Elementare gebrochen-rationale Funktionen

25 Minuten · 8 Abschnitte

Je mehr Maler, desto weniger Tage – aber wie viel weniger?

Vier Maler streichen ein Haus in drei Tagen. Wie lange brauchen sechs? Wer „zwei Tage“ rechnet, hat ein Produkt im Kopf: Maler mal Tage bleibt gleich. Solche Größen heißen indirekt proportional, und ihr Graph ist die Hyperbel – eine Kurve, die den Achsen beliebig nahekommt, ohne sie je zu berühren. Wir lernen, sie zu zeichnen, zu verschieben, ihre Gleichung aus dem Bild abzulesen und sie in Natur und Technik wiederzufinden.

Indirekte Proportionalität

Je mehr, desto weniger

Vier Maler streichen ein Haus in drei Tagen. Wie lange brauchen sechs? Die Tabelle zeigt es: Mit doppelt so vielen Malern (2 → 4) dauert die Arbeit nur halb so viele Tage (6 → 3).

Was sich nie ändert, ist das Produkt: , zwölf Maler-Tage Arbeit. Zwei Größen mit immer gleichem Produkt heißen indirekt proportional. „Je mehr, desto weniger“ genügt dafür nicht: Wer für jeden weiteren Maler einen Tag abzieht, bekommt auch weniger Tage, aber jedes Mal ein anderes Produkt.

Ein naheliegender Denkfehler ist „ein Maler mehr, ein Tag weniger“. Mit 5 statt 4 Malern ergäbe das 2 Tage und das Produkt 10 statt 12. Richtig ist Tage.

Wertetabelle Maler und Tage Maler x 1 2 3 4 6 12 Tage y 12 6 4 3 2 1 ·2 :2 x · y 12 12 12 12 12 12
Doppelt so viele Maler, halb so viele Tage – das Produkt bleibt 12.

Das Produkt als Rechteck

Zeichnet man Maler und Tage als Rechteck, ist seine Fläche das Produkt: immer 12 Kästchen, mal breit und flach, mal schmal und hoch. Diese feste Zahl heißt a. Aus folgt der Term

Aus einem Wertepaar findet man a, indem man die Werte multipliziert: 4 Maler und 3 Tage ergeben . Für 6 Maler gilt dann Tage. Der Term gilt auch für Werte, die in der Tabelle fehlen, zum Beispiel für 5 Maler.

Verschiebe x. Wie ändern sich Breite und Höhe, und was bleibt an der Fläche gleich?

Die Hyperbel

Die zwei Äste

Wir tragen Wertepaare von ein: (1 | 6), (2 | 3), (3 | 2), (6 | 1), aber auch (0,5 | 12) und die negativen Paare (−2 | −3) und (−6 | −1). Verbindet man alle Punkte glatt, entsteht die Hyperbel, der Graph von . Sie besteht aus zwei getrennten Ästen: Zu gibt es keinen Punkt, also darf man die Äste nicht über die y-Achse hinweg verbinden.

Jeder Punkt P spannt mit den Achsen ein Rechteck auf. Seine Fläche ist immer 6 – das Produkt aus dem vorigen Abschnitt. Bei x = 1 ist das Rechteck 1 breit und 6 hoch, bei x = 6 ist es 6 breit und 1 hoch: dieselbe Fläche in anderer Form.

Ändere |x| und wechsle mit ± den Ast. Wie ändert sich das Rechteck, und was bleibt gleich?

Vorzeichen und Symmetrie

Ist a positiv, haben x und y dasselbe Vorzeichen, und die Äste liegen im I. und III. Quadranten. Bei negativem a liegen sie im II. und IV. Quadranten, denn dort ist das Produkt negativ. Ein größerer Betrag von a schiebt beide Äste weiter vom Ursprung weg.

Die Hyperbel ist punktsymmetrisch zum Ursprung: Mit liegt auch auf ihr, denn . Man muss also nur einen Ast berechnen und spiegelt ihn am Ursprung.

Ändere |a| und das Vorzeichen. In welchen Quadranten liegen die Äste, und wo liegt P′ zu P?

