Große Zahlen und ganze Zahlen

20 Minuten · 7 Abschnitte

Wo enden die Zahlen — rechts und links von der Null?

Der Bundeshaushalt zĂ€hlt in Milliarden, ein Tiefseegraben reicht bis −10 900 m, und auf der Stadtbahn-Karte steht „Untergeschoss −2“. Solche Zahlen musst du sicher lesen, auf dem Zahlenstrahl finden und sinnvoll runden können. Dabei helfen Dreierblöcke und eine passende Skala. Am Ende weißt du, warum der Strahl ĂŒber die Null hinausgeht, und du widerlegst falsche Aussagen ĂŒber Zahlen mit einem einzigen Gegenbeispiel.

Große Zahlen lesen

Die Stellenwerttafel

Die Erde hat rund 8 100 000 000 Einwohner. Solche Zahlen liest man nicht Ziffer fĂŒr Ziffer: Man gliedert sie von rechts in Dreierblöcke. Die Blöcke haben Namen — Einer, Tausender, Millionen, Milliarden, Billionen — und in jedem stehen höchstens drei Ziffern: Hunderter (H), Zehner (Z) und Einer (E) dieses Blocks.

Stellenwerttafel mit 8 Milliarden 100 Millionen Milliarden H Z E Millionen H Z E Tausender H Z E Einer H Z E 8 1 0 0 0 0 0 0 0 0
Im Milliarden-Block steht 8, im Millionen-Block 100: acht Milliarden einhundert Millionen.

Wir lesen jeden Block wie eine Zahl bis 999 und hĂ€ngen seinen Namen an: 8 Milliarden 100 Millionen. Ein Block aus lauter Nullen wird nicht gesprochen. Von Block zu Block wird der Wert 1000-mal so groß: 1000 Millionen sind eine Milliarde.

Zahlwort und Zahl

Vom Zahlwort zur Zahl: Schreibe jeden genannten Block in sein Feld und fĂŒlle alle Blöcke, die nicht genannt werden, mit 000. „Eine Million dreihundert“ nennt den Millionen-Block (1) und den Einer-Block (300). Der Tausender-Block fehlt, er ist 000. Also gilt 1 000 300 — nicht 1 300 und nicht 1 000 000 300.

Stellenwerttafel mit 1 000 300 Millionen H Z E Tausender H Z E Einer H Z E 1 0 0 0 3 0 0
Der ungenannte Tausender-Block wird mit 000 gefĂŒllt.

Achtung bei den Namen: Die Billion ist nicht die Milliarde, sondern noch einmal 1000-mal so groß (1 000 000 000 000). Das englische „billion“ ist unsere Milliarde.

Kein Ende in Sicht

Zu jeder Zahl gehört ein Nachfolger: Man addiert 1. Nach 999 999 999 kommt 1 000 000 000, danach die nĂ€chste Zahl, und so fort. GĂ€be es eine grĂ¶ĂŸte Zahl g, wĂ€re ihr Nachfolger g + 1 noch grĂ¶ĂŸer — ein Widerspruch. Die natĂŒrlichen Zahlen ℕ = {1, 2, 3, 
} haben also kein grĂ¶ĂŸtes Element; kommt die 0 dazu, schreibt man ℕ₀. Namen wie Billiarde oder Trillion gibt es nur, damit wir noch grĂ¶ĂŸere Zahlen aussprechen können.

Verschiebe n mit dem Regler oder direkt am Punkt. Wo auch immer n liegt: Der Nachfolger n + 1 liegt einen Schritt weiter rechts.

Zehnersystem und römische Zahlen

Zehn werden eins

Unser Zehnersystem bĂŒndelt: Zehn Einer werden zu einem Zehner, zehn Zehner zu einem Hunderter, zehn Hunderter zu einem Tausender — und so fort. Deshalb ist jede Stelle zehnmal so viel wert wie die Stelle rechts daneben. Der Wert einer Ziffer ist die Ziffer mal ihr Stellenwert: In 347 ist die 4 vierzig wert, in 437 vierhundert. Ein System, in dem die Stelle den Wert bestimmt, heißt Stellenwertsystem.

