte nur grob — deshalb gleich Station 2. Station 2 — Feld Ă€ndern statt bewegen (Feldspule). Vermuten: Es bewegt sich nichts — kann trotzdem Spannung entstehen, wenn der Strom in der Feldspule hochgeregelt wird? Beobachten: WĂ€hrend der Strom sich Ă€ndert, zeigt die eingelegte Induktionsspule Spannung; sie ist umso grĂ¶ĂŸer, je schneller geregelt wird, und verschwindet bei konstantem Strom. ErklĂ€ren: Beide FĂ€lle fasst der magnetische Fluss Ί = B·A zusammen — induziert wird bei jeder FlussĂ€nderung, U = -n·dΊ/dt. Modellgrenze: Die Handregelung macht dΊ/dt nur nĂ€herungsweise konstant; das Interface zeigt den echten Verlauf. Station 3 — Lenz-Parcours. An drei Teilaufbauten wird jeweils erst laut vermutet, dann geprĂŒft: (a) Thomson-Ring — der geschlossene Ring springt beim Einschalten vom Elektromagneten, der geschlitzte bleibt liegen; (b) der Magnet fĂ€llt durchs Kupferrohr in Zeitlupe, durchs Plastikrohr normal (Stoppuhr!); (c) das Waltenhofen-Pendel wird mit massiver Scheibe im Feld abgebremst, mit geschlitzter kaum. ErklĂ€ren: Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt — sonst brĂ€che die Energieerhaltung (ein sich selbst beschleunigender Magnet wĂ€re ein Perpetuum mobile). Modellgrenze: "Widersetzen" heißt hemmen, nicht verhindern — der Magnet fĂ€llt ja weiter. Vorbereitung oder Nachbereitung: der Induktionsherd-Artikel in der App — dort erhitzen dieselben Wirbelströme den Topfboden. Station 4 — Selbstinduktion (Ein-/Ausschaltversuch mit Glimmlampe). Vermuten: Die Glimmlampe zĂŒndet erst ab etwa 160 V — kann sie in einem Stromkreis mit kleiner Batteriespannung ĂŒberhaupt aufleuchten? Beobachten: Beim Einschalten leuchtet die Lampe hinter der Spule verzögert auf; beim Öffnen des Schalters blitzt die Glimmlampe hell auf. ErklĂ€ren: Die Spule induziert sich selbst — beim Einschalten bremst die Gegenspannung den Stromanstieg, beim Abschalten treibt die schnelle FlussĂ€nderung die Spannung weit ĂŒber die Quellspannung. Sicherheitshinweis: Vorsicht Spannungsspitze — Spulenkontakte beim Abschalten nicht berĂŒhren und Spulen nie abrupt von Hand trennen; starke Neodymmagnete von Elektronik und Karten fernhalten, Quetschgefahr. Abschluss in der Runde: Alle vier Stationen in einem Satz — induziert wird bei FlussĂ€nderung, die Richtung bestimmt Lenz, und eine Spule tut das auch mit sich selbst.

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Bisher brauchte die Induktion immer zwei Beteiligte: eine Quelle der FlussĂ€nderung und eine Spule, die sie erleidet. Aber eine Spule, die ihr eigenes Magnetfeld aufbaut, durchsetzt sich selbst mit einem sich Ă€ndernden Fluss. Die RĂŒckwirkung eines Stroms auf den eigenen Leiterkreis heißt Selbstinduktion — und sie zeigt sich in zwei SchlĂŒsselversuchen.

Versuch 1 — Einschalten. Zwei gleiche Lampen hĂ€ngen parallel an einer Quelle: in Reihe mit einer Spule (Eisenkern), in Reihe mit einem ohmschen Widerstand, der genauso groß ist wie der Spulenwiderstand. Sage voraus, was beim Schließen des Schalters passiert.

Einschaltversuch zur Selbstinduktion U₀ S L (Spule) L₁ R L₂
Der Einschaltversuch (nach dem Skriptum, vereinfacht): L und L₁ in Reihe, R und L₂ in Reihe. Beim Schließen von S leuchtet L₂ sofort auf — L₁ deutlich verzögert.

leuchtet sofort, braucht sichtbar lĂ€nger. Warum? Beim Aufbau des Feldes ist , und nach der Lenzschen Regel wirkt die in der Spule induzierte Gegenspannung der angelegten Spannung entgegen. Zu Beginn ist die StromĂ€nderung — und damit die Gegenspannung — am grĂ¶ĂŸten: Es fließt fast kein Strom. Erst allmĂ€hlich klingt ab, bis der Endwert erreicht ist.

Versuch 2 — Ausschalten. Parallel zu einer Spule (Quelle: nur ) liegt eine Glimmlampe mit rund 160 V ZĂŒndspannung. Solange der Schalter geschlossen ist, bleibt sie dunkel. Beim Öffnen blitzt sie auf! Der Fluss bricht schlagartig zusammen, ist riesig — und die induzierte Spannung treibt den Strom in gleicher Richtung weiter, weit ĂŒber die Quellspannung hinaus. Die Selbstinduktion wirkt wie eine TrĂ€gheit des Stroms: Sie verzögert seinen Aufbau und wehrt sich gegen seinen Abbau.

