Verbraucherin gegen Händler – der Verbrauchsgüterkauf
Consumer against Trader – the Consumer Sale
Die Lernenden erkennen den Verbrauchsgüterkauf (§ 474: eine Verbraucherin kauft von einem Unternehmer eine Ware) und wenden seine Sonderregeln an Janas Kauf an: Das verlorene Paket ist Phonoras Risiko (§ 475 II statt § 447), die Frist zur Nacherfüllung entfällt, wenn Phonora die Updates verweigert (§ 475d), und die AGB-Klausel „sechs Monate Updates“ ändert an § 475b nichts (§ 476 I). Auf einer Monatsachse sehen sie, dass Ansprüche wegen fehlender Updates länger laufen als die übrigen Mängelrechte (§ 475e II neben § 438, 24 Monate); den Update-Mangel misst das Gesetz über den ganzen Aktualisierungszeitraum (§ 475b II), ohne die Vermutung des § 477. Verdrängt werden „kommt das Paket nicht an, ist das mein Problem“ und „was vereinbart ist, gilt“. Ziel: der Widerruf und (eA) die AGB-Kontrolle als die anderen Schutzinstrumente, Kurs 13.
Wer ist hier Verbraucherin?
Bisher galt fĂĽr Janas Kauf, was fĂĽr jeden Kauf gilt. Jana hat das Handy
aber fĂĽr sich privat gekauft, und Phonora verkauft gewerblich. Das macht
sie zur
„Verbrauchsgüterkäufe sind Verträge, durch die ein Verbraucher von einem Unternehmer eine Ware … kauft.“
— § 474 Abs. 1 S. 1 BGB
Aus Kurs 4 kennst du eine Regel daraus: die Beweislastumkehr. Die §§ 474 ff. gelten „ergänzend“ (§ 474 Abs. 2). Sie ersetzen das Kaufrecht nicht, sie wandeln es an einzelnen Stellen zugunsten des Verbrauchers ab. Verkauft Jana ihr altes Handy privat an ihren Bekannten Max, gilt nur das allgemeine Kaufrecht, und ebenso, wenn Phonora beim Großhändler einkauft.
Das verlorene Paket
Das erste Paket ist am 6. August verloren. Phonora verlangt für ein neues Handy noch einmal Geld und beruft sich auf eine echte Norm. Normalerweise geht die Gefahr, dass die Sache zufällig untergeht, mit der Übergabe an den Käufer auf ihn über (§ 446). Verschickt der Verkäufer sie auf Wunsch des Käufers, verlegt § 447 Abs. 1 diesen Moment nach vorn auf die Übergabe an den Transporteur. Danach wäre das verlorene Paket Janas Problem: Sie müsste zahlen, obwohl nichts ankam. Für den Verbrauchsgüterkauf nimmt § 475 das zurück:
„§ 447 Absatz 1 gilt mit der Maßgabe, dass die Gefahr … nur dann auf den Käufer übergeht, wenn der Käufer den Spediteur, den Frachtführer oder die sonst zur Ausführung der Versendung bestimmte Person oder Anstalt mit der Ausführung beauftragt hat und der Unternehmer dem Käufer diese Person oder Anstalt nicht zuvor benannt hat.“
— § 475 Abs. 2 BGB
Den Paketdienst hat Phonora ausgesucht und beauftragt. Die
Sechs Monate laut AGB
Im Mai 2027 beruft sich Phonora auf Nr. 9 seiner AGB: sechs Monate
Updates. Beim VerbrauchsgĂĽterkauf kann sich der Unternehmer auf eine
Vereinbarung, die vor der Mangelanzeige zum Nachteil des Verbrauchers von
den Mängelregeln abweicht, nicht berufen (§ 476 Abs. 1 S. 1). Weniger
Updates als nach § 475b Abs. 4 darf er nur vereinbaren, wenn er den Käufer
vor der Bestellung eigens darauf hinweist und die Abweichung ausdrĂĽcklich
und gesondert vereinbart wird (S. 2). Eine Zeile in AGB, die Jana nur
angehakt hat, leistet das nicht; die Regeln sind
Auch die Frist aus dem allgemeinen System wandelt der Untertitel ab. Für den Rücktritt wegen eines Mangels braucht der Verbraucher keine Frist, wenn der Unternehmer die Nacherfüllung verweigert hat (§ 475d Abs. 1 Nr. 4); für den Schadensersatz gilt dasselbe (Abs. 2). Phonoras Antwort vom 10. Mai ist eine Verweigerung. Jana kann sofort zurücktreten und bekommt gegen das Handy den Kaufpreis zurück (§ 346 Abs. 1). Für die knapp neun Monate, in denen sie es benutzt hat, schuldet sie aber Wertersatz (§ 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 1); davon befreit § 475 Abs. 3 nur bei der Nacherfüllung. Eine Vermutung braucht Jana nicht: Den Update-Mangel misst das Gesetz über den ganzen Aktualisierungszeitraum (§ 475b Abs. 2), und dass die Updates fehlen, ist unstreitig. Verjähren können Ansprüche deswegen nicht vor Ablauf von zwölf Monaten nach dem Ende dieses Zeitraums (§ 475e Abs. 2), auch wenn die übrigen Mängelrechte nach zwei Jahren verjährt sind. Zieh die Markierung auf der Monatsachse und vergleiche die Fristen.
