Eigenschaften von Funktionen

22 Minuten · 7 Abschnitte

Erreicht der Tee je die Zimmertemperatur?

Ein Becher Tee kĂŒhlt ab: erst schnell, dann immer langsamer. Wird er irgendwann genau so warm wie das Zimmer, oder nĂ€hert er sich dem Wert nur an, ohne ihn je zu erreichen? Solche Fragen stellt man an ganze Funktionen. Zu welchem Typ gehören sie? Ist ihr Graph symmetrisch? Wie entsteht er durch Verschieben, Strecken und Spiegeln aus einem bekannten Graphen? Wohin lĂ€uft er fĂŒr große x, und gibt es irgendwo einen Sprung?

Funktionstypen im Überblick

Typ und Term

Jeder Funktionstyp hat ein eigenes Gesicht. Eine Gerade gehört zu , eine Parabel zu , eine Hyperbel zu . Bei einer Potenzfunktion steht die Variable in der Basis, bei einer Exponentialfunktion im Exponenten. Das ist der Unterschied zwischen und : An der Stelle 4 liefert die erste 64, die zweite 81. Dazu kommen die Sinusfunktion und die Logarithmusfunktion . Wer den Typ erkennt, weiß schon viel ĂŒber den Graphen.

WĂ€hle mit dem Regler einen Typ. Welche Typen schneiden die x-Achse gar nicht?

Potenzfunktionen: gerade und ungerade

Bei entscheidet die ParitĂ€t von n ĂŒber die Gestalt. Ist n gerade (2, 4, 6), verlĂ€uft der Graph U-förmig und nie unter der x-Achse, denn . Ist n ungerade (1, 3, 5), kommt der Graph von links unten und geht nach rechts oben, denn . Alle Graphen laufen durch und . Zwischen 0 und 1 gilt: Je grĂ¶ĂŸer n, desto flacher der Graph, zum Beispiel , aber . Erst rechts von 1 ist die höhere Potenz die steilere.

Ändere n. Bei welchen n liegt der linke Punkt unter der x-Achse?

Wo die Werte liegen

Manche Typen schließen Werte aus. Die Exponentialfunktion ist fĂŒr jedes x positiv: Sie hat keine Nullstelle, und ihr Graph nĂ€hert sich links der x-Achse, ohne sie zu erreichen. Die Sinusfunktion schwankt zwischen und : Bei liegen alle Werte zwischen und . Die Hyperbel hat bei eine DefinitionslĂŒcke, und ist nur fĂŒr definiert und hat die Nullstelle 1. Solche Eigenschaften gehören in eine Skizze: Nullstellen, Wertebereich, Definitionsmenge, Verlauf an den RĂ€ndern.

Verschiebe d und Àndere a. Wo liegen der höchste und der tiefste Punkt der Welle?

Symmetrie am Term

Symmetrie zur y-Achse

Ein Graph ist achsensymmetrisch zur y-Achse, wenn sein Spiegelbild an der y-Achse wieder derselbe Graph ist. Am Term prĂŒft man das, indem man x durch −x ersetzt und vereinfacht. Kommt wieder f(x) heraus, gilt fĂŒr alle x der Definitionsmenge. Beispiel: ergibt . Ein einzelnes Wertepaar reicht als Beweis nicht aus; die Gleichung muss fĂŒr jedes x stimmen. Bei Summen von Potenzen hilft der Blick auf die Exponenten: Nur gerade Exponenten (die Konstante zĂ€hlt als ) bedeuten Achsensymmetrie. Geometrisch heißt das: Zu jedem Punkt des Graphen gehört auch .

Setze k = 0 und verschiebe x₀. Wann liegen P und Q auf gleicher Höhe?

Punktsymmetrie und Gegenbeispiele

Punktsymmetrisch zum Ursprung ist ein Graph, wenn er bei einer Drehung um 180° um den Ursprung in sich ĂŒbergeht. Am Term heißt das : Alle Vorzeichen kippen, zu jedem Punkt gehört auch . Beispiel: ergibt . Bei dagegen ist , und das ist weder noch . Zum Widerlegen genĂŒgt ein Gegenbeispiel: , aber . Auch ein Term wie , der gerade und ungerade Exponenten mischt, hat keine der beiden Symmetrien.

Setze k = 0 und verschiebe x₀. Wo lĂ€uft die Verbindung von P und Q durch den Ursprung?

