Lagebeziehungen, Winkel und AbstÀnde

24 Minuten · 8 Abschnitte

Wo trifft die Flugbahn das Dach?

Eine Drohne inspiziert das schrĂ€ge Glasdach eines Atriums. Wo durchstĂ¶ĂŸt ihre Bahn die DachflĂ€che? Wie steil ist das Dach gegen den Boden geneigt, und welchen Abstand hĂ€lt die Drohne zur Scheibe, zur Dachkante, zu einer zweiten Drohne? Es sind Fragen nach Lage, Winkel und Abstand von Geraden, Ebenen und Kugeln. Mit wenigen Werkzeugen lassen sie sich beantworten: einsetzen, den Normalenvektor nutzen, das Lot fĂ€llen, und am Ende ein ganzes Sachproblem modellieren.

Gerade und Ebene

Einsetzen und lösen

Die Drohne fliegt auf g: X = (2; 3; 3) + λ·(−1; −1; −2). Das Glasdach ist die Ebene E: 2x₁ + x₂ + 2x₃ = 6. Ein gemeinsamer Punkt muss beide Gleichungen erfĂŒllen. Deshalb setzt man die Koordinaten von g, also x₁ = 2 − λ, x₂ = 3 − λ und x₃ = 3 − 2λ, in die Ebenengleichung ein:

Es bleibt eine Gleichung fĂŒr λ. Das Ergebnis ist noch kein Punkt: Erst λ = 1 in g eingesetzt liefert den Durchstoßpunkt S(1 | 2 | 1).

VerĂ€ndere λ. Bei welchem λ ist der Wert 2x₁ + x₂ + 2x₃ gleich dem Wert d der Ebene?

Wenn es keinen Punkt gibt

Nicht jede Gerade durchstĂ¶ĂŸt die Ebene. Beim Einsetzen gilt : Vor λ steht das Skalarprodukt aus Normalenvektor n und Richtungsvektor u. Ist es nicht null, gibt es genau einen Durchstoßpunkt. Ist n·u = 0, fĂ€llt λ weg: FĂŒr g: X = (1; 2; 2) + λ·(1; −2; 0) bleibt 8 = 6. Diese falsche Aussage heißt: echt parallel. Bliebe 6 = 6, lĂ€ge g in E. Bei n·u = 0 entscheidet also der Aufpunkt. Ist u ein Vielfaches von n, steht g senkrecht auf E.

Verschiebe den Aufpunkt A nach oben und unten. Bei welcher Höhe liegt g in der Ebene?

Zwei Ebenen und ihre Schnittgerade

Parallel, identisch oder schneidend

Neben E: 2x₁ + x₂ + 2x₃ = 6 hat das Glasdach eine zweite FlĂ€che F: x₁ + x₂ + x₃ = 4. Sind n₁ = (2; 1; 2) und n₂ = (1; 1; 1) keine Vielfachen, schneiden sich die Ebenen in einer Geraden. Ist n₂ ein Vielfaches von n₁, sind sie parallel oder identisch: Man gleicht die Normalenvektoren an und vergleicht die rechte Seite. 4x₁ + 2x₂ + 4x₃ = 12 ist E selbst, 4x₁ + 2x₂ + 4x₃ = 10 dagegen eine echt parallele Ebene.

Dreidimensionales Koordinatensystem (x₁ zum Betrachter, x₂ nach rechts, x₃ nach oben): Punkt(0|2|2), Punkt(2|2|0), Strecke (0|2|2)–(2|2|0), Ebene E, Ebene F x₁ 1 2 3 x₂ 1 2 3 4 5 6 x₃ 1 2 3 4 E F
Die beiden DachflÀchen E und F treffen sich in der roten Kante s.

Zwei Gleichungen, eine Gerade

Auf der Schnittgeraden s gelten beide Gleichungen: zwei Gleichungen fĂŒr drei Unbekannte. Eine Variable bleibt frei und wird zum Parameter. E − F lĂ€sst x₂ wegfallen: x₁ + x₃ = 2. Mit x₁ = t folgt x₃ = 2 − t, und F liefert x₂ = 2. Also . Ein Punkt von s muss E und F erfĂŒllen; das ist die Probe.

Verschiebe X entlang s. Wie Àndern sich die beiden Werte in den Chips?