Strom- und Spannungsverlauf beim Ein- und Ausschalten t I(t) U₀/R Einschalten Ausschalten t Uᔹ(t) gleiche FlĂ€chen (SpannungsstĂ¶ĂŸe)
Oben der Strom: verzögerter Anstieg auf U₀/R, verzögerter Abfall. Unten die Selbstinduktionsspannung: beim Einschalten gegen die Quelle gerichtet, beim Ausschalten eine hohe Spitze in Stromrichtung. Die FlĂ€chen unter beiden Uᔹ-Bögen sind betragsgleich — gleiche FlussĂ€nderung, gleicher Spannungsstoß. Der Spannungsverlauf ist im Wesentlichen die negative Ableitung des Stromverlaufs.

Wie groß ist der Effekt? FĂŒr eine langgestreckte, eisenfreie Spule gilt , also und

Alles, was der Spule gehört, steckt in einem einzigen Faktor — der InduktivitĂ€t:

Die InduktivitĂ€t gibt an, welche Spannung induziert wird, wenn sich die StromstĂ€rke um Ă€ndert; ein Eisenkern vervielfacht sie um . Das Henry erinnert an Joseph Henry, den Entdecker der Selbstinduktion. Praktisch heißt das: Induktive Lasten — Motoren, Relais, Drosseln — darf man nie sorglos abschalten; die Ausschaltspitze kann Schalterkontakte durchschlagen (der historische Funkeninduktor hat genau daraus Hochspannung gemacht). Und die Energie fĂŒr das Aufblitzen der Glimmlampe? Sie war im Magnetfeld der Spule gespeichert — wie viel genau, klĂ€rt die Energie des Magnetfelds.

Leicht
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Zwei gleiche Lampen sind parallel geschaltet — eine hinter einer Spule, eine hinter einem gleich großen ohmschen Widerstand. Was beobachtet man beim Einschalten?

  • ● Die Lampe am Widerstand leuchtet sofort, die Lampe an der Spule deutlich verzögert
  • ○ Beide Lampen leuchten gleichzeitig auf
  • ○ Die Lampe an der Spule leuchtet sofort, die am Widerstand verzögert
  • ○ Keine der beiden Lampen leuchtet
Das sich aufbauende Magnetfeld der Spule induziert in ihr selbst eine Spannung, die nach der Lenzschen Regel der angelegten Spannung entgegenwirkt. Der Strom durch die Spule steigt deshalb nur allmÀhlich an.
LĂŒckentext #2 10s ▶ Testen

Die Einheit der InduktivitĂ€t, 1 Vs/A, heißt ___.

✓ Antwort: Henry
1 H = 1 Vs/A, benannt nach Joseph Henry, dem Entdecker der Selbstinduktion. Eine Spule mit 1 H induziert 1 V, wenn sich der Strom um 1 A/s Àndert.
Zahleneingabe #3 15s ▶ Testen

In eine luftgefĂŒllte Spule wird ein Eisenkern mit der PermeabilitĂ€tszahl ÎŒ_r = 1000 eingebracht. Um welchen Faktor wĂ€chst die InduktivitĂ€t? (Antwort als Zahl)

✓ Antwort: 1000
Mit Eisenkern gilt L = ÎŒ_r·Ό₀·NÂČ·A/l — die InduktivitĂ€t wĂ€chst um den Faktor ÎŒ_r. Da ÎŒ_r von der Magnetisierung abhĂ€ngt, ist sie beim Eisenkern allerdings nicht konstant.
Wahr / Falsch #4 20s ▶ Testen

Beim Einschalten erreicht der Strom durch eine Spule sofort seinen Endwert U₀/R.

✓ Falsch
Die Selbstinduktionsspannung wirkt dem Stromanstieg entgegen. Der Strom wĂ€chst allmĂ€hlich und erreicht U₀/R erst, wenn sich der magnetische Fluss nicht mehr Ă€ndert.
LĂŒckentext #5 10s ▶ Testen

Die induktive RĂŒckwirkung eines Stroms auf seinen eigenen Leiterkreis nennt man ___.

✓ Antwort: Selbstinduktion
Das Magnetfeld der Spule durchsetzt die Spule selbst. Ändert sich der Strom, Ă€ndert sich dieser Fluss — und die Spule induziert in sich selbst eine Spannung.
Mittel
Multiple Choice #1 25s ▶ Testen

Eine Spule (L = 0,5 H, R = 10 Ω) wird an eine 6-V-Quelle angeschlossen. Wie groß ist die Selbstinduktionsspannung im Augenblick des Einschaltens?

  • ● 6 V, der Quelle entgegen
  • ○ 0 V
  • ○ 6 V, in Richtung der Quelle
Induziert wird nicht durch den Strom selbst, sondern durch seine Änderung. Im Einschaltmoment ist der Strom zwar noch null, steigt aber am schnellsten an: Am Widerstand fĂ€llt noch keine Spannung ab, die ganze Quellenspannung steht an der Spule – die Gegenspannung betrĂ€gt 6 V. Nach der Lenzschen Regel wirkt sie dem Stromanstieg entgegen. Mit wachsendem Strom wird sie kleiner, deshalb erreicht der Strom seinen Endwert 0,6 A nur allmĂ€hlich.
Wahr / Falsch #2 25s ▶ Testen

Beim Öffnen des Schalters kann eine Glimmlampe mit 160 V ZĂŒndspannung aufblitzen, obwohl die Quelle nur U₀ = 3 V liefert.

