Ähnlichkeit und Strahlensatz

22 Minuten · 6 Abschnitte

Wie misst man, was man nicht erreicht?

Ein Baum wirft einen 12 m langen Schatten, ein 1,80 m großer Mensch daneben einen von 2,40 m. Wie hoch ist der Baum? Niemand muss hinaufklettern: Es genügt, dass zwei Figuren dieselbe Form haben und nur verschieden groß sind.

Wir klären, was „ähnlich“ heißt, strecken Figuren von einem Punkt aus, gewinnen daraus die Strahlensätze und fragen am Ende, warum eine doppelt so große Figur nicht doppelt so viel Fläche hat.

Ähnliche Figuren

Gleiche Form, andere Größe

Ein Kopierer vergrößert ein Foto auf 150 %. Das Bild wird größer, bleibt aber dasselbe Bild: Nichts wird verzerrt. Zwei Figuren, die so auseinander hervorgehen, heißen ähnlich. Sie stimmen in allen Winkeln überein, und alle Längen stehen im gleichen Verhältnis.

Beides gehört zusammen. Ein Rechteck mit 2 cm × 4 cm und eines mit 2 cm × 8 cm haben nur rechte Winkel, sehen aber verschieden aus: Ihre Seitenverhältnisse 1 : 2 und 1 : 4 sind nicht gleich. Die beiden Rechtecke sind nicht ähnlich.

Verändere den Faktor k. Was bleibt bei der Kopie gleich, und was ändert sich?

Der Ähnlichkeitsfaktor

Wie stark vergrößert wurde, sagt der Ähnlichkeitsfaktor k. Man erhält ihn als Quotient zweier zugehöriger Strecken:

Ist eine Seite 3 cm lang und ihr Bild 4,5 cm, so ist . Jede Bildstrecke ist dann 1,5-mal so lang wie ihre Originalstrecke. Man vergrößert durch Multiplizieren, nicht durch Addieren: Zu den Seiten 2 cm, 3 cm und 4 cm einfach 2 cm hinzuzugeben ergibt 4, 5 und 6 – kein ähnliches Dreieck. Mit k = 2 werden es 4, 6 und 8.

Ändere k und vergleiche die Quotienten mit den Unterschieden der Seitenlängen.

Dreiecke prüfen

Bei Dreiecken genügt eine von zwei Prüfungen. Winkel: Stimmen zwei Winkel überein, ist wegen der Winkelsumme von 180° auch der dritte gleich, und die Dreiecke sind ähnlich. Seiten: Sind alle drei Seitenverhältnisse gleich, sind die Dreiecke ebenfalls ähnlich. Dabei vergleicht man die kürzeste mit der kürzesten und die längste mit der längsten Seite.

Beispiel: Die Dreiecke mit 3, 4, 5 und 6, 8, 10 haben die Verhältnisse 6 : 3 = 8 : 4 = 10 : 5 = 2 und sind ähnlich. Bei 3, 4, 5 und 5, 6, 7 ergeben 5 : 3, 6 : 4 und 7 : 5 drei verschiedene Werte – nicht ähnlich.

Stelle den Winkel β′ so ein, dass beide Dreiecke ähnlich sind, und beobachte die Seitenverhältnisse.

Die zentrische Streckung

Der Bildpunkt

Die zentrische Streckung erzeugt die Bildfigur. Man wählt ein Zentrum Z und einen Streckfaktor k mit k > 0. Der Bildpunkt P′ von P liegt auf dem Strahl von Z durch P, und es gilt:

Ist ZP = 2 cm und k = 3, so ist ZP′ = 6 cm. Bei k > 1 wird vergrößert, bei 0 < k < 1 verkleinert, und bei k = 1 bleibt jeder Punkt, wo er ist. Das Zentrum selbst wird nicht bewegt: Es ist sein eigener Bildpunkt.

Verändere k und ziehe das Zentrum Z. Wo liegt P′, wenn k kleiner als 1 ist?

Das Bild einer Figur

Streckt man alle Ecken eines Dreiecks von Z aus mit demselben k, entsteht das Bilddreieck. Jede Bildstrecke ist k-mal so lang wie ihre Originalstrecke und verläuft parallel zu ihr. Alle Winkel bleiben gleich. Original und Bild sind also ähnlich, mit dem Ähnlichkeitsfaktor k.

