Ein Becher Tee kĂŒhlt ab: erst schnell, dann immer langsamer. Wird er irgendwann
genau so warm wie das Zimmer, oder
nÀhert er sich dem Wert nur an, ohne ihn je zu erreichen? Solche Fragen stellt man an ganze Funktionen. Zu
welchem Typ gehören sie? Ist ihr Graph symmetrisch?
Wie entsteht er durch Verschieben, Strecken und Spiegeln aus einem bekannten
Graphen? Wohin lĂ€uft er fĂŒr groĂe x, und gibt es irgendwo einen Sprung?
Jeder Funktionstyp hat ein eigenes Gesicht. Eine Gerade gehört zu
y=mx+t, eine Parabel zu
y=ax2+bx+c, eine Hyperbel zu
y=xaâ. Bei einer
Potenzfunktiony=xn steht die Variable in der Basis, bei einer
Exponentialfunktiony=bâ ax im Exponenten. Das ist der Unterschied
zwischen x3 und 3x: An der
Stelle 4 liefert die erste 64, die zweite 81. Dazu kommen die
Sinusfunktiony=asinx+d und die Logarithmusfunktion
y=log2âx. Wer den Typ erkennt, weiĂ schon viel
ĂŒber den Graphen.
WĂ€hle mit dem Regler einen Typ. Welche Typen schneiden die x-Achse gar nicht?
Potenzfunktionen: gerade und ungerade
Bei y=xn entscheidet die ParitĂ€t von n ĂŒber die
Gestalt. Ist n gerade (2, 4, 6), verlÀuft der Graph U-förmig und nie unter der
x-Achse, denn (â2)4=16. Ist n ungerade (1, 3, 5),
kommt der Graph von links unten und geht nach rechts oben, denn
(â2)3=â8. Alle Graphen laufen durch
(0âŁ0) und (1âŁ1).
Zwischen 0 und 1 gilt: Je gröĂer n, desto flacher der Graph, zum Beispiel
0,52=0,25, aber
0,54=0,0625. Erst rechts von 1 ist die höhere
Potenz die steilere.
Ăndere n. Bei welchen n liegt der linke Punkt unter der x-Achse?
Wo die Werte liegen
Manche Typen schlieĂen Werte aus. Die Exponentialfunktion
y=2x ist fĂŒr jedes x positiv: Sie hat keine
Nullstelle, und ihr Graph nÀhert sich links der x-Achse, ohne sie zu erreichen.
Die Sinusfunktion y=asinx+d schwankt zwischen
dââŁa⣠und d+âŁaâŁ: Bei
y=3sinx+1 liegen alle Werte zwischen
â2 und 4. Die Hyperbel y=xaâ hat bei x=0 eine DefinitionslĂŒcke, und y=log2âx ist nur fĂŒr x>0 definiert und hat die Nullstelle 1. Solche Eigenschaften gehören in eine Skizze: Nullstellen, Wertebereich, Definitionsmenge, Verlauf an den RĂ€ndern.
Verschiebe d und Àndere a. Wo liegen der höchste und der tiefste Punkt der Welle?
Ein Graph ist achsensymmetrisch zur y-Achse,
wenn sein Spiegelbild an der y-Achse wieder derselbe Graph ist. Am Term prĂŒft man
das, indem man x durch âx ersetzt und vereinfacht. Kommt wieder f(x) heraus, gilt
f(âx)=f(x) fĂŒr alle x der Definitionsmenge. Beispiel:
f(x)=x4â2x2 ergibt
f(âx)=(âx)4â2(âx)2=x4â2x2=f(x). Ein
einzelnes Wertepaar reicht als Beweis nicht aus; die Gleichung muss fĂŒr jedes x
stimmen. Bei Summen von Potenzen hilft der Blick auf die Exponenten: Nur gerade
Exponenten (die Konstante zÀhlt als x0) bedeuten
Achsensymmetrie. Geometrisch heiĂt das: Zu jedem Punkt (xâŁy) des Graphen gehört auch (âxâŁy).
Setze k = 0 und verschiebe xâ. Wann liegen P und Q auf gleicher Höhe?
Punktsymmetrie und Gegenbeispiele
Punktsymmetrisch zum Ursprung ist ein
Graph, wenn er bei einer Drehung um 180° um den Ursprung in sich ĂŒbergeht. Am Term
heiĂt das f(âx)=âf(x): Alle Vorzeichen kippen, zu jedem Punkt (xâŁy) gehört auch (âxâŁây). Beispiel:
f(x)=x3â3x ergibt
f(âx)=âx3+3x=âf(x). Bei
f(x)=x3+1 dagegen ist
f(âx)=âx3+1, und das ist weder
f(x) noch âf(x). Zum Widerlegen
genĂŒgt ein Gegenbeispiel: f(1)=2, aber
f(â1)=0. Auch ein Term wie
x2+x, der gerade und ungerade Exponenten mischt, hat
keine der beiden Symmetrien.
