Funktion und Term

22 Minuten · 7 Abschnitte

Wie hängt der Preis von der Mietdauer ab?

Ein Fahrradverleih hängt eine Tabelle aus, wirbt mit einem Diagramm und schreibt in die Bedingungen einen Satz: vier Euro Grundgebühr, zwei Euro je Stunde. Dreimal dieselbe Abhängigkeit – aber was macht sie zu einer Funktion?

Wir lesen Mietdauer und Preis in Tabelle, Graph und Term, klären, wann eine Zuordnung eindeutig ist, und fragen: Wo schneidet der Graph die Achsen, und wie ändert sich der Preis, wenn die Zeit wächst?

Zuordnungen darstellen

Die Wertetabelle

Ein Fahrradverleih verlangt für x Stunden Mietdauer den Preis y in Euro. Die Wertetabelle hält einzelne Paare fest: Zu 1 Stunde gehören 6 €, zu 2 Stunden 8 €, zu 3 Stunden 10 €. Jede Spalte ist ein Paar und im Koordinatensystem ein Punkt: erst x nach rechts, dann y nach oben. Die erste Spalte ergibt , nicht . So wird aus der Tabelle Spalte für Spalte eine Reihe von Punkten – noch keine Kurve, denn zwischen den Spalten steht bisher nichts.

Wähle mit dem Regler eine Spalte der Tabelle. Welcher Punkt gehört zu ihr, und welche Zahl steht bei x, welche bei y?

Der Graph

Alle Punkte zusammen bilden den Graphen. Man liest ihn so ab: von x auf der Achse senkrecht bis zur Kurve, dann waagerecht zum y-Wert. Bei 4 Stunden ergibt das 12 €. Auch umgekehrt geht es: Zu 16 € gehören 6 Stunden.

Ein Graph ist kein Foto der Situation. Fällt eine Kurve, die die Temperatur im Lauf eines Tages zeigt, so geht es nicht bergab, sondern es wird kälter: Die Höhe der Kurve ist die Temperatur, nicht die Höhe eines Weges. Erst die Achsen sagen, was die Kurve bedeutet. Deshalb gehört zu jedem Graphen immer die Frage: Was steht an der x-Achse, was an der y-Achse?

Verschiebe P entlang des Graphen. Welchen Preis liest du zu 4 Stunden ab, und wie lange kannst du für 12 € mieten?

Der Term

Am kürzesten sagt es ein Term: Preis = 2 · Stunden + 4, kurz . Man setzt für x eine Mietdauer ein und rechnet den Preis aus: Für ist . Tabelle, Graph und Term beschreiben dieselbe Zuordnung – die Tabelle einzelne Werte, der Graph den ganzen Verlauf, der Term jeden Wert. Welche Darstellung man wählt, hängt von der Frage ab: Preise nachschlagen (Tabelle), Verläufe vergleichen (Graph), viele Werte ausrechnen (Term).

Rechenbaum zum Term 2 · 3 + 4 mit dem Ergebnis 10 + = 10 · = 6 2 3 4
Der Term für x = 3 als Rechenbaum: erst multiplizieren, dann addieren.

Eindeutige Zuordnungen

Nicht jede Zuordnung ist eine Funktion. Eine Funktion ordnet jedem x genau ein y zu. Person → Geburtstag ist eine Funktion: Jeder hat genau einen. Person → Geschwister ist keine: Manche haben keines, manche mehrere.

Im Pfeildiagramm geht von jedem x genau ein Pfeil aus. In einer Wertetabelle verrät sich der Fehler durch ein x, das mit zwei verschiedenen y-Werten vorkommt. Dass zwei Pfeile am selben y enden, ist dagegen erlaubt: Bei gehören 2 und −2 beide zu 4. Verboten ist nur ein x mit zwei Pfeilen.

Eine Funktion braucht dafür keine Formel: Auch eine Wertetabelle oder eine Kurve legt sie fest, solange jedem x genau ein y gehört. Und die Zuordnung, die x alle Zahlen y mit zuordnet, ist keine Funktion: Zu x = 4 gehören 2 und −2.

