Geraden und Ebenen im Raum
Wie beschreibt man Flugbahnen und Flächen im Raum?
Zwei Drohnen überqueren einen Innenhof, über dem ein dreieckiges Sonnensegel gespannt ist. Kommen sich die Bahnen in
die Quere, oder fliegen sie aneinander vorbei? Im Schrägbild sieht man das nicht. Mit Gleichungen schon: Eine
Die Geradengleichung
Stützvektor und Richtung
Eine Drohne startet im
Das ist die Parameterform der Geraden g. Der Ortsvektor von A heißt Stützvektor, u Richtungsvektor, λ ∈ ℝ Parameter. Jedes λ liefert genau einen Punkt: λ = 0 den Start A, λ = 2 den Punkt (3 | 4 | 3), λ = −1 einen Punkt hinter dem Start. Die Gerade reicht in beide Richtungen unendlich weit.
Gerade durch zwei Punkte
Oft kennt man zwei Punkte, etwa A(1 | 0 | 1) und B(3 | 4 | 3). Der Verbindungsvektor
Die Gleichung einer Geraden ist nicht eindeutig. Als Stützvektor passt jeder Punkt der Geraden, als Richtungsvektor jedes Vielfache ungleich null, auch (1; 2; 1) oder (−1; −2; −1). Alle diese Gleichungen beschreiben dieselbe Gerade.
Die Punktprobe
Liegt P(4 | 6 | 4) auf g? Man setzt (4; 6; 4) = (1; 0; 1) + λ·(1; 2; 1) an und erhält drei Gleichungen: 4 = 1 + λ, 6 = 2λ, 4 = 1 + λ. Jede liefert λ = 3, also liegt P auf g. Bei Q(3 | 4 | 2) verlangt die erste Zeile λ = 2, die dritte λ = 1: kein gemeinsames λ, Q liegt nicht auf g.
Das Schrägbild kann täuschen: Ein Punkt scheint auf der Geraden zu liegen und schwebt doch davor oder dahinter. Es entscheidet die Rechnung.
Lineare Abhängigkeit
Vielfache und Parallelität
Zwei Vektoren
Bei Vektoren ungleich dem Nullvektor muss in einer Zeile mit einer 0 auch die andere Zahl 0 sein: (1; 0; 2) und (3; 1; 6) sind unabhängig, obwohl 3 : 1 und 6 : 2 übereinstimmen. Ist kein Vielfaches möglich, heißen die Vektoren linear unabhängig.
Ebene und Linearkombination
Drei Vektoren sind linear abhängig, wenn sich einer als Linearkombination der anderen schreiben lässt:
Stimmt die dritte Zeile nicht, ragt w aus der Ebene von u und v heraus. Dann sind die drei Vektoren unabhängig und spannen den ganzen Raum auf. Kein Vielfaches zu sein reicht also nicht: w = u + v ist keines von beiden und doch abhängig.
Parallele Geraden
Die zweite Drohne fliegt auf
Ob die Geraden verschieden oder identisch sind, klärt die Punktprobe: Liegt der Stützpunkt B von h auf g? Für B(0 | −2 | 0) passt λ = −1 in allen Zeilen, also g = h. Für B(0 | −2 | 1) stimmt die dritte Zeile nicht: g und h sind echt parallel und haben keinen Punkt gemeinsam.
Eine Parallele zu g durch einen Punkt P baut man selbst: Stützvektor ist P, Richtungsvektor der von g.
Schneidend oder windschief
Gleichsetzen
Sind
Windschief
Ändert man den Stützvektor von h zu (3; 0; 2), lautet die dritte Zeile 1 + λ = 2, also λ = 1, während die erste λ = 2 verlangt. Der Widerspruch zeigt: kein Schnittpunkt. Sind die Richtungsvektoren dazu keine Vielfachen, heißen g und h windschief. Windschiefe Geraden liegen in keiner gemeinsamen Ebene, das gibt es nur im Raum. Das Standardbeispiel sind zwei Kanten eines Quaders, die sich nicht treffen und nicht parallel sind.
So klärt man die Lage: Richtungsvektoren vergleichen. Vielfache: Punktprobe, dann identisch oder echt parallel. Keine Vielfachen: Gleichsetzen, dann schneidend oder windschief.
Die Ebene in Parameterform
Stützvektor und zwei Spannvektoren
Eine Ebene braucht einen Punkt und zwei Richtungen. Ist
die Parameterform der Ebene, u und v heißen Spannvektoren. Für A(2 | 0 | 0), u = (−1; 1; 0) und v = (−1; 0; 2) gehört zu (λ | μ) = (1 | 1) der Punkt (0 | 1 | 2). Jedes Paar (λ | μ) liefert genau einen Punkt der Ebene, und jeder Punkt der Ebene gehört zu genau einem Paar. Wären u und v linear abhängig, entstünde nur eine Gerade.
Ebene durch drei Punkte
Das Sonnensegel hängt an S₁(2 | 0 | 0), S₂(0 | 2 | 0) und S₃(0 | 0 | 4). Man wählt einen Punkt als Stützpunkt und bildet die
Verbindungsvektoren zu den beiden anderen:
Die Punktprobe
Liegt P(0 | 1 | 2) im Segel? Man setzt (0; 1; 2) = (2; 0; 0) + λ·(−1; 1; 0) + μ·(−1; 0; 2) an: 0 = 2 − λ − μ, 1 = λ, 2 = 2μ. Die zweite und dritte Zeile geben λ = 1 und μ = 1, die erste stimmt: P liegt in E. Für R(1 | 1 | 2) folgt ebenfalls λ = 1 und μ = 1, aber 1 ≠ 0: R liegt nicht in E. Auch hier täuscht das Schrägbild: Ein Punkt kann im Segel zu liegen scheinen und davor oder dahinter schweben.
Normalen- und Koordinatenform
Der Normalenvektor
Kürzer als mit zwei Spannvektoren beschreibt man eine Ebene mit einem Vektor
Die Normalenform
Ein Punkt X liegt genau dann in der Ebene durch
Die Koordinatenform
Multipliziert man die Normalenform aus, entsteht n·X = n·A. Mit d = n·A ergibt das die Koordinatenform
Die Punktprobe geht damit in einer Zeile: Für P(0 | 1 | 2) gilt 0 + 2 + 2 = 4, P liegt in E. Für R(1 | 1 | 2) ist die linke Seite 6, R liegt nicht in E.
Spurpunkte und besondere Lage
Besondere Lage aus der Gleichung
Fehlt in der Koordinatenform eine Koordinate, ist der Normalenvektor
Spurpunkte
Die Punkte, in denen eine Ebene die Koordinatenachsen schneidet, heißen Spurpunkte. Auf der x₁-Achse sind
x₂ = x₃ = 0: Aus 2x₁ + 2x₂ + x₃ = 4 folgt 2x₁ = 4, also
Umgekehrt findet man die Gleichung aus den Spurpunkten: Für S₁(a | 0 | 0), S₂(0 | b | 0), S₃(0 | 0 | c) gilt x₁/a + x₂/b + x₃/c = 1; mit dem Hauptnenner multipliziert entsteht die Koordinatenform. Das Dreieck der Spurpunkte gibt ein gutes Bild der Ebene. Bei einer Ebene parallel zu einer Achse fehlt der zugehörige Spurpunkt.