Anwendungen der Differential- und Integralrechnung

30 Minuten · 6 Abschnitte

Wie holt man das Beste aus einer Funktion heraus?

Aus einem quadratischen Blech soll ein Kasten mit möglichst großem Volumen entstehen. Eine Solaranlage liefert über den Tag eine wechselnde Leistung, und man möchte die erzeugte Energie wissen. Tee kühlt ab, und ein Modell soll sagen, wie schnell. Immer arbeiten wir mit der Ableitung, wenn ein Wert extrem werden soll, und mit dem Integral, wenn eine Gesamtmenge gefragt ist. Am Ende prüfen wir, ob das Modell zur Wirklichkeit passt.

Funktionenscharen untersuchen

Ein Parameter, viele Graphen

Eine Funktionenschar ist eine Familie von Funktionen mit einem Parameter t: Für jeden Wert von t erhält man eine eigene Funktion. Wir untersuchen . Für t = 2 ist das , für t = 3 ist es . Jeder Graph hat bei x = 0 eine Nullstelle und bei x = t eine doppelte. Beim Ableiten nach x ist t eine feste Zahl, keine Variable: Aus wird . Der Summand liefert , nicht .

Verändere t. Wo liegt die doppelte Nullstelle, und was passiert mit der Nullstelle bei 0?

Gemeinsame Punkte

Manchmal laufen alle Graphen einer Schar durch denselben Punkt. Bei steht t nur vor dem Produkt . Wählt man x so, dass dieses Produkt null ist, fällt t weg: Für x = 0 und x = 2 ist , wie auch immer t gewählt wird. Alle Graphen gehen also durch (0 | 3) und (2 | 3). So findet man gemeinsame Punkte: erst das x suchen, bei dem der Term mit t verschwindet, dann den y-Wert ausrechnen. Ein Punkt, der nur für ein bestimmtes t auf dem Graphen liegt, ist kein gemeinsamer Punkt.

Drehe t. Welche Punkte bleiben an ihrem Platz, und welche Werte in den Chips ändern sich nicht?

Extremstellen hängen von t ab

Zurück zu . Aus folgen die Stellen x = t/3 und x = t. Der Parameter bleibt im Ergebnis stehen, denn die Extremstellen wandern mit t. Die zweite Ableitung entscheidet über die Art: Bei x = t/3 ist sie −2t, bei x = t ist sie 2t. Für t > 0 liegt bei t/3 ein Hochpunkt und bei t ein Tiefpunkt . Für t < 0 tauschen die beiden ihre Rollen, denn dann ist −2t positiv. Eine Antwort ohne Fallunterscheidung nach dem Vorzeichen von t ist unvollständig.

Schiebe t über null. Welcher der beiden markierten Punkte ist danach der Hochpunkt, welcher der Tiefpunkt?

Funktionsterme aus Bedingungen bestimmen

Bedingungen in Gleichungen übersetzen

Ein Funktionsterm enthält oft einen unbekannten Parameter, etwa . Bedingungen an den Graphen legen ihn fest, und jede Bedingung wird zu einer Gleichung. Geht der Graph durch P(2 | 3), so gilt : Der x-Wert wird eingesetzt, der y-Wert steht rechts. Hier folgt , also . Bedingungen an das Verhalten des Graphen gehören zur Ableitung: Ein Extrempunkt oder eine waagrechte Tangente bei heißt , die Steigung m bei heißt , eine Wendestelle bei heißt . Der Funktionswert kommt nur vor, wenn auch ein Punkt genannt ist.

Verändere a, bis der Graph durch P geht. Welchen Wert zeigt der Chip f_a(2) dann?

Flächeninhalt als Bedingung

Auch ein Integral kann eine Bedingung sein. Soll die Fläche zwischen dem Graphen von (a > 0) und der x-Achse über [0 ; 3] genau 18 FE betragen, so lautet die Gleichung Eine Stammfunktion ist , der Parameter bleibt beim Integrieren ein Faktor. Also ist , und aus folgt . Liegt ein Teil des Graphen unter der Achse, unterscheiden sich Integral und Flächeninhalt; dann muss man an den Nullstellen zerlegen.

Verändere a. Bei welchem a hat die blaue Fläche den Wert 18?

