Daten und Diagramme

22 Minuten · 9 Abschnitte

Wie ehrlich ist ein Diagramm?

Die SchĂŒlerzeitung zeigt ein SĂ€ulendiagramm: Die Fußball-SĂ€ule ragt weit ĂŒber alle anderen hinaus. Beim NachzĂ€hlen zeigt sich, dass 8 von 20 Kindern der 6b Fußball genannt haben — und dass die Achse gar nicht bei 0 beginnt. Was sagt ein Anteil mehr als eine Anzahl? Wie liest und zeichnet man Diagramme, und woran erkennt man eines, das tĂ€uscht? Dieser Text fĂŒhrt Schritt fĂŒr Schritt von der Strichliste bis zum Mittelwert.

Absolute HĂ€ufigkeit

Die 20 Kinder der 6b nennen ihren Lieblingssport. Die Antworten in der Reihenfolge, in der sie eingesammelt werden, heißen Urliste: Fußball, Reiten, Fußball, Turnen, Schwimmen, 
 Daraus entsteht eine Strichliste. Jede Antwort ist ein Strich, jeder fĂŒnfte Strich quert die vier davor — so zĂ€hlt man in FĂŒnferbĂŒndeln und verzĂ€hlt sich seltener. So wird aus einer unĂŒbersichtlichen Urliste eine Tabelle, die man auf einen Blick lesen kann.

Strichliste: Fußball, Schwimmen, Turnen, Reiten in FĂŒnferbĂŒndelnLieblingssport der 6bFußballSchwimmenTurnenReiten
Strichliste zur Urliste der 6b: Jedes FĂŒnferbĂŒndel ist fĂŒnf Antworten.

Wie oft ein Wert vorkommt, heißt seine absolute HĂ€ufigkeit. „Fußball“ wurde 8-mal genannt: Die absolute HĂ€ufigkeit von Fußball ist 8.

Alle absoluten HĂ€ufigkeiten zusammen ergeben die Gesamtzahl n der Befragten: 8 + 5 + 4 + 3 = 20. Das ist die Probe — stimmt die Summe nicht, hat man sich verzĂ€hlt.

Aufpassen: Die HĂ€ufigkeit gehört zu einem Wert, sie ist nicht der Wert. Bei Schulnoten heißt „Die Note 2 kommt 7-mal vor“: Wert 2, HĂ€ufigkeit 7. Der hĂ€ufigste Wert ist die 2 — nicht die 7.

VerĂ€ndere mit dem Regler, wie oft Fußball genannt wurde. Was geschieht mit der Gesamtzahl n?

Relative HĂ€ufigkeit

Die 6b und die 6a haben dieselbe Frage beantwortet. Reiten nannten in der 6b 3 von 20 Kindern, in der 6a 6 von 40. Absolut sind das in der 6a doppelt so viele — die Klasse ist aber auch doppelt so groß. FĂŒr einen fairen Vergleich zĂ€hlt der Anteil.

Der Anteil heißt relative HĂ€ufigkeit: die absolute HĂ€ufigkeit geteilt durch die Gesamtzahl.

In der 6b ist sie 3/20, in der 6a 6/40 — beides ist derselbe Anteil: 3/20 = 6/40 = 15/100 = 0,15 = 15 %. Bruch, Dezimalbruch und Prozent sind drei Schreibweisen derselben Zahl. Alle relativen HĂ€ufigkeiten zusammen ergeben 1, also 100 %.

FÀrbe mit dem Regler KÀstchen ein. Wie hÀngen die drei Chips zusammen?

Deshalb hat nicht automatisch den grĂ¶ĂŸeren Anteil, wer die grĂ¶ĂŸere Zahl hat: In der einen Gruppe stimmen 7 von 10 zu, in der anderen 12 von 40. 12 ist mehr als 7 — aber 30 % sind weniger als 70 %.

Bruchstreifen: 7/10; 12/40 gefÀrbt 7/10 = 70 % 12/40 = 30 %
Gleich lange Streifen: Der Anteil zÀhlt, nicht die Anzahl der gefÀrbten Teile.