Pfeildiagramm einer Funktion: −2 und 2 zeigen beide auf 4, −1 und 1 beide auf 1Funktion: x → x²xy−22−1141 Pfeildiagramm einer Zuordnung, die keine Funktion ist: von 4 gehen Pfeile zu 2 und −2, von 1 zu 1 und −1Keine Funktion: y² = xxy412−21−1
Links enden zwei Pfeile bei 4 – erlaubt. Rechts gehen von 4 zwei Pfeile aus – das ist keine Funktion.

Am Graphen hilft die senkrechte Gerade: Schiebt man sie über den Graphen, darf sie ihn nie zweimal treffen. Eine Parabel besteht diesen Test, ein Kreis fällt durch – bei x = 3,5 trifft die Gerade ihn in zwei Punkten.

Schiebe beide senkrechten Geraden. Wie viele Punkte hat jede mit ihrer Kurve gemeinsam, und was zeigen die y-Werte?

Funktionsterm und Funktionswert

Eine Funktion mit Term schreibt man . Der Name der Funktion ist f; die rechte Seite ist der Funktionsterm, und ist die Funktionsgleichung. Der Graph besteht aus allen Punkten .

Für eine Stelle a setzt man a in den Term ein und erhält den Funktionswert f(a): . Das ist kein Produkt „f mal 3“, sondern „f an der Stelle 3“. Schreibt man mehrere Stellen untereinander – f(0) = 4, f(1) = 6, f(2) = 8 –, erhält man genau die Spalten der Wertetabelle.

Steht an der Stelle eine negative Zahl, gehört sie in eine Klammer. Für ist . Ohne Klammer würde man −2² = −4 rechnen – und läge falsch.

Rechenbaum zu (−2)² − 3: erst −2 quadrieren (4), dann 3 abziehen, Ergebnis 1 − = 1 ^ = 4 −2 2 3
Der Rechenbaum zu g(−2): Erst wird −2 im Ganzen quadriert, dann 3 abgezogen.

Man kann auch rückwärts fragen: Zu welcher Stelle gehört der Funktionswert 10? Dann ist zu lösen, und man erhält . Gegeben ist der Funktionswert, gesucht die Stelle.

Wähle mit dem Regler eine Stelle x, auch eine negative. Wie lautet der Funktionswert, und welche Rechnung steckt dahinter?

Definitions- und Wertemenge

Nicht jeder Wert darf für x eingesetzt werden. Die Definitionsmenge D enthält alle erlaubten x-Werte; meist bestimmt sie der Sachzusammenhang. Eine Mietdauer ist nie negativ, also . Brötchen zählt man ganz, also . Steht nichts dabei, nimmt man die größte Menge, für die der Term einen Wert liefert – bei ist das . Auch Höchstgrenzen zählen zum Sachzusammenhang: In einen Bus mit 50 Sitzplätzen steigen 0 bis 50 Fahrgäste, also .

Die Wertemenge W enthält alle y-Werte, die wirklich vorkommen. Für mit ist , denn ein Quadrat ist nie negativ. W ist also nicht einfach „alle Zahlen“.

Verschiebe das Ende b von D. Wie verändert sich die Wertemenge W auf der y-Achse?

Am Graphen liest man beide ab: D steht auf der x-Achse, W auf der y-Achse – jeweils der „Schatten“ des Graphen. Die Definitionsmenge bestimmt sogar die Gestalt des Graphen: Für sind es einzelne Punkte, für eine durchgezogene Linie. Dieselbe Rechenvorschrift mit anderem D ist eine andere Funktion.

Zwei Graphen von y = 2x: links einzelne Punkte für D = ℕ₀ (0 bis 5), rechts eine durchgezogene Linie für D = ℝ₀⁺D = ℕ₀: Punktexy0123450246810D = ℝ₀⁺: Liniexy0123450246810
Zweimal y = 2x: links nur die ganzen Zahlen 0 bis 5, rechts alle Zahlen dazwischen.

Änderung des Funktionswerts

Gleichmäßige Änderung

Ein Tank fasst 6 m³ und verliert 1,5 m³ je Stunde: . Wächst x um 1, ändert sich der Funktionswert jedes Mal um −1,5; diese Änderung heißt Zuwachs Δ. Gleicher Schritt in x, gleicher Zuwachs von V: Das ist typisch für Geraden. Man erkennt es an der Stufe zwischen zwei Punkten P und Q der Kurve, die überall gleich aussieht.

