Exponentielles Wachstum und Logarithmus

22 Minuten · 7 Abschnitte

Wann ist der Teich halb voll?

Auf einem Teich wĂ€chst eine Seerose. Jeden Tag bedeckt sie doppelt so viel FlĂ€che wie am Vortag, und nach 30 Tagen ist der ganze Teich bedeckt. Wann war er halb bedeckt? Wer „am 15. Tag“ sagt, rechnet linear, und die richtige Antwort ĂŒberrascht. Wachstum mit einem festen Faktor, ob bei Guthaben, Bakterien oder radioaktivem Zerfall, folgt eigenen Regeln: Prozente hintereinander, Halbwertszeit und der Logarithmus, der fragt, wie oft man den Faktor anwenden muss.

Faktor statt Zuwachs

Zuwachs oder Faktor?

Anna und Ben legen je 100 € an. Anna bekommt jeden Monat 30 € dazu. Bens Guthaben wird jeden Monat mit 1,3 multipliziert, es wĂ€chst also um 30 %.

Monat n01234
Anna100130160190220
Ben100130169219,70285,61

Bei Anna ist die Differenz benachbarter Werte immer 30: Das Wachstum ist linear. Bei Ben ist der Quotient benachbarter Werte immer gleich, denn : Das Wachstum ist exponentiell, und 1,3 heißt Wachstumsfaktor . Die Werte 100, 105, 115, 130 wachsen zwar auch, haben aber weder gleiche Differenzen noch gleiche Quotienten.

Ben nach n Monaten:

b ist der Anfangswert bei n = 0. Nach 4 Monaten sind es €.

Ziehe n am Regler. Wo liegen Anna und Ben gleichauf, und wer liegt danach vorn?

Verdoppeln unterschÀtzt man

Eine Zellkultur beginnt mit einer Zelle und verdoppelt sich jede Stunde: 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64. Der Faktor ist 2, der Term . Nach 10 Stunden sind es Zellen, nach 20 Stunden , mehr als eine Million.

Wer nur fortschreibt, was zuletzt dazukam, rechnet linear: In Stunde 6 kamen 32 Zellen dazu, das ergĂ€be fĂŒr Stunde 10 nur statt 1024. Beim Faktor wĂ€chst nicht der Zuwachs mit, sondern der Bestand selbst wird in jedem Schritt grĂ¶ĂŸer, und mit ihm das, was dazukommt.

Damit löst sich das RÀtsel vom Teich: Weil sich die FlÀche jeden Tag verdoppelt, war er einen Tag vor dem Ende halb bedeckt, am 29. Tag und nicht am 15. Wer in gleichen ZuwÀchsen denkt, verschÀtzt sich um 14 Tage.

SĂ€ulendiagramm (Zellen): 0 1, 1 2, 2 4, 3 8, 4 16, 5 32, 6 64 0 20 40 60 80 Zellen 1 0 2 1 4 2 8 3 16 4 32 5 64 6 Stunde n
Jeder Balken ist doppelt so hoch wie der vorige. Der Zuwachs pro Stunde verdoppelt sich mit.

Prozent und Faktor

Vom Prozentsatz zum Faktor

Ein Guthaben von 100 € wĂ€chst um 5 %. Dann ist es 100 % + 5 % = 105 % des alten Werts, also . Der Faktor ist 1,05.

Zunahme um p % heißt Faktor , Abnahme um p % heißt . Eine Abnahme um 20 % hat also den Faktor 0,8, denn 80 % bleiben ĂŒbrig. Der Faktor 0,2 gehörte zu einer Abnahme um 80 %.

ZurĂŒck geht es mit : Der Faktor 1,08 bedeutet +8 %, der Faktor 0,93 bedeutet −7 %, der Faktor 2 bedeutet +100 %. Nach n gleichen Schritten ist der Bestand .

Ändere den Prozentsatz p. Ab welchem p beginnt der Bestand zu sinken, und welchen Faktor zeigt das Feld a dann?

Prozente hintereinander

Ein Preis von 100 € steigt zweimal um 10 %. Erst , dann . Insgesamt sind es 1,1 · 1,1 = 1,21, also +21 % und nicht +20 %: Der zweite Schritt geht vom schon grĂ¶ĂŸeren Wert aus. Die Faktoren werden multipliziert, die ProzentsĂ€tze nicht addiert.

Aus demselben Grund fĂŒhrt +20 % und danach −20 % nicht zum Start zurĂŒck: , es sind 4 % weniger. Bei n Schritten mit +p % rechnet man , wie beim Zinseszins.

