Rationale Zahlen multiplizieren und dividieren

26 Minuten · 8 Abschnitte

Warum macht „mal“ hier weniger?

Ida isst 3/4 von einer halben Tafel Schokolade. Ben rechnet 3/4 · 1/2 und wundert sich: 3/8 ist kleiner als beide Zahlen, dabei hieß es immer, Malnehmen mache grĂ¶ĂŸer. Und 6 : 1/2 ergibt sogar 12 – geteilt macht plötzlich grĂ¶ĂŸer! Was ist da los? Wir klĂ€ren, was „mal“ und „geteilt“ bei BrĂŒchen und DezimalbrĂŒchen bedeuten, wie man richtig rechnet, wie Potenzen mit BrĂŒchen funktionieren und wie ein GrĂ¶ĂŸencheck solche Fehler sofort verrĂ€t.

Mal heißt „von“

„Von“ heißt in der Mathematik mal. Drei Viertel von 12 StĂŒcken Schokolade sind : erst durch den Nenner teilen (12 : 4 = 3), dann mit dem ZĂ€hler malnehmen (3 · 3 = 9). Genauso ist es, wenn man einen Anteil von einem Anteil nimmt: Ida isst 3/4 von 1/2 einer Tafel – die Aufgabe heißt .

Tafel aus 12 StĂŒcken in 4 Spalten und 3 Zeilen; 3 Spalten sind gefĂ€rbt, das sind 9 StĂŒcke 3/4 von 12 = 9 StĂŒcke
Von 12 StĂŒcken sind 3 Spalten gefĂ€rbt: 3 · 3 = 9 StĂŒcke sind 3/4 von 12.

Das Rechteckmodell zeigt das Produkt zweier BrĂŒche. Man zerlegt die Tafel in 4 Spalten und 2 Zeilen, das sind 4 · 2 = 8 gleich große Felder. Die HĂ€lfte ist eine Zeile, drei Viertel sind drei Spalten. Doppelt gefĂ€rbt sind 3 · 1 = 3 der 8 Felder:

Stelle die Nenner und ZĂ€hler beider BrĂŒche ein. Wie viele Felder sind doppelt gefĂ€rbt, wie viele gibt es insgesamt?

GezÀhlt werden die Felder, nicht die Spalten und Zeilen: Wer 3 + 1 von 4 + 2 rechnet, addiert, wo er multiplizieren muss. Das Ergebnis 3/8 ist kleiner als 1/2, denn vom Halben bleibt nur ein Teil.

Wer einen Bruch von einem Bruch nimmt, zerlegt das Ganze noch feiner: Aus Halben und Vierteln werden Achtel. Deshalb ist das Produkt kleiner als jeder der beiden Faktoren – ein Anteil von einem Anteil ist ein noch kleinerer Anteil. Bei jeder „von“-Aufgabe fragt man sich daher zuerst, in wie viele gleiche Teile zerlegt wird (Nenner) und wie viele davon genommen werden (ZĂ€hler).

BrĂŒche multiplizieren

Aus dem Rechteckmodell folgt die Regel: Die Zahl aller Felder ist das Produkt der Nenner, die Zahl der doppelt gefÀrbten Felder das Produkt der ZÀhler. Also ZÀhler mal ZÀhler, Nenner mal Nenner:

Liest man die beiden BrĂŒche als LĂ€ngen, ist das Rechteck 3/4 m breit und 2/5 m hoch. Ein KĂ€stchen misst 1/4 m mal 1/5 m, also 1/20 mÂČ; 3 · 2 = 6 KĂ€stchen bilden die FlĂ€che von 6/20 = 3/10 mÂČ.

VerĂ€ndere Breite und Höhe in Viertel- und FĂŒnftelmetern. Wie viele KĂ€stchen und wie viel mÂČ hat das Rechteck?

Vorher kĂŒrzen. Bei 3/5 · 5/8 steht die 5 im ZĂ€hler und im Nenner; sie lĂ€sst sich ĂŒber Kreuz kĂŒrzen: 3/5 · 5/8 = 3/8. GekĂŒrzt wird immer ein ZĂ€hler mit einem Nenner, nie zwei ZĂ€hler oder zwei Nenner miteinander.

