Sauerteigbrot â ein Rennen zwischen Hefe und SĂ€ure
Zwei Brote aus einem Glas
Zwei Laibe liegen aufgeschnitten nebeneinander. Beide kommen aus demselben Glas Anstellgut und aus demselben Rezept: 500 g Weizenmehl, 375 g Wasser, 10 g Salz, 50 g Anstellgut. Der Teig geht acht Stunden in der Dose, dann, zum Laib geformt, noch zwei Stunden im Körbchen. Der linke ist in einer KĂŒche mit 25 °C gegangen. Er ist hoch, die Krume offen, der Geschmack mild-sĂ€uerlich. Der rechte stand an einem Sommertag auf der Fensterbank, bei 32 °C. Er ist breit und flach, die Krume dicht und feucht, und er schmeckt scharf sauer.
Sieben Grad Unterschied haben aus demselben Teig zwei verschiedene Brote
gemacht. Der Grund ist, dass Sauerteig keine Zutat ist, sondern zwei
Völker von Lebewesen. Wilde
Der Artikel bleibt beim Weizen-Sauerteig, vom Glas bis zum Ofen. Wie Hefe Gas macht und warum Kneten ein Klebernetz baut, steht im Hefeteig-Kurs; hier geht es um das, was ein Sauerteig anders macht. Roggen folgt anderen Regeln und kommt nur am Schluss vor.
Ein Glas Anstellgut
Das Rennen beginnt in einem Glas. Du nimmst 50 g reifes Anstellgut, gibst 50 g Mehl und 50 g Wasser dazu, rĂŒhrst um und legst ein Gummiband um das Glas, genau auf Höhe der OberflĂ€che. Das Glas unten ist ein 500-ml-Glas im richtigen MaĂstab, 8,5 cm breit. Rechts daneben steht, wie viele Zellen in einem Gramm leben und wie sauer es ist.
Bei 25 °C steigt das Anstellgut stetig, nach 7,3 Stunden steht es am höchsten, 128 % ĂŒber dem Gummiband. Danach sinkt es. Nach 13,7 Stunden ist es auf halbe Höhe gefallen, und an der Glaswand bleibt ein Film, wo es einmal stand.
Schau auf die Balken. In einem Gramm reifen Anstellguts leben etwa eine Milliarde Bakterien (10âč) und zehn Millionen Hefezellen (10â·), hundert Bakterien auf eine Hefe. Beim FĂŒttern verdĂŒnnst du beide auf ein Drittel, dann wachsen beide zurĂŒck. Das Gas kommt fast nur von der Hefe. Die Bakterien machen den pH-Wert kleiner: von 5,3 direkt nach dem FĂŒttern auf 4,0 am Höhepunkt. Unter 3,9 hören sie auf zu wachsen, ihre eigene SĂ€ure bremst sie.
Warum fĂ€llt das Glas dann ein? Das Gas wird ja weiter gemacht. Aber die SĂ€ure schaltet Enzyme im Mehl ein, die das KlebereiweiĂ zerschneiden. Das GerĂŒst, das die BlĂ€schen hĂ€lt, wird weich, und das Gas entweicht nach oben. Ein Anstellgut, das sich gewölbt hat und fruchtig riecht, ist reif. Eines, das eingefallen ist und nach Essig riecht, ist ĂŒberreif, aber nicht tot: Nach dem nĂ€chsten FĂŒttern steigt es wieder. Den Schwimmtest brauchst du nicht, er ist unzuverlĂ€ssig. Höhe, Wölbung und Geruch sagen mehr. Das alles galt bei 25 °C. Was wird aus dem Rennen, wenn die KĂŒche wĂ€rmer ist?
Wer schneller wÀchst
Im Sommer ist die KĂŒche wĂ€rmer, und viele Rezepte sagen nur: âwarm stellenâ. Wie warm? Der Regler unten stellt die Temperatur ein. Darunter siehst du zwei Kurven, gemessen von Michael GĂ€nzle und Kollegen 1998 an den beiden typischen Bewohnern eines Sauerteigs: wie schnell sie bei jeder Temperatur wachsen.
