Vierzehn Tage — aber nicht überall

Fourteen days — but not everywhere

Wirtschaft und Recht Klasse 9 21 Aufgaben
RechtVerbraucherschutzWiderrufsrechtFernabsatzKerncurriculum

Das Widerrufsrecht ist kein allgemeines Rückgaberecht und braucht keinen Mangel: Es gilt bei Fernabsatzverträgen und bei Verträgen außerhalb von Geschäftsräumen, 14 Tage ab Erhalt der Ware, ohne Begründung, mit Ausnahmen (§§ 312b, 312c, 312g, 355, 356 BGB); ohne Belehrung verlängert es sich auf zwölf Monate und 14 Tage (§ 356 Abs. 3, 4 BGB), und seit dem 19. Juni 2026 muss jeder Onlineshop eine Widerrufsfunktion anbieten (§ 356a BGB). Die Lernenden prüfen im Norm-Check vier Helmkäufe aus Elifs Familie und sagen für fremde, datierte Käufe – online, an der Haustür, im Laden, am Marktstand –, ob und bis wann widerrufen werden kann. Verdrängt wird der verbreitetste Irrtum dieses Lernbereichs: dass die 14 Tage auch im Geschäft gelten (Verbraucherzentrale NRW, „Denkste – Rechtsirrtümer beim Kaufen und Bezahlen“, 2018; Fairnessgefühl statt Norm nach Kahneman, Knetsch & Thaler 1986; Register nach den freigegebenen OECD/PISA-Aufgaben zur Finanzkompetenz). Ziel: Der Fall „defektes Fahrrad“ in Kurs 5 trennt genau diesen Widerruf von den Mängelrechten.

Kein Mangel – und trotzdem zurück?

Frau Demir bestellt am 2. September im Onlineshop „Helmwerk“ einen Fahrradhelm für Elif, 89 €. Am 4. September klingelt der Paketbote. Der Helm ist einwandfrei – aber Elif findet ihn unmöglich. Einen Mangel hat er nicht, also helfen ihr die Mängelrechte aus § 437 BGB nicht. Can hat seinen Helm dagegen im Radhaus gekauft; dort war die Rücknahme reine Kulanz. Gilt für Elifs Helm dasselbe? Nein – weil er online gekauft wurde:

„Dem Verbraucher steht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht gemäß § 355 zu.“
— § 312g Abs. 1 BGB

Ein Fernabsatzvertrag wird ausschließlich über Fernkommunikationsmittel geschlossen – Internet, Telefon, E-Mail, Katalog (§ 312c BGB). Wer so kauft, konnte die Ware vorher nicht in die Hand nehmen. Ein Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen entsteht etwa an der Haustür oder auf einer Verkaufsfahrt (§ 312b BGB); dort schützt das Gesetz vor Überrumpelung. In beiden Fällen kann der Verbraucher seine Vertragserklärung widerrufen – ohne Mangel und ohne Grund. Im Laden und am festen Marktstand, die als Geschäftsräume gelten, gibt es dieses Recht nicht.

Vierzehn Tage ab Erhalt – ohne Begründung

Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage (§ 355 Abs. 2 BGB) und beginnt beim Warenkauf, sobald die Ware beim Verbraucher ankommt (§ 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB) – nicht mit der Bestellung. Der Helm kam am 4. September; die Frist endet mit Ablauf des 18. Septembers. Eine Begründung braucht Frau Demir nicht, es genügt eine eindeutige Erklärung, und es reicht, sie am letzten Tag abzuschicken (§ 355 Abs. 1 BGB). Seit dem 19. Juni 2026 muss jeder Onlineshop dafür eine gut sichtbare Schaltfläche „Vertrag widerrufen“ anbieten (§ 356a BGB). Der Shop zahlt dann binnen 14 Tagen zurück (§ 357 Abs. 1 BGB); die Rücksendekosten trägt Frau Demir, wenn der Shop sie vorher darauf hingewiesen hat (§ 357 Abs. 5 BGB).

Über all das muss der Shop vor dem Kauf informieren. Fehlt diese Widerrufsbelehrung, beginnt die Frist gar nicht erst zu laufen (§ 356 Abs. 3 BGB); das Widerrufsrecht erlischt dann erst zwölf Monate und 14 Tage nach dem Tag, an dem die Frist sonst begonnen hätte (§ 356 Abs. 4 BGB).