Stelle die Ziffern der Hunderter, Zehner und Einer ein. Ein Schritt am Zehner-Regler verschiebt die Zahl um 10, am Hunderter-Regler um 100.

Die Null hÀlt die Stelle frei

In 307 gibt es keinen Zehner zu bĂŒndeln. Damit die 3 trotzdem an der Hunderterstelle bleibt, schreiben wir dort eine 0. LĂ€sst man sie weg, wird aus 307 die Zahl 37: Die 3 rutscht auf die Zehnerstelle und ist nur noch dreißig wert. Die Null ist also kein „Nichts“, sondern ein Platzhalter.

Stellenwerttafel mit 37, 307 und 3007 Stellenwerte T H Z E 37 3 7 307 3 0 7 3007 3 0 0 7
37, 307 und 3007: Nur die Nullen halten die Stellen frei.

Römische Zahlen

Die Römer schrieben anders. Sie hatten feste Zeichen I, V, X, L, C, D, M mit festen Werten. Ein kleineres Zeichen hinter einem grĂ¶ĂŸeren wird addiert (XV = 15), ein kleineres davor wird abgezogen (IX = 9, XL = 40). Ein X ist ĂŒberall 10, gleichgĂŒltig, wo es steht: Eine Stelle mit eigenem Wert gibt es nicht, und eine Null auch nicht. DafĂŒr werden große Zahlen lang: 3888 ist MMMDCCCLXXXVIII. Im Zehnersystem genĂŒgen zehn Ziffern fĂŒr jede Zahl, weil die Stelle mitzĂ€hlt.

Römische Zeichen und ihre Werte, Beispiel XLVII = 47 I 1 V 5 X 10 L 50 C 100 D 500 M 1000 XL 50 − 10 V 5 II 1 + 1 = 47
Die sieben römischen Zeichen — XLVII = (50 − 10) + 5 + 2 = 47.

Zahlenstrahl und Skala

Einteilung bestimmen und ablesen

Ein Zahlenstrahl hat gleich große AbstĂ€nde: Gleiche Strecken bedeuten gleiche Unterschiede, und die Zahlen wachsen nach rechts. Beschriftet sind meist nur einige Marken. Die Schrittweite findest du so: Unterschied zweier beschrifteter Marken, geteilt durch die Zahl der Teile dazwischen. Von 300 bis 350 liegen 5 Teile, also ist ein Schritt 50 : 5 = 10. GezĂ€hlt werden die Teile, nicht die Striche.

Ziehe P an eine Stelle und lies die Zahl zuerst selbst ab: von 350 aus zÀhlst du in Zehnerschritten.

Zum Ablesen gehst du von der nĂ€chsten beschrifteten Marke aus Schritt fĂŒr Schritt vor. Liegt ein Punkt zwischen zwei Strichen, kannst du ihn nur schĂ€tzen — etwa „in der Mitte“ zwischen 360 und 370, also bei 365.

Eine Skala wÀhlen

Sollst du Zahlen selbst einzeichnen, wÀhlst du die Skala: Anfang, Ende und Schrittweite. Sie beginnt nicht immer bei 0. Zwei Fragen helfen: Passen alle Zahlen auf den Strahl? Und sind die Striche fein genug, dass man die Punkte noch trennt? Die Zahlen 4250, 4380 und 4610 drÀngen sich auf dem oberen Strahl (0 bis 10 000, Schritt 1000) zusammen. Auf dem unteren (4000 bis 5000, Schritt 100) liegen sie klar getrennt.

Zahlenstrahl von 0 bis 10 000: A (4250) bei 4250, B (4380) bei 4380, C (4610) bei 46100200040006000800010 000A (4250)B (4380)C (4610) Zahlenstrahl von 4000 bis 5000: A (4250) bei 4250, B (4380) bei 4380, C (4610) bei 4610400045005000A (4250)B (4380)C (4610)
Dieselben drei Zahlen: oben eine zu grobe Skala, unten eine passende.

