RechenausdrĂŒcke und Rechengesetze

24 Minuten · 6 Abschnitte

Warum zeigen zwei Taschenrechner verschiedene Ergebnisse?

FĂŒr 3 + 4 · 5 zeigt ein einfacher Taschenrechner 35, ein Schulrechner 23. Beide halten sich an ihre Regel, doch nur eine gilt in der Mathematik. In diesem Lesetext gliederst du RechenausdrĂŒcke, rechnest sie in der richtigen Reihenfolge aus, nutzt Rechengesetze fĂŒr Rechenvorteile, arbeitest vorwĂ€rts und rĂŒckwĂ€rts und löst Sachaufgaben mit Skizze und Antwortsatz. Die Struktur des Ausdrucks entscheidet ĂŒber das Ergebnis, und der Rechenbaum macht sie sichtbar. Schon eine Klammer kann alles Ă€ndern.

Terme benennen

Namen der Rechenarten

Ein Rechenausdruck heißt Term, sein Ergebnis der Termwert. Jede Rechenart hat eigene Namen fĂŒr ihr Ergebnis und fĂŒr die Zahlen darin. ist eine Summe aus zwei Summanden. Bei der Differenz 12 − 5 heißt 12 Minuend und 5 Subtrahend. Ein Produkt 12 · 5 hat zwei Faktoren. Beim Quotienten 60 : 5 ist 60 der Dividend und 5 der Divisor.

Ein Name gehört zu einer Rolle, nicht zu einer bestimmten Zahl: In 5 · 12 ist die 5 genauso ein Faktor wie die 12. Nur bei Minus und Geteilt kommt es auf die Reihenfolge an, denn 12 − 5 ist nicht 5 − 12.

Die vier Rechenarten mit den Namen ihrer Zahlen: Summe, Differenz, Produkt und Quotient von 12 und 5 beziehungsweise 60 und 512517+=SummandSummandSumme1257−=MinuendSubtrahendDifferenz12560·=FaktorFaktorProdukt60512:=DividendDivisorQuotient
Erste Zahl, zweite Zahl, Ergebnis: Jede Rechenart nennt sie anders.

Der letzte Schritt gibt den Namen

Meist steckt mehr als eine Rechenart in einem Term. Der ganze Term heißt dann nach dem Schritt, der zuletzt gerechnet wird. Malnehmen und Teilen binden stĂ€rker als Plus und Minus („Punkt vor Strich“). In wird deshalb erst 3 · 4 = 12 gerechnet und zuletzt 12 + 2. Der Term ist eine Summe; das Produkt 3 · 4 ist nur ein Teilterm.

Wer den Term nach dem ersten Zeichen von links benennt, sagt hier fÀlschlich Produkt. Frag dich stattdessen: Was rechne ich zuletzt? Der Rechenbaum zeigt diese Gliederung: Ganz oben steht der letzte Schritt, unten stehen die Zahlen, und jeder Rechenknoten gehört zu einem Teilterm.

Rechenbaum zum Term 3 · 4 + 2 = 14 + = 14 · = 12 3 4 2
Rechenbaum von 3 · 4 + 2: oben die Summe, darunter das Produkt und die Zahl 2.

Klammern Àndern den Baum

Mit einer Klammer wird ein Teil zuerst gerechnet. In steht 4 + 2 in der Klammer, also ist zuletzt das Produkt dran: 3 · 6 = 18. Dieselben Zahlen und Zeichen ergeben so einen anderen Baum und einen anderen Namen.

Wechsle zwischen den beiden Termen. Welcher Knoten steht jeweils oben, und wie heißt der Term?

Auch aus Worten baust du Terme. „Das Dreifache der Summe von 4 und 2“ ist , „die Summe aus dem Dreifachen von 4 und 2“ dagegen . Bei „Differenz aus 10 und 4“ steht die erste Zahl vorn: .

Punkt vor Strich und Klammern

Punkt vor Strich

Wie viel ist ? Ein einfacher Taschenrechner rechnet von links nach rechts und zeigt 35, ein Schulrechner 23. Es gilt die Vereinbarung: Punktrechnung (mal und geteilt) geht vor Strichrechnung (plus und minus). Also ist . Der Rechenbaum erklĂ€rt das: Der Teilterm 4 · 5 muss fertig sein, bevor der letzte Schritt, die Summe, gerechnet werden kann. Das passt zu einer kleinen Geschichte: 3 einzelne Brezeln und 4 TĂŒten mit je 5 Brezeln sind 3 + 4 · 5 = 23 Brezeln.

