Einen Streit zu Ende bringen

Finishing an argument

Miteinander und Umgangsformen Klasse 5 14 Aufgaben
MiteinanderKonfliktlösungAushandelnKerncurriculum

Hier liegen die Schritte 3 bis 5 des Modells der sozialen Informationsverarbeitung von Crick und Dodge (1994) — Zielklärung, Zugriff auf mögliche Züge, Entscheidung. Die Zielklärung ist der Kern und die Stelle, an der die meisten Streits scheitern, bevor sie anfangen — will ich den Stift zurück, will ich, dass er aufhört, oder will ich, dass es ihm leid tut? Das sind drei Ziele mit drei verschiedenen Wegen, und ein Zug, der zum falschen Ziel gehört, fühlt sich richtig an und bringt trotzdem nichts. Der zweite Teil ist der Vorrat — Richard und Dodge (1982, Journal of Consulting and Clinical Psychology 50, 226–233) zeigten, dass sozial auffällige Kinder eine *erste* Lösung produzieren, die so gut ist wie die aller anderen, und dass erst die zweite und dritte deutlich abfallen; der Vorrat ist also verarmt, nicht der Einfall. Deshalb wird hier grundsätzlich zwischen drei Zügen entschieden und nie über einen einzelnen geurteilt. Der dritte Teil ist die Bewertung, und der wichtigste Irrtum dort ist gut vermessen — Perry, Perry und Rasmussen (1986, Child Development 57, 700–711) fanden, dass aggressivere Kinder sicherer sind, dass Zurückschlagen etwas einbringt, und sich Aggression eher zutrauen als andere Züge; „Zurückhauen wirkt" ist keine Ausrede, sondern eine Erwartung, die man widerlegen muss. Dass das Ganze kausal trägt, stützt Fast Track — 27 Prozent der Interventionswirkung auf späteres antisoziales Verhalten liefen über genau drei Größen, darunter das Erzeugen kompetenter Züge und das Abwerten von Aggression (Dodge, Godwin & CPPRG 2013). Ehrlich dazugesagt — Verhoef, van Dijk und de Castro (2022) zeigen, dass schriftliche Geschichten nur die *überlegte* Verarbeitung messen; der Zug im erregten Moment wird hier nicht abgeprüft, sondern in der Nachbesprechung und in der Rubrik-Zeile „Zu einer Einigung kommen". Genau dorthin geht dieses Thema.

Können & Üben

Zu einer Einigung kommen

Der Streit endet, weil jemand geht oder gewinnt.

Kommt zu einer Lösung, wenn eine erwachsene Person moderiert.

Setzt sich zusammen, wenn es angeregt wird, und findet etwas Tragfähiges.

Sucht das Gespräch von selbst und bringt einen Vorschlag mit, der auch für die andere Seite etwas hergibt.

Moderiert den Streit anderer, ohne Partei zu ergreifen oder eine Lösung zu verordnen.

Klassenrat

workshop

45 min · weekly

klassenzimmer, sitzkreis

Fester Ablauf, gleiche Reihenfolge jede Woche, damit die Form niemanden überrascht. 1. Rückblick — was war letzte Woche beschlossen, was ist daraus geworden? 2. Lob und Dank, namentlich, freiwillig. 3. Die Anliegen aus dem Briefkasten, in der Reihenfolge, in der sie eingeworfen wurden. Pro Anliegen: Wer es eingeworfen hat, sagt zuerst, was passiert ist — die Sache, nicht die Person. Dann die andere Seite. Dann die Runde, und zwar auf die Frage „was könnte helfen", nicht „wer hat schuld". 4. Beschluss mit Namen dahinter, wer was bis wann macht. Wird aufgeschrieben und nächste Woche unter 1. wieder aufgerufen. Zwei Grenzen, die vorne hängen und den Kindern erklärt sind. Erstens: Was hier verhandelt wird, sind Sachen zwischen Gleichen. Wenn ein Kind regelmäßig von mehreren fertiggemacht wird, ist das kein Streit und gehört nicht in die Runde — das geht an eine erwachsene Person, sofort. Zweitens: Die Begleitung leitet nicht, sie hütet den Ablauf; sie greift nur ein, wenn jemand bloßgestellt wird.