Verschiebe P. Ändert sich der Zuwachs Δ, wenn du an eine andere Stelle gehst?

Steigen und fallen

Bei ist es anders: Von 1 nach 2 wächst f um 3, von 2 nach 3 um 5, von 3 nach 4 um 7. Und links vom Ursprung sinkt f: von −3 nach −2 geht der Wert von 9 auf 4 zurück. Ob ein Graph steigt oder fällt, hängt vom Abschnitt ab. Wächst x, so muss f(x) nicht mitwachsen.

Gehe mit dem Regler von links nach rechts. Wo wechselt das Vorzeichen von Δ?

Wenn x sich verdoppelt

Verdoppelt man x, wird f(x) nicht automatisch doppelt so groß. Bei stimmt es: p(2) = 6, p(4) = 12. Bei wird der Wert sogar vervierfacht: q(2) = 4, q(4) = 16. Und bei wächst er nur von 5 auf 7. Von diesen Beispielen geht nur bei der Form der Wert genau mit x mit – ein erster Hinweis auf die direkte Proportionalität. Dass ein Wert „schneller wächst“, sagt also noch nicht, dass er sich mit x verdoppelt.

Ändere x und vergleiche die beiden Verhältnisse: Welche Kurve verdoppelt, welche vervierfacht den Wert?

Schnittpunkte mit den Achsen

Der Graph einer Funktion schneidet die Achsen an besonderen Stellen. Auf der y-Achse ist ; der Schnittpunkt ist also . Für ist , also .

Auf der x-Achse ist . Die Stellen mit heißen Nullstellen. Man löst und erhält . Die Nullstelle ist die Zahl 3, der Schnittpunkt der Punkt . Auf jeder Achse steht eine 0 an der passenden Stelle: liegt auf der x-Achse, auf der y-Achse.

In Sachaufgaben haben die Schnittpunkte eine Bedeutung. Eine Kerze brennt so ab: (x in Stunden, h in cm). Dann ist die Höhe am Anfang – der Schnittpunkt mit der y-Achse – und die Nullstelle der Zeitpunkt, zu dem die Kerze abgebrannt ist.

Verschiebe die Gerade mit t. Welcher Chip gehört zum Schnittpunkt S, welcher zu N, und wandern sie in dieselbe Richtung?

Am Graphen zählt man die Schnittpunkte mit der x-Achse: Eine Funktion kann keine, eine oder mehrere Nullstellen haben. Die Parabel zu hat zwei (−2 und 2), die zu keine – sie liegt ganz oberhalb der Achse.

Verschiebe die Parabel mit s. Bei welchem s gibt es zwei, eine oder keine Nullstelle?

Punkt und Graph

Liegt der Punkt auf dem Graphen von ? Das entscheidet die Punktprobe: Man setzt die x-Koordinate ein und vergleicht das Ergebnis mit der y-Koordinate. Es ist , aber P hat die Höhe 7 – also liegt P nicht auf dem Graphen.

Der Vergleich sagt noch mehr: Ist die y-Koordinate kleiner als f(a), liegt der Punkt unterhalb des Graphen (7 < 8); ist sie größer, liegt er oberhalb. Stimmen beide überein, liegt er auf dem Graphen.

Setze P mit p und q. Bei welchen Werten liegt P auf dem Graphen, und wann färbt er sich anders?

Dieselbe Rechnung ergänzt fehlende Koordinaten. Soll auf dem Graphen liegen, muss sein. Ist dagegen die y-Koordinate gegeben, etwa , löst man und erhält . Nur x und y dürfen nicht vertauscht werden: Der Punkt (3 | 10) liegt auf dem Graphen, aber (10 | 3) nicht – denn f(10) = 24, und der Punkt (10 | 3) liegt weit darunter.

Drei Punkte zu f(x) = 2x + 4: Welcher liegt über dem Graphen, welcher auf ihm, welcher darunter? Prüfe mit der Punktprobe.
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Konzepte

FunktionenGraphenKoordinatenFunktionsbegriffDefinitions- und WertemengeNullstellen