Die Bakterien wachsen am schnellsten bei 32 °C. Dann verdoppeln sie sich in einer Stunde. Die Hefe hat ihr Optimum bei 27 °C, und oberhalb davon bricht sie ein. Aus dem Hefeteig-Kurs kennst du eine andere Regel: WĂ€rme macht die Hefe schneller, erst ab etwa 45 °C leidet sie. Das gilt fĂŒr Backhefe; die wilde Hefe im Sauerteig vertrĂ€gt viel weniger. Bei 32 °C braucht sie 3,6 Stunden fĂŒr eine Verdopplung, bei 35 °C wĂ€chst sie fast gar nicht mehr. Im Glas heiĂt das: Bei 32 °C verdoppelt sich das Anstellgut nie. Es kommt auf +63 %, und der pH-Wert fĂ€llt dabei schon auf 3,7. Die SĂ€ure ist da, bevor das Gas da ist.
Nach unten ist es anders, als viele BackbĂŒcher sagen. âKĂŒhl begĂŒnstigt die
Hefeâ stimmt nur halb. Zwischen 20 und 26 °C wachsen beide Völker im
Gleichschritt: Die Hefe schafft dort immer etwa 80 % des Tempos der
Bakterien. KĂŒhler wird alles nur langsamer, nicht anders. Das Rennen
entscheidet sich oben. Wird es wÀrmer als etwa 28 °C, verliert die Hefe. Deshalb gilt:
Und der Geschmack? WĂ€rme macht mehr SĂ€ure, vor allem mehr MilchsĂ€ure, die mild schmeckt. Die schĂ€rfere EssigsĂ€ure bleibt nach Messungen von Spicher bei jeder Temperatur etwa gleich, ein fester Teig macht mehr davon als ein weicher. Dass ein kĂŒhler Teig âessigsaurerâ wird, liest man oft. Der BĂ€cker Hendrik KleinwĂ€chter konnte es in eigenen Versuchen nicht bestĂ€tigen. Das Modell hier kennt nur eine SĂ€ure und misst sie als pH.
Vom Glas in den Teig
Ein Glas Anstellgut ist noch kein Brot. Im Teig ist das Anstellgut stark
verdĂŒnnt: 50 g auf 500 g Mehl sind 10 % vom Mehl, und damit nur 5 % der
ganzen Teigmasse. Das Rennen beginnt von vorn, mit knapp zwanzigmal
weniger Zellen pro Gramm als im reifen Anstellgut. Das Bild zeigt jetzt eine 2-Liter-Dose mit
dem Teig, und neu ist der Regler fĂŒr das Anstellgut. Das erste Gehen des
ganzen Teigs in der Dose, bevor du ihn formst, heiĂt
Mit 10 % Anstellgut bei 25 °C ist der Teig nach 7,8 Stunden bei +50 %. Bei 20 °C brauchst du 15 % fĂŒr 12,2 Stunden. Das Anstellgut ist ein Vorsprung: Je mehr Zellen am Anfang da sind, desto weniger Verdopplungen fehlen bis zum Ziel. Deshalb spart doppelt so viel Anstellgut nicht die HĂ€lfte der Zeit, sondern ungefĂ€hr eine Verdopplungszeit der Hefe, bei 25 °C sind das 1,8 Stunden. Mit 20 % ist der Teig nach 6,3 Stunden am Ziel, nicht nach der halben Zeit von 3,9.
Ein Anstellgut, das in den Teig kommt, heiĂt Levain. Es ist ein Vorteig: Ein Teil des Mehls gĂ€rt vorher, damit der Hauptteig kĂŒrzer braucht und mehr Geschmack bekommt. Mit Backhefe gibt es dieselbe Idee in drei Formen. Der Poolish ist flĂŒssig, halb Mehl, halb Wasser, mit einer Prise Hefe. Die Biga ist fest. Die PĂąte fermentĂ©e ist ein StĂŒck Teig vom Vortag.