Diagramme lesen

An der ganzen Schule wurden 200 Kinder nach ihrem Lieblingssport gefragt. Im SĂ€ulendiagramm ist die Höhe einer SĂ€ule die absolute HĂ€ufigkeit. Zum Ablesen bestimmt man zuerst den Skalenschritt: Zwischen den beschrifteten Linien 0 und 20 liegt eine Linie ohne Zahl, also zĂ€hlt jeder Schritt 10 — nicht 1. Die SĂ€ule fĂŒr Schwimmen endet auf der fĂŒnften Linie: 5 · 10 = 50 Kinder.

Schiebe das Lineal an eine SĂ€ulenspitze und lies den Wert ab. Welche Linien tragen keine Zahl?

Zwei SĂ€ulen vergleicht man auf zwei Arten. „Wie viel mehr?“ fragt nach der Differenz: Fußball (80) hat 80 − 40 = 40 Kinder mehr als Turnen (40). „Wievielmal so viel?“ fragt nach dem Quotienten: 80 : 40 = 2, Fußball hat doppelt so viele Stimmen wie Turnen.

Im Kreisdiagramm ist jeder Sektor ein Anteil am Ganzen: ein halber Kreis sind 50 %, ein Viertel 25 %. Wie viele Kinder das sind, zeigt der Kreis nicht — dafĂŒr braucht man die Gesamtzahl n: Ein Viertel von 200 Kindern sind 50 Kinder.

Kreisdiagramm: Fußball 40 %, Schwimmen 25 %, Turnen 20 %, Reiten 15 % Fußball 40 % Schwimmen 25 % Turnen 20 % Reiten 15 %
Dieselben 200 Kinder als Kreisdiagramm: Die Sektoren zeigen Anteile, keine Anzahlen.

SĂ€ulendiagramm zeichnen

Aus einer HĂ€ufigkeitstabelle wird ein SĂ€ulendiagramm in drei Schritten.

Erstens die Skala. Sie beginnt bei 0, lĂ€uft in gleich großen Schritten und reicht ĂŒber den grĂ¶ĂŸten Wert hinaus. Ist der grĂ¶ĂŸte Wert 80, passt eine Skala von 0 bis 90 in 10er-Schritten.

Zweitens die SĂ€ulen. Alle SĂ€ulen sind gleich breit und haben gleiche AbstĂ€nde; jede Höhe ist Wert : Skalenschritt. Steht 1 cm fĂŒr 10 Kinder, ist die SĂ€ule fĂŒr 40 Kinder 40 : 10 = 4 cm hoch. Liegt ein Wert zwischen zwei Linien, etwa 45, endet die SĂ€ule genau dazwischen: 4,5 cm.

Stelle die Turnen-SÀule auf 45 ein. Wo endet sie im VerhÀltnis zu den Hilfslinien?

Drittens die Beschriftung. Ein Titel sagt, was gezÀhlt wird, und beide Achsen tragen eine Beschriftung. Zum Schluss vergleicht man jede SÀule mit der Tabelle: Ein Ablesefehler steckt fast immer in einer einzigen SÀule.

Warum beginnt die Skala bei 0? Nur dann zeigt die Höhe einer SĂ€ule wirklich, wie viel der Wert ist: doppelte Höhe bedeutet doppelten Wert. Fehlt diese Regel, tĂ€uscht das Diagramm — davon handelt ein spĂ€terer Abschnitt.

Kreisdiagramm zeichnen

Beim Kreisdiagramm wird aus dem Anteil ein Winkel. Der ganze Kreis hat 360° und steht fĂŒr 100 %. Also gehört zu 1 % ein Winkel von 3,6°, und es gilt:

FĂŒr Fußball mit 40 % ist der Winkel 0,4 · 360° = 144°, Schwimmen mit 25 % hat 90°. Der Winkel ist nicht die Prozentzahl: 25 % sind nicht 25°.

Ändere den Anteil mit dem Regler. Welchen Winkel gehört zu 25 %, zu 50 %, zu 75 %?

