KenngrĂ¶ĂŸen von Daten

22 Minuten · 8 Abschnitte

Reicht ein Durchschnitt?

Die 7a und die 7b schreiben denselben Test. Beide Klassen kommen im Mittel auf 15 Punkte, die Lehrerin sagt: „Gleich gut.“ Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt: In der 7a liegen alle zwischen 12 und 17 Punkten, in der 7b zwischen 3 und 26. Ist das wirklich „gleich gut“? Dieser Text fĂŒhrt vom Mittelwert zu neuen KenngrĂ¶ĂŸen — Median, Spannweite und Quartile — und zum Boxplot, der sie in einem Bild zeigt.

Der Median

Sieben Kinder der 7c messen ihren Schulweg: 12, 5, 30, 8, 15, 10 und 9 Minuten. Das arithmetische Mittel kennst du aus Klasse 6. Der Median ist ein zweiter Mittelwert: der Wert in der Mitte. Damit er wirklich in der Mitte liegt, ordnet man die Werte zuerst der GrĂ¶ĂŸe nach: 5, 8, 9, 10, 12, 15, 30. Von sieben Werten steht der mittlere an vierter Stelle, der Median ist also 10 Minuten. Wer den mittleren Eintrag der ungeordneten Liste nimmt, erhĂ€lt 8 — das ist falsch.

Was der Median sagt: Genauso viele Werte liegen darunter wie darĂŒber. Der Strich im Bild zeigt es — links und rechts von ihm liegt je die HĂ€lfte der ĂŒbrigen Punkte, wenn er auf dem Median steht.

Schiebe den Strich. Wo liegen links und rechts gleich viele Punkte?

Bei einer geraden Anzahl gibt es keinen einzelnen mittleren Wert. Kommt ein achtes Kind mit 20 Minuten dazu, stehen 10 und 12 in der Mitte. Der Median ist ihr Mittel: (10 + 12) : 2 = 11 Minuten — kein Wert der Liste, aber genau in der Mitte.

Punktdiagramm (8 Werte): 5: 1×, 8: 1×, 9: 1×, 10: 1×, 12: 1×, 15: 1×, 20: 1×, 30: 1× 0 4 8 12 16 20 24 28 32 Minuten
Die beiden mittleren Punkte liegen bei 10 und 12; der Median liegt genau dazwischen, bei 11.

Mittelwert oder Median?

FĂŒr die 7c (5, 8, 9, 10, 12, 15 und 30 Minuten) ist der Median 10 Minuten, das Mittel (89 : 7) etwa 12,7 Minuten. Was passiert, wenn das Kind mit dem lĂ€ngsten Schulweg noch weiter wegzieht? Ändere den grĂ¶ĂŸten Wert mit dem Regler.

VergrĂ¶ĂŸere den grĂ¶ĂŸten Wert. Welche der beiden Linien wandert, welche bleibt stehen?

Das Mittel folgt dem Ausreißer, einem Wert, der weit von den ĂŒbrigen entfernt liegt: Er geht mit seinem ganzen Betrag in die Summe ein. FĂŒr den Median zĂ€hlt nur, an welcher Stelle er in der Reihenfolge steht — er bleibt bei 10. Deshalb liegt bei wenigen sehr großen Werten das Mittel ĂŒber dem Median.

Welche KenngrĂ¶ĂŸe passt, hĂ€ngt von der Frage ab. Fragt man nach einem typischen Wert, ist bei Ausreißern der Median besser. Fragt man nach der Summe, passt das Mittel, denn Mittelwert · Anzahl = Summe. Eine Firma wirbt: „Bei uns verdient man im Durchschnitt 4 700 €.“ FĂŒnf Angestellte verdienen 2 300 bis 2 700 €, die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin 15 700 €. Ein typischer Angestellter verdient den Median: 2 550 €.

Zahlenstrahl von 0 bis 16 000: bei 15 700, Median (2550) bei 2550, Mittel (4700) bei 4700, bei 2300, bei 2400, bei 2500, bei 2600, bei 27000200040006000800010 00012 00014 00016 000Mittel (4700)Median (2550) €
FĂŒnf GehĂ€lter liegen eng beieinander, eines weit rechts: Das Mittel liegt bei 4 700 €, der Median bei 2 550 €.

Spannweite und Streuung

ZurĂŒck zum Test. Die 7a hat 12, 13, 14, 14, 15, 15, 15, 16, 16, 16, 17 und 17 Punkte erreicht, die 7b 3, 5, 8, 11, 14, 15, 16, 18, 19, 21, 24 und 26. Beide Klassen haben das Mittel 15 Punkte — und doch sehen die Ergebnisse völlig verschieden aus. Man sagt: Die Werte streuen verschieden stark.