Eine Zahl in diesem Modell ist nicht gemessen, sondern eingestellt: wie viel Gas eine Hefezelle pro Stunde macht. Sie ist so gewĂ€hlt, dass 10 % Anstellgut bei 25 °C nach knapp acht Stunden +50 % ergibt. So steht es in KleinwĂ€chters Tabelle. Dieselbe Tabelle nennt 15 % bei 20 °C und 5 % bei 30 °C fĂŒr acht bis zwölf Stunden. Diese beiden Zeilen hat das Modell nicht gesehen, und es trifft sie: 12,2 und 10,9 Stunden. Ein drittes MaĂ verfehlt es. King Arthur Baking sagt, ein gesundes Anstellgut verdoppelt sich in sechs bis acht Stunden. Das Modell braucht bei 21 °C 9,3 Stunden, bei 25 °C 6,1.
Ein Netz, das das Gas hÀlt
Der Teig von eben stieg brav auf +50 %. Er hatte stillschweigend ein Netz,
das dreimal gedehnt und gefaltet worden war. Ohne diese Arbeit steigt er
nicht so weit. Aus dem Hefeteig kennst du dieses Netz: Kneten baut es aus
dem KlebereiweiĂ des Mehls, und es hĂ€lt das Gas der Hefe fest. Neu ist jetzt der Regler fĂŒr das Dehnen und Falten. Die
gestrichelte violette Linie ist die Decke des Netzes: so viel Gas, wie das
Ohne Falten liegt die Decke bei +35 %. Der Teig erreicht das Ziel nie. Das Gas steigt nach oben und platzt an der OberflĂ€che, der Teig lĂ€uft in der Dose breit. Eine Faltrunde hebt die Decke auf +72 %, drei Runden auf +95 %. Jede Runde zieht die KleberstrĂ€hnen lang und legt sie ĂŒbereinander. Ob das Netz fertig ist, zeigt der Fenstertest: Ein StĂŒck Teig lĂ€sst sich so dĂŒnn ausziehen, dass Licht durchscheint, ohne zu reiĂen.
Die Autolyse spart eine Runde. Du lĂ€sst Mehl und Wasser eine halbe Stunde ruhen, bevor Salz und Anstellgut dazukommen. In dieser Zeit quillt das KlebereiweiĂ und ordnet sich von selbst. Im Modell ist sie so viel wert wie eine Faltrunde. Das ist eine SchĂ€tzung, keine Messung. Weniger kneten heiĂt auch: weniger Sauerstoff im Teig, der Farbe und Geschmack des Mehls bleicht. Und weniger Anfassen am Ende heiĂt weniger herausgedrĂŒcktes Gas, also eine offenere Krume.
Stell drei Faltrunden ein und zieh die Zeit ĂŒber acht Stunden hinaus. Die Decke beginnt zu sinken und steht nach zehn Stunden bei +87 %. Dort erreicht der Teig sie und sinkt mit ihr. Das ist die Ăbergare, und es ist wieder die SĂ€ure. Unter etwa pH 4,5 werden die eiweiĂspaltenden Enzyme des Mehls aktiv und zerschneiden den Kleber. Der Teig hĂ€lt weniger Gas, obwohl die Hefe noch arbeitet. Er sackt ein, wird klebrig und lĂ€uft breit. Dasselbe hast du im Glas gesehen, als es einfiel.
Formen, StĂŒckgare, Fingerprobe
Nach der Stockgare ist der Teig um die HĂ€lfte gewachsen, und sein Netz hat
noch Reserve. Aber er liegt als weiches Kissen in der Dose. So in den Ofen
geschoben, liefe er breit. Deshalb formst du ihn zu einem Laib und spannst
die OberflÀche zu einer straffen Haut: erst grob vorformen, kurz ruhen lassen,
dann endgĂŒltig formen. Die Haut hĂ€lt den Laib spĂ€ter im Ofen zusammen,
damit er nach oben geht und nicht breit lÀuft. Beim Formen verliert der
Teig Gas, im Modell 40 %. Dann liegt er im GÀrkörbchen und geht ein
zweites Mal, die
In der KĂŒche bei 25 °C ist der Laib nach 1,5 Stunden reif und nach 2,5 Stunden schon zu alt. Das Fenster ist ungefĂ€hr eine Stunde breit. Die Fingerprobe sagt dir, wo du bist. DrĂŒck eine bemehlte Fingerkuppe einen Zentimeter tief in den Teig und warte eine Minute. Springt die Delle sofort zurĂŒck, hat das Netz noch viel Reserve, der Laib ist zu jung. Im Ofen reiĂt er auf, unten bleibt die Krume dicht und gummig, oben entstehen groĂe Krater. Bleibt die Delle ganz stehen, ist die Reserve aufgebraucht. Der Laib ist zu alt: Er wird flach, mit vielen kleinen, gleichen Poren. Kommt die Delle langsam zurĂŒck und ist nach einer Minute noch zu sehen, ist er reif.