Bei k = 1,5 wird aus AB = 4 cm die Bildstrecke A′B′ = 6 cm. Wo das Zentrum liegt, ändert nur die Lage des Bildes, nicht seine Form: Z kann außerhalb der Figur liegen, auf einer Ecke oder mittendrin.

Ziehe Z durch das Dreieck. Was ändert sich am Bild, was bleibt gleich?

Der erste Strahlensatz

Die Strahlensatzfigur

Zwei Strahlen mit dem gemeinsamen Anfang Z werden von zwei Parallelen geschnitten. Die erste Parallele trifft die Strahlen in A und B, die zweite in C und D. Das ist eine zentrische Streckung von Z aus: Sie bildet A auf C und B auf D ab, mit demselben Faktor k. Also ist und . Teilt man, verschwindet k.

Erster Strahlensatz: Auf beiden Strahlen stehen die Abschnitte ab Z im gleichen Verhältnis.

Verschiebe die zweite Parallele mit k. Wie verhalten sich die beiden Quotienten?

Nur bei Parallelen

Der Satz gilt nur, wenn ist. Nur dann gibt es eine Streckung, die A auf C und B auf D abbildet. Kippt man die zweite Gerade, rutscht D auf seinem Strahl, und die beiden Verhältnisse fallen auseinander.

Beispiel: Bei ZA = 2 cm, ZC = 5 cm und ZB = 2,4 cm gehört zu einer Parallelen ZD = 6 cm. Ist dagegen ZD = 7 cm, so bleibt ZA : ZC = 0,4, aber ZB : ZD ≈ 0,34. Die Gerade CD ist dann nicht mehr parallel zu AB.

Schiebe D auf seinem Strahl. Wann sind beide Quotienten gleich?

Teilverhältnis und Gleichung

Wegen gilt auch das Teilverhältnis : Teil zu Teil. Ganzes und Teil darf man nicht mischen; ist falsch.

Beispiel: ZA = 4 cm, ZC = 10 cm, ZB = 6 cm, gesucht ist ZD = x. Ansatz: . Die Unbekannte steht im Nenner: Mit 10x multipliziert ergibt sich 4x = 60, also x = 15 cm. Probe mit Teilstrecken: AC = 6 cm, BD = 9 cm, und 4 : 6 = 6 : 9.

Die Skizze zeigt die Beispielaufgabe mit den gegebenen Längen und der gesuchten Strecke x.

Der zweite Strahlensatz

Die Parallelstrecken

Bisher blieben wir auf den Strahlen. Der zweite Strahlensatz nimmt die Parallelstrecken hinzu: Die Streckung mit dem Faktor k macht auch AB zu CD, also . Deshalb gilt:

Zweiter Strahlensatz: Die Parallelstrecken verhalten sich wie die zugehörigen Strahlabschnitte ab Z. Der Zwischenabschnitt AC gehört nicht dazu, denn er ist nur ein Teil von ZC: ist falsch.

Beispiel: ZA = 3 cm, ZC = 7,5 cm, AB = 4 cm. Dann ist , also CD = 4 · 7,5 : 3 = 10 cm.

Ändere k. Welcher Quotient stimmt immer mit AB : CD überein, welcher nicht?

X-Figur und Ansatz

Liegen die Parallelen auf verschiedenen Seiten von Z, entsteht eine X-Figur. Beide Sätze gelten unverändert; Z liegt jetzt zwischen A und C sowie zwischen B und D. Beispiel: ZA = 3 cm, ZC = 5 cm, AB = 4,2 cm ergibt .

Welcher Satz? Kommen nur Strecken auf den Strahlen vor, nimmt man den ersten. Ist eine Parallelstrecke dabei, nimmt man den zweiten. Und man setzt nie Strecken aus zwei verschiedenen Ansätzen durcheinander.

In der X-Figur liegt Z zwischen den Parallelen. Welche Strecken liegen auf derselben Geraden durch Z?