Bei jeder Skala bleiben die AbstĂ€nde zwischen den Marken gleich groß — auch dann, wenn ein StĂŒck der Zahlen (etwa alles unter 4000) weggelassen wird.

Runden im Sachzusammenhang

Runden auf eine Stelle

Runden ersetzt eine Zahl durch die nĂ€chstgelegene Zahl mit Nullen. Zuerst legst du die Rundungsstelle fest, etwa die Zehner. Dann schaust du nur auf die Ziffer rechts daneben: bei 0 bis 4 wird abgerundet, bei 5 bis 9 aufgerundet. Alle Stellen rechts der Rundungsstelle werden zu 0. So wird 4372 auf Hunderter zu 4400. Am Zahlenstrahl ist es die nĂ€chste Marke — liegt die Zahl genau in der Mitte, rundet man auf.

Schiebe x ĂŒber die Zehnermarken. Bei welcher Zahl springt die rote Marke auf die nĂ€chste Zehnerzahl weiter?

Achte auf eine Falle: Es zĂ€hlt nur die eine Nachbarziffer. Wer 2449 zuerst auf 2450 und dann auf 2500 rundet, macht einen Fehler — richtig ist 2400. Alle Zahlen von 4450 bis 4549 haben auf Hunderter gerundet denselben Wert 4500.

Sinnvoll runden

Im Sachzusammenhang entscheidet die Situation, nicht nur die Regel. 130 Personen fahren mit Bussen zu je 40 PlĂ€tzen: 130 : 40 = 3,25. Auf 3 abzurunden hieße, dass 10 Personen stehen bleiben. Man braucht 4 Busse und rundet auf. Bei Verpackungen und PlĂ€tzen wird meist aufgerundet, bei „Wie viele Kisten sind ganz voll?“ abgerundet.

Punktefeld: 160 Symbole, 130 Personen hervorgehoben, 30 freie PlĂ€tze hervorgehoben 130× Personen 30× freie PlĂ€tze
Jede Zeile ist ein Bus mit 40 PlĂ€tzen: 130 Personen fĂŒllen drei Busse ganz und den vierten zu einem Viertel.

Auch die Genauigkeit passt sich an: Eine Stadt mit 12 486 Einwohnern nennt die Zeitung „rund 12 500“, eine Entfernung von 298 km heißt „etwa 300 km“. Gerundet wird so, dass die Angabe zur Sache passt.

Negative Zahlen

Unter dem Nullpunkt

Wenn das Thermometer unter den Gefrierpunkt fĂ€llt, wenn ein Konto ĂŒberzogen ist oder ein Fahrstuhl in den Keller fĂ€hrt, reichen die Zahlen 0, 1, 2, 
 nicht mehr. Wir brauchen Zahlen unter dem Nullpunkt: −3 °C heißt „drei Grad unter null“, −40 € heißt „40 Euro Schulden“, −2 an der Fahrstuhltafel „zweites Untergeschoss“. Das Minuszeichen vor der Zahl ist ihr Vorzeichen, es gehört zur Zahl.

Ziehe die Marke ins Minus. Welche Temperatur liest du ab, wenn sie drei Striche links der Null steht?

Der Strahl geht links weiter

Auf dem Zahlenstrahl steht die 0 in der Mitte, rechts wachsen die positiven Zahlen. Nach links geht der Strahl weiter: Dort liegen −1, −2, −3, 
 im gleichen Abstand. −4 liegt vier Schritte links der 0. Die Rechnung 3 − 5 hat in den natĂŒrlichen Zahlen kein Ergebnis, denn links der 0 endete der Strahl. Deshalb erweitert man ihn zu den ganzen Zahlen 
, −2, −1, 0, 1, 2, 
; die natĂŒrlichen Zahlen stecken darin, und 3 − 5 = −2 hat nun einen Platz.