Im KĂŒhlschrank bei 4 °C ist der Laib nach 4,5 Stunden reif und bleibt es bis 16,5 Stunden. Das Fenster ist jetzt zwölf Stunden breit statt einer, und eine ganze Nacht passt hinein. Die KĂ€lte hĂ€lt das Rennen nicht an, sie macht es sehr langsam: Bei 4 °C brauchen die Bakterien 27 Stunden fĂŒr eine Verdopplung statt 1,4 Stunden bei 25 °C. Dazu kommt, dass ein kalter, fester Teig sich sauber einschneiden lĂ€sst. Ein warmer, schlaffer zieht sich am Messer. Deshalb gehen so viele Sauerteigbrote ĂŒber Nacht in den KĂŒhlschrank.
Im Topf: Dampf hÀlt die Haut weich
Der Laib ist reif, sein Netz hat noch etwa ein Viertel Reserve. Im Ofen wird diese Reserve zum Ofentrieb. Das Gas dehnt sich aus, zwischen 25 und 60 °C um etwa 12 %, die Hefe arbeitet noch ein paar Minuten, und Wasser wird zu Dampf. Das Bild zeigt einen gusseisernen Topf mit 26 cm Durchmesser, 230 °C heiĂ, mit dem Laib darin. Neu ist der Regler, wie lange der Deckel draufbleibt. Das Diagramm darunter zeigt die ersten 45 Minuten: gestrichelt, wie weit der Laib wachsen könnte, durchgezogen, wie weit er wirklich wĂ€chst.
Ohne Deckel wÀchst der Laib um 22 %, mit Deckel um 33 %. Der Unterschied
ist die Haut. In trockener Ofenluft trocknet die OberflÀche in wenigen
Minuten, wird heiĂer als 100 °C und fest, im Modell nach vier Minuten. Ab
dann drĂŒckt das Gas gegen eine Kruste statt gegen eine Haut. Mit Deckel
bleibt der Wasserdampf, den der Laib selbst abgibt, im Topf.
Der Deckel hat auch einen Preis. Solange er drauf ist, brĂ€unt die Kruste nicht, denn nasse OberflĂ€chen werden nicht heiĂer als 100 °C. Nach 30 Minuten mit Deckel wird die Kruste nur noch goldbraun, ab 33 Minuten bleibt sie blass. Die ĂŒbliche Regel aus dem Tartine-Buch sind 20 Minuten mit Deckel und 25 ohne. Messungen im Backofen bestĂ€tigen das Bild: Wenig Dampf gibt eine matte Kruste, die aufreiĂt. Viel Dampf gibt eine glĂ€nzende, dĂŒnne Kruste, weil die nasse StĂ€rke an der OberflĂ€che verkleistert.
Der Schnitt und das Ohr
Ein Laib, der um ein Drittel wÀchst, muss seine Haut irgendwo öffnen. Neu ist hier nur ein Schalter: Einschnitt ja oder nein. Der Laib und der Ofen sind dieselben wie eben.
Ohne Einschnitt reiĂt der Laib seitlich auf, an irgendeiner schwachen Stelle der Haut. Mit Einschnitt öffnet er sich dort, wo du geschnitten hast. Wenn du schrĂ€g schneidest und die Haut noch weich ist, wenn der Schnitt aufgeht, hebt sich eine Kante und wird zu einer hochgestellten Lippe, dem Ohr. Im Modell braucht das Ohr mindestens acht Minuten weiche Haut. Ohne Deckel wird die Kruste nach vier Minuten fest. Dann geht der Schnitt zwar auf, aber flach, ohne Ohr.
Das Ohr ist also kein Zeichen fĂŒr einen geschickten Schnitt allein. Es zeigt dir drei Dinge auf einmal: Der Laib hatte noch Reserve, er war also nicht zu alt. Die Haut war straff genug, um sich aufzustellen. Und der Dampf hat sie lange genug weich gehalten.