Schalte die Schritte nacheinander frei. In welchem Knoten wird zuerst gerechnet?

Stehen nur Punkt- oder nur Strichrechnungen im Term, rechnest du von links nach rechts: und .

Plus und Minus stehen auf derselben Stufe, ebenso Mal und Geteilt. Deshalb ist 18 − 7 + 4 nicht 18 − 11: Wer 7 + 4 zuerst rechnet, macht aus dem Minus heimlich ein Plus.

Klammern zuerst

Eine Klammer setzt die Reihenfolge außer Kraft: Was in Klammern steht, wird zuerst gerechnet. . Sind Klammern ineinander verschachtelt, rechnest du von innen nach außen: . Im Rechenbaum bildet jede Klammer einen Teilterm. Ohne Klammer wĂŒrde aus (3 + 4) · 5 der Term 3 + 4 · 5 mit dem Wert 23; Klammern setzt du also genau dort, wo die Struktur es verlangt.

Schalte die Schritte von innen nach außen frei: erst 4 + 2, dann 20 − 6, zuletzt 14 : 2.

Fortlaufende Rechnung

Beim Ausrechnen schreibst du jeden Schritt in eine neue Zeile. Das Gleichheitszeichen heißt: Links und rechts steht derselbe Wert. Falsch ist deshalb die Kette , denn 7 ist nicht 7 · 5. Richtig ist : Jeder Term dieser Kette hat den Wert 23. Im Kopf darfst du abkĂŒrzen, aufgeschrieben wird aber jede Zeile. Zur Kontrolle rechnest du jede Zeile einzeln aus: Steht ĂŒberall derselbe Wert, stimmt die Kette.

Zwei Schreibweisen fĂŒr 3 + 4 · 5: die falsche Kette 3 + 4 = 7 · 5 = 35 und die richtige fortlaufende Rechnung 3 + 4 · 5 = 3 + 20 = 23✗ falsch✓ richtig3 + 4 = 7 · 5 = 357 ist nicht 7 · 53 + 4 · 5= 3 + 20= 23Wert 23 in jeder Zeile
Rechts hat jede Zeile denselben Wert, links Àndert sich der Wert mitten in der Kette.

Das Distributivgesetz

Ein Rechteck, zwei Teile

Ein Beet aus PflanzplÀtzen ist 4 Reihen hoch. Seine Breite besteht aus zwei Teilen, einem blauen und einem orangen. Mach den orangen Teil breiter und schmaler und vergleiche die beiden Chips.

VerÀndere die Breite c des orangen Teils. Welche beiden Rechnungen liefern immer dieselbe FlÀche?

Dass beide Chips immer ĂŒbereinstimmen, ist kein Zufall. Ein Beet ist 4 Reihen hoch und 6 + 3 PlĂ€tze breit. Die FlĂ€che findest du auf zwei Wegen: als Ganzes oder als Summe der beiden TeilflĂ€chen . Beide Wege beschreiben dasselbe Rechteck, also gilt das Distributivgesetz:

Dabei stehen a, b und c fĂŒr beliebige natĂŒrliche Zahlen. Der Faktor a wird auf beide Summanden verteilt. HĂ€ufig vergessen wird der zweite: ergibt nur 27, nicht 36.

Das Bild macht das Gesetz einleuchtend: Zwei Teilrechtecke mit gleicher Höhe lassen sich zu einem Rechteck zusammenlegen. Die Höhe ist der gemeinsame Faktor, die Breiten addieren sich.

Auch mit Minus

Das Gesetz gilt genauso bei einer Differenz. Ein Rechteck ist 4 Reihen hoch und 9 breit, ein Streifen von 3 PlĂ€tzen wird abgezogen: . Auch hier gehört die 4 zu beiden Zahlen in der Klammer. Das Bild zeigt, warum: Vom großen Rechteck bleibt nach dem Abziehen genau das kleinere Rechteck ĂŒbrig.

