Was dann passiert – Rechtsfolgen im Netz
What Happens Next – Legal Consequences Online
Die Lernenden sortieren die Folgen der vier Fälle der Klassenfahrt in die zwei Verfahren aus Kurs 1: Was der Verletzte zivil verlangen kann (Löschung und Unterlassung ohne Verschulden, Schadensersatz nur bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit, §§ 97, 97a UrhG, § 1004 analog i. V. m. § 823 BGB; die Abmahnung mit Unterlassungserklärung) und was der Staat bestraft (§§ 185–187, 241 StGB, § 33 KUG, § 106 UrhG – auf Antrag, ab 14, nach dem JGG). Auf der Altersskala zeigen sie, warum Can (13) nicht bestraft wird, aber löschen muss. Verdrängt werden „Abmahnung ignorieren“, „unter 14 passiert nichts“ und „Strafe ersetzt den Schaden“ (iRights.info; Verbraucherzentrale zu Abmahnungen; klicksafe). Ziel: der Fall „Foto im Klassenchat“ in Kurs 5 prüft genau diese zwei Spuren im Gutachtenstil.
Zwei Verfahren fĂĽr einen Fall
Vier Fälle hat die Klassenfahrt geliefert: Lenas Video mit Song und
Skyline-Foto, Cans Busfoto, Noahs erfundener Abschreib-Vorwurf und seine
Drohung. Was folgt jetzt daraus? Aus Kurs 1 kennst du die Antwort im
Grundsatz: Ein Fall kann zwei Verfahren auslösen. Im
- Zivil: der Verletzte verlangt
- Strafrecht: der Staat straft
- Der Fotograf verlangt, dass Lena das Skyline-Foto löscht.
- Lena soll versprechen, das Foto nie wieder zu nutzen – sonst zahlt sie eine Vertragsstrafe.
- Der Fotograf verlangt die ĂĽbliche LizenzgebĂĽhr als Schadensersatz.
- Sophie verlangt, dass Can das Busfoto aus dem Chat löscht.
- Das Jugendgericht verpflichtet Noah zu einem Anti-Mobbing-Kurs.
- Noah muss 20 Arbeitsstunden im Tierheim leisten.
- Ein Erwachsener, der dasselbe geschrieben hätte, bekommt eine Geldstrafe.
Die Abmahnung
Der Brief bei Lenas Eltern ist eine Abmahnung. Ein Anwalt des Fotografen fordert Lena auf, die Rechtsverletzung zu beenden und eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben – ein Versprechen mit Vertragsstrafe, es nie wieder zu tun. So soll ein Streit ohne Gericht beigelegt werden (§ 97a UrhG). Was der Fotograf verlangen kann, steht in § 97 UrhG, und es sind zwei verschiedene Dinge:
„Wer das Urheberrecht … widerrechtlich verletzt, kann von dem Verletzten auf Beseitigung der Beeinträchtigung, bei Wiederholungsgefahr auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. … Wer die Handlung vorsätzlich oder fahrlässig vornimmt, ist dem Verletzten zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“
— § 97 Abs. 1 und 2 UrhG (gekürzt)
Wer wird bestraft?
Wer haftet und wer bestraft wird, hängt am Alter – zwei Grenzen aus Kurs 1. Can (13) ist nach § 19 StGB schuldunfähig: Für das Verbreiten des Busfotos (strafbar nach § 33 KUG) wird er nicht bestraft. Das heißt aber nicht, dass nichts passiert. Löschen und Unterlassen kann Sophie auch von ihm verlangen, und für einen Schaden haftet er schon ab 7, wenn er die nötige Einsicht hatte (§ 828 Abs. 3 BGB). Noah (14) ist strafmündig. Für ihn gilt das Jugendstrafrecht: Das Gericht setzt auf Erziehung – etwa einen Anti-Mobbing-Kurs oder Arbeitsstunden.
Was Sophie jetzt tut
Sophie will, dass das aufhört. Zuerst sichert sie Beweise: Screenshots vom Foto, von Noahs Kommentar und von der Drohung, jeweils mit Datum, Uhrzeit, Absendername und Gruppenname – bevor jemand etwas löscht. Dann meldet sie die Beiträge, spricht mit ihren Eltern und mit Frau Kraus. Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung verfolgt der Staat nur auf Antrag (§ 194 StGB); Sophie und ihre Eltern haben dafür drei Monate Zeit, ab dem Tag, an dem sie von Tat und Täter wissen (§ 77b StGB). Ob sie anzeigen oder „nur“ verlangen, dass alles gelöscht wird, entscheidet Sophie – das Recht gibt ihr beide Wege. Wie man einen solchen Fall Schritt für Schritt im Gutachtenstil löst, zeigt Kurs 5.
Voraussetzungen (4)
Ermöglicht (1)
Welche Folge verlangt der Verletzte selbst, im Zivilrecht?
Ein 16-Jähriger muss wegen der Beleidigung einer Mitschülerin 30 Arbeitsstunden leisten. Damit kann sie nicht mehr verlangen, dass er den Beitrag löscht.
Ein Foto wurde ohne Erlaubnis gepostet. Welche Forderung der Fotografin setzt kein Verschulden voraus?
Wegen eines Fotos auf deinem Kanal kommt eine Abmahnung. Am besten ignorierst du den Brief – dann passiert nichts.
Wer kann wegen einer Beleidigung im Klassenchat bestraft werden?
Ben (12) verbreitet ein peinliches Foto einer Mitschülerin. Weil er unter 14 ist, kann sie nicht verlangen, dass er es löscht.
Lea (14) wird in einer Gruppe beleidigt. Was sollte sie zuerst tun?
Ein Screenshot nur vom Text einer Beleidigung – ohne Absendername, Datum und Gruppe – ist ein guter Beweis.
Löschung und Schadensersatz verlangt der Verletzte im Zivilrecht – eine Geldstrafe verhängt der Staat im ___.
Mit einer Abmahnung soll der Verletzer eine ___ mit Vertragsstrafe unterschreiben (§ 97a UrhG).
Für einen Schaden haftet ein 13-Jähriger, wenn er die nötige ___ in seine Verantwortlichkeit hatte (§ 828 Abs. 3 BGB).
Wie viele Monate hat man Zeit, wegen einer Beleidigung einen Strafantrag zu stellen?
Elias (17) stellt ein heimlich gedrehtes Umkleide-Video von Ben online. Welche Folgen sind möglich?
Leo (16) postet auf seinem Fan-Account das Konzertfoto eines Profi-Fotografen. Er dachte, es sei frei, weil es überall geteilt wurde. Der Fotograf verlangt Löschung und die übliche Lizenzgebühr. Was trifft zu?
Jonas (13) und Mats (15) stellen gemeinsam ein Foto in die Klassengruppe, das einen MitschĂĽler unter der Dusche zeigt. Was trifft zu?
Am 2. März 2026 erfährt Jule (15), dass Finn im Klassenchat Lügen über sie verbreitet. Bis wann muss der Strafantrag wegen Verleumdung spätestens gestellt sein?
Kai (15) stellt ein Foto seines Mitschülers Ole (14) in Badehose am Beckenrand ungefragt auf seinen öffentlichen Kanal und schreibt darunter: „Der Wal ist los.“ Prüfe in zwei bis vier Sätzen, was Ole zivilrechtlich verlangen kann und ob Kai bestraft werden kann.