Die ganze Karte
Jetzt passt alles auf ein Bild. Die Karte unten zeigt fĂŒr jede Temperatur und jede Stunde der Stockgare, wo der Teig steht. Grau heiĂt zu frĂŒh, grĂŒn reif, orange ĂŒbergar, rot: Die SĂ€ure hat gewonnen, bevor das Gas kam. Der Punkt ist dein Teig. Dazu kommt ein letzter Regler: Zucker, gemessen am Mehl.
Das grĂŒne Band ist das Fenster der Stockgare. Es fĂ€llt mit der Temperatur: Je wĂ€rmer, desto frĂŒher ist der Teig reif. Ăber etwa 30 °C wird es schmal und geht in Rot ĂŒber. Das ist der flache, saure Laib vom Anfang, jetzt als Ort auf einer Karte. Der linke Laib liegt mitten im GrĂŒn, bei 25 °C und acht Stunden.
Die mageren Brote sind Punkte auf derselben Karte. Das Landbrot hat 10 % Anstellgut und ist nach acht Stunden reif. Baguette und Brötchen bekommen 20 % und sind nach sieben und sechs Stunden reif. Das französische pain de tradition ist per Gesetz ein Baguette ohne jeden Zusatzstoff, nur aus Mehl, Wasser, Salz und Triebmittel.
Die Brioche liegt woanders. Butter, Ei, Milch und 12 % Zucker machen den Teig reich. Zucker zieht der Hefe Wasser ab, Fett umhĂŒllt sie, und ĂŒber 5 % Zucker wird sie langsamer. Das Band wandert nach oben: Mit 20 % Anstellgut braucht die Brioche 8,3 statt 6,3 Stunden. Die Butter kommt erst in den Teig, wenn das Klebernetz schon steht, denn Fett wĂŒrde es sonst am Entstehen hindern.
Was das Modell weglÀsst
Das Modell kennt je eine Art Hefe und eine Art Bakterium: das Paar aus dem klassischen San-Francisco-Sauerteig, das GĂ€nzle gemessen hat. Viele AnstellgĂŒter enthalten andere Hefen, etwa die Backhefe Saccharomyces cerevisiae, die WĂ€rme besser vertrĂ€gt. In deiner KĂŒche kann der 32-°C-Laib also höher werden als hier. Die Grenze liegt dann woanders, aber es gibt sie. Die Decke des Netzes, die Autolyse als eine Faltrunde und der ganze Ofen sind SchĂ€tzungen mit plausiblen Zahlen, keine Messungen. Den Ofentrieb rechnet das Modell nur aus dem Gas, das sich ausdehnt, und der Reserve des Netzes; den Dampf in der Krume lĂ€sst es weg. Milch- und EssigsĂ€ure unterscheidet es nicht, und es kennt kein Salz, das beide Völker bremst.
Beim Roggen steht die SĂ€ure an einer anderen Stelle. Roggenmehl bildet kaum ein Klebernetz, das GerĂŒst sind Schleimstoffe und StĂ€rke. Dazu hat es viel von dem Enzym, das StĂ€rke abbaut. Ohne SĂ€ure wĂŒrde dieses Enzym beim Backen die Krume auflösen, und das Brot wĂŒrde klebrig und nass. Im Roggenbrot ist die SĂ€ure deshalb keine Geschmacksfrage. Ohne sie lĂ€sst sich Roggen gar nicht backen. Das beschreibt das Handbuch Sauerteig von Markus Brandt und Michael GĂ€nzle.
Zum Weiterlesen: Michael GĂ€nzle, Matthias Ehmann und Walter Hammes (1998) fĂŒr die beiden Kurven. Luc De Vuyst und Patricia Neysens (2005) und GĂ€nzle und Jinshui Zheng (2019) dafĂŒr, wer in einem Sauerteig lebt. Hendrik KleinwĂ€chters freies Sourdough Framework fĂŒr die Praxis in Zahlen. Jeffrey Hamelmans Bread fĂŒr Vorteige, Lutz GeiĂlers Plötzblog fĂŒr KĂŒhlschrankgare und deutsche Brote.