Zahlenstrahl von 100 bis 125: Start bei 100, +20 %? bei 120, 121 bei 121, Sprung 100 nach 110 (·1,1), Sprung 110 nach 121 (·1,1)100105110115120125·1,1·1,1Start+20 %?121
Zwei SprĂŒnge mit dem Faktor 1,1 landen bei 121, nicht bei 120.

Der Graph von b · aˣ

Anfangswert und Steigen

Bisher zĂ€hlte n ganze Schritte. Setzt man fĂŒr x jede Zahl ein, liefert mit und eine glatte Kurve durch die Punkte der Schritte. Bei ist , also : Der Graph schneidet die y-Achse im Punkt (0 | b), ganz gleich, wie groß a ist.

Die Basis a bestimmt den Verlauf: FĂŒr steigt der Graph, fĂŒr fĂ€llt er, fĂŒr ist er die waagrechte Gerade . Ob er steigt oder fĂ€llt, hĂ€ngt also an a und nicht an b.

VerÀndere b und a. Welcher Regler verschiebt den Punkt P, und bei welchem Wert von a wird der Graph waagrecht?

Die x-Achse als Asymptote

Wie sieht der Graph fĂŒr negative x aus? Bei ist , und : Die Werte werden immer kleiner, bleiben aber positiv. Eine Potenz mit positiver Basis ist nie null und nie negativ, also gilt fĂŒr jedes x.

Der Graph nĂ€hert sich der x-Achse beliebig nah an, erreicht sie aber nie. Diese Gerade heißt waagrechte Asymptote . Der Graph hat keine Nullstelle. FĂŒr liegt die AnnĂ€herung auf der rechten Seite.

Ziehe den Punkt P nach links. Wird f(x₀) irgendwann null oder negativ, und wie Ă€ndert sich das Feld bei grĂ¶ĂŸerem a?

b und a aus zwei Punkten

Ein Graph der Form geht durch und . Aus P folgt . Q liefert , also und , denn a muss positiv sein. Der Term ist . Liegen die beiden Punkte einen Schritt auseinander, ist a einfach der Quotient ihrer y-Werte. Geht ein Graph durch und , ist und . Die Differenz 6 ist nicht a, denn a wirkt als Faktor.

Der Graph soll durch R(0 | 5) und S(2 | 7,2) laufen. Stelle zuerst b ein, dann a, und lies f(0) und f(2) ab.

Zerfall und Halbwertszeit

Der Zerfallsfaktor

Ein Wirkstoff im Blut nimmt stĂŒndlich um 20 % ab. Dann bleiben 80 % ĂŒbrig: Der Zerfallsfaktor ist 0,8 und nicht 0,2. Von 100 mg bleiben nacheinander 100, 80, 64 und 51,2 mg.

Bei Abnahme um p % gilt mit , und der Bestand nach t Stunden ist . Er wird immer kleiner, aber nie null: Auch von einem winzigen Rest bleiben nach jedem Schritt noch 80 %. Die t-Achse ist die Asymptote des fallenden Graphen.

Verkleinere den Zerfallsfaktor a. Wie Àndert sich der Rest nach 3 Schritten, und erreicht die Kurve jemals die t-Achse?

Halbwertszeit

Die Halbwertszeit T ist die Zeit, in der sich ein Bestand halbiert. Jod-131 hat Tage. Von 80 mg sind nach 8 Tagen noch 40 mg da, nach 16 Tagen 20 mg, nach 24 Tagen 10 mg. Jede Halbwertszeit multipliziert mit 0,5, ganz gleich, wie viel gerade da ist: Von 40 mg auf 20 mg dauert es wieder 8 Tage.

Nach zwei Halbwertszeiten ist darum nicht alles zerfallen, sondern ein Viertel ĂŒbrig. Nach t Tagen sind es Halbwertszeiten:

Ändere T. Welche Werte zeigen die Punkte bei T, 2T und 3T, und was hĂ€ngt von T ab?

Der Logarithmus

Die Frage nach dem Exponenten

Eine Kultur verdoppelt sich jede Stunde. Wann sind es 8 Zellen? Gesucht ist der Exponent x mit , und er ist 3. Diese Frage hat einen Namen: Der Logarithmus zur Basis 2 von 8 ist der Exponent, mit dem man 2 potenzieren muss, um 8 zu erhalten.

So ist , denn . Der Logarithmus ist keine Rechnung mit den Zahlen 2 und 8, er liefert einen Exponenten.

Stelle e so ein, dass 2ᔉ genau den Zielwert 8 erreicht. Welchen Wert hat e dann?