Gemischte Zahlen verwandelt man zuerst in einen Bruch: 1 3/5 = 8/5, also 1 3/5 · 5/4 = 8/5 · 5/4 = 2. Nur die Ganzen zu multiplizieren und den Bruch dranzuhÀngen, ist ein Fehler.

Anders als beim Addieren bleibt der Nenner nicht stehen: 3/4 · 2/5 hat weder den Nenner 4 noch 5, sondern 20. Zur Probe hilft ein Überschlag: 3/4 ist etwas weniger als 1, also muss das Produkt etwas kleiner sein als 2/5 – und 3/10 = 0,3 ist kleiner als 0,4.

Verteilen und Messen

Bruch durch eine Zahl teilen

Zwei Kinder teilen 3/5 eines Kuchens gerecht. Jedes FĂŒnftel wird halbiert, es entstehen Zehntel: Jedes Kind bekommt des ganzen Kuchens. Verteilen heißt: Der Nenner wird mit der Zahl malgenommen, weil die StĂŒcke kleiner werden. LĂ€sst sich der ZĂ€hler teilen, geht es einfacher: 4/5 : 2 = 2/5. Zur Kontrolle setzt man die Teile wieder zusammen: 3/10 · 2 = 3/5.

Bruchstreifen: 3/5; 3/10 gefÀrbt 35 310
Oben 3/5 des Kuchens, unten der Anteil eines Kindes: 3/10.

Messen: Wie oft passt es hinein?

Geteilt kann auch messen bedeuten. Aus 2 Litern Saft werden GlĂ€ser zu je 1/3 Liter gefĂŒllt. Jeder Liter ergibt 3 GlĂ€ser, zwei Liter ergeben 2 · 3 = 6 GlĂ€ser: . Es geht also um die Frage, wie oft das StĂŒck in das Ganze passt – 6 : 1/2 ist deshalb nicht 3, sondern 12. Beim Verteilen wird das Ergebnis kleiner als der Bruch, beim Messen kann es viel grĂ¶ĂŸer werden. Vor jeder Division fragt man sich also: Wird verteilt oder gemessen?

WĂ€hle die Menge L und die GlasgrĂ¶ĂŸe 1/d. Wie oft passt das Glas in die Menge?

Bruch durch Bruch

Ist auch das Ganze ein Bruch, macht man zuerst die StĂŒcke gleich groß: 3/5 = 6/10. Dann fragt man nur noch, wie viele Zehntel in 6 Zehnteln stecken: . Bei gleichen StĂŒcken zĂ€hlt man einfach: Der Quotient ist ZĂ€hler durch ZĂ€hler. Das Ergebnis muss nicht ganzzahlig sein: 7/10 : 1/5 = 7/10 : 2/10 = 7 : 2 = 3 1/2. Wer stattdessen die Nenner multipliziert oder ZĂ€hler und Nenner getrennt teilt, landet bei Ergebnissen, die zur Anschauung nicht passen – 1/8 passt ja mehrfach in 3/4, und 3/32 wĂ€re viel kleiner als 3/4.

Bruchstreifen: 3/5 = 6/10 gefÀrbt 35=610
3/5 sind 6/10: In 6 Zehnteln steckt sechsmal ein Zehntel.

Durch einen Bruch dividieren

Wie oft passt 2/5 in ein Ganzes? Der Streifen zeigt: zweieinhalbmal, denn 5 FĂŒnftel ergeben das Ganze und ein StĂŒck ist 2 FĂŒnftel lang. Diese Zahl 5/2 heißt Kehrwert von 2/5: ZĂ€hler und Nenner tauschen den Platz, und das Produkt beider BrĂŒche ist 1.

Ändere ZĂ€hler und Nenner des MessstĂŒcks. Wie oft passt das StĂŒck in das Ganze, und wie hĂ€ngt das mit dem Bruch zusammen?

