Umkehrfunktion und Wurzelfunktion

24 Minuten · 6 Abschnitte

Wie rechnet man eine Funktion rückwärts?

Ein Stein fällt in einen Brunnen, und die Tiefe wächst mit dem Quadrat der Zeit: s = 5t². Rückwärts rechnen heißt, aus dem Ergebnis die Eingabe zu finden. Wer die Tiefe misst und die Fallzeit sucht, muss die Quadratfunktion umkehren und landet bei der Wurzel. Nicht jede Funktion lässt sich so umkehren, und die Umkehrfunktion hat einen gespiegelten Graphen. Wir klären, wann es geht, wie man ihren Term findet und wie steil die Wurzelfunktion ist.

Umkehrbar durch Monotonie

Jeder y-Wert nur einmal

Eine Funktion f ordnet jedem x genau ein y zu. Eine Umkehrfunktion f⁻¹ soll das rückgängig machen: Zu jedem y gehört dann genau ein x. Bei geht das nicht, denn für y = 4 passen x = 2 und x = −2. Am Graphen sieht man es an der waagerechten Geraden y = 4: Sie schneidet die Parabel zweimal. Eine Funktion heißt umkehrbar, wenn jede waagerechte Gerade ihren Graphen höchstens einmal schneidet. Nicht jede Funktion hat also eine Umkehrfunktion.

Verschiebe die waagerechte Gerade mit dem Regler. Bei welchem y trifft sie die Parabel nur einmal?

Streng monoton

Eine Funktion ist streng monoton wachsend, wenn aus x₁ < x₂ immer folgt; bei streng monoton fallend gilt . Dann nimmt sie jeden Wert höchstens einmal an und ist umkehrbar, ob sie steigt oder fällt. Auf einem Intervall folgt strenge Monotonie aus f′(x) > 0 (oder aus f′(x) < 0). Einzelne Stellen mit f′(x) = 0 stören nicht: hat bei x = 0 eine waagerechte Tangente und bleibt trotzdem überall streng wachsend.

Bewege P über den Ursprung. Trifft die waagerechte Gerade den Graphen jemals ein zweites Mal?

Definitionsmenge einschränken

Die Parabel ist nicht umkehrbar, aber jeder ihrer Äste ist es. Auf gilt f′(x) = 2x > 0 für x > 0, also ist die Einschränkung streng monoton wachsend. Auf ist sie streng monoton fallend und ebenfalls umkehrbar. Die Einschränkung ist eine neue Funktion mit kleinerer Definitionsmenge; welchen Ast man wählt, ändert die Umkehrfunktion. Zur Frage „Ist f umkehrbar?“ gehört deshalb immer: auf welcher Menge?

Schneide die Parabel mit dem Regler links ab. Ab welchem a bleibt nur noch ein Schnittpunkt mit y = 4?

Der Graph der Umkehrfunktion

Eingang und Ausgang tauschen

Die Funktion f macht aus dem Eingang x den Ausgang y, die Umkehrfunktion f⁻¹ macht aus diesem y wieder x. Liegt der Punkt auf dem Graphen von f, so liegt auf dem Graphen von f⁻¹. Für mit x ≥ 0 gilt f(2) = 4, also f⁻¹(4) = 2. Vorsicht bei der Schreibweise: f⁻¹(x) ist kein Kehrwert. Hier ist f⁻¹(4) = 2, der Kehrwert 1/f(4) dagegen 1/16. Dasselbe kennst du von sin⁻¹ am Taschenrechner.

Verschiebe P auf dem Graphen von f. Was passiert mit den Koordinaten von P′?

Spiegelung an y = x

Vertauscht man bei jedem Punkt die Koordinaten, wird der Punkt an der Geraden y = x gespiegelt, der Winkelhalbierenden des I. und III. Quadranten. Punkte auf dieser Geraden bleiben an ihrem Platz. Der Graph von f⁻¹ entsteht also aus dem Graphen von f durch Spiegelung an y = x, nicht an der x-Achse und nicht an der y-Achse. Das gilt für jede Umkehrfunktion, zum Beispiel für und aus der 10. Klasse. Damit das Spiegelbild nicht verzerrt wirkt, müssen beide Achsen gleich skaliert sein.

