Zufall und Laplace-Wahrscheinlichkeit
Muss die Sechs jetzt endlich kommen?
Lena wartet beim Spielen seit sieben Runden auf eine Sechs. âJetzt muss sie doch kommen!â, sagt sie. Muss sie? Und wie oft kommt eine Sechs auf lange Sicht ĂŒberhaupt? Beim WĂŒrfeln, MĂŒnzwerfen und Rad-Drehen scheint der Zufall alles offen zu lassen â und folgt doch Regeln.
Wir beschreiben Zufall mit Fachwörtern, prĂŒfen, wann alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind, und berechnen dann Schritt fĂŒr Schritt Wahrscheinlichkeiten â mit Bruch, ZĂ€hlprinzip und Baumdiagramm.
Zufallsexperiment und Ereignis
Ergebnis und Ergebnismenge
Nimm einen WĂŒrfel und wirf ihn. Sag vor jedem Wurf voraus, welche Zahl kommt, und prĂŒfe, wie oft du richtig liegst.
Einen einzelnen Wurf kann niemand vorhersagen, und doch lĂ€uft jeder Wurf unter denselben Bedingungen ab. Genau das macht den WĂŒrfel zu einem Zufallsexperiment.
Ein Zufallsexperiment lĂ€sst sich unter gleichen Bedingungen wiederholen, und sein Ausgang steht vorher nicht fest: WĂŒrfeln, eine Kugel ziehen, ein GlĂŒcksrad drehen. Ein deterministischer Vorgang hat einen festen Ausgang, etwa 12 cm Stoff um 5 cm kĂŒrzen. Nicht zu wissen, was herauskommt, macht einen Vorgang noch nicht zufĂ€llig: Die Hauptstadt von Australien zu raten ist kein Zufallsexperiment, die Antwort steht ja fest.
Jeder mögliche Ausgang heiĂt
Das Ereignis
Oft zÀhlt nicht ein einzelnes Ergebnis, sondern eine Gruppe von Ergebnissen. Ein
Zwei WĂŒrfel haben 36 Ergebnisse, nĂ€mlich die Paare (1. WĂŒrfel | 2. WĂŒrfel). Das Ereignis âAugensumme sâ besteht aus allen Paaren mit dieser Summe. Stelle s ein: Die gefĂ€rbten Punkte sind die Ergebnisse des Ereignisses.
Das Gegenereignis
Manchmal ist es einfacher zu fragen, was nicht passieren soll. Das Gegenereignis
Mit
Vorsicht bei Wörtern. Das Gegenereignis ist nicht das âGegenteil-Wortâ, sondern das, was bei E nicht eintritt â ohne die Grenze zu verlieren. Zu âmehr als 3â gehört âhöchstens 3â, nicht âweniger als 3â, sonst fiele die 3 heraus. Zu âmindestens einmal Kopfâ gehört âkeinmal Kopfâ, nicht âmindestens einmal Zahlâ. Und oft ist Ä kĂŒrzer zu zĂ€hlen: Zu âAugensumme mindestens 4â gehören 33 Paare, zum Gegenereignis âhöchstens 3â nur drei.
Relative HĂ€ufigkeit
Absolut und relativ
Wie oft fĂ€llt die Sechs? Wirf zehnmal, dann hundertmal, und beobachte die orange Linie. Sie zeigt nach jedem Wurf, welcher Anteil aller bisherigen WĂŒrfe eine Sechs war.
Die Linie zeigt einen Anteil: die Sechsen, geteilt durch alle WĂŒrfe. FĂŒr die Zahl der Sechsen und fĂŒr diesen Anteil gibt es zwei Fachwörter.
Ein Zufallsexperiment wird n-mal wiederholt, das Ereignis E tritt dabei H-mal ein. Dann ist
ist die relative HÀufigkeit. Sie liegt zwischen 0 und 1 und lÀsst sich als Prozentsatz schreiben. Julia trifft bei 12
FreiwĂŒrfen 7-mal, Ben bei 8 WĂŒrfen 5-mal. Julia hat mehr Treffer, doch ihre Serie ist lĂ€nger. Serien verschiedener LĂ€nge vergleicht man mit
der relativen HĂ€ufigkeit: 7/12 â 0,58 gegen 5/8 = 0,625 â Ben ist besser. Jeder Versuch liefert genau ein Ergebnis, deshalb ergeben die
relativen HĂ€ufigkeiten aller Ergebnisse zusammen 1, und es gilt
Die Tabelle rechnet mit
Eigene Versuche mit WĂŒrfel oder Rad â oder simulierte â trĂ€gt man in eine Tabellenkalkulation ein. In Spalte B stehen die absoluten
HĂ€ufigkeiten von 60 WĂŒrfelwĂŒrfen, in B8 die Summe n = 60. Die Formel in C2 lautet =B2/$B$8. Beim Kopieren nach
unten wandert der relative Zellbezug B2 mit (B3, B4, âŠ), der absolute Zellbezug $B$8 bleibt stehen:
Jede Zeile wird durch dieselbe Summe geteilt. Ohne Dollarzeichen wanderte auch der Nenner nach B9, B10, ⊠â und dort ist nichts. Die Werte in Spalte C sind Anteile; sie ergeben zusammen 1.
