Ganzrationale Funktionen

24 Minuten ¡ 7 Abschnitte

Was verrät der Term ßber den Graphen?

Ein Funktionenplotter zeichnet in Sekunden jede Kurve. Trotzdem lohnt der Blick in den Term: Er verrät, wie viele Nullstellen es höchstens gibt, wohin der Graph links und rechts außen läuft und ob er symmetrisch ist. Wer nur aufs Bild schaut, übersieht eine Nullstelle außerhalb des Fensters. Wir lesen den Term einer ganzrationalen Funktion wie x⁴ − 5x² + 4 Schritt für Schritt: Grad, Randverhalten, Nullstellen und Symmetrie, und zuletzt den Graphen selbst.

Summen von Potenzfunktionen

Summe von Potenzen

Streckt man die Potenzfunktionen mit mit je einer Zahl und addiert sie, entsteht eine ganzrationale Funktion:

Die Zahlen heißen Koeffizienten. Ganzrational sind zum Beispiel und . Nicht ganzrational sind , und : Dort ist der Exponent keine Zahl 0, 1, 2, …, oder er enthält x. Der Summand ohne x, das Absolutglied, ist der Funktionswert : Dort schneidet der Graph die y-Achse. Die Bausteine im Bild zeigen ihre Rollen: a·x³ krümmt die Kurve, b·x neigt sie, und die Konstante verschiebt sie nur nach oben oder unten.

Verändere a, b und c. Welcher Baustein bestimmt, wo der Graph die y-Achse schneidet?

Grad und Koeffizienten

Der Grad ist der höchste Exponent, der wirklich vorkommt, gleich in welcher Reihenfolge die Summanden stehen: hat den Grad 5. Der Koeffizient dieses Summanden heißt Leitkoeffizient, hier , denn . Kommt eine Potenz nicht vor, ist ihr Koeffizient 0: In steht bei die 0. Wird der Koeffizient der höchsten Potenz null, fällt der Summand weg, und der Grad sinkt. Grad 1 heißt linear, Grad 2 quadratisch, Grad 3 kubisch; eine konstante Funktion wie hat den Grad 0.

Setze a auf 0. Welchen Grad hat f jetzt, und welcher Punkt bleibt fĂźr jedes a am Platz?

Randverhalten und fĂźhrender Term

FĂźhrender Term

Für große Beträge von x überholt eine höhere Potenz jede niedrigere, auch wenn deren Koeffizient viel größer ist. Bei ist , aber ; bei liegt f nur noch 0,5 % unter . Die höchste Potenz, der führende Term , entscheidet also, wohin der Graph außen läuft.

Vergrößere s: Du schaust aus immer größerer Entfernung auf f. Wohin schmiegt sich die Kurve?

Vier Fälle

Wie der Graph außen verläuft, sagen zwei Angaben: ob der Grad gerade oder ungerade ist und welches Vorzeichen der Leitkoeffizient hat. Wir schreiben für „sehr weit links“ und für „sehr weit rechts“. Bei geradem Grad zeigen beide Ränder in dieselbe Richtung, weil : nach oben bei positivem, nach unten bei negativem Leitkoeffizienten. Bei ungeradem Grad zeigen sie entgegengesetzt: Bei positivem Leitkoeffizienten läuft der Graph links nach unten und rechts nach oben, bei negativem umgekehrt.

Stelle Grad n und Vorzeichen v ein. Welche vier Kombinationen gibt es, und wohin laufen jeweils die Ränder?

Faktorisierte Form

Steht der Term als Produkt, muss man nicht ausmultiplizieren: Die Grade der Faktoren addieren sich, die Leitkoeffizienten multiplizieren sich. Die Funktion hat den fßhrenden Term . Bei ist er : Fßr fällt der Faktor mit x weg, und der Grad sinkt auf 2. In beiden Fällen sieht man das Verhalten am Rand, ohne die Klammern aufzulÜsen.

