Die Klassiker — eine Kultur- und Strukturgeschichte

The Classics — a History of Culture and Structure

Kochen und Backen Klasse 10 12 Aufgaben
GetränkeGeschichteKulturAlkoholChemie

Du liest die klassischen Cocktails als Geschichte und als Bauplan, nicht als Rezept zum Nachmachen: Punsch schon im 17. Jahrhundert, die erste gedruckte Cocktail-Definition 1806 (Spirituose, Zucker, Wasser, Bitter — schon ein Bauplan), das erste Barbuch 1862, die Prohibition 1920–1933, in der Süße schlechten Alkohol überdecken sollte, Emburys zwei Grundtypen 1948 und die sechs Wurzeln der heutigen Barliteratur. Ethanol kommt als Chemie vor: Es senkt den Gefrierpunkt und bringt Brennen und Körper, die ein alkoholfreier Drink anders füllen muss. Keine Marken, kein Glanz. Das räumt mit „Cocktails wurden in den 1920ern erfunden" auf. Bereitet das Lesen jeder Karte als Bauplan vor.

Leicht
Wahr / Falsch #1 10s â–¶ Testen

Ein MitschĂĽler schreibt in sein Referat, Cocktails seien in den 1920er-Jahren erfunden worden. Das stimmt.

âś“ Falsch
Gedruckt definiert wurde der Cocktail 1806, das erste Barbuch erschien 1862, und Punsch ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Die 1920er sind die Zeit der Prohibition, nicht der Erfindung.
Multiple Choice #2 12s â–¶ Testen

Du gestaltest für die Klasse ein Plakat zur Geschichte des Cocktails. Was lässt du nach der Linie dieses Kurses weg?

  • â—Ź Markennamen und Werbebilder
  • â—‹ Jahreszahlen
  • â—‹ Die Baupläne der einzelnen Drinks
Marken und glänzende Bar-Bilder sind genau das, was bei Jugendlichen den Einstieg ins Trinken begünstigt (Morgenstern et al. 2014; Hanewinkel et al. 2014). Geschichte, Quellen und Baupläne bleiben — das ist der eigentliche Stoff.
Mittel
Sortieren #1 25s â–¶ Testen

Für ein Plakat zur Geschichte der Mixgetränke legst du fünf Karten in eine Zeitleiste. Ordne sie vom frühesten zum spätesten Ereignis.

âś“ Antwort: Erster englischer Beleg fĂĽr Punsch, Erste gedruckte Cocktail-Definition, Erstes Barbuch von Jerry Thomas, Prohibition in den USA beginnt, Emburys zwei Grundtypen
Punsch 1632, die Cocktail-Definition 1806, Thomas' Barbuch 1862, die Prohibition ab 1920, Embury 1948. Der Cocktail ist also über hundert Jahre älter als die 1920er, mit denen man ihn oft verbindet.
Multiple Choice #2 18s â–¶ Testen

Eine Zeitung von 1806 beschreibt den Cocktail als Getränk aus Spirituose, Zucker, Wasser und Bitter. Welchem Bauplan von heute entspricht das?

  • â—Ź Dem aromatischen, gerĂĽhrten Bauplan
  • â—‹ Dem Sour mit Zitrone und Zucker im Shaker
  • â—‹ Dem Highball mit Sprudel, gebaut im Glas
Basis, etwas Zucker, Bitter und Wasser vom Eis: Das ist der aromatische Bauplan, den die Barliteratur heute nach dem "Old-Fashioned" benennt. Zitrone und Sprudel kommen in der Definition von 1806 nicht vor.
Multiple Choice #3 15s â–¶ Testen

Embury teilte 1948 alle Drinks in einen sauren und einen aromatischen Grundtyp. Wohin gehört ein Drink aus kaltem Schwarztee, wenig Sirup und einem Streifen Grapefruitschale, gerührt?

  • â—Ź Zum aromatischen Typ
  • â—‹ Zum sauren Typ
  • â—‹ Zu keinem, ohne Spirituose gilt die Einteilung nicht
Emburys saurer Typ wird mit Zitrus und Zucker abgestimmt, der aromatische mit Bitter oder aromatisiertem Wein und wenig SĂĽĂźe. Hier gibt es keine Zitrone, aber Herbes aus Tee und Schale: aromatisch. Die Einteilung folgt der Balance, nicht der Spirituose.
Wahr / Falsch #4 12s â–¶ Testen

Dass „Punsch" vom Hindi-Wort für „fünf" kommt, ist unter Historikern umstritten.

