Privatrecht, Strafrecht, öffentliches Recht

Private, Criminal and Public Law

Wirtschaft und Recht Klasse 8 17 Aufgaben
RechtKerncurriculum

Die Lernenden ordnen Streitfälle dem Privatrecht (gleichgeordnete Bürger, Ausgleich, der Geschädigte klagt selbst), dem Strafrecht (der Staat straft, die Staatsanwaltschaft klagt an) und dem öffentlichen Recht (der Staat tritt dem Bürger übergeordnet gegenüber) zu und erkennen, dass aus einer Tat zwei Verfahren folgen können. Verdrängt werden die Irrtümer „mit der Anzeige ist der Schaden bezahlt“ und „die Geldstrafe bekommt der Geschädigte“ (Peterson-Badali & Abramovitch 1992). Ziel: Abschnitt 4 (§ 823 BGB) und 6 (Straftat) sind die beiden Verfahren im Einzelnen, Abschnitt 7 führt sie am selben Fall zusammen; Kurs 2 wendet die Trennung auf Rechtsverletzungen im Netz an (Stand 2026).

BĂĽrger gegen BĂĽrger: das Privatrecht

Herr Berger hat zwei Rechnungen auf dem Tisch: 200 € für die neue Garagenscheibe, 400 € für die Reinigung seines Tors von Jonas’ Graffiti. Er will sein Geld. Wer sorgt dafür, dass er es bekommt? Die Polizei? Nein – er selbst. Wenn zwei Bürger um Geld, Sachen oder Verträge streiten, stehen sie sich gleichberechtigt gegenüber. Keiner kann dem anderen etwas befehlen; es geht darum, einen Schaden auszugleichen. Das ist das Privatrecht, auch Zivilrecht genannt.

Herr Berger muss also selbst von Lukas und Jonas verlangen, dass sie zahlen. Weigern sie sich, kann er vor dem Zivilgericht klagen. Tut er nichts, zahlt auch niemand – das Gericht wird nicht von sich aus tätig.

Der Staat straft: das Strafrecht

Am Abend geht Herr Berger zur Polizei und erstattet Anzeige gegen Jonas. Damit beginnt etwas ganz anderes. Jetzt geht es nicht mehr um Bergers 400 €, sondern um die Frage, ob Jonas eine Straftat begangen hat und wie der Staat darauf reagiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, erhebt gegebenenfalls Anklage, und ein Strafgericht – bei Jugendlichen das Jugendgericht – entscheidet. Das ist das Strafrecht.

Hier steckt der häufigste Irrtum: Muss Jonas einen Geldbetrag zahlen, geht das Geld nicht an Herrn Berger, sondern an die Staatskasse oder eine gemeinnützige Einrichtung. Das Jugendgericht kann Jonas zwar auch auferlegen, den Schaden wiedergutzumachen – einen Anspruch darauf hat Berger im Strafverfahren aber nicht. Eine Strafe ist die Antwort des Staates auf Unrecht, kein Ersatz für einen Schaden. Die Anzeige bezahlt kein Garagentor.

Staat und Bürger – und eine Tat, zwei Verfahren

Dann gibt es Fälle, in denen der Staat dem Bürger übergeordnet gegenübertritt: Das Landratsamt genehmigt Bergers Garagenanbau oder lehnt ihn ab, das Finanzamt verlangt Steuern, die Schule verlangt, dass Lukas zum Unterricht kommt. Das ist das öffentliche Recht; wer sich wehren will, geht zum Verwaltungsgericht. Streng genommen gehört auch das Strafrecht dazu – auch dort steht der Staat dem Bürger gegenüber. Weil es so wichtig ist, betrachtet man es meist für sich. Sortiere unten acht Fälle aus dem Hof und der Nachbarschaft in die drei Gebiete.