Definitionsmenge und Asymptoten

Die verbotene Null

Für darf man jede Zahl außer 0 einsetzen. Die Definitionsmenge ist . Was geschieht nahe der Null? Für ergibt sich : Je näher x an 0 rückt, desto größer wird y, ohne Grenze. Für x = 0,000001 wäre y schon sechs Millionen.

Der Graph schmiegt sich an die y-Achse an, berührt sie aber nie. Eine solche Gerade heißt Asymptote; hier ist es die senkrechte Asymptote .

Verkleinere x. Was passiert mit y, und wie nah kommt P der gestrichelten y-Achse?

Nähern, ohne zu erreichen

Wächst x, wird y kleiner: Für ist . Der Wert 0 wird aber nie erreicht, denn ein Bruch mit dem Zähler 6 ist nie 0. Die x-Achse ist die waagrechte Asymptote ; der Wert y = 0 kommt nicht vor. Merke den Unterschied: Bei der senkrechten Asymptote fehlt ein x-Wert, bei der waagrechten ein y-Wert.

Die Hyperbel kommt ihren Asymptoten beliebig nahe und schneidet sie nie. Beide zusammen bilden ein Kreuz, in dessen Ecken die zwei Äste hineinlaufen; verschiebt man den Graphen, wandert das Kreuz mit.

Vergrößere x. Wird y jemals 0, und wie ändert sich der Abstand von P zur x-Achse?

Verschieben mit b und c

Verschieben mit b

Die Hyperbel lässt sich verschieben. Ersetzt man x durch , entsteht Der Nenner ist 0 für : Dort liegt jetzt die senkrechte Asymptote, und es ist . Der Graph wandert um b nach rechts (bei negativem b nach links). Beispiel: Bei wandern die Punkte (1 | 2) und (2 | 1) von nach (4 | 2) und (5 | 1).

Vorsicht bei : Das ist , also b = −3. Der Graph liegt links, nicht rechts.

Ändere b und beobachte die grüne Asymptote. Wohin wandert der Graph bei negativem b?

Verschieben mit c

Addiert man eine Zahl c, wird jeder y-Wert um c größer: Der ganze Graph wandert um c nach oben (bei negativem c nach unten), und die waagrechte Asymptote liegt jetzt bei . Die Definitionsmenge bleibt , denn c berührt den Nenner nicht. Die Punkte (1 | 2) und (2 | 1) von wandern bei nach (1 | 5) und (2 | 4).

Ändere c. Was passiert mit der senkrechten Asymptote und was mit der waagrechten?

Beide zusammen

Beides zusammen ergibt Die Asymptoten und bilden ein Kreuz mit dem Mittelpunkt , und man liest ohne Rechnung ab: . Beispiel: hat und die Asymptoten und . Merke: b verschiebt nach rechts, c nach oben, und bei b steht das Minus schon in der Formel.

Stelle b = 1 und c = −1 ein. Wo liegt der Mittelpunkt M des Kreuzes?

Schnittpunkte mit den Achsen

Der y-Achsenabschnitt

Auf der y-Achse ist . Setzt man 0 ein, erhält man den Schnittpunkt: Für ist , der Schnittpunkt ist S(0 | −3). Das geht nur, wenn 0 zur Definitionsmenge gehört, also für . Bei liegt die senkrechte Asymptote auf der y-Achse: Es gibt keinen Schnittpunkt. Kontrolle: Für , also im Nenner, ist . Das Vorzeichen im Nenner ist die häufigste Fehlerquelle.

Ändere b und c und beobachte S. Welcher Wert im Feld f(0) folgt aus welchem Regler?

Die Nullstelle

Die Nullstelle löst . Für addiert man 1: . Also ist und , der Schnittpunkt ist N(3 | 0). Allgemein gilt Für liegt die waagrechte Asymptote auf der x-Achse: Es gibt keine Nullstelle. Die Hyperbel schneidet ihre Asymptoten nie, aber die Koordinatenachsen sehr wohl, wenn diese keine Asymptoten sind. Probe: . Und x = 1 ist keine Nullstelle, dort ist f gar nicht definiert.

Ändere |c| und das Vorzeichen. Wo liegt N, und wann verschwindet die Nullstelle?