SonderfÀlle und Einschachteln

Aus der Definition folgen SonderfÀlle: , weil , und , weil . Auch gilt, denn . Eine Potenz mit positiver Basis ist immer positiv, deshalb haben 0 und negative Zahlen keinen Logarithmus. Die Basis selbst ist immer positiv und ungleich 1.

Ist der Exponent keine ganze Zahl, hilft Einschachteln: Wegen liegt zwischen 2 und 3. Den genauen Wert liefert der Taschenrechner (Taste ): etwa 2,32.

Zahlenstrahl von 0 bis 5: 2ÂČ = 4 bei 2, 2Âł = 8 bei 3, log₂ 5 ≈ 2,32 bei 2,320123452ÂČ = 42Âł = 8log₂ 5 ≈ 2,32 Exponent
Der Exponent von log₂ 5 liegt zwischen den Exponenten 2 und 3.

Exponentialgleichungen lösen

Gleiche Basis

Wann ist ? Das ist eine Exponentialgleichung: Die Unbekannte steht im Exponenten. Im Graphen sucht man den Schnittpunkt von mit der Geraden .

Rechnerisch macht man den zuletzt gerechneten Schritt zuerst rĂŒckgĂ€ngig; im Rechenbaum von , der die Reihenfolge der Rechenschritte zeigt, steht das Malnehmen mit 3 oben. Die 3 ist ein Faktor vor der Potenz, keine Basis, also teilt man durch 3: . Wegen ist , denn bei gleicher Basis sind die Exponenten gleich. Die Umformung wĂ€re falsch. Und hat keine Lösung, weil eine Potenz mit positiver Basis nie negativ ist.

Ziehe x₀ am Regler, bis P auf der Geraden y = 48 liegt. Welchen Wert hat x₀ dann, und passt er zu 2ˣ = 16?

Logarithmieren

Ein Guthaben wÀchst jÀhrlich um 5 %. Wann hat es sich verdoppelt? Gesucht ist x mit . Die Zahl 2 ist keine Potenz von 1,05, also fragt man nach dem Exponenten: . Man kann auch beide Seiten logarithmieren. Die Regel

holt den Exponenten nach vorn. Zur Probe: und . Warum sie gilt: Ist , also , dann ist , und der zugehörige Exponent ist .

Mit dem dekadischen Logarithmus lg (Basis 10) folgt , also . Nach 14 Jahren sind es erst 1,98 mal so viel, nach 15 Jahren 2,08 mal.

Stelle x₀ auf 14 und auf 15. Zwischen welchen Werten liegt der Schnittpunkt mit y = 2?

Wachstum modellieren

Ein Modell aufstellen

Eine Stadt hat heute 12 000 Einwohner und wÀchst um 2,5 % pro Jahr. Die Modellannahme: Die Wachstumsrate bleibt gleich. Dann ist der Faktor 1,025, und nach t Jahren gilt

Nach 10 Jahren sind es Einwohner, gerundet auf ganze Menschen.

Wann sind es 20 000? Aus folgt und Jahre. Die Antwort nennt Einheit und Zeiteinheit: nach etwa 21 Jahren.

Stelle t ein, bis P die Gerade y = 20 000 erreicht. Nach welchem ganzen Jahr liegt f(t) erstmals darĂŒber?

Grenzen des Modells

Nach 100 Jahren ergibt das Modell etwa 141 800 Einwohner, nach 200 Jahren rund 1,7 Millionen. Das ist nicht glaubwĂŒrdig: Das Modell setzt gleichbleibende 2,5 % voraus, aber FlĂ€che, Wohnraum und ArbeitsplĂ€tze sind begrenzt. Bietet die Stadt Platz fĂŒr höchstens 50 000 Menschen, ĂŒberschreitet die Kurve diese Grenze nach etwa 58 Jahren. Danach passt das Modell nicht mehr zur Wirklichkeit.

Darum prĂŒft man jedes Ergebnis im Sachzusammenhang und variiert das Modell bei Bedarf, etwa mit einer KapazitĂ€t. Auch fremde Rechnungen lassen sich so kommentieren: Wer rechnet, setzt einen gleichen Zuwachs statt eines gleichen Faktors an. Und bei einer Datenmenge, die sich alle zwei Jahre verdoppelt, gehören zu den Chancen auch die Risiken: Speicher und Energie mĂŒssen mitwachsen.

VerĂ€ndere p. Wie verschiebt sich der Zeitpunkt, an dem die Kurve die KapazitĂ€tsgrenze ĂŒberschreitet, und was folgt daraus fĂŒr die GĂŒltigkeit?

Konzepte

ExponentiellLogarithmusHalbwertszeitWachstumsmodelleProzent