Warum wir anbraten — der Mythos vom Porenschließen
Why We Sear — the Myth of Sealing
Du weißt, wofür du Fleisch anbrätst: für Kruste, Farbe und Röstaroma aus der Maillard-Reaktion, nicht zum „Schließen der Poren“. Die Idee stammt vom Chemiker Justus von Liebig (1847), der meinte, Hitze lasse das Eiweiß außen zu einer dichten Hülle gerinnen. Versuche schon in den 1930er-Jahren zeigten: Angebratenes verliert so viel Saft wie nicht Angebratenes oder mehr, und das Zischen in der Pfanne ist austretendes Wasser (McGee 2004). Saftig macht die Kerntemperatur. Das verhindert den falschen Grund und seine Folge, den breiten grauen Rand. Bereitet Schmorgerichte, Braten und die Pfannensauce vor.
Voraussetzungen (1)
Deine Oma brät den Rinderbraten an, „damit sich die Poren schließen und der Saft drinbleibt“. Was passiert beim Anbraten tatsächlich?
Das Steak liegt in der heißen Pfanne und zischt die ganze Zeit laut. Was hörst du?
Die schönen Grillstreifen auf deinem Steak halten keinen Saft zurück — auch dort, wo der Rost es gezeichnet hat, tritt beim Grillen weiter Saft aus.
Ein Steak, das du zuerst scharf angebraten hast, kannst du danach ruhig länger garen — die Kruste hält den Saft ja drin.
Zwei gleiche Braten, einer vorher scharf angebraten, einer nicht: Der angebratene hat nach dem Garen deutlich weniger Saft verloren.
Du garst ein dickes Steak erst sanft im Ofen und brätst es erst ganz am Ende scharf an. Was fehlt ihm gegenüber einem zuerst angebratenen?
Du brätst ein Steak besonders lange scharf an, damit es „richtig dicht“ ist. Beim Anschneiden liegt unter der Kruste ein breiter grauer Ring. Woher kommt er?
In einer Kochshow fällt der Satz „Anbraten schließt die Poren“. Woher stammt die Idee?
Schmorfleisch, das du nicht angebraten hast, wird nach Stunden im Topf trotzdem zart — ihm fehlt nur das Röstaroma.
Dein Rinderbraten soll saftig auf den Tisch. Welcher Schritt hilft dafĂĽr wirklich?
Ein Steak hat zwei Stunden im 56 °C warmen Wasserbad gegart und ist durchgehend rosa, aber außen grau. Warum brätst du es jetzt noch eine Minute pro Seite scharf an?
Ein altes Kochbuch rät: Suppenfleisch in sprudelnd kochendes Wasser legen, dann „schließt sich das Fleisch“ und bleibt saftig. Was ist davon zu halten?