Gebrochen-rationale Funktionen

26 Minuten · 7 Abschnitte

Was kostet ein StĂŒck?

Eine Druckerei verlangt 500 € RĂŒstkosten und 2 € je StĂŒck. Bei 10 StĂŒck kostet jedes 52 €, bei 1000 nur noch 2,50 €, bei einer Million fast genau 2 €, und ein einzelnes StĂŒck kostet 502 €. Die StĂŒckkosten sind ein Bruch mit x im Nenner. Solche Funktionen verhalten sich an Polstellen und fĂŒr sehr große x auffĂ€llig: Sie nĂ€hern sich einer Asymptote. Wir lernen, das zu erkennen, zu berechnen und zu zeichnen.

Definitionsmenge und Nullstellen

Wo der Term definiert ist

Ein Bruch ist nur erklĂ€rt, solange sein Nenner nicht null ist. Die maximale Definitionsmenge einer gebrochen-rationalen Funktion enthĂ€lt deshalb alle reellen Zahlen bis auf die Nullstellen des Nenners. Bei wird fĂŒr und null, also gilt . Der Nenner wird nie null, dann ist . Wie viele Zahlen ein Nenner ausschließt, entscheidet c: zwei, eine oder keine. Die Nullstellen des ZĂ€hlers bleiben dagegen in D, denn dort ist der Bruch erklĂ€rt und gleich null: Ausgeschlossen wird nur, was den Nenner null macht. Man löst dazu die Gleichung Nenner = 0 und streicht deren Lösungen aus den reellen Zahlen.

Ändere c. Bei welchen Werten von c gibt es keine ausgeschlossene Stelle? n zĂ€hlt die ausgeschlossenen Stellen.

Nullstellen und Linearfaktoren

Ein Bruch ist null, wenn sein ZĂ€hler null ist, und der Nenner an dieser Stelle nicht. Die Nullstellen von f sind also Nullstellen des ZĂ€hlers. Wer ZĂ€hler und Nenner als Produkt von Linearfaktoren schreibt, liest beides ab: hat die Nullstellen −2 und 3, das Vorzeichen im Faktor kehrt sich um. Bei sind p und −2 die Nullstellen, 3 und −4 fehlen in D. Ein Produkt zeigt die Nullstellen, eine Summe verbirgt sie. Beim Zerlegen suchst du zwei Zahlen mit Produkt −6 und Summe −1: Das sind 2 und −3. Steht derselbe Faktor oben und unten, ist diese Zahl keine Nullstelle, denn dort ist der Nenner null: Ausgeschlossene Zahlen sind nie Nullstellen. Aus der Produktform liest man auf einen Blick, welche Zahlen den Term null machen.

Verschiebe p. Welche Nullstellen bleiben stehen, welche Stellen bleiben ausgeschlossen?

Polstelle oder LĂŒcke

KĂŒrzen entscheidet

FĂ€llt eine Zahl aus der Definitionsmenge, gibt es zwei Möglichkeiten. Steht der Faktor auch im ZĂ€hler, wird er gekĂŒrzt: Der Graph hat bei nur eine LĂŒcke, einen herausgenommenen Punkt. Bleibt der Faktor auch nach dem vollstĂ€ndigen KĂŒrzen im Nenner, ist eine Polstelle. Bei kĂŒrzt sich fĂŒr q = 1 alles weg: fĂŒr , eine Gerade mit LĂŒcke bei (1 | 1). FĂŒr jedes andere q bleibt x = 1 eine Polstelle. Der Graph verrĂ€t den Unterschied: Eine LĂŒcke ist ein einzelner fehlender Punkt, an einer Polstelle reißt der Graph ins Unendliche auf. Vor dem Urteil Polstelle oder LĂŒcke wird deshalb immer zuerst zerlegt und gekĂŒrzt.

Setze q auf 1 und dann auf andere Werte. Was geschieht bei x = 1?

Von links und von rechts

An einer Polstelle wĂ€chst |f(x)| ĂŒber alle Grenzen. Der Graph schmiegt sich an die senkrechte Asymptote an, ohne sie zu erreichen, denn f(x₀) ist nicht erklĂ€rt. Ob er nach oben oder unten lĂ€uft, entscheidet das Vorzeichen. Bei ist der Nenner rechts von 2 klein und positiv, links klein und negativ: und . Das Zeichen âș meint „von rechts“, ⁻ „von links“. Es gibt also zwei getrennte Grenzwerte, einen von jeder Seite, und sie dĂŒrfen verschieden sein. Je nĂ€her x an 2 liegt, desto grĂ¶ĂŸer wird der Betrag: Bei 2,1 ist f gleich 10, bei 2,001 schon 1000.

WĂ€hle die Seite s und den Abstand h. Wie Ă€ndern sich Vorzeichen und Betrag von f(x₀)?