bezugsperson

8–26

Leicht
Multiple Choice #1 22s â–¶ Testen

Nuri hat Selins Stift eingesteckt und behauptet, es sei seiner. Selin will den Stift zurück. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Das ist mein Stift, da steht mein Name drauf. Gib ihn mir bitte zurĂĽck."
  • â—‹ „Dann nehme ich mir eben deinen Radiergummi, mal sehen wie dir das gefällt."
  • â—‹ „Von dir will ich sowieso nichts mehr, such dir jemand anderen zum Spielen."
Selins Ziel ist der Stift. Den Radiergummi zu nehmen ist Rache, und wegzugehen beendet den Streit — aber der Stift bleibt in beiden Fällen bei Nuri.
Multiple Choice #2 22s â–¶ Testen

Levi hat Fatimas Turnbeutel in den Matsch geworfen. Fatima will, dass der Beutel wieder sauber wird. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Mein Beutel ist voller Matsch. Wasch ihn aus oder komm mit zum Waschbecken."
  • â—‹ „Ich werfe deinen auch rein, dann weiĂźt du, wie das ist."
  • â—‹ „Du bist echt das Letzte."
Nur ein Zug führt zu einem sauberen Beutel. Die anderen beiden zielen darauf, dass es Levi schlecht geht — ein anderes Ziel, und der Beutel bleibt dreckig.
Wahr / Falsch #3 20s â–¶ Testen

Marek will seinen Fußball von Emre zurück. Er sagt — „Du kriegst nie wieder was von mir." Damit kommt Marek an sein Ziel.

âś“ Falsch
Nein — der Satz bestraft Emre, holt aber den Ball nicht. Wenn das Ziel der Ball ist, muss der Zug den Ball betreffen.
Wahr / Falsch #4 20s â–¶ Testen

Sophie will, dass Tobias aufhört, sie im Unterricht anzustupsen. Sie sagt zu ihm — „Hör auf, mich anzustupsen. Sonst setze ich mich um." Damit kommt Sophie an ihr Ziel.

âś“ Wahr
Ja — der Zug betrifft genau das Verhalten, das aufhören soll, und nennt, was sonst passiert. Beides zielt auf Sophies Ziel und nicht auf Tobias' schlechtes Gewissen.
Mittel
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Sena und Anton streiten seit einer Woche darüber, wer beim Fußball ins Tor muss. Sena will weiter mitspielen, ohne dass es jedes Mal Streit gibt. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Sollen wir abwechseln — eine Halbzeit du, eine ich?"
  • â—‹ „Ich habe letztes Mal im Tor gestanden, also bist du dran."
  • â—‹ „Dann spiele ich eben nicht mehr mit."
Ein Vorschlag, in dem auch für Anton etwas drin ist, kann angenommen werden. Recht behalten hält den Streit am Laufen — und nicht mehr mitzuspielen beendet zwar den Streit, kostet Sena aber genau das, was sie behalten wollte.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Milan hat im Klassenchat über Dilara gelästert. Dilara will, dass es aus dem Chat verschwindet. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Lösch die Nachricht ĂĽber mich, und schreib in den Chat, dass sie weg ist."
  • â—‹ „Ich schreib jetzt auch was ĂĽber dich, dann steht da wenigstens beides."
  • â—‹ „Ihr seid alle voll fies, ich lese den Chat gar nicht mehr."
Nur der erste Zug räumt die Nachricht weg. Zurückschreiben macht zwei Nachrichten daraus, und alle zu beschimpfen ändert an der einen nichts.
Multiple Choice #3 25s â–¶ Testen

Bruno hat Gretas Vortrag ausgelacht. Greta will, dass Bruno merkt, was er angerichtet hat. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Du hast gelacht, als ich vorne stand. Ich habe danach den Rest kaum noch rausgebracht."
  • â—‹ „Warte nur, bis du dran bist, dann lache ich auch die ganze Zeit."
  • â—‹ „Ist mir egal, was du machst, ich rede sowieso nicht mehr mit dir."
Wenn das Ziel ist, dass Bruno es versteht, muss er hören, was passiert ist und was es gekostet hat. Eine Drohung bringt ihn in Verteidigung, und „ist mir egal" nimmt ihm den Anlass zum Nachdenken.
Multiple Choice #4 25s â–¶ Testen

Jakob und Amina wollen beide am Freitag den Beamer für ihr Referat. Jakob will, dass sein Referat trotzdem stattfindet. Welcher nächste Zug bringt ihn da hin?