Zahlenstrahl von −6 bis 6: A (−4) bei −4, B (3) bei 3, Intervall −6 bis −1, Intervall 0 bis 6−6−5−4−3−2−10123456A (−4)B (3)negative Zahlen0, 1, 2, 

Rechts der 0 die bekannten Zahlen, links die neuen: −4 und 3 liegen auf verschiedenen Seiten.

Ordnen, Betrag und Gegenzahl

Weiter links heißt kleiner

Von zwei ganzen Zahlen ist die kleinere diejenige, die auf dem Zahlenstrahl weiter links liegt. Darum gilt −5 < −2, denn −5 liegt links von −2, und −2 < 0 < 3. Jede negative Zahl ist kleiner als jede positive; die 0 liegt dazwischen. Bei den negativen Zahlen kehrt sich die Ordnung gegenĂŒber den Ziffern um: 5 ist mehr als 2, aber −5 ist weniger als −2 — kĂ€lter, mehr Schulden.

Ziehe A und B an verschiedene Stellen. Wer weiter links liegt, ist die kleinere Zahl — auch bei −5 und −2.

Betrag und Gegenzahl

Der Betrag |a| einer Zahl ist ihr Abstand zur 0: |−4| = 4 und |3| = 3. Ein Abstand ist nie negativ. Die Gegenzahl von a liegt auf der anderen Seite der 0 im gleichen Abstand: Die Gegenzahl von 4 ist −4, die von −4 ist 4, die von 0 ist 0. Eine Zahl und ihre Gegenzahl haben also denselben Betrag.

Verschiebe a. Die tĂŒrkise Strecke zeigt den Betrag, der violette Punkt die Gegenzahl −a auf der anderen Seite der 0.

Eine Zahl mit grĂ¶ĂŸerem Betrag ist deshalb nicht immer grĂ¶ĂŸer: |−8| = 8 ist grĂ¶ĂŸer als |3| = 3, aber −8 ist kleiner als 3.

Aussagen prĂŒfen und widerlegen

Eine Aussage prĂŒfen

Jemand behauptet: „Von zwei ganzen Zahlen ist diejenige grĂ¶ĂŸer, die den grĂ¶ĂŸeren Betrag hat.“ Wir testen: 5 und 2 — |5| > |2| und 5 > 2. 7 und 4 — stimmt. 10 und 6 — stimmt. Drei Beispiele passen. Beweist das die Aussage? Nein: Sie spricht ĂŒber alle Zahlen, wir haben nur drei angesehen. Schon ein Blick auf negative Zahlen zeigt, worauf man achten muss.

Ziehe A und B. Suche ein Paar, bei dem eine Zahl den grĂ¶ĂŸeren Betrag hat, aber trotzdem die kleinere Zahl ist.

Gegenbeispiele

Das Paar −5 und 3 ist so ein Fall: Der Betrag von −5 ist 5 und damit grĂ¶ĂŸer als der von 3, aber −5 liegt links von 3 und ist die kleinere Zahl. Ein solcher Fall heißt Gegenbeispiel. Ein einziges Gegenbeispiel widerlegt die Aussage — dagegen kann man sie durch noch so viele passende Beispiele nie beweisen.

Zahlenstrahl von −7 bis 5: −5 bei −5, 3 bei 3, Sprung 0 nach −5 (|−5| = 5), Sprung 0 nach 3 (|3| = 3)−7−6−5−4−3−2−1012345|−5| = 5|3| = 3−53
−5 hat den grĂ¶ĂŸeren Abstand zur 0 (5 gegen 3), liegt aber links von 3.

Oft kann man eine falsche Aussage retten, indem man sie einschrĂ€nkt: „Von zwei positiven Zahlen ist diejenige grĂ¶ĂŸer, die den grĂ¶ĂŸeren Betrag hat.“ Das stimmt, weil bei positiven Zahlen Betrag und Zahl ĂŒbereinstimmen.

Weiter: Ganze Zahlen addieren und subtrahieren

Konzepte

NatĂŒrliche ZahlenStellenwertZahlenstrahlRundenNegative ZahlenBetragGegenbeispiel