Eine Ebene in Parameterform

Liegt E als X = (3; 0; 0) + λ·(−1; 2; 0) + Ό·(−1; 0; 1) vor, setzt man x₁ = 3 − λ − ÎŒ, x₂ = 2λ und x₃ = ÎŒ in F ein: 3 + λ = 4, also λ = 1. Dieses λ in E eingesetzt gibt s: X = (2; 2; 0) + Ό·(−1; 0; 1), wobei ÎŒ frei bleibt. Dieselbe Gerade wie oben, nur mit anderem Aufpunkt.

Der Schnittwinkel

Zwei Geraden

Zwei Drohnenbahnen g und h mit u = (1; 1; 0) und v = (0; 1; 1) schneiden sich. Ihr Schnittwinkel φ ist der Winkel zwischen den Richtungsvektoren:

Der Betrag im ZĂ€hler ist nötig: Kehrt man v zu (0; −1; −1) um, wird u·v = −1 und der Winkel zwischen den Vektoren 120°, doch die Geraden bleiben dieselben. Der Schnittwinkel ist der spitze der beiden Winkel, also höchstens 90°.

Drehe v. Wann ist cos φ negativ, und was bleibt dann fĂŒr den Schnittwinkel?

Gerade und Ebene

Der Winkel zwischen g und E ist der Winkel zwischen g und ihrem Schatten in E. Der Winkel ψ zwischen u und dem Normalenvektor n ergĂ€nzt ihn zu 90°, und aus sin φ = cos ψ folgt . FĂŒr n = (2; 1; 2) und die Drohne u = (−1; −1; −2) ist n·u = −7, |n| = 3 und |u| = √6, also sin φ = 7/(3√6) ≈ 0,953 und φ ≈ 72,3°. Hier steht der Sinus.

Ändere φ. Was stellst du bei sin φ und cos ψ fest?

Zwei Ebenen

Der Schnittwinkel zweier Ebenen ist der Winkel ihrer Normalenvektoren: Von der Seite gesehen, quer zur Schnittgeraden, stehen die Normalen senkrecht auf den Ebenen und schließen denselben Winkel ein. FĂŒr E und F mit n₁ = (2; 1; 2) und n₂ = (1; 1; 1) ist , also φ ≈ 15,8°.

Ändere φ. Welche Winkel sind gleich groß?

Abstand Punkt–Ebene

Das Lot

Die Drohne schwebt bei P(3 | 3 | 3) ĂŒber dem Glasdach E: 2x₁ + x₂ + 2x₃ = 6. Ihr Abstand zu E ist die LĂ€nge des Lots, der kĂŒrzesten Strecke von P zur Ebene. Das Lot steht senkrecht auf E und hat deshalb den Normalenvektor n = (2; 1; 2) als Richtung: X = (3; 3; 3) + λ·(2; 1; 2). Schneidet man es wie eine Gerade mit E, folgt 15 + 9λ = 6, also λ = −1 und der Lotfußpunkt F(1 | 2 | 1). Der Abstand ist d = |PF| = |−1| · |n| = 3.

FĂŒhre X auf dem Lot durch die Ebene. Was geschieht bei F mit den Chips?

Die Formel

Der Weg ĂŒber das Lot lĂ€sst sich abkĂŒrzen. FĂŒr E: n·X = d gilt n·(P + λn) = d, also λ = (d − n·P)/|n|ÂČ. Der Abstand ist |λ|·|n|, das heißt Teilt man die ganze Gleichung durch |n|, entsteht die Hessesche Normalform (2x₁ + x₂ + 2x₃ − 6)/3 = 0. Setzt man P ein, kommt +3 heraus, fĂŒr den Ursprung −2: Der Ursprung ist 2 entfernt, liegt aber auf der anderen Seite. Das Vorzeichen verrĂ€t die Seite, der Betrag den Abstand.

Parallele Objekte

Bei parallelen Ebenen, oder einer Geraden parallel zur Ebene, ist der Abstand ĂŒberall gleich: Ein Punkt des einen Objekts genĂŒgt. Wegen (0 | 0 | 6) ∈ Eâ€Č hat Eâ€Č: 2x₁ + x₂ + 2x₃ = 12 von E den Abstand |12 − 6|/3 = 2.

Dreidimensionales Koordinatensystem (x₁ zum Betrachter, x₂ nach rechts, x₃ nach oben): Ebene E, Ebene Eâ€Č x₁ 1 2 3 4 5 x₂ 2 4 6 8 10 12 x₃ 1 2 3 4 5 6 E Eâ€Č
Zwei parallele Ebenen E und Eâ€Č haben ĂŒberall denselben Abstand.