Gleichungssystem und Probe

Zwei Parameter brauchen zwei Bedingungen. Der Graph von soll den Hochpunkt H(1 | 2) haben. Der Punkt liefert , also ; das Extremum liefert , also . Die Differenz der Gleichungen ergibt , damit und : . Die Probe gehört dazu: und , es ist tatsächlich ein Hochpunkt. Die Bedingung allein sagt nur, dass die Tangente waagrecht ist. Bei ist , und doch liegt dort kein Extremum, sondern ein Sattelpunkt: der Graph steigt vor und nach der Stelle.

Alle Graphen gehen durch H(1 | 2). Bei welchem a ist die Tangente dort waagrecht?

Extremwertprobleme

Zielgröße und Zielfunktion

Aus einem quadratischen Blech mit 6 dm Seitenlänge werden in den Ecken Quadrate der Seitenlänge x ausgeschnitten; die Ränder werden zu einem offenen Kasten hochgebogen. Gesucht ist der Kasten mit dem größten Volumen. Die Zielgröße ist das Volumen V: die Größe, die extrem werden soll. Sie hängt von mehreren Längen ab, . Die Nebenbedingung verbindet sie mit x: Der Boden ist ein Quadrat mit der Seite , die Höhe ist x. Setzt man ein, bleibt eine einzige Variable, die Zielfunktion . Erst dann lässt sich ableiten.

Verändere x. Wie ändern sich die Seite des Bodens und das Volumen, wenn die Ecken größer werden?

Definitionsbereich und Ränder

Die Zielfunktion gilt nur für sinnvolle x: Die Ecken müssen Platz haben, also 0 &lt; x &lt; 3. Das ist der Definitionsbereich aus dem Sachkontext. Ableiten gibt . Nur x = 1 liegt im Bereich. Wegen ist dort ein Hochpunkt mit dm³. Ein globales Maximum bestätigt man über die Ränder: , beide kleiner als 16. Schränkt ein Anschlag den Bereich auf x ≤ 0,6 ein, steigt V auf dem ganzen Bereich; das Maximum liegt am Rand mit dm³, obwohl dort ist. Die Randwerte gehören immer in den Vergleich.

Ziehe die Obergrenze b nach links unter 1. Wo liegt jetzt das Maximum, und was zeigt der Chip V′(b)?

Verknüpfte Funktionen

Definitionsmenge und Nullstellen

Bei verknüpften Funktionen prüft man zuerst, wo der Term überhaupt definiert ist. Für braucht der Logarithmus ein positives Argument, der Nenner verlangt x ≠ 0: Die Definitionsmenge ist x > 0. Bei wäre es x > 2, denn das Argument muss positiv sein, nicht x selbst. Nullstellen: Ein Bruch ist null, wenn der Zähler null ist, also und damit x = 1. Bei einem Produkt genügt ein verschwindender Faktor. Eine e-Funktion ist nie null: hat nur die Lösung x = 3, und hat keine.

Graph von f(x) = ln(x)/x für x > 0: von minus unendlich bei x → 0 steigend, Nullstelle bei x = 1, Hochpunkt bei x = e, danach langsam fallend. 1 2 3 4 5 6 7 8 −3 −2 −1 1 x y N(1 | 0) x > 0
Graph von ln(x)/x: Nullstelle bei x = 1, für x → 0 fällt er ins Unendliche.

Verhalten für x → ∞

Weit rechts entscheidet der schnellere Faktor. Die e-Funktion gewinnt: geht schneller gegen null, als x wächst, also ist . Der Logarithmus verliert gegen jede Potenz: . Bei pendelt sin x zwischen −1 und 1, der Faktor presst die Ausschläge zusammen. Es gilt ; die beiden Kurven heißen Einhüllende, und f(x) → 0.

Verschiebe x₀ und k (gestrichelt: sin x). Der Punkt bleibt zwischen den Einhüllenden; wie ändert sich sein Abstand von der x-Achse für große x₀?

Extremstellen

Beim Ableiten liefern Produkt- und Kettenregel meist einen Faktor mit der e-Funktion. Er ist immer positiv, das Vorzeichen von f′ entscheidet der andere Faktor. Für ist : Der Nenner ist positiv, also zählt . Nullstelle bei x = e, links positiv, rechts negativ: Hochpunkt . Für gilt . Aus folgt , also : der erste Hochpunkt liegt bei mit , der folgende Tiefpunkt bei , dem Betrag nach viel kleiner.