Vorsicht: Verteilen darfst du nur ĂŒber eine Summe oder Differenz. Bei einem Produkt in der Klammer bleibt alles, wie es ist: , aber 2 · 3 · 2 · 4 wĂ€re 48. Auch ein Geteilt-Zeichen vor der Klammer verteilt nicht: 24 : (6 + 2) = 3, aber 24 : 6 + 24 : 2 = 16.

VerÀndere die Breite c des abgezogenen Streifens. Wie hÀngen die beiden Rechnungen zusammen?

Geschickt rechnen

Zerlegen

Das Distributivgesetz steckt hinter vielen Kopfrechenstrategien. Wie rechnest du ? Zerlege die 13 in 10 + 3: . Die Klammer darf vorn stehen, denn beim Malnehmen darfst du vertauschen. Jede Zerlegung fĂŒhrt zum selben Ergebnis, mit der Zehnerzahl rechnet es sich aber am leichtesten. Auch beim Teilen hilft es, wenn die Summe vor dem Geteiltzeichen steht: .

Verschiebe die Teilung s. Das Ergebnis bleibt gleich, bei welchem s rechnest du am leichtesten?

Diese Strategie kennst du aus der Grundschule als „halbschriftliches Rechnen“. Jetzt weißt du, warum sie funktioniert: Sie ist das Distributivgesetz.

Zur runden Zahl ergÀnzen

Liegt ein Faktor knapp unter einer runden Zahl, zerlegst du mit Minus: . Achte darauf, dass auch die Zahl nach dem Minus mit 7 malgenommen wird; 210 − 1 = 209 ist falsch.

VerĂ€ndere den Streifen d. FĂŒr welches d entsteht 7 · 29?

Auch 12 · 49 rechnest du so: 12 · 50 − 12 = 600 − 12 = 588. Die runde Zahl liegt eins höher, also ziehst du nur einmal die 12 ab.

RĂŒckwĂ€rts lesen

Das Gesetz lĂ€sst sich auch von rechts nach links lesen. Steht derselbe Faktor in beiden Produkten, klammerst du ihn aus: . Das lohnt sich besonders, wenn die Klammer eine runde Zahl ergibt, hier 7 + 3 = 10. Welches Gesetz steckt hinter welchem Schritt? Die Übersicht zeigt es. Bei Aufgaben mit drei Faktoren hilft dagegen das Vertauschen und Umklammern: 8 · 13 · 125 = (8 · 125) · 13 = 1000 · 13 = 13 000.

Drei Rechengesetze: Kommutativgesetz (vertauschen), Assoziativgesetz (umklammern), Distributivgesetz (verteilen und ausklammern), jeweils mit BeispielVertauschen: Kommutativgesetza · b = b · az. B. 7 · 25 = 25 · 7Umklammern: Assoziativgesetz(a · b) · c = a · (b · c)z. B. (25 · 4) · 7 = 25 · (4 · 7)Verteilen, Ausklammern: Distributivgesetza · (b + c) = a · b + a · cz. B. 13 · 6 = 10 · 6 + 3 · 6Kommutativ- und Assoziativgesetz gelten nur fĂŒr + und ·, nicht fĂŒr − und :.
Drei Gesetze, drei Handgriffe: vertauschen, umklammern, verteilen.

VorwĂ€rts und rĂŒckwĂ€rts

VorwÀrts

Viele Aufgaben sind Rechenketten: Du denkst dir eine Zahl, multiplizierst sie mit 3 und addierst 4. Startest du bei 7, arbeitest du vorwĂ€rts: 7 · 3 = 21, dann 21 + 4 = 25. FĂŒr den unbekannten Start schreibst du einen Buchstaben, zum Beispiel x. Als Term steht die Kette dann in einer Zeile: . Kommt zuerst ein Plus und dann ein Mal, brauchst du eine Klammer: erst + 4, dann · 3 ergibt .

VerÀndere den Start x und lies die Zahlen nach jedem Schritt ab.

Eine Rechenkette ist ein Term in Stationen: Jede Station ist ein Teilterm, und das Ergebnis der einen ist der Start der nĂ€chsten. Genau deshalb kommt bei „erst + 4, dann · 3“ eine Klammer ins Spiel.