  • â—Ź „Nimm du den Beamer am Freitag, ich frage Frau Ă–ztĂĽrk, ob ich am Montag darf."
  • â—‹ „Ich war zuerst da, also gehört er mir, du hättest dich frĂĽher melden mĂĽssen."
  • â—‹ „Dann halte ich mein Referat eben gar nicht."
Das Ziel ist das Referat, nicht der Freitag. Wer auf dem Tag beharrt, verwechselt den Weg mit dem Ziel — und ganz aufzugeben verliert beides.
Multiple Choice #5 25s â–¶ Testen

Timo hat Nele beim Völkerball absichtlich hart abgeworfen. Nele will, dass er sich entschuldigt. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Du hast mir voll in den Bauch geworfen. Ich will, dass du dich dafĂĽr entschuldigst."
  • â—‹ „Nächste Runde treffe ich dich, und zwar genauso fest."
  • â—‹ „Ist mir doch egal, ich sag gar nichts mehr."
Wer eine Entschuldigung will, muss sie verlangen — Timo kann Neles Ziel nicht raten. Zurückzuwerfen dreht die Sache um, dann geht es plötzlich um Nele. Und Schweigen lässt Timo glauben, es sei nichts gewesen.
Wahr / Falsch #6 25s â–¶ Testen

Ayla will, dass Deniz ihr das geliehene Buch zurĂĽckgibt. Sie haut ihm auf den Arm, weil das beim letzten Mal schnell gewirkt hat. Deniz steckt das Buch in seinen Rucksack und geht. Damit kommt Ayla an ihr Ziel.

âś“ Falsch
Nein — das Buch ist weg, und Ärger hat Ayla jetzt auch noch. „Es hat beim letzten Mal gewirkt" ist genau die Erwartung, die Kinder häufiger zuschlagen lässt; sie stimmt schon beim nächsten Mal nicht mehr. Hauen gehört außerdem gar nicht zu den Zügen, unter denen man auswählt.
Wahr / Falsch #7 22s â–¶ Testen

Fatima will, dass Levi sie beim Gruppenprojekt mitentscheiden lässt. Sie sagt — „Ich will bei der Überschrift mitreden. Sollen wir jeder einen Vorschlag machen?" Damit kommt Fatima an ihr Ziel.

âś“ Wahr
Ja — sie sagt ihr Ziel und legt gleich einen Weg dazu, den Levi annehmen kann. Ein Vorschlag, bei dem die andere Seite auch etwas hat, wird eher angenommen.
Schwer
Multiple Choice #1 25s â–¶ Testen

Nuri hat Selins Stift eingesteckt. Diesmal will Selin, dass Nuri so etwas nicht wieder macht. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Nimm meine Sachen nicht ohne fragen. Wenn du wieder was brauchst, frag mich."
  • â—‹ „Gib mir den Stift zurĂĽck."
  • â—‹ „Ich sage es Frau Berger, dann kriegst du Ă„rger."
Dasselbe Ereignis, ein anderes Ziel, ein anderer Zug. Den Stift zurückzufordern löst heute etwas, sagt aber nichts über morgen — und Ärger holen sorgt für Strafe, nicht für eine Abmachung.
Multiple Choice #2 25s â–¶ Testen

Ilias hat Klaras Platz in der Schlange eingenommen und sie geschubst. Klara will vor allem, dass er sie nicht mehr anfasst. Welcher nächste Zug bringt sie da hin?

  • â—Ź „Fass mich nicht an. Wenn du das noch mal machst, gehe ich sofort zu Frau Hofer."
  • â—‹ „Dann schubse ich dich eben auch, mal sehen, ob dir das passt."
  • â—‹ „Der Platz ist mir egal, behalt ihn, ich stelle mich einfach hinten an."
Klaras Ziel ist nicht der Platz, sondern das Anfassen. Zurückschubsen erlaubt genau das, was aufhören soll, und den Platz aufzugeben löst ein Problem, das sie gar nicht meint.
Wahr / Falsch #3 25s â–¶ Testen

Anton will, dass Sena aufhört, ihn Zwerg zu nennen. Ihm fällt nur ein, sie ebenfalls zu beschimpfen, und dabei bleibt er. Damit kommt Anton an sein Ziel.

âś“ Falsch
Nein — und das Problem ist nicht der eine Einfall, sondern dass es beim ersten geblieben ist. Wer nur einen Zug hat, nimmt ihn auch dann, wenn er nicht zum Ziel passt. Anton hätte noch andere: es Sena einmal klar sagen — und wenn sie weitermacht, Frau Hofer dazuholen.