Nullstellen und Vielfachheit

Nullstellen aus der Produktform

Eine Nullstelle ist ein x mit . Ein Produkt ist genau dann null, wenn ein Faktor null ist; deshalb sucht man zuerst die Produktform. Bei hilft Ausklammern: hat die Nullstellen 0, 2 und −2. Nie durch x teilen, sonst geht x = 0 verloren! Zu jeder Nullstelle gehört der Linearfaktor ; der Faktor gehört also zur Nullstelle , nicht zu 3. Jeder Linearfaktor liefert genau eine Nullstelle; deshalb hat eine Funktion vom Grad n höchstens n Nullstellen.

Verschiebe p. Bei welchen Werten von p fallen zwei Nullstellen zusammen?

Vielfachheit

Kommt ein Faktor mehrfach vor, etwa , hat die Nullstelle 1 die Vielfachheit 3, den Exponenten des Faktors. Die Vielfachheiten aller Nullstellen ergeben zusammen hĂśchstens den Grad. Sie bestimmen das Bild an der Achse: Bei Vielfachheit 1 schneidet der Graph die x-Achse, bei Vielfachheit 2 (gerade) berĂźhrt er sie nur und kehrt um, bei Vielfachheit 3 schneidet er sie waagerecht (Sattel). Nur bei ungerader Vielfachheit wechselt das Vorzeichen. Ein Beispiel: hat bei 0 die Vielfachheit 2 und bei 3 die Vielfachheit 1, zusammen 3, den Grad.

Stelle m ein. Wie ändert sich das Bild bei x = 1, und was bleibt bei x = −2 gleich?

Biquadratische Gleichungen

Substitution

Eine biquadratische Gleichung hat die Form : nur , und eine Konstante. Wegen ersetzt man und erhält eine quadratische Gleichung. Aus wird mit den LÜsungen z = 1 und z = 4. Diese Gleichung lÜst man wie in der neunten Klasse, mit Faktorisieren oder der LÜsungsformel.

Verändere b und c. Wo liegen die z-LÜsungen, und wann werden sie grau?

RĂźcksubstitution

Die z-Lösung ist noch keine Nullstelle. Wegen folgt aus z = 4 sowohl x = 2 als auch x = −2, aus z = 1 entsprechend x = ±1. Jedes positive z gibt zwei x-Werte, z = 0 genau einen (x = 0), ein negatives z keinen, denn ein Quadrat ist nie negativ. So hat mit z = 2 und z = −3 nur die zwei Lösungen . Möglich sind also 0 bis 4 Lösungen. Fehlt die Konstante, klammert man auch aus: gibt x = 0 und x = ±3, also drei Lösungen.

Stelle b und c ein. Wie viele Nullstellen hat f, wenn beide z-Werte negativ sind?

Symmetrie an den Exponenten

Gerade und ungerade Exponenten

Die Potenzfunktion hat eine Symmetrie, die vom Exponenten abhängt. Ist n gerade, gilt : Der Graph liegt spiegelbildlich zur y-Achse, er ist achsensymmetrisch. Ist n ungerade, gilt : Eine Drehung um 180° um den Ursprung bildet den Graphen auf sich ab, er ist punktsymmetrisch. Für Summen heißt das: Nur gerade Exponenten ergeben Achsensymmetrie, nur ungerade Punktsymmetrie; ein Gemisch ergibt keine von beiden. So ist achsensymmetrisch und punktsymmetrisch.

Ändere n und x₀. Wann deckt der Punkt Q auf der Kurve den Punkt P′ (an der y-Achse gespiegelt), wann P″ (am Ursprung gespiegelt)?

f(−x) prüfen

Rechnerisch prßft man die Symmetrie mit . Kommt heraus, ist der Graph achsensymmetrisch; kommt heraus, punktsymmetrisch. Bei ist . Achtung beim Einsetzen: , aber . Der gestrichelte Graph im Bild gehÜrt zu ; er fällt nur dann mit f zusammen, wenn f achsensymmetrisch ist.

Ziehe a. Für welches a liegen f und das gestrichelte Bild f(−x) aufeinander?

Absolutglied und Symmetrie

Das Absolutglied ist ein Summand mit dem geraden Exponenten 0, denn . Es stÜrt deshalb die Punktsymmetrie: ist punktsymmetrisch zum Ursprung, nicht. Fßr die Achsensymmetrie ist die Konstante harmlos. Gerader Grad allein genßgt nie: enthält mit x einen ungeraden Exponenten und hat weder die eine noch die andere Symmetrie.