Abstand Punkt–Gerade

Das Lot auf die Gerade

Die Drohne bei P(2 | 1 | 4) fliegt neben der Dachkante s: X = (0; 2; 2) + t·(1; 0; −1). FĂŒr den Abstand braucht man den Lotfußpunkt F, den Punkt von s mit PF ⟂ s. Dazu legt man durch P die Hilfsebene H senkrecht zu s: Ihr Normalenvektor ist der Richtungsvektor u = (1; 0; −1), also . Der Schnitt von s mit H ist ein Durchstoßpunkt wie bei Gerade und Ebene: t − (2 − t) = −2 gibt t = 0 und F(0 | 2 | 2). Der Abstand ist die LĂ€nge des Lots: d = |PF| = |(−2; 1; −2)| = 3.

Verschiebe X auf s. Wo ist |PX| am kleinsten, und welchen Wert hat PX·u dort?

Parallele Geraden

Parallele Geraden haben ĂŒberall denselben Abstand: Man wĂ€hlt einen Punkt der einen Geraden und berechnet seinen Abstand zur anderen. Das Kabel h: X = (4; 1; 2) + Ό·(2; 0; −2) ist parallel zu s und enthĂ€lt P(2 | 1 | 4) (ÎŒ = −1). Also ist d(s, h) = 3. Nicht der Abstand der Aufpunkte zĂ€hlt, hier |(4; −1; 0)| = √17 ≈ 4,1: Ihre Verbindung steht nicht senkrecht auf den Geraden.

Abstand windschiefer Geraden

Die gemeinsame Senkrechte

Zwei Drohnenbahnen g: X = λ·(1; 2; 2) und h: X = (1; −1; 5) + Ό·(2; 1; −2) sind windschief: nicht parallel und ohne Schnittpunkt. Ihr Abstand ist die LĂ€nge der kĂŒrzesten Verbindung. Sie steht senkrecht auf beiden Geraden, hat also die Richtung des Vektorprodukts der Richtungsvektoren u = (1; 2; 2) und v = (2; 1; −2): . GekĂŒrzt genĂŒgt der Normalenvektor n = (2; −2; 1) mit |n| = 3.

Verschiebe X auf g und Y auf h. Wie klein kannst du |XY| machen?

Hilfsebene und Abstand

Durch g legt man die Hilfsebene H, die parallel zu h ist: Sie hat die Spannvektoren u und v, also den Normalenvektor n, und geht durch den Aufpunkt A(0 | 0 | 0): H: 2x₁ − 2x₂ + x₃ = 0. Weil h parallel zu H ist, hat jeder Punkt von h denselben Abstand zu H. Mit B(1 | −1 | 5) und der Abstandsformel Punkt–Ebene folgt . Der Abstand der Aufpunkte, |AB| = √27 ≈ 5,2, ist zu groß.

Dreidimensionales Koordinatensystem (x₁ zum Betrachter, x₂ nach rechts, x₃ nach oben): A(0|0|0), B(1|−1|5), Pfeil (1|2|2)→(1,8|1,2|2,4), Gerade durch (0|0|0) und (1|2|2), Gerade durch (1|−1|5) und (3|0|3), Ebene H x₁ 1 2 3 x₂ −1 1 2 3 4 x₃ −2 −1 1 2 3 4 5 6 g h n H A B
Die Hilfsebene H enthÀlt g und ist parallel zu h; n steht senkrecht auf H.

Kugeln im Raum

Die Kugelgleichung

Die Kugel besteht aus allen Punkten X mit dem festen Abstand r vom Mittelpunkt M: |MX| = r. Quadriert entsteht die Koordinatenform Die Sicherheitszone der Drohne bei M(3 | 3 | 3) mit r = 5 ist (x₁ − 3)ÂČ + (x₂ − 3)ÂČ + (x₃ − 3)ÂČ = 25; der Punkt (6 | 7 | 3) liegt darauf: 9 + 16 + 0 = 25. Rechts steht rÂČ, nicht r, und (x₂ + 2)ÂČ gehört zu m₂ = −2. Ausmultipliziert, etwa x₁ÂČ + x₂ÂČ + x₃ÂČ âˆ’ 4x₁ + 2x₂ − 6x₃ − 2 = 0, ergĂ€nzt man quadratisch: (x₁ − 2)ÂČ + (x₂ + 1)ÂČ + (x₃ − 3)ÂČ = 16, also M(2 | −1 | 3) und r = 4.