Wandere mit P nach links. Wo liegt P′, wenn P sehr nahe an der x-Achse ist?

Definitions- und Wertemenge

Weil Eingang und Ausgang die Rollen tauschen, tauschen auch die Mengen: und . Bei ist D = ℝ und W = ]0; ∞[, bei log₂ x ist es umgekehrt. Für x² auf [0; b] ist , also . Einen Wert außerhalb von W(f), etwa y = −1 bei 2ˣ, kann f⁻¹ nicht liefern: log₂(−1) ist nicht definiert.

Ändere b. Welche Abschnitte der Achsen sind gleich lang, und wie hängen sie mit D und W zusammen?

Der Term der Umkehrfunktion

Auflösen und tauschen

Den Term von f⁻¹ findet man in zwei Schritten: Löse y = f(x) nach x auf, dann vertausche die Namen x und y. Für gilt , also . Die Steigung 2 wird zu ½. Zur Probe setzt man f⁻¹ in f ein: . Es muss f(f⁻¹(x)) = x herauskommen, und ebenso f⁻¹(f(x)) = x. Die Probe fängt Rechenfehler beim Auflösen ab. Man kehrt die Rechenschritte in umgekehrter Reihenfolge um: f multipliziert mit 2 und addiert 1, f⁻¹ subtrahiert 1 und teilt durch 2.

Ändere die Steigung m von f. Wie ändert sich die Steigung von f⁻¹?

Ein Ast der Parabel

Bei auf x ≥ 0 folgt aus zuerst , dann ; das Minuszeichen entfällt, weil x ≥ 0 gilt. So ist mit . Auf dem linken Ast (x ≤ 0) gilt dagegen . Welches Vorzeichen gilt, legt allein die Definitionsmenge von f fest. Umgekehrt: Bei folgt , also , aber nur für x ≥ 1. Auch der Term √(x − 1) passt dazu: Er ist nur für x ≥ 1 definiert, und x² + 1 nimmt nie einen kleineren Wert als 1 an.

Wechsle den Ast von f mit dem Regler. Welche Umkehrfunktion gehört zu welchem Ast?

Die Wurzelfunktion

Umkehrung der Quadratfunktion

Auf ist x² streng monoton wachsend, also umkehrbar. Die Umkehrfunktion heißt Wurzelfunktion: mit . √x ist die einzige nichtnegative Zahl, deren Quadrat x ergibt, also die Seite eines Quadrats mit dem Flächeninhalt x. Der Graph entsteht aus dem rechten Parabelast durch Spiegelung an y = x: Er beginnt in (0 | 0), steigt streng monoton und wird immer flacher. Es gilt √9 = 3, nicht ±3, und für x < 0 ist √x nicht definiert.

Ändere die Fläche x des Quadrats. Wie verhalten sich Fläche und Seitenlänge zueinander?

Verschieben

Der Graph von geht aus dem der Wurzelfunktion hervor: um c nach rechts und um d nach oben. Er beginnt im Startpunkt (c | d), es gilt D = [c; ∞[ und W = [d; ∞[. Bei ist c = −2, denn x + 2 = x − (−2): Der Graph verschiebt sich nach links, der Startpunkt ist (−2 | −1). Unter der Wurzel muss gelten, also x ≥ −2.

Ändere c und d. Wohin wandert der Startpunkt, und wie ändert sich der Rest des Graphen?

Die Steigung der Wurzelfunktion

Ein Spiegelbild macht aus der Steigung m die reziproke Steigung 1/m. Bei (2 | 4) hat x² die Steigung 4; im Spiegelpunkt (4 | 2) hat √x die Steigung ¼. Allgemein hat x² bei t die Steigung 2t und √x im Punkt (t² | t) die Steigung 1/(2t). Mit t = √x folgt für x > 0. Bei x = 0 ist die Tangente senkrecht, dort gibt es keine Ableitung: Je näher x an 0 rückt, desto steiler wird der Graph.

