Quadratische Funktionen und Gleichungen

24 Minuten · 7 Abschnitte

Wann landet der Ball?

Ein Ball fliegt in hohem Bogen: Erst steigt er, dann fällt er, und seine Bahn ist eine Kurve, keine Gerade. Auch ein Brunnenstrahl folgt ihr. Wie hoch kommt er? Wo liegt sein höchster Punkt? Wann trifft er den Boden? Alle drei Fragen stellt dieselbe Funktion, nur an verschiedenen Stellen ihres Graphen: die Parabel mit ihrem Scheitel und ihren Nullstellen. Wir lernen, sie zu lesen, zu verschieben und ihre Gleichungen ohne Probieren zu lösen.

Quadratisches Wachstum

Die zweiten Differenzen

Die Faustformel der Fahrschule: Der Bremsweg in Metern ist , dabei ist v die Geschwindigkeit in km/h. Bei 10, 20, 30, 40 und 50 km/h, also in gleichen Schritten von 10 km/h, sind das 1, 4, 9, 16 und 25 m. Der Weg wächst, aber nicht gleichmäßig: Die ersten Differenzen (der Zuwachs von Wert zu Wert) sind 3, 5, 7, 9 und wachsen selbst. Erst die zweiten Differenzen, die Zuwächse der Zuwächse, sind konstant: immer 2.

Genau das macht das quadratische Wachstum aus. Bei linearem Wachstum sind schon die ersten Differenzen gleich. Damit hat man ein Kennzeichen, das man in jeder Wertetabelle mit gleichen x-Schritten prüfen kann.

Zwei Balkendiagramme: links die linearen Werte 2, 4, 6, 8, 10 mit den ersten Differenzen 2, 2, 2, 2 und den zweiten Differenzen 0, 0, 0; rechts die Bremswege 1, 4, 9, 16, 25 Meter mit den ersten Differenzen 3, 5, 7, 9 und den konstanten zweiten Differenzen 2, 2, 2. linear z. B. 2 € je km 2 1 4 2 6 3 8 4 10 5 Δ +2 +2 +2 +2 Δ² +0 +0 +0 quadratisch Bremsweg in m bei v km/h 1 10 4 20 9 30 16 40 25 50 Δ +3 +5 +7 +9 Δ² +2 +2 +2
Blau: erste Differenzen, rosa: zweite Differenzen. Links sind schon die ersten gleich, rechts erst die zweiten.

Doppelt so schnell, vierfacher Weg

Wer doppelt so schnell fährt, hat nicht den doppelten, sondern den vierfachen Bremsweg: Von 30 auf 60 km/h steigt der Weg von 9 m auf 36 m. Für jede Funktion gilt: Verdoppelt man x, wird y viermal so groß, für jedes x und jedes a. Der Grund steckt im Quadrat: . Wächst x auf das Dreifache, wächst y sogar auf das Neunfache. Der Gedanke „doppelte Geschwindigkeit, doppelter Weg“ fühlt sich richtig an und ist bei Quadraten doch falsch.

Verändere x₀ und a. Wie verändert sich der Quotient von y(2x₀) und y(x₀)?

Die Symmetrie der Parabel

Trägt man die Punkte ein, entsteht die Normalparabel. Sie ist symmetrisch zur y-Achse: . Das Quadrat einer negativen Zahl ist also positiv, und x und −x haben denselben y-Wert. Ihr tiefster Punkt, der Scheitel, liegt im Ursprung, denn ein Quadrat ist nie negativ. Zum Punkt (3 | 9) gehört also immer auch der Spiegelpunkt (−3 | 9). Vorsicht bei der Schreibweise: bedeutet , nur ist 9.

Schiebe x₀ ins Negative. Was passiert mit dem Spiegelpunkt Q?

Die Parameter a, d und e

Der Faktor a

Die Normalparabel gehört zu . Setzt man einen Faktor davor, , so wird sie gestreckt: Für wird sie schmaler, für breiter. Ist a negativ, öffnet sie sich nach unten, und der Scheitel ist dann der höchste statt der tiefste Punkt. Der Faktor a ändert die Form, nicht die Lage des Scheitels. Bei a = 2 ist zum Beispiel y(1) = 2 und y(2) = 8, bei a = 0,5 nur 0,5 und 2.

Ziehe a durch null. Was ändert sich an der Öffnung, was bleibt am Scheitel gleich?

Die Verschiebung d und e

Verschiebungen beschreibt die Form . Der Summand e steht außerhalb der Klammer und verschiebt die Parabel um e nach oben, bei negativem e nach unten. Das d steht in der Klammer und wirkt vor dem Quadrieren: Bei ist die Klammer erst bei null, also rutscht die Parabel um 2 nach links. Der Scheitel liegt bei .