Ein zweiter Weg ist oft bequemer: Bei n = 20 Kindern gehören zu jedem Kind 360° : 20 = 18°. Fußball mit 8 Kindern hat 8 · 18° = 144° — dasselbe Ergebnis.

ZurĂŒck geht es mit der Umkehrung: Ein Sektor mit 72° ist 72° : 360° = 1/5 = 20 % des Kreises. Zur Probe mĂŒssen alle Winkel 360° ergeben: 144° + 90° + 72° + 54° = 360°. Auf Papier zeichnet man die Sektoren nacheinander mit dem Geodreieck, jeweils vom letzten Schenkel aus; kleine Ungenauigkeiten von ein bis zwei Grad sind normal.

SĂ€ule oder Kreis?

Dieselben Daten lassen sich als SÀulen und als Kreis zeigen. Welche Darstellung passt, hÀngt von der Frage ab: Will ich Teile eines Ganzen zeigen oder Anzahlen vergleichen?

Der Kreis zeigt, wie ein Ganzes aufgeteilt ist. Er braucht deshalb ein Ganzes: Jede Beobachtung liegt in genau einem Sektor, und alle Anteile ergeben 100 %. Darf jedes Kind bis zu drei Sportarten nennen, ergeben die Nennungen kein Ganzes — ihre Summe ist grĂ¶ĂŸer als die Zahl der Kinder.

Die SĂ€ulen vergleichen Anzahlen. Sie tragen auch viele Kategorien; ein Kreis mit acht Sektoren ist schon mĂŒhsam zu lesen, und die kleinen Sektoren lassen sich kaum noch vergleichen.

Balkendiagramm (Anzahl): Fußball 6, Tanzen 4, Schwimmen 3, Turnen 2, Reiten 2, Tennis 1, Judo 1, Sonstiges 1 0 2 4 6 Fußball 6 Tanzen 4 Schwimmen 3 Turnen 2 Reiten 2 Tennis 1 Judo 1 Sonstiges 1 Anzahl Kreisdiagramm: Fußball 30 %, Tanzen 20 %, Schwimmen 15 %, Turnen 10 %, Reiten 10 %, Tennis 5 %, Judo 5 %, Sonstiges 5 % Fußball 30 % Tanzen 20 % Schwimmen 15 % Turnen 10 % Reiten 10 % Tennis 5 % Judo 5 % Sonstiges 5 %
Acht Sportarten, 20 Kinder: Die SĂ€ulen liest man sofort, im Kreis sind die kleinen Sektoren kaum zu unterscheiden.

Auch beim Vergleich verschieden großer Gruppen entscheidet die Darstellung. Die 6c hat 10 Kinder, die 6d hat 40. Absolute SĂ€ulen machen die 6d ĂŒberall grĂ¶ĂŸer, weil sie mehr Kinder hat. Erst die Anteile zeigen, wo wirklich mehr Kinder Fußball wĂ€hlen.

Achsen prĂŒfen

Ein Diagramm kann tĂ€uschen, ohne dass eine Zahl falsch ist. Der hĂ€ufigste Trick: Die Achse beginnt nicht bei 0. Zwei Vereine haben 95 und 100 Mitglieder. Beginnt die Achse bei 90, sind die SĂ€ulen 5 und 10 Einheiten hoch — die zweite wirkt doppelt so hoch. Dabei ist 100 : 95 ≈ 1,05, es sind nur etwa 5 % mehr.

Schiebe den Beginn der Achse von 90 bis 0. Was geschieht mit dem VerhÀltnis der Höhen, was mit dem der Werte?

Der zweite Trick sind ungleiche Skalenschritte. Steht an der Achse 0, 10, 20, 40, 50, ist der Schritt von 20 auf 40 doppelt so lang wie die anderen: Ein Verlauf, der gleichmĂ€ĂŸig aussieht, steigt in Wahrheit ungleichmĂ€ĂŸig.