Wo der Widerruf nicht gilt

Manche Waren kann der Shop nach einem Widerruf nicht weiterverkaufen. Für sie gibt es Ausnahmen (§ 312g Abs. 2 BGB): Waren, die nach Kundenwunsch angefertigt sind – etwa ein Helm mit eingraviertem Namen (Nr. 1) –, schnell verderbliche Lebensmittel (Nr. 2), versiegelte Hygieneartikel nach dem Öffnen (Nr. 3), entsiegelte CDs, DVDs und Software (Nr. 6) und einzelne Zeitschriften (Nr. 7). Prüfe unten vier Helmkäufe aus Elifs Familie:

Wähle einen Helmkauf und entscheide bei jeder Bedingung, ob sie erfüllt ist: Welcher Kauf kann widerrufen werden?

Nur Elifs Online-Helm erfüllt alle vier Bedingungen. Damit ist der Kurs beisammen. Ein Mangel öffnet die Mängelrechte – zuerst Nacherfüllung, dann Rücktritt oder Minderung –, zwei Jahre lang gegen den Verkäufer, im ersten Jahr mit umgekehrter Beweislast. Ein Widerruf braucht keinen Mangel, aber einen Kauf online oder an der Haustür, und er gilt nur 14 Tage. Hat ein online gekaufter Helm einen Mangel, stehen beide Wege offen. Wie man so einen Fall Schritt für Schritt aufschreibt, zeigt Kurs 5.

Leicht
Multiple Choice #1 30s â–¶ Testen

Lena kauft am Samstag im Laden in der Innenstadt eine Jeans für 50 €. Zu Hause gefällt sie ihr nicht mehr. Kann Lena widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Nein — fĂĽr einen Kauf im Laden gibt es kein Widerrufsrecht
  • â—‹ Ja — bis 14 Tage nach dem Kauf, wie beim Onlinekauf
  • â—‹ Ja — aber nur gegen einen Gutschein statt Bargeld
Das Widerrufsrecht gibt es beim Fernabsatz und bei Verträgen außerhalb von Geschäftsräumen (§§ 312b, 312c, 312g BGB) — im Ladengeschäft konnte Lena die Jeans ja ansehen und anprobieren. Nimmt der Laden sie zurück, ist das Kulanz.
Multiple Choice #2 30s â–¶ Testen

Ben lässt online ein T-Shirt mit einem selbst hochgeladenen Foto bedrucken, 24 €. Nach der Lieferung will er es zurückgeben. Kann Ben widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Nein — das Shirt wurde eigens nach seinen Vorgaben angefertigt
  • â—‹ Ja — bis 14 Tage nach dem Erhalt der Ware
  • â—‹ Ja — bis 14 Tage nach der Bestellung
Waren, die nach Kundenwunsch angefertigt oder eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten sind, sind vom Widerruf ausgenommen (§ 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB). Der Händler könnte Bens Foto-Shirt an niemanden sonst verkaufen.
Wahr / Falsch #3 25s â–¶ Testen

Ben schickt die online bestellten Schuhe innerhalb der Frist zurück und schreibt dazu nur „Ich widerrufe den Kauf“. Der Shop verlangt eine Begründung; ohne sie sei der Widerruf unwirksam.

âś“ Falsch
Falsch. Der Widerruf muss eindeutig erklärt werden, mehr nicht — eine Begründung verlangt das Gesetz ausdrücklich nicht (§ 355 Abs. 1 BGB). „Es gefällt mir nicht“ ist ein vollkommen ausreichender Grund, weil es gar keinen Grund braucht.
Wahr / Falsch #4 20s â–¶ Testen

Herr Barth unterschreibt bei einem Vertreter am eigenen Küchentisch einen Vertrag über einen Wasserfilter für 340 €. Auch dieser Vertrag kann innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden.

âś“ Wahr
Richtig. Verträge, die außerhalb der Geschäftsräume des Unternehmers geschlossen werden, sind widerruflich (§§ 312b, 312g Abs. 1 BGB). Der Gesetzgeber schützt hier vor der Überrumpelung an der Tür.
Wahr / Falsch #5 20s â–¶ Testen

Ein Onlineshop hat Herrn Kraft nirgends über ein Widerrufsrecht informiert. Drei Wochen nach Erhalt will er die bestellte Bohrmaschine widerrufen. — Das ist noch möglich.