âś“ Wahr
Die Deutung "fünf Zutaten" ist beliebt, aber das englische Wort ist älter als ein regelmäßiger Kontakt, der es erklären würde (Wondrich 2010). Eine gute Geschichte ist noch kein Beleg.
Multiple Choice #5 15s â–¶ Testen

Streicht man aus einem Sour die Spirituose, fehlt mehr als nur FlĂĽssigkeit. Was trug das Ethanol zum Drink bei?

  • â—Ź Brennen, Körper und etwas SĂĽĂźe
  • â—‹ Nur Farbe und ein wenig Duft
  • â—‹ Nur zusätzliche Kälte beim SchĂĽtteln
Ethanol bringt Schärfe, Fülle und einen leicht süßlichen Eindruck und senkt beim Schütteln den Gefrierpunkt. Alkoholfreie Drinks ersetzen das mit Tee, Ingwer, Essig, Salz und Textur — Weglassen allein hinterlässt dünnen Saft.
Multiple Choice #6 15s â–¶ Testen

Du blätterst in einem Nachdruck des ersten Barbuchs, 1862 von Jerry Thomas. Wie ist es aufgebaut?

  • â—Ź Nach Familien wie Punsch, Sour, Flip und Cobbler
  • â—‹ Als lange Liste von Cocktails, nach dem Alphabet
  • â—‹ Nach Spirituosen, ein Kapitel pro Flasche
Jerry Thomas ordnete 1862 nach Familien — Punsch, Sour, Flip, Cobbler und Cocktail standen nebeneinander. Schon das erste Barbuch dachte in Bauplänen, nicht in Einzelrezepten oder Flaschen.
Wahr / Falsch #7 12s â–¶ Testen

Die Bars der Craft-Bewegung seit den späten 1980er-Jahren setzten vor allem auf fertige Mischungen aus der Flasche.

âś“ Falsch
Im Gegenteil: Die Bewegung holte die alten Barbücher wieder hervor und ersetzte Fertigmischungen durch frischen Saft und genaues Messen. Dieses Handwerk übst du hier — ohne Alkohol.
Wahr / Falsch #8 12s â–¶ Testen

Die BarbĂĽcher von 1948 und 2018 ordnen Drinks vor allem nach ihrem Bauplan, nicht nach der Spirituose, die darin steckt.

âś“ Wahr
Embury trennte sauer und aromatisch, das Buch von 2018 sechs Wurzeln — beide nach dem, was den Drink ausbalanciert. Darum lässt sich derselbe Bauplan mit Tee oder Saft neu besetzen.
Schwer
Multiple Choice #1 20s â–¶ Testen

Während der Prohibition in den USA wurden Drinks oft sehr süß gemischt, um schlechten Alkohol zu überdecken. Welche deutsche Regel zielt heute auf genau diese Wirkung?

  • â—Ź Warnhinweis und Sondersteuer fĂĽr Alkopops
  • â—‹ Die Zuckerangabe pro 100 ml auf Etiketten
  • â—‹ Das Pfand auf alle Glas- und Plastikflaschen
Süße versteckt Alkohol — damals schlechten Schnaps, heute die Spirituose im Alkopop. Darum müssen Alkopops den Hinweis "Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten" tragen und eine Sondersteuer "zum Schutz junger Menschen" zahlen.
Multiple Choice #2 18s â–¶ Testen

Ein Barbuch von 2018 führt alle Cocktails auf sechs Wurzeln zurück. Bei welcher Wurzel ist ein alkoholfreier Zwilling am schwächsten?

  • â—Ź Beim Martini, dessen Kern die Spirituose selbst ist
  • â—‹ Beim Daiquiri, einem Sour aus Zitrus und Zucker im Shaker
  • â—‹ Beim Highball, einer Basis mit viel kaltem Sprudel
Sour, Highball und Flip leben von Balance, Kälte und Textur — das lässt sich mit Tee, Saft und Sirup nachbauen. Beim Martini ist die Spirituose selbst der Kern; hier endet die Analogie, und der Kurs sagt das offen.