Drei PrĂŒffragen entlarven das: Wo beginnt die Achse? Sind alle Schritte gleich groß? Und wie groß ist das wahre VerhĂ€ltnis? Das rechnet man aus den beschrifteten Werten aus, nicht aus den Höhen. Deshalb gilt bei jedem Diagramm: zuerst die Achse ansehen — ihre Beschriftung verrĂ€t, ob die SĂ€ulen bei 0 beginnen.

SĂ€ulendiagramm (Mitglieder): Verein A 95, Verein B 100; die Achse beginnt erst bei 90 90 95 100 Mitglieder 95 Verein A 100 Verein B SĂ€ulendiagramm (Mitglieder): Verein A 95, Verein B 100 0 20 40 60 80 100 Mitglieder 95 Verein A 100 Verein B
Dieselben Zahlen, links mit Achse ab 90, rechts ab 0.

Bilder und BezugsgrĂ¶ĂŸen

Zwei weitere Tricks. Erstens Bildsymbole: FĂŒr „doppelt so viel“ zeichnet jemand das Symbol doppelt so hoch — und, damit es nicht verzerrt aussieht, auch doppelt so breit. Aber die FlĂ€che wĂ€chst mit Faktor mal Faktor: 2 · 2 = 4. Das Auge sieht vierfach. Ehrlich sind doppelt so viele Symbole oder nur die verdoppelte Höhe.

VergrĂ¶ĂŸere das Symbol mit dem Regler. Um welchen Faktor wĂ€chst die FlĂ€che, wenn Höhe und Breite k-mal so groß werden?

Zweitens fehlt oft die BezugsgrĂ¶ĂŸe. „Zwei Drittel sind dafĂŒr“ — zwei Drittel von wie vielen? Und „mehr FĂ€lle“ heißt nicht „grĂ¶ĂŸerer Anteil“: Eine Stadt mit 100 000 Einwohnern hat 500 FĂ€lle, ein Dorf mit 200 Einwohnern 40. Die Stadt hat mehr FĂ€lle, im Dorf aber ist jeder FĂŒnfte betroffen, in der Stadt nur einer von 200.

Aussagen prĂŒft man an den abgelesenen Zahlen. Steht in der Schlagzeile „verdoppelt“, im Diagramm aber 480 und 500, dann ist 500 : 480 ≈ 1,04 — nicht 2. Und man stellt nur Fragen, die das Diagramm beantworten kann: Es zeigt, wie viele Kinder Fußball wĂ€hlten, nicht warum.

Das arithmetische Mittel

Vier TĂŒrme sind 2, 4, 6 und 12 Klötze hoch. Geben die hohen TĂŒrme an die niedrigen ab, bis alle gleich hoch sind, hat jeder Turm 6 Klötze. Diese Höhe heißt arithmetisches Mittel, kurz Mittelwert; im Alltag sagt man auch Durchschnitt.

Gleiche die TĂŒrme mit dem Regler aus. Was bleibt gleich, was Ă€ndert sich?

Man rechnet es so: alle Werte addieren, durch die Anzahl der Werte teilen. RĂŒckwĂ€rts ist Mittelwert mal Anzahl die Summe: 6 · 4 = 24.

Aus einer HÀufigkeitstabelle zÀhlt jeder Wert so oft, wie er vorkommt. Kommt die Note 1 viermal vor, die Note 2 dreimal und die Note 3 dreimal, ist der Mittelwert (4 · 1 + 3 · 2 + 3 · 3) : 10 = 19 : 10 = 1,9.

Das Mittel liegt zwischen dem kleinsten und dem grĂ¶ĂŸten Wert und muss kein Datenwert sein: Der Mittelwert von 1 und 5 ist 3. Ein Ausreißer schiebt es stark. Nimmt man zu 2, 3 und 4 den Wert 100 dazu, springt der Mittelwert von 3 auf 27,25. Ein Durchschnitt beschreibt eine ganze Reihe von Werten mit einer einzigen Zahl — ĂŒber jeden einzelnen Wert sagt er nichts.

Konzepte

StatistikDatenDiagramme