Setze k = 0 und verschiebe xâ. Wo lĂ€uft die Verbindung von P und Q durch den Ursprung?
Wir starten mit f(x)=x3â3x+1 (gestrichelt). Der
Punkt P(â1âŁ3) liegt auf dem Graphen. Was
auĂerhalb von f steht, wirkt direkt auf die y-Werte:
f(x)+d hebt jeden Punkt um
d nach oben,
aâ f(x) multipliziert jeden y-Wert
mit a. Bei a = 2 und d = 1 wird
aus P der Punkt (â1âŁ2â 3+1)=(â1âŁ7).
Die x-Werte Àndern sich nicht, und bei der Streckung bleiben die Nullstellen an ihrem Platz: Nur die Höhe wÀchst oder schrumpft.
Ăndere a und d. Welche Koordinate des Bildpunkts PâČ bleibt immer gleich?
Ănderungen im Argument: x-Richtung
Steht die Ănderung im Argument, wirkt sie auf die x-Werte, und zwar
scheinbar verkehrt herum. f(xâc)
verschiebt den Graphen um c nach
rechts, denn jeder Funktionswert wird erst c spÀter erreicht;
f(x+2) verschiebt also nach links.
f(bx) staucht den Graphen in x-Richtung
auf den b-ten Teil der Breite: Bei b = 2
ist er halb so breit, und aus P wird (â0,5âŁ3). Bei beiden Ănderungen bleiben die y-Werte. Als Faustregel gilt: AuĂen wirkt es wie geschrieben, innen umgekehrt. So kann man einem Term den Graphen zuordnen: Man verfolgt einen Kennpunkt wie P und prĂŒft, wohin er wandert.
Ăndere c und b. Wohin wandert PâČ, wenn c wĂ€chst, und wohin, wenn b wĂ€chst?
Ein Minuszeichen spiegelt. Steht es
auĂerhalb, âf(x), kippen die y-Werte: Der Graph wird an
der x-Achse gespiegelt, aus P(â1âŁ3) wird
(â1âŁâ3). Steht es im Argument,
f(âx), kippen die x-Werte: Spiegelung an der y-Achse, P
wird zu (1âŁ3). Beides zusammen,
âf(âx), spiegelt am Ursprung. FĂ€llt der gespiegelte Graph
auf den ursprĂŒnglichen, ist f symmetrisch: f(âx)=f(x)
heiĂt genau, dass die Spiegelung an der y-Achse nichts Ă€ndert. Die Nullstellen bleiben bei
âf(x) an ihrem Platz, bei f(âx) wandern sie auf die andere Seite
der y-Achse: Aus einer Nullstelle bei 2 wird eine bei â2.
Vergleiche P mit Pâ und Pâ. Welche Koordinate wechselt bei âf(x) das Vorzeichen, welche bei f(âx)?
Reihenfolge in y-Richtung
Mehrere Ănderungen ergeben nur in der richtigen Reihenfolge das, was der Term
sagt. In aâ f(x)+d
rechnet man wie im Term: erst a, dann d. Der Graph wird also erst
gestreckt und dann
verschoben. Mit einer Klammer,
2â (f(x)+3), wird die Verschiebung mitgestreckt:
2â (f(x)+3)=2â f(x)+6, also um 6 statt um
3. FĂŒr P ergibt 2â f(x)+3 den y-Wert 9, aber
2â (f(x)+3) den y-Wert 12.
Ăndere d. Um wie viel liegt Punkt B ĂŒber Punkt A, wenn d = 4 ist?
Reihenfolge in x-Richtung
Im Argument liest man die Verschiebung erst nach dem Ausklammern ab. Bei
f(2xâ3) steht nicht âum 3 nach rechtsâ: Es gilt
f(2xâ3)=f(2(xâ1,5)). Der Graph wird auf die
halbe Breite gestaucht und um 1,5
nach rechts verschoben. Zum
Vergleich verschiebt f(2(xâ3)) um 3. Bei P wird aus
f(2xâ3) der Bildpunkt (1âŁ3),
aus f(2(xâ3)) der Bildpunkt
(2,5âŁ3). Wer einen Term einem Graphen zuordnen will, prĂŒft deshalb erst Spiegelung und Streckung und dann die Verschiebung an einem Kennpunkt.
Ăndere c. Welcher Graph wandert schneller nach rechts, und wie viel schneller?
FĂŒr groĂe x nĂ€hert sich der Graph mancher Funktionen einer waagrechten Geraden.
Bei f(x)=x2+12x2+4xâ ist das die Gerade
y = 2. Man schreibt
limxâââf(x)=2 und liest: Der Grenzwert von
f fĂŒr x gegen unendlich ist 2. Das linke Ende, xâââ,
betrachtet man getrennt; hier fĂŒhrt es ebenfalls zu 2. Dass der Graph die Gerade
zwischendurch schneidet, stört nicht: Bei x=0,5 ist
f(x)=2. Entscheidend ist nur, wo der Graph am Ende bleibt, nicht, wo er unterwegs war.