Das einfachste Maß fĂŒr die Streuung ist die Spannweite: In der 7a ist sie 17 − 12 = 5 Punkte, in der 7b 26 − 3 = 23 Punkte. Das Mittel bleibt gleich, die Spannweite unterscheidet die Klassen.

Verkleinere die Streuung der 7b. Was bleibt gleich, was Àndert sich?

Die Spannweite hat eine SchwĂ€che: Sie hĂ€ngt nur an den beiden Ă€ußersten Werten. Ein einziger Ausreißer macht sie groß, obwohl fast alle Werte eng beieinander liegen: Kommt zur 7a ein Kind mit 2 Punkten dazu, wĂ€chst ihre Spannweite von 5 auf 15, obwohl 12 von 13 Kindern zwischen 12 und 17 Punkten liegen. Über die Mitte der Daten sagt sie nichts. DafĂŒr braucht man KenngrĂ¶ĂŸen, die auf das Innere der Daten schauen: die Quartile im nĂ€chsten Abschnitt.

Quartile

HĂ€lften und Quartile

Der Median teilt die geordneten Werte in zwei HÀlften. Bei der 7b sind das unten 3, 5, 8, 11, 14, 15 und oben 16, 18, 19, 21, 24, 26. Das untere Quartil ist der Median der unteren HÀlfte, das obere Quartil der Median der oberen HÀlfte: Bei ungerader Anzahl gehört der Median zu keiner HÀlfte. Tabellenkalkulationen rechnen Quartile oft nach anderen Regeln und zeigen deshalb manchmal leicht abweichende Werte; hier gilt die Regel mit den HÀlften.

Der Median trennt die HĂ€lften; q₁ und q₃ sind die Mediane der beiden HĂ€lften.

Ein Viertel in jedem Abschnitt

q₁, Median und q₃ zerlegen die Daten in vier Abschnitte, und in jedem liegt ein Viertel der Werte — bei 12 Werten je drei. Schiebe den Strich: Bei q₁ liegen links 25 % der Werte, beim Median 50 %, bei q₃ 75 %.

Schiebe den Strich. Wie viel Prozent der Werte liegen links, wenn er auf q₁, dem Median, q₃ steht?

Der Abstand der beiden Quartile heißt Quartilsabstand: Zwischen q₁ und q₃ liegen die mittleren 50 % der Werte. Anders als die Spannweite reagiert der Quartilsabstand nicht auf einzelne Ausreißer.

Der Boxplot

FĂŒnf Zahlen, ein Bild

Aus den Ergebnissen der 7b gewinnt man fĂŒnf KenngrĂ¶ĂŸen: Minimum 3, q₁ = 9,5, Median 15,5, q₃ = 20 und Maximum 26. Der Boxplot zeichnet sie ĂŒber einer Skala: Die Box reicht von q₁ bis q₃, ein Strich in der Box steht beim Median, und je eine Antenne fĂŒhrt bis zum Minimum und zum Maximum.

Die Skala hat gleiche AbstĂ€nde, und jede KenngrĂ¶ĂŸe steht genau dort, wo ihr Wert liegt. Darum steht der Medianstrich nicht automatisch in der Mitte der Box: Die Mitte der Box wĂ€re bei 14,75, der Median liegt bei 15,5. Beim Zeichnen geht man in dieser Reihenfolge vor: Skala, Box von q₁ bis q₃, Medianstrich, Antennen.

Über den Punkten steht der Boxplot derselben Werte auf derselben Skala.

Ein Ausreißer im Boxplot

Was passiert, wenn der grĂ¶ĂŸte Wert wĂ€chst? Nur die rechte Antenne wird lĂ€nger. Box und Median bleiben stehen, denn q₃ und der Median hĂ€ngen nicht vom grĂ¶ĂŸten Wert ab. Die Spannweite wĂ€chst, der Quartilsabstand — die LĂ€nge der Box — bleibt 10,5.

VergrĂ¶ĂŸere den grĂ¶ĂŸten Wert. Was Ă€ndert sich an der Box, was an der Antenne?

Die Box ist also der Teil des Boxplots, den einzelne Ausreißer kaum stören.

Boxplots lesen

Vier Abschnitte

An einer Bushaltestelle wurden an 12 Tagen die Wartezeiten notiert (in Minuten): 1, 2, 2, 3, 3, 4, 7, 8, 10, 14, 20, 26. Daraus folgen Minimum 1, q₁ = 2,5, Median 5,5, q₃ = 12 und Maximum 26. Der Boxplot besteht aus vier Abschnitten: zwei Antennen und zwei BoxhĂ€lften. In jedem liegt ein Viertel der Werte — hier je drei —, egal wie lang der Abschnitt ist. Ein langer Abschnitt heißt nur: Die Werte liegen dort weit auseinander.