Verschieben und Strecken

Änderungen von außen: y-Richtung

Wir starten mit (gestrichelt). Der Punkt liegt auf dem Graphen. Was außerhalb von f steht, wirkt direkt auf die y-Werte: hebt jeden Punkt um d nach oben, multipliziert jeden y-Wert mit a. Bei a = 2 und d = 1 wird aus P der Punkt . Die x-Werte Ă€ndern sich nicht, und bei der Streckung bleiben die Nullstellen an ihrem Platz: Nur die Höhe wĂ€chst oder schrumpft.

Ändere a und d. Welche Koordinate des Bildpunkts Pâ€Č bleibt immer gleich?

Änderungen im Argument: x-Richtung

Steht die Änderung im Argument, wirkt sie auf die x-Werte, und zwar scheinbar verkehrt herum. verschiebt den Graphen um c nach rechts, denn jeder Funktionswert wird erst c spĂ€ter erreicht; verschiebt also nach links. staucht den Graphen in x-Richtung auf den b-ten Teil der Breite: Bei b = 2 ist er halb so breit, und aus P wird . Bei beiden Änderungen bleiben die y-Werte. Als Faustregel gilt: Außen wirkt es wie geschrieben, innen umgekehrt. So kann man einem Term den Graphen zuordnen: Man verfolgt einen Kennpunkt wie P und prĂŒft, wohin er wandert.

Ändere c und b. Wohin wandert Pâ€Č, wenn c wĂ€chst, und wohin, wenn b wĂ€chst?

Spiegeln und Reihenfolge

Spiegeln an den Achsen

Ein Minuszeichen spiegelt. Steht es außerhalb, , kippen die y-Werte: Der Graph wird an der x-Achse gespiegelt, aus wird . Steht es im Argument, , kippen die x-Werte: Spiegelung an der y-Achse, P wird zu . Beides zusammen, , spiegelt am Ursprung. FĂ€llt der gespiegelte Graph auf den ursprĂŒnglichen, ist f symmetrisch: heißt genau, dass die Spiegelung an der y-Achse nichts Ă€ndert. Die Nullstellen bleiben bei an ihrem Platz, bei wandern sie auf die andere Seite der y-Achse: Aus einer Nullstelle bei 2 wird eine bei −2.

Vergleiche P mit P₁ und P₂. Welche Koordinate wechselt bei −f(x) das Vorzeichen, welche bei f(−x)?

Reihenfolge in y-Richtung

Mehrere Änderungen ergeben nur in der richtigen Reihenfolge das, was der Term sagt. In rechnet man wie im Term: erst a, dann d. Der Graph wird also erst gestreckt und dann verschoben. Mit einer Klammer, , wird die Verschiebung mitgestreckt: , also um 6 statt um 3. FĂŒr P ergibt den y-Wert 9, aber den y-Wert 12.

Ändere d. Um wie viel liegt Punkt B ĂŒber Punkt A, wenn d = 4 ist?

Reihenfolge in x-Richtung

Im Argument liest man die Verschiebung erst nach dem Ausklammern ab. Bei steht nicht „um 3 nach rechts“: Es gilt . Der Graph wird auf die halbe Breite gestaucht und um 1,5 nach rechts verschoben. Zum Vergleich verschiebt um 3. Bei P wird aus der Bildpunkt , aus der Bildpunkt . Wer einen Term einem Graphen zuordnen will, prĂŒft deshalb erst Spiegelung und Streckung und dann die Verschiebung an einem Kennpunkt.

Ändere c. Welcher Graph wandert schneller nach rechts, und wie viel schneller?

Verhalten im Unendlichen

Wohin strebt der Graph?

FĂŒr große x nĂ€hert sich der Graph mancher Funktionen einer waagrechten Geraden. Bei ist das die Gerade y = 2. Man schreibt und liest: Der Grenzwert von f fĂŒr x gegen unendlich ist 2. Das linke Ende, , betrachtet man getrennt; hier fĂŒhrt es ebenfalls zu 2. Dass der Graph die Gerade zwischendurch schneidet, stört nicht: Bei ist . Entscheidend ist nur, wo der Graph am Ende bleibt, nicht, wo er unterwegs war.

Ziehe P nach rechts und nach links. Bei welchem x liegt P genau auf der roten Geraden?