  • Privatrecht
  • Strafrecht
  • Ă–ffentliches Recht
  • Herr Berger verlangt von Lukas’ Familie 200 € fĂĽr die Scheibe.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jonas wegen Sachbeschädigung.
  • Das Landratsamt lehnt Bergers Garagenanbau ab.
  • Mias Eltern kĂĽndigen ihren Handyvertrag.
  • Das Jugendgericht verurteilt einen 16-Jährigen zu Arbeitsstunden.
  • Das Finanzamt schickt Herrn Berger einen Steuerbescheid.
  • Ein Vermieter verlangt die ausstehende Miete.
  • Die Schulleitung erteilt Jonas einen Verweis.
Sortiere die acht Fälle in die drei Rechtsgebiete. Achte darauf, wer wem gegenübersteht: zwei Bürger – oder der Staat?

Jonas’ Graffiti taucht im Sortierer zweimal auf, bei der Staatsanwaltschaft und – über Bergers Rechnung – im Privatrecht. So ist es: Aus einer Tat können zwei Verfahren folgen, die nichts voneinander wissen müssen. Im Strafverfahren fragt der Staat: Wird Jonas bestraft? Im Zivilverfahren fragt Berger: Wer ersetzt mir den Schaden? Wann die zweite Frage mit Ja beantwortet wird, steht in § 823 BGB.

Leicht
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Welcher Fall gehört ins Privatrecht?

  • â—Ź Eine Käuferin verlangt vom Händler ein neues Handy statt des defekten.
  • â—‹ Die Polizei ermittelt wegen eines Ladendiebstahls.
  • â—‹ Die Gemeinde fordert von einem Hundehalter Hundesteuer.
Käuferin und Händler stehen sich gleichberechtigt gegenüber; es geht um einen Ausgleich aus einem Vertrag – Privatrecht. Die Ermittlung ist Strafrecht, die Hundesteuer öffentliches Recht.
Wahr / Falsch #2 15s â–¶ Testen

Lisa hat ihrem Freund 50 € geliehen und bekommt sie nicht zurück. Die Polizei treibt das Geld für sie ein.

âś“ Falsch
Falsch. Ein Streit um geliehenes Geld ist Privatrecht: Lisa muss ihr Geld selbst zurĂĽckverlangen und notfalls vor dem Zivilgericht klagen. Die Polizei verfolgt Straftaten, sie treibt keine Schulden ein.
Multiple Choice #3 20s â–¶ Testen

In welchem Fall geht es um Strafrecht?

  • â—Ź Ein Richter verhängt gegen einen Ladendieb eine Geldstrafe.
  • â—‹ Ein Kunde verlangt sein Geld fĂĽr ein defektes Gerät zurĂĽck.
  • â—‹ Die Stadt erteilt einer Bäckerei eine Baugenehmigung.
Eine Strafe verhängt der Staat für eine Straftat – Strafrecht. Die Rückforderung ist Privatrecht, die Baugenehmigung öffentliches Recht.
Wahr / Falsch #4 15s â–¶ Testen

Die Geldstrafe, die ein Ladendieb zahlen muss, bekommt der bestohlene Ladenbesitzer.

âś“ Falsch
Falsch. Eine Geldstrafe flieĂźt an den Staat (die Staatskasse). Strafe ist die Antwort des Staates auf Unrecht; seinen Schaden muss der Ladenbesitzer getrennt im Privatrecht verlangen.
Multiple Choice #5 20s â–¶ Testen

Welcher Fall gehört zum öffentlichen Recht?

  • â—Ź Das Landratsamt verbietet einem Landwirt, eine Halle zu bauen.
  • â—‹ Zwei Nachbarn streiten ĂĽber einen ĂĽberhängenden Ast.
  • â—‹ Ein Händler verlangt von einem Kunden den Kaufpreis.
Eine Behörde entscheidet übergeordnet über den Bürger – öffentliches Recht. Nachbarn und Vertragspartner stehen sich gleichberechtigt gegenüber, das ist Privatrecht.
Wahr / Falsch #6 15s â–¶ Testen

Setzt die Gemeinde per Bescheid fest, wie viel eine Familie für den Kindergarten zahlen muss, ist das ein Fall des öffentlichen Rechts.