RĂŒckwĂ€rts

Bekannt ist das Ergebnis 25, gesucht der Start. Jetzt arbeitest du rĂŒckwĂ€rts: Du kehrst jeden Schritt um und beginnst hinten. Die Umkehrung von + 4 ist − 4, die von · 3 ist : 3, also und . Kehrst du die Schritte in der falschen Reihenfolge um, kommt etwas anderes heraus: 25 : 3 geht nicht einmal auf. Die Probe zeigt sofort, ob du richtig zurĂŒckgerechnet hast.

VerÀndere das Ergebnis y. Welche Zahl entsteht am Ende als Start?

Welche Richtung passt? Ist der Start bekannt und das Ende gesucht, rechnest du vorwĂ€rts. Ist das Ende bekannt und der Start gesucht, rechnest du rĂŒckwĂ€rts. Zur Probe rechnest du danach mit dem gefundenen Start vorwĂ€rts.

Sachaufgaben lösen

Erst die Skizze

Sachaufgaben löst du in Schritten. Beispiel: Die Schule kauft fĂŒr das Sommerfest 19 Kisten Saft zu je 12 Flaschen, 38 Flaschen sind ĂŒbrig. Wie viele Flaschen wurden getrunken? Zuerst die Skizze: 19 gleiche Portionen zu 12, gekauft, davon werden 38 ĂŒbrige abgezogen. Daraus liest du den Term ab: . SchlĂŒsselwörter wie â€žĂŒbrig“ oder „mehr“ sagen allein noch nichts; erst die Skizze zeigt, was gerechnet wird.

Streifenskizze zur Aufgabe: 19 gleiche Streifen zu je 12 Flaschen, davon werden 38 ĂŒbrige Flaschen abgezogen; gesucht ist der Term 19 mal 12 minus 3812121212
− 3819 Kisten zu je 1238 ĂŒbrig= ?Term: 19 · 12 − 38
Aus dem Streifenbild wird der Term 19 · 12 − 38.

Eine gute Skizze hat gleiche Portionen als gleiche KĂ€stchen, Dazukommendes und Abgehendes in verschiedenen Farben und die gesuchte GrĂ¶ĂŸe als Fragezeichen. Sie ersetzt keinen Text, sie ordnet ihn.

Überschlag und Rechnung

Vor dem Rechnen schĂ€tzt du: . Dann rechnest du fortlaufend: . 190 liegt nahe bei 200, das Ergebnis ist plausibel. HĂ€ttest du 1 900 oder 19 erhalten, wĂŒsstest du sofort: Da stimmt etwas nicht. Runde dafĂŒr jede Zahl auf ihre grĂ¶ĂŸte Stelle, dann kannst du im Kopf rechnen. Der Überschlag ersetzt die Rechnung nicht, er fĂ€ngt grobe Fehler wie eine vergessene oder ĂŒberzĂ€hlige Stelle ab.

VerÀndere die Zahl der Kisten k. Wie Àndert sich, was getrunken wurde?

Antwort im Sachzusammenhang

Zum Schluss beantwortest du die Frage in einem Antwortsatz mit Einheit: „Beim Fest wurden 190 Flaschen Saft getrunken.“ PrĂŒfe dabei, ob das Ergebnis zur Situation passt. 130 Kinder fahren Bus, in einen Bus passen 40: 130 : 40 = 3 Rest 10. Drei Busse reichen nicht, es werden 4 Busse gebraucht. Ein Rest muss im Sachzusammenhang gedeutet werden: Rechnen und Antworten sind zwei verschiedene Schritte. Wer seinen Rechenweg aufschreibt, kann ihn auch anderen erklĂ€ren. Ein guter Antwortsatz wiederholt die Frage: nicht nur „190“, sondern „Es wurden 190 Flaschen getrunken.“

FĂŒnf Schritte zur Lösung einer Sachaufgabe mit Beispiel: Skizze, Term, Überschlag, Rechnung, Antwortsatz1Skizze19 Kisten zu 12, davon 38 ĂŒbrig2Term19 · 12 − 383Überschlag20 · 12 − 40 = 2004Rechnung19 · 12 − 38 = 228 − 38 = 1905AntwortEs wurden 190 Flaschen getrunken.
FĂŒnf Schritte vom Text zur Antwort, mit dem Beispiel dieses Abschnitts.

Konzepte

ArithmetikTermeRechenreihenfolgeDistributivgesetzSachaufgaben