Passt das StĂŒck c/d genau d/c-mal in ein Ganzes, dann passt es in a Ganze a · d/c-mal, und ebenso oft in jede andere Zahl a, auch in einen Bruch. Also gilt: Durch einen Bruch teilt man, indem man mit seinem Kehrwert malnimmt. Gekehrt wird nur der Divisor, der zweite Bruch:

Zahlenstrahl von 0 bis 2: Sprung 0 nach 2/3 (2/3), Sprung 2/3 nach 4/3 (2/3), Sprung 4/3 nach 2 (2/3)0122/32/32/3
Auf dem Strahl misst man die Strecke 2 mit SprĂŒngen der LĂ€nge 2/3 aus: 3 SprĂŒnge, und 2 · 3/2 = 3.

Umkehrprobe: Quotient mal Divisor muss den Dividenden ergeben. Hier: – es stimmt.

Der Kehrwert einer ganzen Zahl ist ein Stammbruch: 5 = 5/1 hat den Kehrwert 1/5. Die Null hat keinen Kehrwert, denn kein Produkt 0 · x ergibt 1. Gemischte Zahlen verwandelt man vorher in einen Bruch: 1 3/4 : 7/8 = 7/4 · 8/7 = 2. Typische Fehler sind, den ersten Bruch zu kehren oder beide.

Mal macht nicht immer grĂ¶ĂŸer

Mit natĂŒrlichen Zahlen macht Malnehmen grĂ¶ĂŸer und Teilen kleiner – bei BrĂŒchen stimmt das nicht mehr. Vom Start 4 aus ist kleiner, aber grĂ¶ĂŸer, denn in 4 Ganze passen 8 Halbe.

Stelle den Faktor f ein und wechsle zwischen „mal“ und „geteilt“. Wann liegt das Ergebnis rechts vom Start, wann links?

Entscheidend ist, ob der Faktor bzw. Divisor kleiner oder grĂ¶ĂŸer als 1 ist. Mal mit einer Zahl kleiner als 1 verkleinert, mit einer Zahl grĂ¶ĂŸer als 1 vergrĂ¶ĂŸert. Geteilt durch eine Zahl kleiner als 1 vergrĂ¶ĂŸert, durch eine Zahl grĂ¶ĂŸer als 1 verkleinert. Bei 1 Ă€ndert sich nichts.

Daraus wird ein GrĂ¶ĂŸencheck vor dem Rechnen: Nina rechnet 15 : 3/5 und erhĂ€lt 9. Der Divisor 3/5 ist kleiner als 1, also muss das Ergebnis grĂ¶ĂŸer als 15 sein. Richtig ist 15 · 5/3 = 25. Ebenso beim Messen: Aus einem 9 m langen Band lassen sich mehr als 9 StĂŒcke von je 3/4 m schneiden, nĂ€mlich 9 : 3/4 = 12, weil jedes StĂŒck kĂŒrzer als ein Meter ist. Ein Ergebnis, das in die falsche Richtung zeigt, verrĂ€t den Fehler sofort.

DezimalbrĂŒche malnehmen und teilen

DezimalbrĂŒche sind BrĂŒche mit dem Nenner 10, 100, 1000 
. Deshalb gilt . In der Praxis rechnet man erst ohne Komma (7 · 8 = 56) und setzt das Komma so, dass das Produkt so viele Nachkommastellen hat wie beide Faktoren zusammen: 1 + 1 = 2.

FÀrbe a Zehntel in den Spalten und b Zehntel in den Zeilen. Wie viele Hundertstel-Felder sind doppelt gefÀrbt?

Mal 10, 100, 1000 verschiebt jede Ziffer nach links, mal 0,1, 0,01 nach rechts. Die Ziffern selbst bleiben, nur ihr Stellenwert Ă€ndert sich; „Nullen anhĂ€ngen“ ist kein Rechenweg: 1,3 · 100 = 130, aber 2,5 · 10 ist nicht 2,50. Mal 0,01 ist dasselbe wie geteilt durch 100: 8,2 · 0,01 = 0,082.

Stellenwerttafel: 1,3 · 100 = 130; die Ziffern 1 und 3 rĂŒcken zwei Spalten nach links, in der Einerspalte steht eine 0 T H Z E z h t 0 1 1 3 3 · 100
Beim Malnehmen mit 100 rutscht jede Ziffer zwei Spalten nach links; die leere Einerspalte fĂŒllt eine 0.