Verändere d und e. Auf welcher Seite der y-Achse liegt der Scheitel, wenn d positiv ist?

Nullstellen: keine, eine oder zwei

Eine Nullstelle ist ein x mit . Aus folgt . Ein Quadrat ist nie negativ: Ist negativ, gibt es keine Nullstelle, die Parabel schwebt über oder unter der Achse. Bei berührt sie die x-Achse nur im Scheitel: eine Nullstelle. Ist −e/a positiv, gibt es zwei, . Beispiel: hat die Lösungen und . So verraten schon die Vorzeichen von a und e, wie viele Nullstellen es gibt, ohne zu rechnen.

Stelle a und e ein. Wann erscheinen die grünen Nullstellen?

Scheitel durch Ergänzen

Das fehlende Quadrat

Wie liest man den Scheitel von ab? Die Form ist nicht zu sehen. Der Trick steckt in der ersten binomischen Formel, rückwärts gelesen. Legt man ein Quadrat der Seite x und zwei Streifen der Breite 3 zusammen, fehlt zum großen Quadrat noch ein Eckstück mit . Also gilt . Das ist die quadratische Ergänzung: die Hälfte von 6 nehmen, quadrieren, ergänzen und gleich wieder abziehen. Häufige Fehler: die 6 nicht zu halbieren, also (x + 6)² zu schreiben, oder das Ergänzte nicht wieder abzuziehen. Ausmultipliziert ist , nicht und nicht .

Verändere x. Beide Chips zeigen denselben Wert, obwohl das graue Eckstück fehlt.

Vom Term zum Scheitel

Damit wird aus der Term . Aus dieser Scheitelform liest man ab. Steht vor dem x² ein Faktor, klammert man ihn zuerst aus den ersten beiden Summanden aus:

Das Minus vor der großen Klammer dreht auch die −4 um, deshalb wird daraus +4. Der Scheitel ist . Mit dem Scheitel lässt sich der Graph zeichnen: Scheitel eintragen, dann einige Punkte symmetrisch zu beiden Seiten.

Verändere p und q. Wie hängen die Koordinaten von S mit p und q zusammen?

Eigenschaften am Graphen

Extremwert und Verlauf

Die Funktion hat die Scheitelform . Wegen öffnet die Parabel nach unten, der Scheitel ist ihr höchster Punkt. Der größte Funktionswert ist 9, einen kleinsten gibt es nicht. Die Wertemenge ist . Beim Extremwert zählt die y-Koordinate: 9 ist der Wert, 2 die Stelle, an der er angenommen wird.

Auch der Verlauf hängt am Scheitel: Links davon steigt der Graph, rechts davon fällt er, bei ist es umgekehrt. Das nennt man das Monotonieverhalten.

Führe P über den Graphen. Wo wechselt der letzte Chip sein Vorzeichen, und wie hoch kommt P höchstens?

Nullstellen, Vorzeichen, y-Achse

Die Nullstellen liest man dort ab, wo der Graph die x-Achse schneidet: bei und . Zwischen ihnen liegt die Parabel über der Achse, dort gilt , also für . Links von −1 und rechts von 5 ist . Den Schnittpunkt mit der y-Achse liefert : , also (0 | 5). In der Form ist dieser y-Achsenabschnitt immer c. Vorsicht: Der Schnittpunkt ist (0 | c) und nicht (c | 0). Nullstellen sind x-Werte, der y-Achsenabschnitt ist ein y-Wert. Das Vorzeichen von f wechselt nur an den Nullstellen. Bei einer nach oben geöffneten Parabel ist es umgekehrt: Zwischen den Nullstellen liegt sie unter der Achse, dort ist .

Bewege P nach links und rechts. Wann wechselt das Lot die Farbe?

Welche Methode wann?

Wurzelziehen und Ausklammern

Nicht jede quadratische Gleichung braucht die Lösungsformel. Steht links nur ein Quadrat und kein x-Term daneben, wie in oder , zieht man die Wurzel und vergisst die zweite Lösung nicht: oder . Bei gibt es keine Lösung. Fehlt das Absolutglied (die Zahl ohne x), wie in , klammert man x aus: . Ein Produkt ist genau dann null, wenn ein Faktor null ist, also oder . Wer stattdessen durch x teilt, verliert die Lösung . Die Probe dauert nur einen Schritt: Setzt man 5 und −5 in x² = 25 ein, stimmen beide.