Den Graphen zeichnen

So zeichnet man in drei Schritten. Man muss dazu nicht jeden Punkt einzeln ausrechnen: Das Kreuz und wenige sichere Punkte genügen.

1. Kreuz. Man zeichnet die Asymptoten und gestrichelt ein. Ihr Schnittpunkt ist der Mittelpunkt M(1 | −1).

2. Punkte. Für und rechnet man aus: , , und . Vom Mittelpunkt aus gilt immer , hier . Sichere Punkte sind die, bei denen man im Kopf rechnen kann; die Nullstelle und der y-Achsenabschnitt gehören dazu.

3. Äste. Durch die Punkte zeichnet man zwei Kurven, die sich dem Kreuz anschmiegen, ohne es zu schneiden. Ist , liegen die Äste rechts oben und links unten von M, ist , liegen sie links oben und rechts unten. Zur Kontrolle: Eine Kurve, die das Kreuz schneidet, ist falsch, ebenso ein Ast, der eine Asymptote berührt.

Gehe die Schritte 1 bis 3 durch, dann wechsle das Vorzeichen von a. Auf welcher Seite von M liegen die Äste?

Parameter aus dem Graphen

b und c ablesen

Umgekehrt liest man die Parameter aus dem Graphen ab. Die Asymptoten verraten b und c: Die senkrechte Asymptote liegt bei , die waagrechte bei . Liegen sie bei und , ist und , und im Nenner steht . Am Vorzeichen von a erkennt man die Lage der Äste: links oben und rechts unten heißt . Beispiel: Liegt das Kreuz bei und , steht im Nenner und hinter dem Bruch.

Bringe die cyanfarbene Kurve mit b, c, |a| und ± zur Deckung mit der grauen. Welcher Regler verschiebt das Kreuz, welcher dreht die Äste?

a aus einem Punkt

Ist das Kreuz bekannt, fehlt nur noch a. Man liest einen Punkt ab und rechnet Beispiel: und ergeben . Jeder andere Punkt liefert dasselbe Produkt, das ist die Probe. Die Gleichung lautet . Am besten liest man einen Punkt mit ganzzahligen Koordinaten ab; ein zweiter Punkt dient der Probe.

Bewege P auf beiden Ästen. Wie ändern sich x − b und y − c, und was bleibt gleich?

Modelle aus Natur und Technik

Konstantes Produkt

Indirekt proportionale Größen findet man überall, wo ein Produkt konstant bleibt. Liegt an einem Gerät eine feste Spannung von , gilt für Widerstand R und Stromstärke I: . Doppelter Widerstand, halbe Stromstärke. Die Zahl a = 6 hat eine Bedeutung und eine Einheit: Das Produkt ist die Spannung in Volt. Zur Kontrolle setzt man ein Paar ein: gehört zu , denn .

Ebenso gilt bei fester Strecke für die Fahrzeit , und bei einem Gas mit gleichbleibender Temperatur bleibt gleich.

Ändere R. Welcher Wert im Feld R · I bleibt gleich, und wie groß ist I bei doppeltem R?

Grenzen des Modells

Ein Modell gilt nur im sinnvollen Bereich. Für ist ausgeschlossen, und bei 2000 km/h sagt die Formel eine Zeit voraus, die für ein Auto Unsinn ist. Sinnvoll sind etwa 30 bis 130 km/h. Auch die Einheiten müssen zusammenpassen: v in km/h und t in h.

Vor dem Rechnen prüft man, ob das Produkt wirklich konstant ist. Wächst bei gleichbleibendem Tempo die Strecke mit der Zeit, sind beide Größen direkt proportional, nicht indirekt. Und im Sachzusammenhang ist oft nur ein Ast der Hyperbel gefragt (x > 0). Solche Modelle sind wichtig, weil sie mit einer festen Regel beschreiben, wie eine Größe sinkt, wenn die andere wächst.

Verschiebe v durch den grünen Bereich und darüber hinaus. Ab wann wird die Fahrzeit unsinnig?

Konzepte

ProportionalitätGebrochen-rationale FunktionenHyperbelAsymptoten