âś“ Wahr
Richtig. Ohne Belehrung beginnt die 14-Tage-Frist gar nicht (§ 356 Abs. 3 BGB); das Widerrufsrecht erlischt erst zwölf Monate und 14 Tage nach dem regulären Fristbeginn (§ 356 Abs. 4 BGB).
Wahr / Falsch #6 25s â–¶ Testen

Am 1. Oktober 2026 bekommt Kim online bestellte Kopfhörer. Der Shop schreibt: „Widerruf nur per Brief an unsere Adresse.“ — Kim kann trotzdem über eine Schaltfläche auf der Website widerrufen, die der Shop anbieten muss.

âś“ Wahr
Richtig. Seit dem 19. Juni 2026 muss ein Unternehmer bei Fernabsatzverträgen über eine Website eine gut lesbare Widerrufsfunktion („Vertrag widerrufen“) bereitstellen (§ 356a BGB). Daneben bleibt jede andere eindeutige Erklärung möglich, etwa eine E-Mail (§ 355 Abs. 1 BGB).
Mittel
Multiple Choice #1 35s â–¶ Testen

Toms Toaster, vor fĂĽnf Monaten im Elektromarkt gekauft, heizt nicht mehr. Der Markt sagt, Tom habe ihn falsch benutzt. Wer muss beweisen, dass der Fehler schon bei der Ăśbergabe da war?

  • â—Ź Der Elektromarkt — er muss beweisen, dass der Toaster in Ordnung war
  • â—‹ Tom — er muss beweisen, dass der Toaster von Anfang an fehlerhaft war
  • â—‹ Der Hersteller — er hat das Gerät gebaut
Zeigt sich der Mangel innerhalb von zwölf Monaten nach der Übergabe, wird vermutet, dass er schon vorhanden war; widerlegen muss das der Verkäufer (§ 477 Abs. 1 BGB — seit dem 1. Januar 2022 zwölf statt sechs Monate). Das nennt man Beweislastumkehr.
Multiple Choice #2 30s â–¶ Testen

Ninas neues Handy zeigt drei Wochen nach dem Kauf einen Streifen im Display. Der Verkäufer vermutet, sie habe es fallen lassen. Wer muss beweisen, dass der Fehler schon bei der Übergabe da war?

  • â—Ź Der Verkäufer — er muss beweisen, dass das Display in Ordnung war
  • â—‹ Nina — sie muss beweisen, dass sie das Handy nicht fallen gelassen hat
  • â—‹ Der Hersteller — er hat das Display eingebaut
Drei Wochen liegen weit innerhalb der zwölf Monate, in denen der Mangel als von Anfang an vorhanden vermutet wird (§ 477 Abs. 1 BGB). Nina muss nichts beweisen — der Verkäufer müsste die Vermutung widerlegen.
LĂĽckentext #3 25s â–¶ Testen

Ben hat die Schuhe im Internet bestellt: Käufer und Verkäufer standen sich nie gegenüber. So einen Vertrag nennt man ___vertrag — nur dort und an der Haustür gibt es die 14 Tage.

âś“ Antwort: Fernabsatz
Ein Fernabsatzvertrag wird ausschließlich über Fernkommunikationsmittel geschlossen — Internet, Telefon, Katalog (§ 312c BGB). Weil man die Ware vorher nicht prüfen kann, gibt es das Widerrufsrecht.
LĂĽckentext #4 25s â–¶ Testen

Toms Toaster geht nach fünf Monaten kaputt. In den ersten zwölf Monaten muss nicht Tom, sondern der ___ beweisen, dass das Gerät bei der Übergabe in Ordnung war.

✓ Antwort: Verkäufer
Diese Beweislastumkehr steht in § 477 Abs. 1 BGB (seit 1. Januar 2022 zwölf statt sechs Monate). Sie ist der praktisch wichtigste Verbraucherschutz überhaupt — ohne sie würden fast alle Streitfälle am Beweis scheitern.
Zahleneingabe #5 25s â–¶ Testen

Lena erhält ihre online bestellte Lampe am 6. Februar 2026 und ist ordnungsgemäß über ihr Widerrufsrecht belehrt worden. Wie viele Tage hat sie ab dem Erhalt Zeit, den Kauf zu widerrufen?