Bewege t. Wie hängen die beiden Steigungen zusammen, und was passiert für kleines t?

Rationale Exponenten ableiten

Wurzeln als Potenzen

Damit die Potenzgesetze weiter gelten, schreibt man , denn . Ebenso ist , weil . Allgemein gilt für x > 0 ; Beispiele sind und . Der Exponent r bestimmt die Form des Graphen: Bei r = 1 ist er eine Gerade, bei r = ½ die Wurzelfunktion. Die Schreibweise gilt für x > 0; für negative x sind gebrochene Exponenten nicht erklärt.

Ändere den Exponenten r. Für welche r liegt der Punkt bei x = 4 über, für welche unter der Geraden y = x?

Die Potenzregel bleibt

Für jeden rationalen Exponenten r und x > 0 gilt : Der Exponent wird zum Faktor, der neue Exponent ist um 1 kleiner. Mit r = ½ ergibt sich , genau die Ableitung der Wurzelfunktion. Weitere Beispiele: und . Achte auf den Exponenten: ½ − 1 = −½, und bei schreibt man zuerst , dann leitet man ab.

Stelle x = 1 ein und ändere r. Welche Steigung hat die Tangente dort?

Verkettung, Produkt, Quotient

Steht unter der Wurzel ein Term u(x), liefert die Kettenregel : äußere Ableitung mal innere. So ist ; die innere Ableitung 2 darf nicht fehlen. Bei hilft die Produktregel: . Bei einem Bruch wie nimmt man die Quotientenregel. Nach dem Ableiten lohnt es sich, auf einen Nenner zu bringen, damit man Nullstellen der Ableitung sieht.

Ändere a und x. Stimmt die Tangentensteigung immer mit der Formel überein?

Wurzelfunktionen untersuchen

Definitionsmenge und Nullstellen

Bei muss der Radikand x ≥ 0 sein: . Für die Nullstellen wird quadriert: 4x = x², also x = 0 oder x = 4; beide erfüllen die Ausgangsgleichung. Quadrieren ist aber keine Äquivalenzumformung. Aus folgt mit x = 3 oder x = −1, doch nur x = 3 löst die Wurzelgleichung: √1 = 1 ≠ −1. Die Probe ist Pflicht. Die Figur zeigt den Grund: Die Scheinlösung liegt auf dem unteren Ast von y² = 2x + 3, also auf −√(2x + 3), und nicht auf dem Graphen der Wurzel. Die Definitionsmenge legt fest, wo man rechnen darf, und sie zeigt sich später in der Ableitung: 1/√x gibt es nur für x > 0.

Wandere mit x durch den Definitionsbereich. Wo wird der Abstand √(2x + 3) − x null?

Extrempunkt und Rand

Für x > 0 gilt f′(x) = . Aus f′(x) = 0 folgt √x = 1, also x = 1 mit f(1) = 1. Für x < 1 ist f′ > 0, für x > 1 ist f′ < 0: Hochpunkt (1 | 1). Am Rand x = 0 gibt es keine Ableitung, die Tangente ist senkrecht; (0 | 0) ist ein Randpunkt, kein Extrempunkt durch f′ = 0. Für x → ∞ überwiegt −x, denn √x wächst langsamer als x: f(x) → −∞. Die Figur deutet f(x) als Abstand der Graphen von 2√x und x. Er ist am größten, wo beide Graphen gleich steil sind. Zur Kontrolle: f(4) = 2 · 2 − 4 = 0, und f(1) = 1 ist der größte Funktionswert.

Bewege x und vergleiche die beiden Steigungen. Bei welchem x ist der Abstand am größten?
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Konzepte

UmkehrfunktionMonotonieWurzelfunktion