Gerader und ungerader Faktor

Nicht jede Polstelle wechselt das Vorzeichen. Steht im Nenner in ungerader Potenz, wechselt der Term das Vorzeichen: Ein Ast lĂ€uft nach , der andere nach . Bei ist der Nenner auf beiden Seiten positiv, und beide Äste laufen zur selben Seite. Ob ein Faktor einfach oder doppelt vorkommt, siehst du am zerlegten Nenner, ohne einen Testwert einzusetzen. Im Bild zeigt f den Wechsel, g keinen. Das Vorzeichen bestimmt also die Form des Graphen: Ein Wechsel heißt, die Äste laufen in entgegengesetzte Richtungen, kein Wechsel heißt, sie laufen in dieselbe.

Vergleiche f = 1/(x − 2) und g = 1/(x − 2)ÂČ links und rechts von x = 2.

Die waagrechte Asymptote

Durch die höchste Potenz teilen

FĂŒr große |x| entscheiden die höchsten Potenzen. Bei teilt man ZĂ€hler und Nenner durch , jeden Summanden einzeln: . Die BrĂŒche und gehen fĂŒr gegen 0, also strebt f gegen : Die Gerade ist die waagrechte Asymptote. Es zĂ€hlen nur die Leitkoeffizienten 3 und 1. So ersetzt eine einzige Umformung viele Testwerte, und fĂŒr x → −∞ ergibt sich dasselbe, weil auch dort 1/xÂČ gegen 0 geht. Dabei wird xÂČ nicht einfach weggestrichen: Aus 1 wird 1/xÂČ, und erst dieser Bruch geht gegen 0.

Ändere a und b. Wo liegt die waagrechte Asymptote, und was bewirkt b bei den senkrechten Asymptoten?

Vergleich der Grade

Das Ergebnis hĂ€ngt nur vom Vergleich der Grade ab. Ist der ZĂ€hlergrad kleiner als der Nennergrad, wĂ€chst der Nenner schneller, und die x-Achse ist die Asymptote. Ist er gleich, ist der Quotient der Leitkoeffizienten, wie eben. Ist er grĂ¶ĂŸer, wĂ€chst |f(x)| ĂŒber alle Grenzen und es gibt keine waagrechte Asymptote; ob eine schrĂ€ge Gerade die Rolle ĂŒbernimmt, klĂ€rt der nĂ€chste Abschnitt. Bei ist es .

Erhöhe den ZÀhlergrad m von 0 bis 2. Wann springt die Asymptote von y = 0 nach y = 2?

Die Asymptote darf geschnitten werden

Viele glauben, der Graph dĂŒrfe seine Asymptote nie berĂŒhren. Doch die Asymptote sagt nur, was fĂŒr geschieht. Bei ist waagrechte Asymptote, und der Graph schneidet sie bei , denn dort gilt . Rechts davon liegt er darĂŒber, links darunter, und fĂŒr große |x| kommt er der Geraden beliebig nahe. Die Asymptote ist also keine Wand, sondern eine Aussage ĂŒber das Ende der x-Achse. Wer das Verhalten fĂŒr große |x| und die Schnittpunkte mit der Geraden auseinanderhĂ€lt, vermeidet diesen Irrtum.

Ziehe P entlang des Graphen. Wo ist f(x₀) − 1 gleich null, wo positiv, wo negativ?

Die schrÀge Asymptote

Die Summenform

Ist der ZĂ€hlergrad genau um 1 grĂ¶ĂŸer als der Nennergrad, gibt es keine waagrechte, dafĂŒr eine schrĂ€ge Asymptote. Man spaltet den Bruch auf, indem man jeden Summanden des ZĂ€hlers einzeln durch den Nenner teilt: . GekĂŒrzt wird nur ein ganzer Faktor, nie ein Summand: ist nicht . Steht f in der Form , strebt der Restbruch (ZĂ€hlergrad kleiner als Nennergrad) gegen 0, und ist die Asymptote. Bei ist es . Ist der ZĂ€hlergrad gleich dem Nennergrad oder kleiner, bleibt es bei der waagrechten Asymptote. Zuerst prĂŒft man also den Gradunterschied, dann spaltet man auf: Erst diese Reihenfolge macht die Gerade sichtbar.

Ändere c. Was bleibt gleich, was Ă€ndert sich am Graphen? Die gestrichelte Gerade ist y = x + 1.

Über oder unter der Geraden

Der Restbruch ist der senkrechte Abstand zwischen Graph und Gerade: . Sein Vorzeichen sagt, wo der Graph liegt, positiv heißt darĂŒber, negativ darunter. Bei ist der Rest rechts von der Polstelle positiv, links negativ, denn der Nenner wechselt bei x = 1 sein Vorzeichen. FĂŒr wird er beliebig klein, der Graph schmiegt sich an die Gerade. Zum Beispiel liegt der Graph bei x = 3 genau 1 ĂŒber der Geraden, denn der Rest ist dort 2/2 = 1. Links der Polstelle, bei x = −1, ist der Rest 2/(−2) = −1: Dort liegt der Graph 1 unter der Geraden.

Schiebe x₀ ĂŒber die Polstelle. Wo liegt P ĂŒber Q, wo darunter?