✓ Wahr
Beim Abschalten bricht das Magnetfeld sehr schnell zusammen — die große FlussĂ€nderung induziert eine Spannung, die die Betriebsspannung um ein Vielfaches ĂŒbersteigt. Genau dieser Versuch steht in der Quelle.
Zahleneingabe #3 40s ▶ Testen

Durch eine Spule mit L = 0,50 H Ă€ndert sich die StromstĂ€rke gleichmĂ€ĂŸig um 2,0 A innerhalb von 0,10 s. Berechne den Betrag der Selbstinduktionsspannung in Volt.

✓ Antwort: 10
U_ind = L·ΔI/Δt = 0,50 H · 2,0 A / 0,10 s = 10 V. Je schneller sich der Strom Ă€ndert, desto grĂ¶ĂŸer die induzierte Spannung.
Multiple Choice #4 25s ▶ Testen

Was meint die Redeweise, die Selbstinduktion bewirke eine "TrÀgheit des elektrischen Stroms"?

  • ● Beim Einschalten verzögert sie den Stromanstieg, beim Ausschalten treibt sie den Strom noch weiter an
  • ○ Die Elektronen werden in der Spule schwerer
  • ○ Der Strom fließt durch eine Spule grundsĂ€tzlich langsamer als durch einen Draht
  • ○ Die Spule verhindert jeden Stromfluss
Wie eine trĂ€ge Masse widersetzt sich der Spulenstrom jeder Änderung seines Wertes — in beide Richtungen. Der Vergleich stammt direkt aus der Quelle.
Multiple Choice #5 25s ▶ Testen

An einem Elektromagneten (L = 2 H) mit 12-V-Quelle fließen 3 A. Ein Schalter unterbricht den Strom in 1 ms. Welche Spannungsspitze tritt an der Spule auf?

  • ○ Etwa 0 V
  • ● Etwa 6000 V
  • ○ Etwa 12 V
U_ind = L·ΔI/Δt = 2 H · 3 A / 0,001 s = 6000 V. Je schneller der Strom abbricht, desto höher die Spannungsspitze – sie ist nicht durch die Quellenspannung begrenzt und verschwindet auch nicht, nur weil der Schalter offen ist. Solche Spitzen erzeugen Funken und ÜberschlĂ€ge; deshalb brauchen Schalter fĂŒr Motoren und Elektromagnete eine Schutzbeschaltung.
Multiple Choice #6 25s ▶ Testen

Wozu diente der Funkeninduktor, bevor es brauchbare Wechselstromtransformatoren gab (um 1881)?

  • ● Zur Erzeugung hoher Spannungen durch schnelles Unterbrechen eines Spulenstroms
  • ○ Zur Messung sehr kleiner Ströme
  • ○ Zum Gleichrichten von Wechselstrom
  • ○ Zur Speicherung elektrischer Ladung
Ein schneller Ausschaltvorgang erzeugt sehr hohe Selbstinduktionsspannungen. Der Funkeninduktor nutzte das systematisch zur Hochspannungserzeugung.
Multiple Choice #7 25s ▶ Testen

Wovon hÀngt die InduktivitÀt einer eisenfreien Spule ab?

  • ● Nur von ihrer Geometrie und Windungszahl (N, A, l)
  • ○ Von der StromstĂ€rke, die durch sie fließt
  • ○ Von der angelegten Spannung
  • ○ Von der Frequenz des Stroms
L = Ό₀·NÂČ·A/l enthĂ€lt ausschließlich Spulendaten. Erst ein Eisenkern macht L ĂŒber ÎŒ_r vom Magnetisierungszustand abhĂ€ngig.
Zahleneingabe #8 40s ▶ Testen

An einer Spule mit L = 0,40 H wird die Selbstinduktionsspannung 20 V gemessen. Berechne die momentane Änderungsrate der StromstĂ€rke in A/s.

✓ Antwort: 50
Aus U_ind = L·dI/dt folgt dI/dt = U_ind/L = 20 V / 0,40 H = 50 A/s.
Schwer
Zahleneingabe #1 60s ▶ Testen

Berechne die InduktivitĂ€t einer eisenfreien, langgestreckten Spule mit N = 500 Windungen, QuerschnittsflĂ€che A = 20 cmÂČ und LĂ€nge l = 0,25 m in Millihenry. (Ό₀ = 4π·10⁻⁷ Vs/Am, auf eine Dezimalstelle gerundet)

✓ Antwort: 2.5
L = Ό₀·NÂČ·A/l = 4π·10⁻⁷ · 500ÂČ Â· 0,0020 / 0,25 ≈ 2,5·10⁻³ H = 2,5 mH. Die Windungszahl geht quadratisch ein.