Kugel und Ebene

Die Lage entscheidet der Abstand d des Mittelpunkts. FĂŒr E: 2x₁ + x₂ + 2x₃ = 6 ist d(M, E) = 3. Ist d > r, haben Kugel und Ebene nichts gemeinsam. Bei d = r berĂŒhrt E die Kugel in einem Punkt. Bei d < r schneiden sie sich in einem Kreis mit dem Radius ρ = √(rÂČ âˆ’ dÂČ), dessen Mittelpunkt der Lotfußpunkt F(1 | 2 | 1) ist. FĂŒr r = 5 ergibt sich ρ = √(25 − 9) = 4.

Verschiebe die Ebene. Wann berĂŒhrt sie die Kugel, und wie hĂ€ngen r, d und ρ zusammen?

Kugel und Gerade

Bei einer Geraden entscheidet ebenso d(M, g): FĂŒr d > r ist sie eine Passante, fĂŒr d = r Tangente, fĂŒr d < r Sekante mit zwei Schnittpunkten und der Sehne 2·√(rÂČ âˆ’ dÂČ). Die Dachkante s hat von M(3 | 3 | 3) den Abstand 3. FĂŒr r = 5 ist s also eine Sekante mit der Sehne 2·4 = 8.

Verschiebe die Gerade. Wie lang ist die Sehne bei d = 4?

Sachprobleme modellieren

Das Koordinatensystem wÀhlen

Ein Zelt hat einen quadratischen Boden von 6 m × 6 m und die Spitze 4 m ĂŒber der Mitte. Wo legt man das Koordinatensystem hin? Sinnvoll ist der Ursprung in der Ecke A, die Achsen entlang der Kanten, 1 LĂ€ngeneinheit = 1 m: A(0 | 0 | 0), B(6 | 0 | 0), C(6 | 6 | 0), D(0 | 6 | 0) und S(3 | 3 | 4). Das ist das Modell: Es ersetzt das Zelt durch Punkte und Ebenen, gerechnet wird in ihm.

SchrÀgbild: Pyramide (edge 6 m, height 4 m) 6 m 4 m A B C D S
Das Zelt als Pyramide ABCDS.

Übersetzen und rechnen

Wie steil ist die Zeltwand ABS? Sie ist eine Ebene durch A, B, S: n = AB × AS = (0; −24; 18) ∄ (0; 4; −3), also 4x₂ − 3x₃ = 0. Ihre Neigung ist der Winkel zum Boden (Normalenvektor (0; 0; 1)): cos φ = 3/5, φ ≈ 53,1°. Und die grĂ¶ĂŸte Kugel im Zelt? Ihr Mittelpunkt liegt auf der senkrechten Mittelachse bei (3 | 3 | z). Sie berĂŒhrt den Boden, also ist r = z, und die Wand: der Abstand des Mittelpunkts von 4x₂ − 3x₃ = 0, also (12 − 3z)/5, ist gleich z. Das gibt z = 1,5, also r = 1,5 m.

Der Schnitt bei x₁ = 3 zeigt K und L, die Mitten von AB und CD. VerĂ€ndere die Höhe z des Mittelpunkts: Bei welchem z berĂŒhrt die Kugel zugleich Boden und Wand?

PrĂŒfen und vergleichen

Ein Ergebnis gehört geprĂŒft: 53,1° ist fĂŒr ein Zeltdach plausibel, 5° oder 89° wĂ€ren es nicht, und ein Ball mit r = 1,5 m passt unter die 4 m hohe Spitze. Oft fĂŒhren mehrere Wege zum Ziel. Die Neigung liest man auch im rechtwinkligen Dreieck aus Höhe 4 und halber Breite 3 ab: tan φ = 4/3, φ ≈ 53,1°, ganz ohne Vektoren. Beide Wege mĂŒssen ĂŒbereinstimmen; das ist die beste Kontrolle. Am Ende steht ein Antwortsatz mit Einheit: „Die Zeltwand ist um etwa 53° geneigt.“

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Konzepte

GeradenEbenenAnalytische GeometrieSchnittmengeWinkelAbstandHesse-NormalformKugelnModellieren