Untersuchen und skizzieren

Der Reihe nach

Eine gebrochen-rationale Funktion untersucht man in fester Reihenfolge, am gekĂŒrzten Term. Beispiel: . Erst die Definitionsmenge: . Dann die Nullstellen des ZĂ€hlers, 1 und 3, und die Polstellen −2 und 2. Die waagrechte Asymptote ist . Zuletzt der y-Achsenabschnitt , nur wenn 0 in D liegt. Keine Zahl ist zugleich Nullstelle und Polstelle, denn wo der Nenner null ist, hat f keinen Funktionswert. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Jede Angabe baut auf der vorherigen auf, und die Definitionsmenge steht deshalb ganz vorn.

Schiebe den Regler n von 0 bis 4: Nullstellen, Polstellen, Asymptote und y-Achsenabschnitt erscheinen nacheinander.

Vorzeichen und Skizze

Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Nullstellen oder Polstellen behĂ€lt f sein Vorzeichen, an jeder einfachen wechselt es. Ein Testwert je Bereich genĂŒgt: f(0) = −0,75 ist negativ, also ist f zwischen −2 und 1 negativ, danach wechselt das Vorzeichen der Reihe nach. FĂŒr die Skizze zeichnet man zuerst Asymptoten und Nullstellen, dann in jedem Bereich einen Ast nach den Vorzeichen. Ganz rechts liegt der Graph knapp unter , ganz links knapp darĂŒber. Die Nullstellen und der y-Achsenabschnitt liefern die Punkte, an denen die Äste die Achsen kreuzen. FĂŒr die Vorzeichen hilft eine kleine Tabelle mit den Stellen −2, 1, 2 und 3 als Trennlinien.

Verschiebe P. In welchen Bereichen ist f(x₀) positiv, in welchen negativ?

Term aus Eigenschaften

Pole und Nullstellen einbauen

Umgekehrt entsteht der Term aus den Eigenschaften. Jede Polstelle liefert einen Faktor im Nenner, jede Nullstelle einen im ZĂ€hler. Das Vorzeichen kehrt sich um: Eine Polstelle bei −1 gehört zu . FĂŒr die Nullstellen z und −3 und die Polstellen p und −1 entsteht . Kein Faktor darf oben und unten stehen, er wĂŒrde sich wegkĂŒrzen. Beide Polynome haben Grad 2, die waagrechte Asymptote ist . Das Aufstellen ist ein Baukasten: Jede Eigenschaft liefert genau einen Faktor. FĂŒr die Polstellen −1 und 3 ist der Nenner das Produkt .

Verschiebe z und p. Wandern die grĂŒnen Nullstellen und die roten Polstellen mit den Faktoren mit?

Asymptote und Probe

Die waagrechte Asymptote legt den Vorfaktor a fest: Bei gleichem Grad ist . FĂŒr die Nullstellen 1 und −2, die Polstellen 3 und −1 und passt . Ein gegebener Punkt bestimmt einen noch offenen Faktor: Aus folgt hier a = 2. Die Probe prĂŒft am fertigen Term Nullstellen, Pole und Grenzverhalten, von Hand oder mit dem Schieberegler. Sie ist Pflicht, denn ein Vorzeichenfehler in einem Faktor verschiebt eine Nullstelle oder Polstelle an die falsche Stelle. Es gibt mehr als einen passenden Term; verlangt wird ein passender, nicht der einzige.

Ändere a. Welche Eigenschaften bleiben gleich, welche folgen a?

Schnittpunkte ĂŒber Bruchgleichungen

Gleichsetzen und multiplizieren

Zwei Graphen schneiden sich dort, wo gilt. FĂŒr und ist das die Bruchgleichung . Man multipliziert beide Seiten mit dem Nenner x (x ≠ 0), jeden Summanden: , also und . Die Lösungen sind −3 und 2. Die y-Koordinate liefert das Einsetzen, und : die Schnittpunkte und . Der Hauptnenner ist das kleinste gemeinsame Vielfache der Nenner; haben die Nenner keinen gemeinsamen Faktor, ist es ihr Produkt, etwa fĂŒr die Nenner x und x − 1. Danach bleibt Algebra der Jahrgangsstufe 9: eine lineare oder quadratische Gleichung.

Verschiebe die Gerade mit t. Wie viele Schnittpunkte gibt es, und was gilt fĂŒr x₁ und x₂ bei t = 1?

Scheinlösungen

Multipliziert man mit einem Nenner, kann eine Zahl entstehen, die gar nicht in D liegt. Bei ergibt Multiplizieren mit die Lösung , doch dort ist der Nenner null. Das ist eine Scheinlösung: Die Graphen haben keinen Schnittpunkt, denn fĂŒr alle . Darum bestimmt man zuerst D und prĂŒft jede Lösung daran. Der Fehler liegt dann nicht in der Rechnung, sondern im Weglassen der Probe. Die Probe kostet eine Zeile: Man setzt die gefundene Zahl in den Nenner ein und prĂŒft, dass er nicht null wird.

Lies ab: Wie groß ist der senkrechte Abstand der beiden Graphen fĂŒr x ≠ 2?

Konzepte

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