WÀhle einen Abschnitt. Wie Àndert sich seine LÀnge, wie die Zahl der Werte darin?

Aus dem Bild liest man die Spannweite als ganze LĂ€nge (26 − 1 = 25 Minuten) und den Quartilsabstand als LĂ€nge der Box (12 − 2,5 = 9,5 Minuten).

Was der Boxplot nicht zeigt

Der Boxplot zeigt nicht, wie viele Werte es gibt, welche Werte im Einzelnen vorkommen und wie groß das Mittel ist. Derselbe Boxplot passt zu 12 Werten ebenso wie zu 24. Nur Minimum und Maximum kommen sicher in den Daten vor; ob zwischen zwei KenngrĂ¶ĂŸen ein bestimmter Wert steht, verrĂ€t der Boxplot nicht.

Wechsle den Datensatz. Was bleibt am Boxplot gleich, was an den Punkten anders?

Boxplots vergleichen

Lage: Wo liegt die Mitte?

Zwei Boxplots vergleicht man auf derselben Skala in zwei Schritten. Zuerst die Lage: Welcher Medianstrich liegt weiter rechts? Im Bild hat die 7c den Median 11. Verschiebe den Boxplot der 7d: Seine Lage Ă€ndert sich, die LĂ€nge der Box nicht — die beiden Klassen unterscheiden sich dann nur in der Lage.

Verschiebe die 7d. Was Àndert sich, was bleibt gleich?

Streuung: Wie lang ist die Box?

Dann die Streuung: Welche Box und welche Antennen sind lĂ€nger? Bei den Klassen 7a und 7b vom Anfang (beide Mittel 15) liegen die Mediane fast gleich, bei 15 und 15,5. Aber die Box der 7a ist nur 2 Punkte lang (16 − 14), die der 7b 10,5 Punkte. Auch die Spannweiten unterscheiden sich: 5 gegenĂŒber 23. Je lĂ€nger Box und Antennen, desto stĂ€rker streuen die Werte. Lage und Streuung sind zwei verschiedene Fragen.

Boxplot: 7a Minimum 12, Q1 14, Median 15, Q3 16, Maximum 17; 7b Minimum 3, Q1 9,5, Median 15,5, Q3 20, Maximum 26 0 4 8 12 16 20 24 28 7a 7b P.
Zwei Boxplots derselben Skala: 7a (oben) und 7b (unten).

Um zu einer Datenliste den passenden Boxplot zu finden, bestimmt man Minimum, q₁, Median, q₃ und Maximum und sucht den Boxplot, dessen Marken genau an diesen fĂŒnf Stellen stehen.

Aussagen beurteilen

An zwei Buslinien wurden die Wartezeiten notiert (Minuten). Was darf man aus den Boxplots schließen?

Boxplot: Linie 5 Minimum 2, Q1 4, Median 6, Q3 9, Maximum 15; Linie 9 Minimum 1, Q1 3, Median 7, Q3 14, Maximum 25 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 Linie 5 2 4 6 9 15 Linie 9 1 3 7 14 25 min
Wartezeiten an zwei Buslinien in Minuten.

Drei Schritte helfen. Erstens eine KenngrĂ¶ĂŸe nennen: im Median, die mittleren 50 %, die Spannweite. Zweitens mit Anteilen sprechen: mindestens die HĂ€lfte, ein Viertel. Drittens nie von allen Werten reden, wenn nur KenngrĂ¶ĂŸen vorliegen. Jede Aussage ist dann richtig, falsch oder nicht entscheidbar:

  • „Im Median wartet man an Linie 9 eine Minute lĂ€nger (7 statt 6 Minuten).“ — stimmt: 7 − 6 = 1.
  • „Bei mindestens einem Viertel der FahrgĂ€ste wartet man an Linie 9 mindestens 14 Minuten.“ — stimmt: Das ist der Bereich ab q₃.
  • „Jede Wartezeit an Linie 9 ist lĂ€nger als jede an Linie 5.“ — stimmt nicht: Linie 5 reicht bis 15 Minuten, Linie 9 beginnt bei 1.
  • „An Linie 5 wurden weniger FahrgĂ€ste gezĂ€hlt.“ — nicht entscheidbar: Die Anzahl steht nicht im Boxplot.

KenngrĂ¶ĂŸen liefern Belege, keine Urteile: Ob eine kurze Wartezeit im Median oder eine kleine Streuung wichtiger ist, entscheidet die Frage, die man beantworten will — nicht der Boxplot.

Konzepte

StatistikDatenBoxplot