Strahlensätze in Sachsituationen

Der Schatten des Baumes

Zurück zum Baum. Die Sonnenstrahlen sind parallel, und Stab und Baum stehen beide senkrecht, sind also parallel zueinander. Skizze zuerst: Das Ende des Schattens ist das Zentrum Z; die Strahlen sind der Boden und der Sonnenstrahl; Stab und Baum sind die Parallelstrecken. Der Stab (1,80 m) steht 2,40 m von Z entfernt, der Baum 12 m.

Zweiter Strahlensatz: , also . Der Baum ist 9 m hoch.

Verändere die Länge des Baumschattens. Wie hoch ist der Baum jeweils?

Die Breite des Flusses

Man steht bei Z am Ufer. Gegenüber steht ein Baum T. Der Punkt A liegt am eigenen Ufer genau gegenüber dem Baum, 20 m von Z entfernt. Auf der anderen Seite von Z steckt man C ab, 5 m von Z. Von C geht man im rechten Winkel zum Ufer landeinwärts, bis Z genau vor dem Baum steht: Das ist der Punkt D mit CD = 3 m.

Das ist eine X-Figur mit . Zweiter Strahlensatz: , also . Der Fluss ist 12 m breit. Im Ansatz steht ZA = 20 m, nicht AC = 25 m.

Die Skizze zeigt die Flussbreite w, die gesuchte Strecke AT, mit den gemessenen Längen.

Peilen mit dem Stift

Ein Wanderer hält einen 15 cm langen Stift im ausgestreckten Arm, 60 cm vor dem Auge Z, sodass er den Kirchturm gerade verdeckt. Der Turm ist 90 m entfernt. Die Sehstrahlen sind die Strahlen, Stift und Turm die Parallelstrecken. Vorsicht bei den Einheiten: 90 m sind 9000 cm.

Ansatz: . Die Unbekannte steht im Nenner: . Das ist für einen Kirchturm plausibel; 2,25 m oder 225 m wären es nicht.

Die Skizze ist nicht maßstäblich: Stift und Turm stehen im selben Verhältnis wie 60 cm zu 90 m.

Länge, Fläche, Volumen

Flächen wachsen mit k²

Ein Quadrat mit der Kantenlänge 1 cm hat die Fläche 1 cm². Verdreifacht man die Kante (k = 3), passen 3 · 3 = 9 solcher Quadrate hinein: Die Fläche wird nicht 3-mal, sondern 9-mal so groß.

Wird eine Figur maßstäblich mit dem Faktor k vergrößert, gilt: Länge mal k, Fläche mal k². Der Umfang ist eine Länge und wächst nur mit k: Aus 4 cm werden 12 cm.

Erhöhe k und zähle die Einheitsquadrate. Vergleiche den Umfang mit der Fläche.

Volumen wächst mit k³

Beim Würfel kommt eine dritte Richtung hinzu. Mit k = 3 wird aus dem Würfel mit 1 cm Kante einer mit 3 cm Kante, und in ihn passen 3 · 3 · 3 = 27 Einheitswürfel: Das Volumen wird 27-mal so groß, die Oberfläche 9-mal.

Für jede maßstäbliche Vergrößerung gilt also: Volumen mal k³. Ein Turm, der in jeder Richtung doppelt so groß ist, besteht aus 8-mal so viel Material und ist bei gleichem Stoff 8-mal so schwer, nicht doppelt so schwer.

Erhöhe k und beobachte, wie schnell das Volumen wächst.

Zurückrechnen und anwenden

Oft ist der Faktor gesucht. Ist die Fläche 16-mal so groß, gilt , also k = 4. Ist das Volumen 27-mal so groß, gilt , also k = 3. Dazu zieht man die Quadrat- beziehungsweise dritte Wurzel; die 16 oder die 27 selbst sind nicht der Faktor.

Beispiel: Ein Modell ist im Maßstab 1 : 50 gebaut, die Fassade des Originals hat 200 m². Mit k = 1/50 hat die Fassade des Modells , das sind 800 cm².

Bei k = 3: eine Strecke der Länge 3, ein Quadrat aus 9 Einheitsquadraten und ein Würfel aus 27 EinheitswürfelnLänge× 3Fläche× 9Volumen× 27
Bei k = 3: Länge 3, Fläche 9 Quadrate, Volumen 27 Würfel.
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Konzepte

ÄhnlichkeitZentrische StreckungStrahlensätzeProportionenFlächeninhaltVolumen