Ziehe P nach rechts und nach links. Bei welchem x liegt P genau auf der roten Geraden?
Der Streifen um den Grenzwert
Was heiĂt ânĂ€hert sichâ genau? Man legt einen
Streifen um die Gerade
y=L, seine Halbbreite Δ darf beliebig klein sein. L ist
der Grenzwert, wenn der Graph fĂŒr jeden solchen Streifen ab einem x-Wert nicht mehr
herauslĂ€uft. Beispiel f(x)=2+x1â: Der Abstand
zu 2 ist x1â, und der ist kleiner als Δ, sobald
x>Δ1â gilt. FĂŒr Δ = 0,5 ist das ab
x = 2 so, fĂŒr Δ = 0,1 ab x = 10. Der Term zeigt den Grenzwert auch direkt:
x1â strebt gegen 0, also strebt
2+x1â gegen 2. Ob der Graph die Gerade je trifft
(hier nie), ist gleichgĂŒltig.
Mache den Streifen schmaler. Wie verÀndert sich die Stelle N, ab der der Graph im Streifen bleibt?
Strebt f fĂŒr xââ gegen eine Zahl L, heiĂt f dort
konvergent, sonst
divergent. Konvergent sind zum Beispiel
3+x1â (gegen 3) und
(21â)x (gegen 0). Divergent kann eine
Funktion auf zwei Arten sein. x2 ist bestimmt divergent:
Die Werte wachsen ĂŒber jede Schranke, man schreibt
limxâââx2=â. Das ist nur eine
Kurzschreibweise: â ist keine Zahl und kein Grenzwert im Sinn des Streifens. Auch
âx2 ist bestimmt divergent, gegen ââ. StĂ€ndiges Steigen heiĂt dabei nicht Divergenz: Auch 4â3â (21â)x steigt stĂ€ndig und konvergiert gegen 4. Auch der Tee vom Anfang konvergiert: Bei
T(x)=20+60â (21â)x (in °C, x in Schritten von zehn Minuten)
strebt T gegen 20 °C. Die Zimmertemperatur wird im Modell nie erreicht, und trotzdem ist 20 der Grenzwert.
Ăndere n. Wie verhalten sich die beiden Punkte bei geradem, wie bei ungeradem n?
Kein Grenzwert, zwei Enden
Die zweite Art: sinx wÀchst nicht, sondern pendelt
zwischen â1 und 1. FĂŒr jede Zahl L verlĂ€sst der Graph jeden Streifen der Halbbreite
unter 1 um y=L immer wieder: Es gibt keinen Grenzwert.
BeschrĂ€nkt zu sein genĂŒgt fĂŒr Konvergenz also nicht. Beide Enden untersucht man
einzeln: 2x strebt fĂŒr
xâââ gegen 0 und wĂ€chst fĂŒr
xââ ĂŒber alle Grenzen; x3
geht links nach ââ, rechts nach
â. Ein Grenzwert am linken Ende sagt nichts ĂŒber das rechte:
1+2x konvergiert fĂŒr xâââ gegen 1, ist aber fĂŒr
xââ divergent.
Verschiebe den Streifen mit L. Gibt es eine Lage, in der der Graph dauerhaft im Streifen bleibt?
Eine Funktion darf abschnittsweise definiert sein: Verschiedene Terme gelten auf
verschiedenen Bereichen, zum Beispiel
f(x)={x2câxâfušr xâ€1fušr x>1â
Welche Formel an einer Stelle gilt, sagt die Bedingung: Bei x = 1 gilt wegen
†die obere, also f(1)=1. Der
Graph besteht aus zwei StĂŒcken, die an der
Nahtstelle x = 1 aufeinandertreffen. Ob
sie zusammenpassen, prĂŒft man, indem man x = 1 in beide Terme einsetzt: links
12=1, rechts câ1. Sind die
Werte gleich, schlieĂt der Graph an; das gilt fĂŒr c=2. So sind auch Tarife wie Porto oder ParkgebĂŒhren definiert, oft mit SprĂŒngen.
Ăndere c. Bei welchem c fĂ€llt der offene Kreis mit dem gefĂŒllten Punkt zusammen?
Sprung und Knick
Anschaulich ist ein Graph an einer Stelle stetig,
wenn man ihn dort ohne Absetzen des Stiftes zeichnen kann. Ein Sprung
Àndert die Höhe; dort ist der Graph nicht stetig. Ein Knick Àndert
nur die Richtung: âŁxâŁ, also âx fĂŒr
xâ€0 und x fĂŒr
x>0, hat bei 0 einen Knick, aber keinen Sprung. Stetig
heiĂt also nicht glatt. Auch eine Funktion aus zwei Formeln kann stetig sein, wenn
die StĂŒcke an der Nahtstelle zusammenpassen.
Ăndere m und k. Welcher Regler erzeugt einen Knick, welcher einen Sprung?