Voraussetzungen (2)
Ermöglicht (2)
FĂĽr welchen Kauf gelten die Sonderregeln des VerbrauchsgĂĽterkaufs?
Beim Verbrauchsgüterkauf gelten statt des Kaufrechts allein die §§ 474 ff.
Das erste Paket geht am 6. August beim Paketdienst verloren, den Phonora beauftragt hat. Wer trägt das Risiko?
Hätte Jana ihr Handy privat von Max gekauft und hätte Max es auf ihren Wunsch verschickt, trüge Jana das Risiko des verlorenen Pakets.
Am 10. Mai 2027 lehnt Phonora Updates ab: „sechs Monate laut AGB“. Was braucht Jana, um zurückzutreten?
Weil Jana Nr. 9 der AGB mit einem Häkchen akzeptiert hat, schuldet Phonora nur sechs Monate Updates.
Welche Vereinbarung über das Nova 8 lässt § 476 Abs. 1 zu?
Verbraucher ist, wer ein Rechtsgeschäft zu Zwecken abschließt, die überwiegend weder seiner gewerblichen noch seiner selbständigen ___ Tätigkeit zugerechnet werden können (§ 13).
Beim Verbrauchsgüterkauf gilt § 447 Abs. 1 nur mit der Maßgabe des § 475 Abs. ___: Die Gefahr geht beim Versand nur über, wenn der Käufer den Transporteur selbst beauftragt hat.
Beim Verbrauchsgüterkauf muss der Verbraucher keine Frist setzen, wenn der Unternehmer trotz Ablaufs einer angemessenen Frist ab der ___ des Mangels nicht nacherfüllt hat (§ 475d Abs. 1 Nr. 1).
Von den objektiven Anforderungen darf beim Verbrauchsgüterkauf nur abgewichen werden, wenn die Abweichung im Vertrag ausdrücklich und ___ vereinbart wurde (§ 476 Abs. 1 S. 2).
Norm finden: Phonora meint, das verlorene Paket sei Janas Risiko. Welche Norm hält Jana dagegen?
Jana macht sich 2027 als Fotografin selbständig und bestellt bei Phonora ein zweites Nova 8 nur für ihre Aufträge. Es kommt mit falschem Speicher. Gilt § 475d für sie?
Angenommen, Jana bucht selbst einen Kurier, der das Handy in Phonoras Lager abholt; Phonora hatte ihr keinen genannt. Der Kurier verliert es. Muss Jana trotzdem zahlen?
Angenommen, im Juni 2027 lässt Phonora das Mikrofon von Janas Nova 8 einmal reparieren, im Juli fällt es wieder aus. Was gilt für einen Rücktritt?
Angenommen, auf der Produktseite stand vor der Bestellung hervorgehoben „Für dieses Gerät gibt es nur sechs Monate Updates“, und Jana hat das mit einem eigenen Häkchen bestätigt. Hat das Nova 8 im Mai 2027 einen Mangel?
Phonora schreibt: „Mit der Übergabe an den Paketdienst haben wir alles getan. Dass der Händler trotzdem das Transportrisiko trägt, ist ungerecht.“ Stelle in fünf bis acht Sätzen dar, welche Intention der Gesetzgeber mit § 475 Abs. 2 verfolgt, und beurteile Phonoras Einwand.