Graph von f(x) = e^(−x)·sin x für x von 0 bis 7 zwischen den gestrichelten Einhüllenden ±e^(−x): Hochpunkt bei x ≈ 0,79 mit f ≈ 0,32, Tiefpunkt bei x ≈ 3,93 mit f ≈ −0,014. 1 2 3 4 5 6 7 −0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 x f H(0,79 | 0,32) T
Graph von e^(−x)·sin x zwischen den Einhüllenden ±e^(−x) (gestrichelt): flacher Hochpunkt links, kaum sichtbarer Tiefpunkt.

Das Integral im Sachkontext

Rate und Bestand

Viele Sachprobleme haben dieselbe Struktur: Eine Rate sagt, wie schnell sich ein Bestand ändert. Die Leistung einer Solaranlage in kW ist eine Rate, die erzeugte Energie in kWh der Bestand. Zwischen 6 und 18 Uhr gilt . Das Integral über die Rate liefert die Änderung des Bestands: Die Anlage erzeugt 21,6 kWh. Die Einheit passt: kW · h = kWh. Ebenso gehören Geschwindigkeit und Strecke, Durchfluss und Volumen, Grenzkosten und Gesamtkosten zusammen; die Rate ist immer die Ableitung des Bestands.

Verschiebe b. Bei welchem b ist genau die Hälfte der Tagesenergie erzeugt?

Der Mittelwert

Der Mittelwert einer Funktion über [a ; b] ist das Integral geteilt durch die Länge des Intervalls: Für die Solaranlage ist kW. Hätte die Anlage zwölf Stunden lang gleichmäßig 1,8 kW geliefert, wäre die Energie dieselbe: Der Mittelwert ist die Höhe eines Rechtecks mit gleichem Flächeninhalt. Er ist weder der Größtwert 2,7 kW noch das Mittel der Randwerte, denn .

Verändere m, bis die beiden Flächen gleich groß sind. Welchen Wert hat m dann?

Wann ist der Bestand extremal?

Die Anlage lädt einen Speicher, im Haus werden 1,5 kW verbraucht. Die Änderungsrate des Speichers ist ; um 6 Uhr sind 4 kWh gespeichert. Der Speicher wird zwischen 6 und 8 Uhr entladen (r &lt; 0), zwischen 8 und 16 Uhr geladen und danach wieder entladen. Der Bestand ist dort extremal, wo die Rate das Vorzeichen wechselt: bei t = 8 liegt kWh, bei t = 16 gilt kWh. Die Ränder gehören zum Vergleich: , . Der größte Speicherstand ist 9 kWh um 16 Uhr, nicht um 12 Uhr, wo die Rate am größten ist.

Schiebe b. Der Chip zeigt die Änderung seit 6 Uhr; wo ändert sich sein Trend, und was bedeutet das für den Speicher?

Modellieren und bewerten

Modell aufstellen und anpassen

Ein Tee von 80 °C steht in einem Raum von 20 °C. Nach 5, 10, 20 und 30 Minuten misst man 56, 42, 28,5 und 23,5 °C. Modellieren heißt: Situation verstehen, einen Funktionstyp wählen, die Parameter aus Messwerten bestimmen, rechnen und das Ergebnis deuten. Der Tee nähert sich der Raumtemperatur, also passt : 20 ist die Raumtemperatur, 60 die Anfangsdifferenz, k die Abkühlrate. Den Wert von k liefert ein Messwert: Aus folgt , also und .

Verändere k, bis die Kurve zu den vier Messpunkten passt. Bei welchem k sind die Abweichungen am kleinsten?

Deuten und prüfen

Mit ist und . Gedeutet mit Einheit: Nach 10 Minuten sinkt die Temperatur momentan um etwa 2,2 °C pro Minute. Das Integral gibt Auskunft über die Gesamtwirkung: , die mittlere Temperatur der ersten 20 Minuten. Danach wird das Modell geprüft: Der Definitionsbereich ist t ≥ 0. Für t → ∞ gilt T → 20, das passt. Die Werte stimmen mit den Messungen auf etwa 0,5 °C überein. Ein Modell ohne den Summanden 20 würde gegen 0 °C fallen; das ist physikalisch unmöglich. Ein Modell ist ein Werkzeug und gilt nur in dem Bereich, in dem man es geprüft hat.

Verschiebe t₀. Wo sinkt die Temperatur am schnellsten, und wogegen strebt die Kurve?

Konzepte

FunktionenfamilieExtremaOptimierungModellieren