Verändere c. Bei welchem c fällt das gestrichelte Spiegelbild auf den Graphen?

Den Graphen skizzieren

FĂźnf Schritte

Für die Skizze braucht man keinen Plotter, nur den Term. Beispiel: . Erstens: Der führende Term ist , also gehen beide Ränder nach oben. Zweitens: Die Nullstellen −2, 1 (doppelt) und 3 eintragen. Drittens: den y-Achsenabschnitt markieren. Viertens: die Symmetrie prüfen, hier ohne Ergebnis. Fünftens: die Kurve durch diese Punkte ziehen. Die Skizze muss nicht maßstabsgetreu sein, aber Nullstellen, Vorzeichen und Ränder müssen stimmen.

Schiebe den Regler von 1 bis 5. Welcher Schritt legt fest, wie die Kurve außen verläuft, und warum bleibt das Bild bei Schritt 4 gleich?

Vorzeichen zwischen den Nullstellen

Zwischen zwei benachbarten Nullstellen ändert sich das Vorzeichen nicht, denn dazu mßsste die Kurve die Achse durchqueren. Ein Kontrollwert genßgt: , also liegt f zwischen 1 und 3 unter der Achse. An einer Nullstelle wechselt das Vorzeichen nur bei ungerader Vielfachheit; bei x = 1 (doppelt) bleibt f negativ, der Graph berßhrt die Achse nur.

Bewege P. Wo liegt f Ăźber, wo unter der Achse, und was geschieht bei x = 1?

Plotter-Kontrolle

Ein Funktionenplotter zeigt nur ein Fenster. Die Funktion hat bei x = 7 eine Nullstelle, im Fenster von −5 bis 5 sieht man sie nicht. Ein Bild ohne Nullstelle beweist also nichts. Man rechnet die Nullstellen selbst und nutzt den Plotter, um Nullstellen, Vorzeichen und Ränder zu kontrollieren, mit einem Fenster, das die berechneten Stellen einschließt.

Vergrößere die Fensterbreite w. Ab welchem w liegt die Nullstelle im Fenster?

Vom Graphen zum Term

Grad und Vorzeichen lesen

Aus einem Graphen erhält man fßr den Grad nur eine Untergrenze. Jede Nullstelle zählt mit ihrer Vielfachheit, ein Schnittpunkt mindestens 1, ein Berßhrpunkt mindestens 2; der Grad ist mindestens die Summe. Die Ränder liefern den Rest: Zeigen beide in dieselbe Richtung, ist der Grad gerade, sonst ungerade, und das Vorzeichen des Leitkoeffizienten steht am rechten Rand (oben: positiv). Eine Funktion vom Grad 3 und eine vom Grad 5 kÜnnen dieselben Nullstellen und Ränder haben; der Graph legt den Grad nur als Untergrenze fest. Ein Beispiel: Schneidet ein Graph die x-Achse einmal und berßhrt sie einmal, ist der Grad mindestens 1 + 2 = 3.

Schalte zwischen Grad 3 und 5. Was ändert sich an den Nullstellen, was an den Rändern?

Ansatz

Sind die Nullstellen bekannt, schreibt man für jede einen Linearfaktor auf, für einen Berührpunkt mit dem Exponenten 2. Für die Nullstellen −3, 1 (Berührpunkt) und 2 lautet der Ansatz . Den Faktor a legt ein weiterer Punkt fest: Geht der Graph durch , gilt , also . Zur Kontrolle muss das Vorzeichen von a zu den Rändern passen: Bei Grad 4 und a < 0 zeigen beide nach unten. Ein zweiter Punkt prüft den Ansatz: Stimmt er nicht, war eine Vielfachheit falsch gewählt.

Ziehe a, bis der Graph durch P geht. Welchen Wert hat a, und passt sein Vorzeichen zu den Rändern?
Weiter: Pyramide und Kegel

Konzepte

PolynomKomparationNullstellenSymmetrie