âś“ Wahr
Richtig. Die Gemeinde handelt hier als Staat und setzt die GebĂĽhr einseitig fest; die Familie ist ihr untergeordnet. Wehren kann sie sich vor dem Verwaltungsgericht.
Multiple Choice #7 20s â–¶ Testen

Ein Autofahrer fährt betrunken einen Gartenzaun um. Welche Folgen kann diese eine Tat haben?

  • â—Ź eine Strafe und Schadensersatz fĂĽr den Zaun
  • â—‹ nur eine Strafe – damit ist alles erledigt
  • â—‹ nur Schadensersatz – den Zaun hat er ja nicht mit Absicht umgefahren
Eine Tat, zwei Verfahren: Betrunken zu fahren ist auch ohne Absicht strafbar (§ 316 StGB), und den Zaun muss er im Privatrecht ersetzen. Die Strafe ersetzt den Schaden nicht, und der Schadensersatz ersetzt die Strafe nicht.
Wahr / Falsch #8 15s â–¶ Testen

Ein Jugendlicher wird wegen eines eingeschlagenen Schaufensters zu 40 Arbeitsstunden verurteilt. Damit ist der Schaden des Ladenbesitzers ausgeglichen.

âś“ Falsch
Falsch. Die Arbeitsstunden sind die Reaktion des Staates im Strafverfahren. Das Schaufenster muss der Ladenbesitzer getrennt im Zivilverfahren ersetzt verlangen – zwei Verfahren für eine Tat.
Mittel
LĂĽckentext #1 25s â–¶ Testen

Streiten zwei gleichberechtigte Bürger, etwa um einen Kaufpreis oder eine kaputte Sache, gehört der Fall ins ___.

âś“ Antwort: Privatrecht
Privatrecht (Zivilrecht): Gleichgeordnete stehen sich gegenĂĽber, Ziel ist der Ausgleich; der Betroffene verlangt selbst und klagt notfalls vor dem Zivilgericht.
LĂĽckentext #2 25s â–¶ Testen

Im Strafverfahren erhebt nicht der Geschädigte die Anklage, sondern die ___.

âś“ Antwort: Staatsanwaltschaft
Im Strafrecht verfolgt der Staat die Tat: Die Staatsanwaltschaft ermittelt und erhebt Anklage, ein Strafgericht urteilt.
LĂĽckentext #3 25s â–¶ Testen

Tritt der Staat dem Bürger übergeordnet gegenüber – mit einem Bescheid, einer Genehmigung oder der Schulpflicht –, gilt das ___ Recht.

✓ Antwort: öffentliche
Öffentliches Recht regelt das Verhältnis zwischen Staat und Bürger; der Staat kann einseitig entscheiden. Streit darüber gehört vor das Verwaltungsgericht.
LĂĽckentext #4 25s â–¶ Testen

Für dieselbe Tat können zwei Verfahren laufen: das Strafverfahren, in dem der Staat straft, und das ___, in dem der Geschädigte Schadensersatz verlangt.

âś“ Antwort: Zivilverfahren
Strafverfahren (Staat gegen Täter, Ziel Strafe) und Zivilverfahren (Geschädigter gegen Schädiger, Ziel Ausgleich) laufen unabhängig voneinander.
Schwer
Multiple Choice #1 40s â–¶ Testen

Ein Radfahrer fährt Frau Kaya an; ihre Brille für 300 € geht kaputt. Wer muss handeln, damit Frau Kaya die 300 € bekommt?