âś“ Antwort: 14
Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage und beginnt beim Warenkauf mit dem Erhalt der Ware (§§ 355 Abs. 2, 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB, Stand 2026). Ohne Belehrung wären es zwölf Monate und 14 Tage gewesen.
Zahleneingabe #6 20s â–¶ Testen

Kim will nachlesen, warum sie online bestellte, schnell verderbliche Erdbeeren nicht widerrufen kann. In welchem Absatz von § 312g BGB stehen die Ausnahmen vom Widerrufsrecht?

âś“ Antwort: 2
§ 312g Abs. 2 BGB zählt die Verträge auf, bei denen kein Widerrufsrecht besteht – darunter schnell verderbliche Waren (Nr. 2), nach Kundenwunsch angefertigte Waren (Nr. 1) und entsiegelte Ton- und Videoaufnahmen (Nr. 6).
Zahleneingabe #7 20s â–¶ Testen

Ein Shop hat Frau Ilić nicht belehrt. Ihr Widerrufsrecht erlischt spätestens nach wie vielen Monaten (und 14 Tagen) ab dem regulären Fristbeginn?

âś“ Antwort: 12
Zwölf Monate und 14 Tage (§ 356 Abs. 4 Satz 1 BGB) – die normale Frist von 14 Tagen plus ein Jahr.
Schwer
Multiple Choice #1 35s â–¶ Testen

Ben bestellt am 2. März online Schuhe für 65 €. Sie werden am 5. März geliefert. Am 12. März gefallen sie ihm nicht mehr; ausgepackt und anprobiert hat er sie. Kann Ben widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Ja — bis zum 19. März: 14 Tage ab Erhalt der Ware
  • â—‹ Ja — aber nur bis zum 16. März: 14 Tage ab der Bestellung
  • â—‹ Nein — er hat die Schuhe schon ausgepackt und anprobiert
Beim Warenkauf im Fernabsatz beginnt die 14-Tage-Frist mit dem Erhalt der Ware, nicht mit der Bestellung (§ 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Anprobieren ist erlaubt: Man darf die Ware so prüfen wie im Laden.
Multiple Choice #2 35s â–¶ Testen

Am 4. Mai klingelt ein Vertreter bei Familie Weber und verkauft ihr einen Staubsauger für 890 €; das Gerät bleibt gleich da. Kann Familie Weber widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Ja — bis zum 18. Mai: 14 Tage ab Erhalt des Geräts
  • â—‹ Nein — der Vertrag wurde persönlich und mĂĽndlich geschlossen
  • â—‹ Ja — aber nur, solange der Staubsauger noch originalverpackt ist
An der Haustür wird der Vertrag außerhalb der Geschäftsräume des Unternehmers geschlossen (§ 312b BGB) — genau dafür gibt es die 14 Tage (§§ 312g Abs. 1, 355 Abs. 2 BGB). Der Überrumpelungsschutz ist der Grund, nicht die Frage, ob man die Ware vorher sehen konnte.
Multiple Choice #3 35s â–¶ Testen

Tom kauft am Samstag am Stand eines Händlers auf dem Wochenmarkt eine Pfanne für 35 €. Der Händler steht dort jeden Samstag mit demselben Stand. Kann Tom widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Nein — der Marktstand ist der gewöhnliche Geschäftsraum dieses Händlers
  • â—‹ Ja — bis 14 Tage nach dem Kauf, denn es war kein Ladengeschäft
  • â—‹ Ja — aber nur, wenn er den Kassenbon vorlegt
Geschäftsräume sind auch bewegliche Verkaufsstände, an denen der Unternehmer gewöhnlich verkauft (§ 312b Abs. 2 BGB). Tom wurde nicht überrumpelt: Er ist zum Stand gegangen und konnte die Pfanne in die Hand nehmen.
Multiple Choice #4 35s â–¶ Testen

Nina bestellt online eine Musik-CD für 15 €. Nach der Lieferung reißt sie die Folienversiegelung auf und hört die CD an. Zwei Tage später will sie sie zurückschicken. Kann Nina widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Nein — bei entsiegelten Ton- und Videoaufnahmen entfällt das Widerrufsrecht
  • â—‹ Ja — bis 14 Tage nach dem Erhalt, wie bei jeder Onlinebestellung
  • â—‹ Nein — bei Onlinekäufen gilt das Widerrufsrecht nur fĂĽr Kleidung
Für versiegelte Ton- und Videoaufnahmen sowie Computersoftware erlischt das Widerrufsrecht, sobald die Versiegelung entfernt ist (§ 312g Abs. 2 Nr. 6 BGB) — sonst könnte man kopieren und zurückschicken. Wäre die Folie noch dran, dürfte Nina widerrufen.
Multiple Choice #5 35s â–¶ Testen