Gesetz der groĂen Zahlen
Serien beruhigen sich
Zwei Kinder werfen je eine MĂŒnze und notieren nach jeweils 25 WĂŒrfen die relative HĂ€ufigkeit von Kopf:
Darum nimmt man die relative HĂ€ufigkeit einer langen Serie als SchĂ€tzwert fĂŒr die Wahrscheinlichkeit, wenn man sie nicht berechnen kann: Landet ein ReiĂnagel bei 1000 WĂŒrfen 575-mal mit der Spitze oben, schĂ€tzt man P â 0,58. Zwei mögliche Lagen heiĂen nicht, dass jede die Wahrscheinlichkeit œ hat. Bei n Versuchen erwartet man etwa n · P Treffer.
Kein Ausgleich
Nach 6-mal Kopf denken viele: âJetzt ist Zahl fĂ€llig.â Doch die MĂŒnze hat kein GedĂ€chtnis, jeder Wurf ist neu. Das Gesetz sagt nur, dass der Anteil sich beruhigt, nicht dass der Unterschied verschwindet. In der Serie unten wĂ€chst der Unterschied zwischen Kopf- und Zahl-Anzahl auf 36 (268-mal Kopf, 232-mal Zahl), obwohl h mit 0,536 nahe an 0,5 liegt: Die Zahl der WĂŒrfe wĂ€chst schneller als der Unterschied.
Laplace-Experiment oder nicht?
Gleich wahrscheinlich?
Ein Zufallsexperiment ist ein
Gleichwahrscheinlichkeit wird geprĂŒft, nicht angenommen. Bei einem ReiĂnagel, einem FuĂballspiel (Sieg, Unentschieden, Niederlage) oder dem Wetter passt das Modell nicht: Drei AusgĂ€nge heiĂen nicht â je Ausgang. Dort schĂ€tzt man die Wahrscheinlichkeiten mit den relativen HĂ€ufigkeiten langer Versuchsreihen.
Die richtige Ergebnismenge
Dasselbe Experiment lĂ€sst sich mit verschiedenen Ergebnismengen beschreiben, und nicht jede ist ein Laplace-Modell. Drei faire MĂŒnzen haben
acht gleich wahrscheinliche Ergebnisse (KKK, KKZ, âŠ, ZZZ). Notiert man nur die
Ebenso bei zwei WĂŒrfeln: Die Augensummen 2 bis 12 sind nicht gleich wahrscheinlich, die 36 Paare (1. WĂŒrfel | 2. WĂŒrfel) aber schon. WĂ€hle die feinste Beschreibung, bei der alle Ergebnisse symmetrisch sind. Erst wenn beides stimmt (endlich viele Ergebnisse, alle gleich wahrscheinlich), darf man Wahrscheinlichkeiten ausrechnen; wie, zeigt der nĂ€chste Abschnitt.
GĂŒnstige durch mögliche
GĂŒnstige durch mögliche
Bei einem Laplace-Experiment hat jedes der
Bei einem fairen WĂŒrfel hat jedes Ergebnis dieselbe Wahrscheinlichkeit 1/6, und fĂŒr E = {2, 4, 6} sind 3 von 6 Ergebnissen gĂŒnstig:
Skala und Gegenwahrscheinlichkeit
Jede Wahrscheinlichkeit liegt zwischen 0 und 1: 0 heiĂt unmöglich, 1 heiĂt sicher. Man schreibt sie als Bruch,
Dezimalzahl oder Prozentsatz, zum Beispiel
Weil E und sein Gegenereignis zusammen ganz Ω bilden, ergeben ihre Wahrscheinlichkeiten 1:
ZĂ€hlprinzip und Baumdiagramm
Das ZĂ€hlprinzip
Bei mehrstufigen Experimenten liegt Ω nicht fertig vor, man zÀhlt es. Hat die erste Stufe m und die zweite n
Möglichkeiten, gibt es
Ohne ZurĂŒcklegen schrumpft die Zahl der Möglichkeiten: Zieht man aus 4 Kugeln nacheinander zwei, hat die erste Stufe 4, die zweite nur noch 3 Möglichkeiten â das sind 4 · 3 = 12 Ergebnisse, nicht 4 · 4.
Das Baumdiagramm
Ein Baumdiagramm zeichnet jede Stufe als Ebene von Ăsten. Jeder Pfad von der Wurzel bis zu einem Ende ist ein
Ergebnis. In der Urne liegen drei Kugeln R, B und G; zwei werden ohne ZurĂŒcklegen gezogen. Es gibt 3 · 2 = 6 Pfade, und weil jede Kugel gleich wahrscheinlich gezogen wird, sind alle sechs Pfade gleich wahrscheinlich. Ein Ereignis liest man ab,
indem man seine Pfade zĂ€hlt: âR zuerstâ (rot markiert) hat 2 von 6 Pfaden, also
Mindestens einmal
âMindestens eine Sechs bei zwei WĂŒrfenâ umfasst viele FĂ€lle. ZĂ€hlt man stattdessen das Gegenereignis