  • â—Ź Frau Kaya selbst – sie fordert das Geld ein, notfalls mit einer Klage.
  • â—‹ Die Staatsanwaltschaft – sie klagt das Geld fĂĽr Frau Kaya ein.
  • â—‹ Niemand – mit einer Anzeige wird der Schaden automatisch bezahlt.
Der Ersatz der Brille ist eine Frage des Privatrechts: Die Geschädigte muss ihn selbst verlangen. Die Staatsanwaltschaft verfolgt nur Straftaten, und eine Anzeige setzt kein Zivilverfahren in Gang.
Multiple Choice #2 40s â–¶ Testen

Ein Erwachsener stiehlt einem Rentner das Portemonnaie mit 300 €. Der Rentner verzeiht ihm und will nichts unternehmen. Wer entscheidet, ob Anklage erhoben wird?

  • â—Ź Die Staatsanwaltschaft – der Staat verfolgt Diebstahl von sich aus.
  • â—‹ Der Rentner – ohne seine Klage gibt es kein Verfahren.
  • â—‹ Das Zivilgericht – es entscheidet ĂĽber die 300 €.
Diebstahl ist eine Straftat, die der Staat von Amts wegen verfolgt (nur bei geringwertigen Sachen braucht es einen Strafantrag, § 248a StGB). Über die Anklage entscheidet die Staatsanwaltschaft, nicht der Bestohlene; das Zivilgericht ist nur für die Rückzahlung zuständig.
Multiple Choice #3 40s â–¶ Testen

Familie Ă–zdemir bekommt vom Landratsamt einen Bescheid: Ihr Gartenhaus ist zu hoch und muss abgerissen werden. Gegen wen und wo wehrt sich die Familie?

  • â—Ź Gegen das Landratsamt – vor dem Verwaltungsgericht.
  • â—‹ Gegen den Nachbarn – vor dem Zivilgericht.
  • â—‹ Gegen die Staatsanwaltschaft – vor dem Strafgericht.
Der Bescheid kommt vom Staat, der übergeordnet entscheidet – öffentliches Recht. Gegner ist die Behörde, zuständig das Verwaltungsgericht. Auch wenn sich ein Nachbar beschwert hat, ist er nicht der Gegner, und um eine Straftat geht es nicht.
Multiple Choice #4 45s â–¶ Testen

Pia (16) zerkratzt mit Absicht das Auto ihres Lehrers. Der Lehrer will 800 € für den Lack. Was gilt?

  • â—Ź Die 800 € muss der Lehrer selbst verlangen; ob Pia bestraft wird, entscheidet der Staat.
  • â—‹ Die 800 € zahlt Pia als Geldstrafe direkt an den Lehrer.
  • â—‹ Bekommt der Lehrer die 800 €, darf der Staat Pia nicht mehr bestrafen.
Den Schaden verlangt der Lehrer im Privatrecht selbst; über eine Strafe entscheiden Staatsanwaltschaft und Jugendgericht. Eine Geldstrafe geht nie an den Geschädigten, und eine Wiedergutmachung schließt ein Strafverfahren nicht aus – sie kann es höchstens mildern.
KI-bewertete Frage #5 200s â–¶ Testen

Ein Radfahrer (25) fährt bei Rot über die Ampel und stößt eine Fußgängerin um. Sie bricht sich das Handgelenk, ihr Handy zerspringt. Erkläre in zwei bis vier Sätzen, welche zwei Verfahren folgen können, wer sie jeweils betreibt und worauf sie zielen.

✓ Antwort: Im Strafverfahren verfolgt der Staat den Radfahrer, weil eine fahrlässige Körperverletzung strafbar ist; die Staatsanwaltschaft ermittelt, ein Strafgericht kann eine Geldstrafe verhängen, die an den Staat geht. Im Zivilverfahren verlangt die Fußgängerin selbst Schadensersatz für das Handy und Schmerzensgeld für das Handgelenk und klagt notfalls vor dem Zivilgericht. Beide Verfahren laufen unabhängig voneinander; die Strafe ersetzt ihr den Schaden nicht.
Eine Tat, zwei Verfahren: Strafverfahren (Staat, Ziel Strafe) und Zivilverfahren (Geschädigte, Ziel Ausgleich). Die fahrlässige Körperverletzung ist nach § 229 StGB strafbar; Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangt die Fußgängerin selbst.