Der Streifen um den Grenzwert

Was heißt „nĂ€hert sich“ genau? Man legt einen Streifen um die Gerade , seine Halbbreite Δ darf beliebig klein sein. L ist der Grenzwert, wenn der Graph fĂŒr jeden solchen Streifen ab einem x-Wert nicht mehr herauslĂ€uft. Beispiel : Der Abstand zu 2 ist , und der ist kleiner als Δ, sobald gilt. FĂŒr Δ = 0,5 ist das ab x = 2 so, fĂŒr Δ = 0,1 ab x = 10. Der Term zeigt den Grenzwert auch direkt: strebt gegen 0, also strebt gegen 2. Ob der Graph die Gerade je trifft (hier nie), ist gleichgĂŒltig.

Mache den Streifen schmaler. Wie verÀndert sich die Stelle N, ab der der Graph im Streifen bleibt?

Konvergenz und Divergenz

Konvergent oder divergent?

Strebt f fĂŒr gegen eine Zahl L, heißt f dort konvergent, sonst divergent. Konvergent sind zum Beispiel (gegen 3) und (gegen 0). Divergent kann eine Funktion auf zwei Arten sein. ist bestimmt divergent: Die Werte wachsen ĂŒber jede Schranke, man schreibt . Das ist nur eine Kurzschreibweise: ∞ ist keine Zahl und kein Grenzwert im Sinn des Streifens. Auch ist bestimmt divergent, gegen . StĂ€ndiges Steigen heißt dabei nicht Divergenz: Auch steigt stĂ€ndig und konvergiert gegen 4. Auch der Tee vom Anfang konvergiert: Bei (in °C, x in Schritten von zehn Minuten) strebt T gegen 20 °C. Die Zimmertemperatur wird im Modell nie erreicht, und trotzdem ist 20 der Grenzwert.

Ändere n. Wie verhalten sich die beiden Punkte bei geradem, wie bei ungeradem n?

Kein Grenzwert, zwei Enden

Die zweite Art: wĂ€chst nicht, sondern pendelt zwischen −1 und 1. FĂŒr jede Zahl L verlĂ€sst der Graph jeden Streifen der Halbbreite unter 1 um immer wieder: Es gibt keinen Grenzwert. BeschrĂ€nkt zu sein genĂŒgt fĂŒr Konvergenz also nicht. Beide Enden untersucht man einzeln: strebt fĂŒr gegen 0 und wĂ€chst fĂŒr ĂŒber alle Grenzen; geht links nach , rechts nach . Ein Grenzwert am linken Ende sagt nichts ĂŒber das rechte: konvergiert fĂŒr gegen 1, ist aber fĂŒr divergent.

Verschiebe den Streifen mit L. Gibt es eine Lage, in der der Graph dauerhaft im Streifen bleibt?

Stetigkeit abschnittsweiser Funktionen

Zwei Formeln, ein Graph

Eine Funktion darf abschnittsweise definiert sein: Verschiedene Terme gelten auf verschiedenen Bereichen, zum Beispiel

Welche Formel an einer Stelle gilt, sagt die Bedingung: Bei x = 1 gilt wegen die obere, also . Der Graph besteht aus zwei StĂŒcken, die an der Nahtstelle x = 1 aufeinandertreffen. Ob sie zusammenpassen, prĂŒft man, indem man x = 1 in beide Terme einsetzt: links , rechts . Sind die Werte gleich, schließt der Graph an; das gilt fĂŒr . So sind auch Tarife wie Porto oder ParkgebĂŒhren definiert, oft mit SprĂŒngen.

Ändere c. Bei welchem c fĂ€llt der offene Kreis mit dem gefĂŒllten Punkt zusammen?

Sprung und Knick

Anschaulich ist ein Graph an einer Stelle stetig, wenn man ihn dort ohne Absetzen des Stiftes zeichnen kann. Ein Sprung Ă€ndert die Höhe; dort ist der Graph nicht stetig. Ein Knick Ă€ndert nur die Richtung: , also fĂŒr und fĂŒr , hat bei 0 einen Knick, aber keinen Sprung. Stetig heißt also nicht glatt. Auch eine Funktion aus zwei Formeln kann stetig sein, wenn die StĂŒcke an der Nahtstelle zusammenpassen.

Ändere m und k. Welcher Regler erzeugt einen Knick, welcher einen Sprung?
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Konzepte

FunktionenGrenzwerteSymmetrieAbbildungenStetigkeit