Lena bestellt am 3. Februar online eine Lampe; geliefert wird sie am 6. Februar. Der Shop hat sie nirgends über ein Widerrufsrecht informiert. Am 20. April will Lena widerrufen. Kann sie widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Ja — ohne Widerrufsbelehrung läuft die Frist zwölf Monate und 14 Tage
  • â—‹ Nein — die 14 Tage nach dem 6. Februar sind längst abgelaufen
  • â—‹ Ja — aber nur, wenn die Lampe noch originalverpackt ist
Ohne ordnungsgemäße Belehrung beginnt die Frist gar nicht erst zu laufen (§ 356 Abs. 3 Satz 1 BGB); das Widerrufsrecht endet dann spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem regulären Fristbeginn (§ 356 Abs. 4 BGB). Die Belehrung ist damit im Interesse des Shops — sie beendet seine Unsicherheit.
Multiple Choice #6 35s â–¶ Testen

Nina ist inzwischen 18 und schließt am 10. Juni online einen Handyvertrag über 24 Monate zu 15 € im Monat ab. Am 20. Juni bereut sie es. Kann Nina widerrufen — und wenn ja, bis wann?

  • â—Ź Ja — bis zum 24. Juni: 14 Tage ab dem Vertragsschluss
  • â—‹ Nein — ein Vertrag ĂĽber 24 Monate bindet sie zwei Jahre lang
  • â—‹ Ja — aber nur, solange sie die SIM-Karte noch nicht aktiviert hat
Auch ein Dienstleistungsvertrag im Fernabsatz ist widerruflich; hier beginnt die Frist nicht mit einer Lieferung, sondern mit dem Vertragsschluss (§§ 312g Abs. 1, 355 Abs. 2 BGB). Mit 15 hätte Nina denselben Vertrag ohne Zustimmung ihrer Eltern gar nicht wirksam schließen können (§ 108 BGB).
Multiple Choice #7 35s â–¶ Testen

Bens Drucker, vor 15 Monaten im Laden gekauft, druckt nicht mehr. Der Laden bestreitet, dass der Fehler von Anfang an angelegt war. Wer muss beweisen, dass der Fehler schon bei der Ăśbergabe da war?

  • â—Ź Ben — er muss beweisen, dass der Drucker von Anfang an fehlerhaft war
  • â—‹ Der Laden — er muss beweisen, dass der Drucker in Ordnung war
  • â—‹ Der Hersteller — er hat das Gerät gebaut
Die Beweislastumkehr gilt nur zwölf Monate (§ 477 Abs. 1 BGB, Stand 2026). Danach besteht der Anspruch bis zum Ende der zwei Jahre weiter — aber jetzt muss der Käufer beweisen, und genau daran scheitern die meisten späten Fälle.
KI-bewertete Frage #8 220s â–¶ Testen

Herr Lehmann (72) nimmt an einer Busfahrt teil, die ein Händler organisiert, um dort Waren zu verkaufen. Im Gasthaus kauft er eine Heizdecke für 199 € und nimmt sie gleich mit. Zwei Tage später bereut er den Kauf. Prüfe in zwei bis vier Sätzen, ob Herr Lehmann widerrufen kann.

✓ Antwort: Herr Lehmann könnte ein Widerrufsrecht nach § 312g Abs. 1 BGB haben. Er kauft als Verbraucher von einem Unternehmer, und der Vertrag wurde auf einem vom Händler organisierten Ausflug geschlossen, also außerhalb von Geschäftsräumen (§ 312b Abs. 1 Nr. 4 BGB). Eine Ausnahme nach § 312g Abs. 2 liegt bei einer Heizdecke nicht vor, und die 14-Tage-Frist ab Erhalt (§§ 355 Abs. 2, 356 Abs. 2 BGB) ist nach zwei Tagen nicht abgelaufen. Er kann also widerrufen, ohne Gründe zu nennen.
Kaffeefahrt = Ausflug des Unternehmers (§ 312b Abs. 1 Nr. 4 BGB): Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen, Widerruf binnen 14 Tagen ohne Begründung (§§ 312g, 355 BGB).