Stelle c auf 25 ein und dann auf negative Werte. Wo schneidet die Gerade die Parabel?

Produktform und Methodenwahl

Steht die Gleichung schon als Produkt da, liest man die Lösungen sofort ab: hat die Lösungen 3 und −5. Das gilt aber nur, wenn rechts null steht. Aus folgt nicht ; dann multipliziert man aus und bringt alles auf eine Seite. Die Wahl in Kürze: nur ein Quadrat, Wurzel ziehen; kein Absolutglied, ausklammern; Produkt gleich null, Faktoren einzeln null setzen; sonst die Lösungsformel. Eine Skizze prüft das Ergebnis, denn die Lösungen sind die Nullstellen des Graphen. Ein Beispiel für die Wahl: 5x² − 20x = 0 klammert man aus, 3(x − 2)² = 12 löst man durch Wurzelziehen, und x² + 2x − 15 = 0 im Zweifel mit der Lösungsformel.

Verschiebe p und q. Wo liegen die Lösungen von (x − p)(x − q) = 0?

Lösungsformel und Diskriminante

Die Lösungsformel

Für alle übrigen Fälle gibt es die Lösungsformel. Zuerst bringt man die Gleichung auf die Form und liest a, b und c mit Vorzeichen ab. Dann gilt

Sie entsteht, wenn man quadratisch ergänzt. Beispiel: wird zu mit , , . Dann ist , also und . Zwei Fehler kommen oft vor: das Vorzeichen von b vergessen (bei b = −6 ist −b = 6) und die 2a nur unter die Wurzel schreiben, dabei wird der ganze Zähler durch 2a geteilt.

Stelle a = 2, b = 3 und c = −5 ein und lies die Nullstellen ab. Stimmen sie mit der Rechnung überein?

Die Diskriminante

Der Term unter der Wurzel, , entscheidet schon vor der weiteren Rechnung: Bei gibt es zwei Lösungen, bei genau eine, denn der Scheitel liegt dann auf der x-Achse, und bei keine, weil es aus einer negativen Zahl keine Wurzel gibt. Im Bild schneidet, berührt oder verfehlt die Parabel die x-Achse. So weiß man die Anzahl der Lösungen, bevor man rechnet. Beispiel: x² − 6x + 9 = 0 hat D = 36 − 36 = 0, also nur die Lösung x = 3; die Parabel berührt die Achse im Scheitel.

Drei Parabeln y = x² − 2x + c über derselben x-Achse: für c = −3 schneidet sie die Achse in zwei Punkten (D = 16), für c = 1 berührt sie die Achse in einem Punkt (D = 0), für c = 3 bleibt sie oberhalb der Achse (D = −8). x² − 2x − 3 = 0 D = 16 > 0 zwei Lösungen x² − 2x + 1 = 0 D = 0 = 0 eine Lösung x² − 2x + 3 = 0 D = −8 < 0 keine Lösung
Die Diskriminante D = b² − 4ac sagt voraus, ob die Parabel die x-Achse schneidet, berührt oder verfehlt.

Drei Formen, drei Fragen

Drei Schreibweisen, ein Graph

Dieselbe Parabel lässt sich auf drei Arten aufschreiben. In der allgemeinen Form ist die 5 der y-Achsenabschnitt. Die Scheitelpunktform zeigt den Scheitel . Die Nullstellenform zeigt die Nullstellen −1 und 5. Jede Form beantwortet eine Frage ohne Rechnung: Wo schneidet der Graph die y-Achse, wo liegt der Scheitel, wo liegen die Nullstellen? In der Nullstellenform sieht man auch die Öffnung: Der Vorfaktor −1 heißt nach unten.

Verändere a. Was bleibt an den Nullstellen gleich, was wandert?

Die passende Form wählen

Welche Form man braucht, sagt die Frage. Höchster Punkt gesucht: Scheitelpunktform. Wo trifft der Ball den Boden: Nullstellenform. Startwert bei : allgemeine Form. Zwischen den Formen wechselt man mit bekannten Mitteln: Ausmultiplizieren führt zur allgemeinen Form, quadratische Ergänzung zur Scheitelpunktform, die Lösungsformel zu den Nullstellen. Man kann damit auch argumentieren: Wegen der Symmetrie liegt der Scheitel genau in der Mitte der Nullstellen, . Bei −1 und 5 ist das . Für den Ball heißt das: Er landet bei x = 5; wie hoch er fliegt, sieht man erst in der Scheitelpunktform, nämlich 9.

Verschiebe x₁ und x₂. Wo liegt der Scheitel im Verhältnis zu den beiden Nullstellen?
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