Dividieren: Der Quotient bleibt gleich, wenn man beide Zahlen mit derselben Zehnerpotenz malnimmt. Um den Divisor kommafrei zu machen, verschiebt man das Komma in beiden Zahlen: 6,3 : 0,7 = 63 : 7 = 9. Wer nur das Komma des Divisors verschiebt, erhĂ€lt 6,3 : 7 = 0,9 – zu klein. Auch hier hilft der GrĂ¶ĂŸencheck: Ein Divisor kleiner als 1 muss das Ergebnis vergrĂ¶ĂŸern.

Potenzen mit rationaler Basis

Potenzen von BrĂŒchen

Eine Potenz ist ein Produkt aus gleichen Faktoren: Der Exponent sagt, wie oft die Basis als Faktor vorkommt. Also – und nicht 4 · 1/2 = 2. Bei einem Bruch werden ZĂ€hler und Nenner potenziert: . Bei DezimalbrĂŒchen zĂ€hlt man die Nachkommastellen: 0,3ÂČ = 0,09. Eine Basis kleiner als 1 liefert mit wachsendem Exponenten immer kleinere Werte: 1/2, 1/4, 1/8, 1/16.

Halbiere den Streifen n-mal. Welcher Bruchteil des Ganzen bleibt ĂŒbrig, und in wie viele gleiche Teile ist das Ganze dann zerlegt?

Negative Exponenten

Was kommt nach 2⁰ = 1? Im Muster 2Âł = 8, 2ÂČ = 4, 2Âč = 2, 2⁰ = 1 wird bei jedem Schritt nach unten halbiert – also ist 2⁻Âč = 1/2 und 2⁻ÂČ = 1/4. Allgemein gilt , etwa . Ein negativer Exponent macht die Zahl nicht negativ, sondern fĂŒhrt zum Bruch mit ZĂ€hler 1. Bei den Zehnerpotenzen zeigt das Muster 10ÂČ = 100, 10Âč = 10, 10⁰ = 1, 10⁻Âč = 0,1 dasselbe: Jeder Schritt nach unten verschiebt das Komma um eine Stelle nach links.

Bei Zehnerpotenzen ist das besonders handlich: hat vier Nachkommastellen, die 1 steht an der vierten. So schreibt man sehr kleine GrĂ¶ĂŸen kurz auf.

Zahlenstrahl von 0 bis 1: 10⁻Âč bei 0,1, Ausschnitt 0 bis 0,10110⁻Âč 00,050,110⁻ÂČ
Unten ist der Bereich von 0 bis 0,1 zehnfach vergrĂ¶ĂŸert: 10⁻Âč = 0,1 liegt oben, 10⁻ÂČ = 0,01 unten – mit jeder VergrĂ¶ĂŸerung sinkt der Exponent um 1.

Rechenvorteile beim Malnehmen

Beim Malnehmen darf man Faktoren vertauschen und beliebig klammern. Damit bildet man glatte Paare: . Gute Paare sind Zehnerpaare und Kehrwerte: .

Dazu wĂ€hlt man die gĂŒnstigste Form. 0,25 · 48 rechnet man als „ein Viertel von 48“: 48 : 4 = 12. BrĂŒche eignen sich, wenn ein Anteil einer ganzen Zahl gesucht ist; DezimalbrĂŒche, wenn Kommastellen gezĂ€hlt werden. Der Bruch 1/3 wird aber nie durch 0,33 ersetzt: 1/3 · 90 = 30, aber 0,33 · 90 = 29,7. Ein Bruch mit kleinem Nenner wie 1/4, 3/4 oder 1/8 lĂ€sst sich im Kopf gut als „Teil von“ rechnen; sind alle Faktoren endliche DezimalbrĂŒche, zĂ€hlt man besser die Kommastellen. Am Ende prĂŒft man mit dem GrĂ¶ĂŸencheck, ob das Ergebnis die richtige GrĂ¶ĂŸenordnung hat.

Bei der Division gilt das nicht: 48 : 6 : 2 = 4, aber 48 : (6 : 2) = 16. Erst als Produkt 48 · 1/6 · 1/2 darf man wieder ordnen.

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